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==Vom Kurfürstentum zum Bundesland - Der steinige Weg nach Österreich==
 
==Vom Kurfürstentum zum Bundesland - Der steinige Weg nach Österreich==
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Nach Jahrhunderten einer konstanten geistlichen Herrschaft wurde [[Salzburg]] zu einem Spielball der europäischen Politik. Zunächst bildete es mit Passau, Eichstätt und [[Berchtesgaden]] ein Kurfürstentum, mit dem [[Ferdinand III.|Großherzog Ferdinand]], der Bruder von Kaiser Franz II., für den Verlust der Toskana entschädigt wurde. Nach positiven Anfängen der neuen Regierung, die zur Errichtung einer [[Universität Salzburg|medizinischen Fakultät]] führten, fiel [[Salzburg]] schon drei Jahre später, [[1806]], an Bayern.  
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Nach Jahrhunderten einer konstanten geistlichen Herrschaft wurde [[Salzburg]] zu einem Spielball der europäischen Politik. Zunächst bildete es mit Passau, Eichstätt und [[Berchtesgaden]] ein [[Kurfürstentum Salzburg|Kurfürstentum]], mit dem [[Ferdinand III.|Großherzog Ferdinand]], der Bruder von Kaiser Franz II., für den Verlust der Toskana, Italien, entschädigt wurde. Nach positiven Anfängen der neuen Regierung, die zur Errichtung einer [[Universität Salzburg|medizinischen Fakultät]] führten, fiel [[Salzburg]] schon drei Jahre später, [[1806]], an [[Bayern]].  
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Nur die exponierte Lage an der Grenze zu Bayern, einem Verbündeten Napoleons, sicherte damals den Fortbestand des Landes. [[1809]] wurde [[Salzburg]] von französischen Truppen besetzt. Auf Initiative des kampferprobten Kapuzinerpaters [[Joachim Haspinger]], einem Gefährten des Tiroler Bauernführers Andreas Hofer, griffen auch die Salzburger zu den Waffen. In den Kämpfen um den [[Pass Lueg]] zeichneten sich [[Joseph Struber]], der Wirt vom [[Stegenwald]], [[Anton Wallner]] aus [[Krimml]] und [[Johann Panzl]] aus [[Mühlbach]] im [[Pinzgau]] mit ihren Schützen besonders aus. Nach dem Scheitern des Freiheitskampfes erpresste die französische Verwaltung unter Marschall Lefèbvre enorme Kontributionszahlungen aus dem völlig verarmten und verschuldeten Land.
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Nur die exponierte Lage an der Grenze zu Bayern, einem Verbündeten Napoleons, sicherte damals den Fortbestand des Landes. [[1809]] wurde [[Salzburg]] zum zweiten Mal von französischen Truppen besetzt. Auf Initiative des kampferprobten Kapuzinerpaters [[Joachim Haspinger]], einem Gefährten des Tiroler Bauernführers [[Andreas Hofer]], griffen auch die Salzburger zu den Waffen. In den Kämpfen um den [[Pass Lueg]] zeichneten sich [[Joseph Struber]], der Wirt von [[Stegenwald]], [[Anton Wallner]] aus [[Krimml]] und [[Johann Panzl]] aus [[Mühlbach im Pinzgau]] mit ihren Schützen besonders aus. Nach dem Scheitern des Freiheitskampfes erpresste die französische Verwaltung unter Marschall Lefèbvre enorme Kontributionszahlungen aus dem völlig verarmten und verschuldeten Land.
    
