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| | == Geschichte == | | == Geschichte == |
| − | Die "Geburtswehen" begannen [[1909]]. Der ''[[Verein Naturschutzpark]]'' mit Sitz in Stuttgart, wurde 1909 in München gegründet und war beim Kosmos-Verlag in Stuttgart angesiedelt. Er setzte es sich vor allem zur Aufgabe vier typische und ursprüngliche Landschaften zwischen dem Meer und den Alpen durch die Gründung von vier Nationalparken zu sichern, einem großräumigen Schutzgebiet Wattenmeer, einem ebensolchen Schutzgebiet Lüneburger Heide, einem großen Schutzgebiet Bayrischer Wald und nicht zuletzt auch einen Alpennaturschutzpark in den [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]]. Zuerst waren in den Alpen dabei Flächen in den Niederen Tauern vorgesehen, deren Kauf aber an hohen Forderungen der dortigen Grundbesitzer scheiterte. Der Fünfjahres-Pachtvertrag vom 1.1.1912, der 40 ha Wald von Graf v. Bordeau in der Gemeinde Schladming betraf, wurde nicht verlängert. Damals schrieb der Salzburger Anwalt, Landtagsabgeordnete und zeitweilig auch Landeshauptmann-Stellvertreter [[August Prinzinger]] dem neuen ''Verein Naturschutzpark e.V'', dass ''(...) jedes Zeitalter hat seine Einseitigkeit, seinen großen Irrtum, den die Nachkommen als solchen erkennen, bereuen und beklagen. Unsere Zeit krankt an der Missachtung und der Misshandlung der Natur. Die Naturschutzbewegung ist eine zeitgemäße Auflehnung gegen diesen Gang.'' | + | Die "Geburtswehen" begannen [[1909]]. Der ''Verein Naturschutzpark'' mit Sitz in Stuttgart, wurde 1909 in München gegründet und war beim Kosmos-Verlag in Stuttgart angesiedelt. Er setzte es sich vor allem zur Aufgabe vier typische und ursprüngliche Landschaften zwischen dem Meer und den Alpen durch die Gründung von vier Nationalparken zu sichern, einem großräumigen Schutzgebiet Wattenmeer, einem ebensolchen Schutzgebiet Lüneburger Heide, einem großen Schutzgebiet Bayrischer Wald und nicht zuletzt auch einen Alpennaturschutzpark in den [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]]. Zuerst waren in den Alpen dabei Flächen in den Niederen Tauern vorgesehen, deren Kauf aber an hohen Forderungen der dortigen Grundbesitzer scheiterte. Der Fünfjahres-Pachtvertrag vom 1.1.1912, der 40 ha Wald von Graf v. Bordeau in der Gemeinde Schladming betraf, wurde nicht verlängert. Damals schrieb der Salzburger Anwalt, Landtagsabgeordnete und zeitweilig auch Landeshauptmann-Stellvertreter [[August Prinzinger]] dem neuen ''Verein Naturschutzpark e.V'', dass ''(...) jedes Zeitalter hat seine Einseitigkeit, seinen großen Irrtum, den die Nachkommen als solchen erkennen, bereuen und beklagen. Unsere Zeit krankt an der Missachtung und der Misshandlung der Natur. Die Naturschutzbewegung ist eine zeitgemäße Auflehnung gegen diesen Gang.'' |
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| | Der Verein erwarb in Zusammenarbeit mit Prinzinger [[1913]] im hintersten [[Stubachtal]] 1 100 Hektar [[Alm]]en. Die Absicht war, ''charakteristische Landschaften in den Hochalpen als Naturschutzgebiete zu retten.'' Dies war die Keimzelle des heutigen Nationalparks Hohe Tauern. | | Der Verein erwarb in Zusammenarbeit mit Prinzinger [[1913]] im hintersten [[Stubachtal]] 1 100 Hektar [[Alm]]en. Die Absicht war, ''charakteristische Landschaften in den Hochalpen als Naturschutzgebiete zu retten.'' Dies war die Keimzelle des heutigen Nationalparks Hohe Tauern. |
