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Nicht uninteressant ist, wie es überhaupt zu dieser Halleiner Wochenschrift kam. Aus einer Eingabe an die [[Kurfürstentum Salzburg|kur­fürstliche]] [[Landesregierung]] in Salzburg vom [[4. Juli]] [[1804]] (L.-R.-Archiv, Regg.-Rub. 35, E.-Nr. 2) ist zu ersehen, daß sich Carl Johann Laurent, damals Buchhalter in der Duyleschen Buchhandlung in Salzburg, um eine „Buchhandlungs­
 
Nicht uninteressant ist, wie es überhaupt zu dieser Halleiner Wochenschrift kam. Aus einer Eingabe an die [[Kurfürstentum Salzburg|kur­fürstliche]] [[Landesregierung]] in Salzburg vom [[4. Juli]] [[1804]] (L.-R.-Archiv, Regg.-Rub. 35, E.-Nr. 2) ist zu ersehen, daß sich Carl Johann Laurent, damals Buchhalter in der Duyleschen Buchhandlung in Salzburg, um eine „Buchhandlungs­
und Schreibmaterialien Handlungskonzession“ für Hallein be­warb und zur Unterstützung seines Gesuches nachfolgende ^wahrhafte Beweggründe“ angab:
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und Schreibmaterialien Handlungskonzession“ für Hallein be­warb und zur Unterstützung seines Gesuches nachfolgende „wahrhafte Beweggründe“ angab:
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<blockquote>„1. Ist Hallein die vorzüglichste Provinzialstadt des [[Herzogtum Salzburg|Her­zogthums Salzburg]], die von allen Fremden ohne Unterschied besucht wird; sie zählet viele Beamte und Priester, und hat einen beträchtlichen Handelsstand aufzuweisen. Es würde daher ein solches Etablissement für das Publikum dieser Stadt und umliegender Gegend von wesentlichem Nutzen seyn; weil der Bücherliebhaber, und jeder welcher Schreibmaterialien nöthig hat, seinen Bedarf geschwinder, und wäre es auch nur der Porto's wegen wohlfeiler in der Stadt und Nähe haben könnte.
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<blockquote>''„1. Ist Hallein die vorzüglichste Provinzialstadt des [[Herzogtum Salzburg|Her­zogthums Salzburg]], die von allen Fremden ohne Unterschied besucht wird; sie zählet viele Beamte und Priester, und hat einen beträchtlichen Handelsstand aufzuweisen. Es würde daher ein solches Etablissement für das Publikum dieser Stadt und umliegender Gegend von wesentlichem Nutzen seyn; weil der Bücherliebhaber, und jeder welcher Schreibmaterialien nöthig hat, seinen Bedarf geschwinder, und wäre es auch nur der Porto's wegen wohlfeiler in der Stadt und Nähe haben könnte.
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2. Ist Bittsteller durch die Unterstützung eines Freundes in den Stand gesetzt, seinem Geschäfte eine feste Grundlage zu geben.
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''2. Ist Bittsteller durch die Unterstützung eines Freundes in den Stand gesetzt, seinem Geschäfte eine feste Grundlage zu geben.
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3. Hat sich Supplikant durch 22-jährige Erfahrung die zum Buch- und Schreibmaterialen-Handel nöthigen Kennt­nisse erworben, und glaubet auf zahlreiche Kundschaften rech­nen zu dürfen, indem er die Geschäfte des H. Buchhändlers und Buchdruckers [[Franz Xaver Duyle|Franz X. Duyle]] allhier durch 11 Jahre mit gänzlicher Zufriedenheit besorget, und in dieser langen Zwi­schenzeit das Locale genau kennen gelernt hat. Endlich
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''3. Hat sich Supplikant durch 22-jährige Erfahrung die zum Buch- und Schreibmaterialen-Handel nöthigen Kennt­nisse erworben, und glaubet auf zahlreiche Kundschaften rech­nen zu dürfen, indem er die Geschäfte des H. Buchhändlers und Buchdruckers [[Franz Xaver Duyle|Franz X. Duyle]] allhier durch 11 Jahre mit gänzlicher Zufriedenheit besorget, und in dieser langen Zwi­schenzeit das Locale genau kennen gelernt hat. Endlich
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4. hat er sich sowohl durch seine frühern Dienste in den solidesten Buchhandlungen des Auslandes, wo die Handel­schaft mit Schreibmaterialien gewöhnlich auch verbunden ist, als auch während seiner hiesigen Geschäftsführung viele Freunde erworben; er kann sohin Bücher und Materia­lien von erster Hand beziehen, und solche seinen Abnehmern um die billigsten Preise absetzen.“</blockquote>
