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| − | Nach den Forschungen von Pfarrer [[Andreas Radauer]] (seit 2009 [[Pfarre Elixhausen]], vorher [[Pfarre Mühlbach am Hochkönig]] und [[Pfarre Bischofshofen]]) ist es denkbar, dass Joseph Mohr während seiner Zeit in Hof oder [[Hintersee (Gemeinde)|Hintersee]] das spezielle „Stille-Nacht-Lied“ für Kinder reimte und vertonte, von dem noch zwei Strophen erhalten sind. Das Lied ist ein so genanntes „Ansingelied“, mit dem die Kinder Neujahrswünschen gegangen sind. Die Forschungen von O. Univ. Prof. Dr. Gerlinde Haid († 2012) brachten andere Ergebnisse. Das erwähnte Lied ist älter als das berühmte „Stille Nacht“, dessen Anfangsmotiv es eines Tages übernommen hatte. Die Verbindung zu Mohr kann sie nicht bestätigen. | + | Nach den Forschungen von Pfarrer [[Andreas Radauer]] (seit 2009 [[Pfarre Elixhausen]], vorher [[Pfarre Mühlbach am Hochkönig]] und [[Pfarre Bischofshofen]]) ist es denkbar, dass Joseph Mohr während seiner Zeit in Hof oder [[Hintersee (Gemeinde)|Hintersee]] das spezielle „Stille-Nacht-Lied“ für Kinder reimte und vertonte, von dem noch zwei Strophen erhalten sind. Das Lied ist ein so genanntes „Ansingelied“, mit dem die Kinder Neujahrswünschen gegangen sind. |
| | + | Andreas Radauer wurde 1934 als viertes von insgesamt sieben Kindern der Bauersleute Franz und Johanna Radauer geboren. Seine Großmutter väterlicherseits, Johanna Radauer, geboren 1880 als Johanna Enzinger, stammte vom Ederbauern in Thalgau-Egg ab. Schon ihre Vorfahren waren musikalisch sehr begabt und haben viel gesungen. Begünstigt durch die geographische Nähe zu Hof, so Pfarrer Radauer, könnten sie wegen der schulmusikalischen Arbeit von Joseph Mohr sehr wahrscheinlich Verbindung zu ihm gehabt haben. |
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| | + | Das Lied hat viele Jahre „geschlummert“, ein Teil davon, nämlich die Strophen 2 und 3 wurden jedoch glücklicherweise im Gedächtnis mehrerer Generationen bewahrt. Die „Radauer-Kinder“, die das Liedgut von ihrer Enzinger- Großmutter übernommen hatten, gingen damals mit diesem Lied zu den Verwandten „Neujahrswünschen“. Vor 42 Jahren kam das Lied wieder ans „musikalische Tageslicht“, indem es durch Andreas Radauer und seinen Schwestern Johanna und Maria am 5. Mai 1976 im Gasthaus Spatzenegger in Seekirchen am Wallersee, gesungen und von Gerlinde Haid aufgeschrieben wurde. |
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| | + | Frau Dr. Gerlinde Haid, geborene Hofer, 1943 in Bad Aussee geboren, 2012 in Innsbruck verstorben, zuletzt o. Professorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, berichtete, dass das Hirtenlied, bis zur Aufnahme in Seekirchen in der Literatur und Volksliedpflege nicht bekannt war. Sie meinte, dass es aus einer älteren Volksüberlieferung kommen könnte und älter sei als das berühmte „Stille Nacht“, dessen Anfangsmotiv es eines Tages übernommen habe. Unabhängig davon sagte Frau Prof. Gerlind Haid, dass dieses Lied es wert sei, besonders gewürdigt zu werden. „Nicht nur deswegen, weil es zu dem uns vertrauten Weihnachtslied offensichtlich in Beziehung steht, sondern weil es ein Schmucksteinchen aus dem Schatz der Volksüberlieferung sei, wie es Volksmusikforscher nur selten finden.“ |
| | + | Nach einem Volksliedseminar 1986 kam in der Presse die Meldung, dass mit diesem Lied eine mundartliche Urfassung von "Stille Nacht Heilige Nacht!" gefunden worden wäre. Haid widersprach und die Sache regte nun den Musikwissenschaftler Mag. Hermann Fritz, geb.1954 in Linz, u.a. auch Lektor an der UNI Mozarteum, zu einer neuerlichen Untersuchung an. Er ließ sich dazu 1986 in Mattsee von Pfarrer Radauer und seiner Schwester Johanna Dürager (1930-2017), Bäuerin in Mattsee, das Lied noch einmal vorsingen. Die eingehende Untersuchung ergab, dass das Lied nicht älter sein konnte, als das berühmte „Stille Nacht“, sondern jünger sein musste, weil es sich gänzlich mit Ausnahme der drei Schlusstakte aus Grubers Komposition ableiten lässt. Dass Mohr der Schöpfer des Liedes gewesen sei, war für Pfarrer Radauer sehr wahrscheinlich, der eindeutige „Vaterschaftsnachweis“ dafür konnte aber von den Wissenschaftlern nicht erbracht werden. |
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| | + | Es ist sehr erfreulich, dass dieses Lied am 27. November in Hof erstmalig in der Öffentlichkeit gesungen wurde. Unter den bewährten Sängerinnen unter der Leitung von Maria-Luise befanden sich auch die 4 Töchter der Familie Ebner (KAREB) in Hof. Deren Vater Karl Ebner, ein begeisteter Sänger, ehemals auch Vizebürgermeister von Hof, stammte mütterlicherseits ebenfalls vom Ederbauern in Thalgau-Egg ab: Karl Ebners Mutter Johanna, war eine Schwester von Pfarrer Radauers Großmutter Maria Enzinger, verheiratete Radauer. |
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| − | Vielleicht treffen sich einmal beide Forschungsergebnisse, wenn Mohr ein altes Hirtenlied vorgefunden hätte; vielleicht sogar bei der damals sehr musikalischen Familie Enzinger (Ederbauer) auf dem [[Egg (Thalgau)|Egg]] und dann dieses Lied melodisch und textlich in Anlehnung an das „Original-Stille-Nacht“ zu dem vorliegenden Lied umgestaltet hat?
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| | ;Die überlieferten Strophen des Liedes lauten: | | ;Die überlieferten Strophen des Liedes lauten: |