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| | [[1914]] kündige ein Rheinländer an, er wolle 41 km² Bergland um die [[Pasterze]] am [[Großglockner (Berg)|Großglockner]] kaufen und ab [[1. August]] für den Touristenverkehr sperren. Er wollte [[Steinbock|Steinböcke]] zur Jagd ansiedeln. Drei Tage vor diesem Termin erledigte aber der Ausbruch des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] diese Sache von selbst. | | [[1914]] kündige ein Rheinländer an, er wolle 41 km² Bergland um die [[Pasterze]] am [[Großglockner (Berg)|Großglockner]] kaufen und ab [[1. August]] für den Touristenverkehr sperren. Er wollte [[Steinbock|Steinböcke]] zur Jagd ansiedeln. Drei Tage vor diesem Termin erledigte aber der Ausbruch des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] diese Sache von selbst. |
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| − | Aber schon [[1918]] klärte der Villacher Holzindustrielle [[Albrecht Wirth]] die Verhältnisse für die Zukunft. Er kaufte um knapp € 4.000.-- (Geldwert 2006) 41 km² Ödland um die Pasterze und schenkte sie dem Deutsch-Österreichischen [[Alpenverein]] mit der Auflage, ''(...) für ewige Zeiten als Naturschutzgebiet der spekulativen alpinen [[Fremdenverkehr|Fremdenindustrie]] zu entziehen...''. | + | Aber schon [[1918]] klärte der Villacher Holzindustrielle [[Albrecht Wirth]] die Verhältnisse für die Zukunft. Er kaufte um knapp € 4.000.-- (Geldwert 2006) 41 km² Ödland um die Pasterze und schenkte sie dem Deutschen u. Österreichischen [[Alpenverein]] mit der Auflage, ''(...) für ewige Zeiten als Naturschutzgebiet der spekulativen alpinen [[Fremdenverkehr|Fremdenindustrie]] zu entziehen...''. |
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| − | 1919 wurde ein Teil der Hohen Tauern vom Land Salzburg vorerst als Pflanzenschutzgebiet ausgewiesen. Gleichzeitig übernahm Dr. [[Heinrich Medicus]] (Salzburg) die Präsidentschaft für den österreichischen Antail des Naturschutzpark-Vereines. Ein erster Entwurf eines ''Naturschutzgebietes Nationalpark Hohe Tauern'' stammt aus dem Jahr 1939, nachdem schon Jahre vorher die Errichtung eines Tauernparkes vielfacht diskutiert worden war. 1929 hatte anderseits der Salzburger Landtag beschlossen eine Studiengesellschaft zu gründen die ein Projekt prüfen sollte, das die Ableitung und energetische Nutzung aller Tauernbäche über insgesamt 1000 km Hangkanälen vorsah. Zwei Stauwerke sollten im [[Kaprunertal]] entstehen (Moserboden, Orglerboden) eine dritte riesige Stufe bei [[St. Johann im Pongau]]. Der Verein Naturschutzpark stellte damals fest, "''dass unser Alpenpark durch das Tauernprojekt vernichtet wird und alle unsere Arbeit umsonst geleistet, das viele Geld vergebens aufgewendet wird.''" Dr. Heinrich Medicus berichtete als damaliger österr. Präsident des Vereins Naturschutzparke im Juli 1929 aber auch, dass dieser Plan in der österreichischen Bevölkerung auf massiven Widerstand stößt und nur die Arbeiterkammer den Plan unterstützt. Zwar waren von den folgenden konkreten Kraftwerksplanungen die Flächen des Vereines noch nicht unmittelbar betroffen, die