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| | ==Geschichte== | | ==Geschichte== |
| − | Aus seiner Errichtungszeit kennen wir die Gebäudebezeichnungen "''Neupaw''", "Neubau" oder "''palazzo nuovo''" ([[Vincenzo Scamozzi]]). Im Gebäude waren über Jahrhunderte Verwaltungseinrichtungen und das [[Landesgericht]] (bis [[1909]]) untergebracht, worauf die lange Zeit gebräuchliche Bezeichnung "Dikasterialgebäude" zurückzuführen ist. Ab dem späten [[19. Jahrhundert]] bürgerte sich der Name "Residenz-Neugebäude" ein. [[2002]] wurde es offiziell in '''Neue Residenz''' umbenannt.
| + | Anstelle der Neuen Residenz, die von [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]] errichtet wurde, standen zuvor der [[Seckauer Hof]], sowie eine große Anzahl von Bürgerhäusern. Schon [[1588]] hatte der Fürst mit der Demolierung der der etwa 55 Bürger- und [[Domherr]]<nowiki>enhäuser</nowiki> begonnen. Zunächst ging es auch nicht um die Errichtung einer Neuen Residenz, sondern um die Bau eines Palastes für seinen Bruder Hannibal und Familienangehörige der [[Raitenau]]. Dieser war bereits [[1602]] fertig gestellt. Nach einem Familien-Zwist diente der Palast als repräsentative Herberge für fremde Fürsten. Vielleicht war das auch Ersatzquartier für den Fürsterzbischof während des langwierigen Umbaus der [[Alte Residenz|Alten Residenz]]. |
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| − | Die ''Neue Residenz'' wurde von [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]] errichtet. Schon [[1588]] hatte der Fürst mit der Demolierung der dortigen Bürger- und [[Domherr]]<nowiki>enhäuser</nowiki> begonnen. Die von Fürsterzbischof [[Johann Jakob Kuen von Belasy]] in der alten Kirchgasse erst um [[1580]] fertig gestellte [[Salzburger Münze]] wurde ab [[18. August]] [[1605]] abgerissen, um mit dem Neubau der Neuen Residenz beginnen zu können.
| + | Der Bau erfolgte in mehreren Etappen und mit zahlreichen Planänderungen. |
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| − | Die geplante Nutzung ist nicht genau bekannt. Anfangs diente die Neue Residenz wohl als Wohnsitz für die Brüder des Fürsterzbischofs und als repräsentative Herberge für fremde Fürsten. Vielleicht war dieses Gebäude auch als Ersatzquartier für den Fürsterzbischof während des langwierigen Umbaus der [[Alte Residenz|Alten Residenz]] gedacht. Der Bau erfolgte in mehreren Etappen und mit zahlreichen Planänderungen.
| + | === Architektur-Bezug zum Residenzplatz === |
| | + | Aus der Errichtungszeit kennen wir die Gebäudebezeichnungen "''Neupaw''", "Neubau" oder "''palazzo nuovo''" ([[Vincenzo Scamozzi]]). |
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| − | Ursprünglich befand sich der Turm an der Ostseite des Innenhofs, wurde dort verbaut und wohl noch unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich ein neuer Turm der Westfassade zum Residenzplatz vorgesetzt. Dieser Turm wurde Anfang des [[18. Jahrhundert]]s aufgestockt und dort ein in den [[Niederlande]]n erworbenes [[Glockenspiel]] eingebaut.