===Bayern verschleppen Wertgegenstände===
 
===Bayern verschleppen Wertgegenstände===
Die Machtergreifung durch den bayerischen König Max I. Joseph wurde [[1810]] in [[Salzburg]] freudig begrüßt. [[Kronprinz Ludwig]] residierte als Generalgouverneur des Inn- und [[Salzachkreis]]es im [[Schloss Mirabell]], wo sein Sohn [[Otto I. (Griechenland)|Otto]], der spätere König von Griechenland geboren wurde.  
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Die Machtergreifung durch Maximilian I. Josef, König von Bayern, wurde [[1810]] in [[Salzburg]] freudig begrüßt. [[Kronprinz Ludwig]] residierte als Generalgouverneur des Inn- und [[Salzachkreis]]es im [[Schloss Mirabell]], wo sein Sohn [[Otto I. (Griechenland)|Otto]], der spätere König von Griechenland, geboren wurde.  
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Die zentralistischen Reformen des Grafen Montgelas, die auch in Salzburg rücksichtslos durchgezogen wurden und [[1810]] zur Aufhebung der Universität führten, stießen jedoch auf wenig Gegenliebe. Als sich nach den Vereinbarungen von Ried ([[1813]]) für Bayern der Verlust Salzburgs abzeichnete, trachtete die Regierung noch rasch soviel wie möglich aus dem Land herauszupressen. Nachdem schon [[Ferdinand III.|Kurfürst Ferdinand]], die Franzosen und die Österreicher Kunstgegenstände, Bibliotheken und Archivalien aus [[Salzburg]] verschleppt hatten, führten die Bayern die letzten Bestände fort. Öffentliche Gebäude wurden verschleudert und wertvolle Liegenschaften wie die [[Hofbräu Kaltenhausen|Hofbrauerei Kaltenhausen]] und die Marmorsteinbrüche am [[Untersberg]], teilweise durch vordatierte Urkunden, in den Besitz der Wittelsbacher übertragen. Die Epoche der bayerischen Herrschaft hinterließ deshalb trotz ihres hoffnungsvollen Beginns in Salzburg einen bitteren Nachgeschmack.
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Die zentralistischen Reformen des Grafen Montgelas, die auch in Salzburg rücksichtslos durchgezogen wurden und [[1810]] zur Aufhebung der Universität führten, stießen jedoch auf wenig Gegenliebe. Als sich nach den Vereinbarungen von Ried ([[1813]]) für Bayern der Verlust Salzburgs abzeichnete, trachtete die Regierung noch rasch soviel wie möglich aus dem Land herauszupressen. Nachdem schon [[Ferdinand III.|Kurfürst Ferdinand]], die Franzosen und die Österreicher Kunstgegenstände, Bibliotheken und Archivalien aus [[Salzburg]] verschleppt hatten, führten die Bayern die letzten Bestände fort. Öffentliche Gebäude wurden verschleudert und wertvolle Liegenschaften wie die [[Hofbräu Kaltenhausen|Hofbrauerei Kaltenhausen]] und die [[Marmor]]steinbrüche am [[Untersberg]], teilweise durch vordatierte Urkunden, in den Besitz der Wittelsbacher übertragen. Die Epoche der bayerischen Herrschaft hinterließ deshalb trotz ihres hoffnungsvollen Beginns in Salzburg einen bitteren Nachgeschmack.
    
===Der oberösterreichischen Regierung unterstellt===
 
===Der oberösterreichischen Regierung unterstellt===
 
Auf dem Wiener Kongress war [[1816]] der Übergang Salzburgs an Österreich beschlossen worden. Mit dem [[Rupertiwinkel]] am linken Ufer der [[Salzach]] musste jedoch das wirtschaftlich wertvollste Gebiet an [[Bayern]] abgetreten werden, das Gericht ltter mit dem Markt Hopfgarten, das [[Zillertal]] und [[Windisch-Matrei]] (heute [[Matrei]] in [[Osttirol]]) wurden zu [[Tirol]] geschlagen.  
 
