28 Stolpersteine vor dem Haus für Mozart: Unterschied zwischen den Versionen

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28 Erinnerungssteine für [[NS-Opfer|Opfer]] der [[Nationalsozialismus|nationalsozialistischen Diktatur]] wurden am [[17. August]] [[2020]] vor dem Haus für Mozart auf dem [[Max-Reinhardt-Platz]] verlegt. 100 Jahre Salzburger Festspiele waren der Anlass, jener vertriebenen und ermordeten Künstler zu gedenken, die in den fast 20 Jahren von der Gründung bis zum [[Anschluss]] [[1938]] die Festspiele entscheidend mitgeprägt haben. Die [[Salzburger Festspiele]] nahmen daher die Anregung des [[Personenkomitee Stolpersteine|Personenkomitees Stolpersteine]] und der [[Israelitische Kultusgemeinde Salzburg|Israelitischen Kultusgemeinde]] dankbar auf, 28 [[Stolpersteine]] auf dem Max-Reinhardt-Platz prominent vor dem Haus für Mozart zu verlegen. Der [[Verein der Freunde der Salzburger Festspiele]] übernahm die finanzielle Patenschaft für diese 28 Stolpersteine.
28 Erinnerungssteine für [[NS-Opfer|Opfer]] der [[Nationalsozialismus|nationalsozialistischen Diktatur]] wurden am [[17. August]] [[2020]] vor dem Haus für Mozart auf dem [[Max-Reinhardt-Platz]] verlegt. 100 Jahre Salzburger Festspiele waren der Anlass, jener vertriebenen und ermordeten Künstler zu gedenken, die in den fast 20 Jahren von der Gründung bis zum [[Anschluss]] [[1938]] die Festspiele entscheidend mitgeprägt haben. Die [[Salzburger Festspiele]] nahmen daher die Anregung des [[Personenkomitee Stolpersteine|Personenkomitees Stolpersteine]] und der [[Israelitische Kultusgemeinde Salzburg|Israelitischen Kultusgemeinde]] dankbar auf, 28 [[Stolpersteine]] auf dem Max-Reinhardt-Platz prominent vor dem Haus für Mozart zu verlegen. Der [[Verein der Freunde der Salzburger Festspiele]] übernahm die finanzielle Patenschaft für diese 28 Stolpersteine.


"''Vergangenes Jahr wurde von zwei Seiten die Idee an uns herangetragen, das Jahr des Festspieljubiläums auch für ein sichtbares Erinnern zu nützen. Vom Personenkomitee Stolpersteine und Prof. [[Gert Kerschbaumer]], Thomas Randisek sowie von [[Hanna Feingold]], der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde. Wir haben diese Idee sehr gerne aufgenommen und die finanzielle Patenschaft für 28 weitere Stolpersteine übernommen. 100 Jahre Salzburger Festspiele sind ein würdiger Anlass, jener vertriebenen und ermordeten Künstlerinnen und Künstler zu gedenken, die in den fast 20 Jahren von der Gründung bis zum Anschluss 1938 die Festspiele entscheidend mitgeprägt haben. Nach dem [[Ersten Weltkrieg]] als Friedensprojekt ersonnen, haben die Festspiele die immerwährende Aufgabe dieser Mission gerecht zu werden. Friede ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Friede muss, wie es der wunderbare deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker, in einer seiner großen Reden betont hat, aktiv erkämpft werden: ‚Es hilft unendlich viel zum Frieden, nicht auf den anderen zu warten, bis er kommt, sondern auf ihn zuzugehen.‘ Wir dürfen rassistische Strömungen, wie auch den Antisemitismus, nicht wortlos ertragen, sondern müssen sie klar bekämpfen. Auch dazu können diese kleinen Steine beitragen'', sagt [[Festspielpräsidentin]] [[Helga Rabl-Stadler]].
"''Vergangenes Jahr wurde von zwei Seiten die Idee an uns herangetragen, das Jahr des Festspieljubiläums auch für ein sichtbares Erinnern zu nützen. Vom Personenkomitee Stolpersteine und Prof. [[Gert Kerschbaumer]], Thomas Randisek sowie von [[Hanna Feingold]], der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde. Wir haben diese Idee sehr gerne aufgenommen und die finanzielle Patenschaft für 28 weitere Stolpersteine übernommen. 100 Jahre Salzburger Festspiele sind ein würdiger Anlass, jener vertriebenen und ermordeten Künstlerinnen und Künstler zu gedenken, die in den fast 20 Jahren von der Gründung bis zum Anschluss 1938 die Festspiele entscheidend mitgeprägt haben. Nach dem [[Ersten Weltkrieg]] als Friedensprojekt ersonnen, haben die Festspiele die immerwährende Aufgabe dieser Mission gerecht zu werden. Friede ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Friede muss, wie es der wunderbare deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker, in einer seiner großen Reden betont hat, aktiv erkämpft werden: ‚Es hilft unendlich viel zum Frieden, nicht auf den anderen zu warten, bis er kommt, sondern auf ihn zuzugehen.‘ Wir dürfen rassistische Strömungen, wie auch den Antisemitismus, nicht wortlos ertragen, sondern müssen sie klar bekämpfen. Auch dazu können diese kleinen Steine beitragen''", sagt [[Festspielpräsidentin]] [[Helga Rabl-Stadler]].