| + | Die Planung für den Residenzplatz von Scamozzi sah - anderes als heute - eine Orientierung auf den Haupteingang zu dem in Nord-Süd-Richtung (!) stehenden Scamozzi-Dom vor, der durch je einen [[Arkadengang]] sowohl mit der Alten Residenz (im Westen) als auch mit der Neuen Residenz (im Osten) verbunden sein sollte. Über diesen Arkadengang sollte man - sowie heute durch die [[Salzburger_Residenz#Die_Dombögen|Dombögen]] - von einer Residenz in die andere - gehen können. |
| | + | Deswegen liegt - mutmaßlich - das Piano Nobile in der Neuen Residenz im zweiten Stock und ist das Stiegenhaus leicht seitlich aus der Mitte des Gebäudes gerückt. Geplant war zudem, dass vor der Ostfassade der Neuen Residenz (im Raum des heutigen Mozartplatzes) um einen Hof zudem ein zweistöckiges Gebäude hätte entstehen sollen. Im Norden war - ähnliche wie heute - vermutlich eine Gebäude[[Fluchtlinie|flucht]] geplant. Geschlossen hätte der Platz werden sollen durch ein spiegelgleich im Westen angeordnetes neues Marktgebäude. |
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| − | Fürsterzbischof [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg|Max Gandolf von Kuenburg]] ließ ab [[1674]] einen West- und einen Südflügel - die [[Salzburger Hofbibliothek|Hofbibliothek]] errichten. In diesen Anbauten befindet sich auch der [[Kuenburgsaal]]. | + | == Bauliche Erweiterungen == |
| | + | Im Süden der Neuen Residenz lag früher ein Garten (heute der zweite Innenhof). Fürsterzbischof [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg|Max Gandolf von Kuenburg]] ließ ab [[1674]] - einen Westflügel und einen Südflügel errichten, in dem sich die [[Salzburger Hofbibliothek|Hofbibliothek]] und der [[Kuenburgsaal]] befinden. |
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| − | Fürsterzbischof [[Hieronymus Graf Colloredo|Colloredo]] ließ [[1786]] das Zeughaus im Trakt an der Kaigasse räumen und diesen größtenteils zu Verwaltungsräumen umbauen.
| + | == Turm == |
| | + | Ursprünglich befand sich der Turm an der Ostseite des Innenhofs, wurde dort verbaut und wohl noch unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich als neuer Turm der Westfassade zum Residenzplatz vorgesetzt. |
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| − | === Alte Ansichten von 1710 (nach der gleichen Vorlage ausgearbeitet aber unterschiedlich stark überhöht) ===
| + | Der Turm wurde [[1701]] um einen achteckigen Aufsatz mit Rundbogen erhöht und dort ein in den [[Niederlande]]n erworbenes [[Glockenspiel]] eingebaut. |
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| | + | == Alte Ansichten == |
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| | Datei:Salzburg (Kupferstich) Matthäus Seutter 1740 Detail Nr 07 Neue Residenz.jpg|[[Salzburg (Kupferstich) Matthäus Seutter]], [[1710]] | | Datei:Salzburg (Kupferstich) Matthäus Seutter 1740 Detail Nr 07 Neue Residenz.jpg|[[Salzburg (Kupferstich) Matthäus Seutter]], [[1710]] |
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| | Datei:Salzburg Kupferstich 1750 Detail Nr 04 Neue Residenz.jpg|[[Salzburg (Kupferstich) Johann Friedrich Probst|Probst, Johann Friedrich; Stadtansicht von 1710, Detail Nr 04 ]] | | Datei:Salzburg Kupferstich 1750 Detail Nr 04 Neue Residenz.jpg|[[Salzburg (Kupferstich) Johann Friedrich Probst|Probst, Johann Friedrich; Stadtansicht von 1710, Detail Nr 04 ]] |
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| | + | == Nutzungsänderung == |
| | + | [[1786]] ließ Fürsterzbischof [[Hieronymus Graf Colloredo|Colloredo]] das Zeughaus im Trakt an der [[Kaigasse]] räumen und diesen größtenteils für Zwecke der Verwaltung umbauen. Heute ist hier das [[Amtsgebäude Kaigasse 2A]]. |
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| | + | Nach dem Ende des [[Erzbistum]]s wurden hier die Öffentliche Verwaltung und das [[Landesgericht]] (bis [[1909]]) untergebracht, worauf die lange Zeit gebräuchliche Bezeichnung "Dikasterialgebäude" zurückzuführen ist. Ab dem späten [[19. Jahrhundert]] bürgert sich auch der Name "Residenz-Neugebäude" ein. [[2002]] wurde es offiziell in '''Neue Residenz''' umbenannt. |
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| | ==Prunkräume== | | ==Prunkräume== |