Auf dem Wiener Kongress war [[1816]] der Übergang Salzburgs an Österreich beschlossen worden. Mit dem [[Rupertiwinkel]] am linken Ufer der [[Salzach]] musste jedoch das wirtschaftlich wertvollste Gebiet an [[Bayern]] abgetreten werden, das Gericht ltter mit dem Markt Hopfgarten, das [[Zillertal]] und [[Windisch-Matrei]] (heute [[Matrei]] in [[Osttirol]]) wurden zu [[Tirol]] geschlagen.  
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Das völlig verschuldete und ausgeblutete [[Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] zierte zwar als "[[Herzogtum Salzburg|Herzogtum]]" den Titel des österreichischen Kaisers, verlor aber seine Selbständigkeit und wurde als fünfter Kreis der oberösterreichischen Landesregierung in Linz unterstellt. Mit dem Verlust der Residenz wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16.000 Bewohnern auf weniger als 12.000 zurück, Lustschlösser und Paläste verödeten und [[1818]] legte ein Brand den Stadtteil am [[Neustadt|rechten Salzachufer]] samt dem [[Schloss Mirabell]] in Schutt und Asche. Nach Missernten in den Jahren [[1814]] - [[1816]] forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung.
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Das völlig verschuldete und ausgeblutete [[Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] zierte zwar als "[[Herzogtum Salzburg|Herzogtum]]" den Titel des österreichischen Kaisers, verlor aber seine Selbständigkeit und wurde als fünfter Kreis der oberösterreichischen Landesregierung in Linz unterstellt. Mit dem Verlust der Residenz wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16.000 Bewohnern auf weniger als 12.000 zurück, Lustschlösser und Paläste verödeten und [[1818]] legte ein [[Brände Stadt Salzburg|Brand]] den Stadtteil am [[Neustadt|rechten Salzachufer]] samt dem [[Schloss Mirabell]] in Schutt und Asche. Nach Missernten in den Jahren [[1814]] bis [[1816]] forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung.
    
===Salzburg wird zum Betteldorf===
 
===Salzburg wird zum Betteldorf===
 
Der Beginn der österreichischen Herrschaft stand also unter keinem guten Stern. Die zentralistische Verwaltung des riesigen Kaiserstaates hatte ihrerseits für ein kleines Gebiet wie [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] kein Verständnis. Alle Bitten der Bürgerschaft um Wiederherstellung des Landes und der Landschaft, um Gewährung einer eigenen Landesregierung, um die Residenz eines kaiserlichen Prinzen in Salzburg und um Wiedererrichtung der Universität verhallten ungehört, ebenso die Klagen, dass Salzburg "zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken" sei.  
 
Der Beginn der österreichischen Herrschaft stand also unter keinem guten Stern. Die zentralistische Verwaltung des riesigen Kaiserstaates hatte ihrerseits für ein kleines Gebiet wie [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] kein Verständnis. Alle Bitten der Bürgerschaft um Wiederherstellung des Landes und der Landschaft, um Gewährung einer eigenen Landesregierung, um die Residenz eines kaiserlichen Prinzen in Salzburg und um Wiedererrichtung der Universität verhallten ungehört, ebenso die Klagen, dass Salzburg "zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken" sei.  
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Die Armut der Bevölkerung nahm zu und die intensive polizeiliche Überwachung und Bespitzelung in der Zeit des Vormärz ([[1816]] - [[1848]]) unterdrückte alle politischen Regungen. Das Bürgertum zog sich ins biedermeierliche Privatleben zurück und die Bevölkerung in Stadt und Land versank in tiefe Apathie und Hoffnungslosigkeit. "''Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, deren es viele und schöne gibt, wächst Gras, so wenig werden sie betreten''" schrieb [[Franz Schubert]] anlässlich seines Besuchs in Salzburg [[1837]].
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Die Armut der Bevölkerung nahm zu und die intensive polizeiliche Überwachung und Bespitzelung in der Zeit des Vormärz ([[1816]] bis [[1848]]) unterdrückte alle politischen Regungen. Das Bürgertum zog sich ins biedermeierliche Privatleben zurück und die Bevölkerung in Stadt und Land versank in tiefe Apathie und Hoffnungslosigkeit. "''Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, deren es viele und schöne gibt, wächst Gras, so wenig werden sie betreten''" schrieb [[Franz Schubert]] anlässlich seines Besuchs in Salzburg [[1837]].
    