"''Zum 100 Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele ist es höchste Zeit, die Gründerväter (aber auch -mütter, wie [[Berta Zuckerkandl]]) sowie die vielen weiteren jüdischen Protagonistinnen und Protagonisten zu würdigen und auf deren Schicksal aufmerksam zu machen. Ab heute und dauerhaft wird auf einem der wichtigsten Plätze der Salzburger Festspiele mit 28 Stolpersteinen an vertriebene Künstler erinnert. Für diese Initiative ist Präsidentin Rabl-Stadler sehr herzlich zu danken'', sagt Danielle Spera, die Direktorin des Jüdischen Museums.
"''Zum 100 Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele ist es höchste Zeit, die Gründerväter (aber auch -mütter, wie [[Berta Zuckerkandl]]) sowie die vielen weiteren jüdischen Protagonistinnen und Protagonisten zu würdigen und auf deren Schicksal aufmerksam zu machen. Ab heute und dauerhaft wird auf einem der wichtigsten Plätze der Salzburger Festspiele mit 28 Stolpersteinen an vertriebene Künstler erinnert. Für diese Initiative ist Präsidentin Rabl-Stadler sehr herzlich zu danken''", sagt Danielle Spera, die Direktorin des Jüdischen Museums.


"''Und was erwartete man von einer vertriebenen Künstlerin wie [[Margarete Wallmann]] nach der Befreiung? Glamour und Schweigen!'', sagt Historiker Gert Kerschbaumer, der die Biografien der 28 Künstler recherchierte, bei der Gedenkstunde. "''Vom Tod ihrer Eltern im KZ Bergen-Belsen sollte niemand etwas erfahren. Jahrzehnte danach erinnert ein Stein vor dem Festspielhaus an das Leben der Künstlerin.''
"''Und was erwartete man von einer vertriebenen Künstlerin wie [[Margarete Wallmann]] nach der Befreiung? Glamour und Schweigen!''", sagt Historiker Gert Kerschbaumer, der die Biografien der 28 Künstler recherchierte, bei der Gedenkstunde. "''Vom Tod ihrer Eltern im KZ Bergen-Belsen sollte niemand etwas erfahren. Jahrzehnte danach erinnert ein Stein vor dem Festspielhaus an das Leben der Künstlerin.''"


"''Dass dieses Projekt existiert, ist wunderbar. Wenn man sich, egal ob als Politiker oder als Individuum, nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzt, ist man kein richtiger Mensch. Musik bedeutet für jeden von uns etwas anderes. Musik kann alles ausrichten, sie ist Teil der Welt und gleichzeitig eine Welt für sich. Aber eines kann die Musik nicht ausdrücken: Lügen'', sagt Dirigent [[Daniel Barenboim]].
"''Dass dieses Projekt existiert, ist wunderbar. Wenn man sich, egal ob als Politiker oder als Individuum, nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzt, ist man kein richtiger Mensch. Musik bedeutet für jeden von uns etwas anderes. Musik kann alles ausrichten, sie ist Teil der Welt und gleichzeitig eine Welt für sich. Aber eines kann die Musik nicht ausdrücken: Lügen''", sagt Dirigent [[Daniel Barenboim]].


== "''Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.''==
== "''Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.''" ==
Diesen Satz aus dem Talmud nahm sich der Kölner Künstler Gunter Demnig zu Herzen. [[1992]] begann er damit, besondere Pflastersteine zu verlegen: Stolpersteine. Das sind zehn mal zehn Zentimeter kubische Betonsteine mit individuellen Inschriften auf Messingplaketten, die niveaugleich auf öffentlichem Grund für Opfer des NS-Terrors angebracht werden. [[1997]] wurden in [[St. Georgen bei Salzburg]] die ersten zwei Steine mit amtlicher Genehmigung verlegt. Zehn Jahre später folgten die ersten Stolpersteine an sieben Stellen in der Stadt Salzburg. Mit dem heutigen Tag liegen nun insgesamt 469 Stolpersteine in der Stadt Salzburg.
Diesen Satz aus dem Talmud nahm sich der Kölner Künstler Gunter Demnig zu Herzen. [[1992]] begann er damit, besondere Pflastersteine zu verlegen: Stolpersteine. Das sind zehn mal zehn Zentimeter kubische Betonsteine mit individuellen Inschriften auf Messingplaketten, die niveaugleich auf öffentlichem Grund für Opfer des NS-Terrors angebracht werden. [[1997]] wurden in [[St. Georgen bei Salzburg]] die ersten zwei Steine mit amtlicher Genehmigung verlegt. Zehn Jahre später folgten die ersten Stolpersteine an sieben Stellen in der Stadt Salzburg. Mit dem heutigen Tag liegen nun insgesamt 469 Stolpersteine in der Stadt Salzburg.