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''4. hat er sich sowohl durch seine frühern Dienste in den solidesten Buchhandlungen des Auslandes, wo die Handel­schaft mit Schreibmaterialien gewöhnlich auch verbunden ist, als auch während seiner hiesigen Geschäftsführung viele Freunde erworben; er kann sohin Bücher und Materia­lien von erster Hand beziehen, und solche seinen Abnehmern um die billigsten Preise absetzen.“</blockquote>
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Doch wurde der kurfürstlichen Landesregierung in einem Gutachten, das auf Grund dieser Eingabe von Hallein an gefordert wurde, angelegentlichst die Abweisung der Bitte des J. C. Laurent empfohlen. Diese Schrift (ebenfalls L.-R.-Archiv, Regg.-Rub. 35, E.-Nr. 2) bemerkt eingangs, daß in Hal­lein bereits eine Buchführung (Schreibwarenhandlung) be­stehe, der Bedarf an und für sich schon nicht groß sei und die in Betracht kommenden Waren auch von anderen Kaufleuten geführt würden. Ein zweites Geschäft sei also gar nicht nötig. Die vom Bittsteller geplante Vereinigung einer Schreib­waren– mit einer Buchhandlung verspräche durchaus nicht mehr Erfolg,<blockquote>„denn außer Beamten und Geistlichkeit werden sich hier gar keine Bücher-Abnehmer finden, und beide diese Klassen sind theils schon mit den nöthigen Büchern versehen, oder schaffen sich theils des abgelebten Alters, theils des Un­vermögens wegen, keine Bücher an, und die sich mit Lektüre beschäftigen, suchen die Bücher entweder zu entlehnen (!) oder stehen schon mit denen Buchhandlungen in Salzburg oder anderen Orten in hergebrachtem Verkehre. Bey solcher mageren Aussicht des gewünschten Absatzes, wird über kurz oder lang die hiesige Stadt nur den sicheren Zuwachs einer erarmten Familie und dessen Unterhalt zu be­fahren haben, welcher bey derley großen Anzahl bereits an­sässiger Bürger durch einen Fremden nur noch drückender wird; und da Bittsteller seiner eigenen Angabe gemäß diesen Handel nur durch Unterstützung eines Freundes unternehmen kann, sohin kein eigenes Vermögen besitzt und die erste Stunde in Schulden sich setzen muß, so kann die gefürchtete Erarmung nur noch eher in Wirklichkeit übergehen...“ </blockquote>
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Doch wurde der kurfürstlichen Landesregierung in einem Gutachten, das auf Grund dieser Eingabe von Hallein an gefordert wurde, angelegentlichst die Abweisung der Bitte des J. C. Laurent empfohlen. Diese Schrift (ebenfalls L.-R.-Archiv, Regg.-Rub. 35, E.-Nr. 2) bemerkt eingangs, daß in Hal­lein bereits eine Buchführung (Schreibwarenhandlung) be­stehe, der Bedarf an und für sich schon nicht groß sei und die in Betracht kommenden Waren auch von anderen Kaufleuten geführt würden. Ein zweites Geschäft sei also gar nicht nötig. Die vom Bittsteller geplante Vereinigung einer Schreib­waren– mit einer Buchhandlung verspräche durchaus nicht mehr Erfolg,<blockquote>''„denn außer Beamten und Geistlichkeit werden sich hier gar keine Bücher-Abnehmer finden, und beide diese Klassen sind theils schon mit den nöthigen Büchern versehen, oder schaffen sich theils des abgelebten Alters, theils des Un­vermögens wegen, keine Bücher an, und die sich mit Lektüre beschäftigen, suchen die Bücher entweder zu entlehnen (!) oder stehen schon mit denen Buchhandlungen in Salzburg oder anderen Orten in hergebrachtem Verkehre. Bey solcher mageren Aussicht des gewünschten Absatzes, wird über kurz oder lang die hiesige Stadt nur den sicheren Zuwachs einer erarmten Familie und dessen Unterhalt zu be­fahren haben, welcher bey derley großen Anzahl bereits an­sässiger Bürger durch einen Fremden nur noch drückender wird; und da Bittsteller seiner eigenen Angabe gemäß diesen Handel nur durch Unterstützung eines Freundes unternehmen kann, sohin kein eigenes Vermögen besitzt und die erste Stunde in Schulden sich setzen muß, so kann die gefürchtete Erarmung nur noch eher in Wirklichkeit übergehen...“ </blockquote>
    
Diese Verhältnisse „machen es nicht rathsam, hiezu mein gehorsam­ stes Gutachten zu geben...“ (Franz von Agliardis.)
 
Diese Verhältnisse „machen es nicht rathsam, hiezu mein gehorsam­ stes Gutachten zu geben...“ (Franz von Agliardis.)