===Salzburg kämpft sich zurück===
 
===Salzburg kämpft sich zurück===
Erst die Aktivitäten des aus Tirol stammenden Advokaten Dr. [[Alois Fischer]], der später Landeschef von Oberösterreich wurde, und das Revolutionsjahr [[1848]] führten zu einem Umschwung. Salzburg wurde zu einem Kronland der Monarchie und erhielt – verzögert durch die Ära des Neoabsolutismus – [[1860]]/[[1861|61]] eigene Landesbehörden und Landstände. Übergeordnete Behörden wie die Bundesbahndirektion, das Oberlandesgericht und die Post- und - Telegraphendirektion für Salzburg, die ihren Sitz in Linz hatten bzw. noch haben, erinnerten lange an die Zeit als fünfter Kreis von Oberösterreich, die von den Salzburgern als tiefe Erniedrigung empfunden wurde. Der Weg nach Österreich war steinig und entbehrungsreich!
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Erst die Aktivitäten des aus Tirol stammenden Advokaten Dr. [[Alois Fischer]], der später Landeschef von Oberösterreich wurde, und das Revolutionsjahr [[1848]] führten zu einem Umschwung. Salzburg wurde zu einem '''Kronland der Monarchie''' und erhielt – verzögert durch die Ära des Neoabsolutismus – [[1860]]/[[1861|61]] eigene Landesbehörden und Landstände. Übergeordnete Behörden wie die Bundesbahndirektion, das Oberlandesgericht und die Post- und Telegraphendirektion für Salzburg, die ihren Sitz in Linz hatten bzw. noch haben, erinnerten lange an die Zeit als fünfter Kreis von Oberösterreich, die von den Salzburgern als tiefe Erniedrigung empfunden wurde. Der Weg nach Österreich war steinig und entbehrungsreich!
    
===Ein Bauboom greift um sich===
 
===Ein Bauboom greift um sich===
Die Eröffnung der [[Westbahn|Kaiserin-Elisabeth-Westbahn]] im Jahr [[1860]], die Salzburg mit Wien und München verband, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Als [[Kaiser Franz Joseph I.]] im selben Jahr [[Salzburg]] als Festung aufließ und die Bastionen, die bis dahin die Stadt wie ein Korsett eingeschnürt hatten, der Bürgerschaft schenkte, setzte ein zunehmender Bauboom ein. Der Eisenbahnunternehmer [[Karl Freiherr von Schwarz]] führte die Regulierung der [[Salzach]] durch und nahm den Bau der "[[Neustadt]]" am rechten Salzachufer in Angriff. Das bürgerliche Selbstbewusstsein kam in großen Festen und in zahlreichen Vereinsgründungen, darunter der [[Internationale Stiftung Mozarteum|Internationalen Stiftung Mozarteum]] ([[1880]]) zum Ausdruck. Seit [[1870]] formierten sich die politischen Parteien, unter denen die Konservativen und die Liberalen dominierten. Der Liberalismus alter Prägung wurde jedoch am Ende des [[19. Jahrhundert]]s zunehmend von einem radikalen Deutschnationalismus und Antisemitismus abgelöst.
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Die Eröffnung der [[Westbahn|Kaiserin-Elisabeth-Westbahn]] im Jahr [[1860]], die Salzburg mit Wien und München verband, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Als [[Kaiser Franz Joseph I.]] im selben Jahr Salzburg als Festung aufließ und die Bastionen, die bis dahin die Stadt wie ein Korsett eingeschnürt hatten, der Bürgerschaft schenkte, setzte ein zunehmender Bauboom ein. Der Eisenbahnunternehmer [[Karl Freiherr von Schwarz]] führte die Regulierung der [[Salzach]] durch und nahm den Bau der "[[Neustadt]]" am rechten Salzachufer in Angriff. Das bürgerliche Selbstbewusstsein kam in großen Festen und in zahlreichen Vereinsgründungen, darunter der [[Internationale Stiftung Mozarteum|Internationalen Stiftung Mozarteum]] ([[1880]]) zum Ausdruck. Seit [[1870]] formierten sich die politischen Parteien, unter denen die Konservativen und die Liberalen dominierten. Der Liberalismus alter Prägung wurde jedoch am Ende des [[19. Jahrhundert]]s zunehmend von einem radikalen Deutschnationalismus und Antisemitismus abgelöst.
    
[[Kategorie: Kaiserliches Kronland (Geschichte)]]
 
[[Kategorie: Kaiserliches Kronland (Geschichte)]]
 
[[Kategorie:Geschichte]]
 
[[Kategorie:Geschichte]]