Unberührtheit des Tales war aber schon mit dem für die Kraftwerksarbeiten erforderlichen Straßenbau durch den dortigen [[Wiegenwald]] verloren. | + | 1919 wurde ein Teil der Hohen Tauern vom Land Salzburg vorerst als Pflanzenschutzgebiet ausgewiesen. Gleichzeitig übernahm Dr. [[Heinrich Medicus]] (Salzburg) die Präsidentschaft für den österreichischen Anteil des Naturschutzpark-Vereines. Ein erster Entwurf eines ''Naturschutzgebietes Nationalpark Hohe Tauern'' stammt aus dem Jahr 1939, nachdem schon Jahre vorher die Errichtung eines Tauernparkes vielfacht diskutiert worden war. 1929 hatte anderseits der Salzburger Landtag beschlossen eine Studiengesellschaft zu gründen die ein Projekt prüfen sollte, das die Ableitung und energetische Nutzung aller Tauernbäche über insgesamt 1000 km Hangkanälen vorsah. Zwei Stauwerke sollten im [[Kaprunertal]] entstehen (Moserboden, Orglerboden) eine dritte riesige Stufe bei [[St. Johann im Pongau]]. Der Verein Naturschutzpark stellte damals fest, "''dass unser Alpenpark durch das Tauernprojekt vernichtet wird und alle unsere Arbeit umsonst geleistet, das viele Geld vergebens aufgewendet wird.''" Dr. Heinrich Medicus berichtete als damaliger österr. Präsident des Vereins Naturschutzparke im Juli 1929 aber auch, dass dieser Plan in der österreichischen Bevölkerung auf massiven Widerstand stößt und nur die Arbeiterkammer den Plan unterstützt. Zwar waren von den folgenden konkreten Kraftwerksplanungen die Flächen des Vereines noch nicht unmittelbar betroffen, die Unberührtheit des Tales war aber schon mit dem für die Kraftwerksarbeiten erforderlichen Straßenbau durch den dortigen [[Wiegenwald]] verloren. |
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| − | Als [[1935]] die [[Großglockner Hochalpenstraße]] eröffnet wurde, tauchten Visionen auf: vom [[Wasserfallwinkel]] am Ende des [[Gamsgrubenweg]]es sollte eine Seilbahn auf den [[Fuscherkar-Kopf]] errichtet werden, ''(...) als österreichisches Gegenstück zur Bahn auf das Jungfraujoch (Schweiz)...''. Doch der Grundbesitzer, der Deutsch-österr. [[Oesterreichischer Alpenverein|Alpenverein]], gewann vor dem Höchstgericht gegen dieses Vorhaben und legte strenge Auflagen für den Bau des Gamsgrubenweges fest. | + | Als [[1935]] die [[Großglockner Hochalpenstraße]] eröffnet wurde, tauchten Visionen auf: vom [[Wasserfallwinkel]] am Ende des [[Gamsgrubenweg]]es sollte eine Seilbahn auf den [[Fuscherkar-Kopf]] errichtet werden, ''(...) als österreichisches Gegenstück zur Bahn auf das Jungfraujoch (Schweiz)...''. Doch der Grundbesitzer, der Deutsche und Österr. [[Oesterreichischer Alpenverein|Alpenverein]], gewann vor dem Höchstgericht gegen dieses Vorhaben und legte strenge Auflagen für den Bau des Gamsgrubenweges fest. |
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| | Um einer Enteignung zu entgehen, musste der Verein 1940 einwilligen, die Flächen im Stubachtal gegen ähnliche Ersatzflächen im Oberen und Unteren Sulzbachtal zu tauschen. 1942 wurden als Vorarbeit für den Nationalpark salzburger Gebiete der Hohen Tauern nach dem Reichsnaturschutzgesetz als alpines Landschaftsschutzgebiet geschützt. | | Um einer Enteignung zu entgehen, musste der Verein 1940 einwilligen, die Flächen im Stubachtal gegen ähnliche Ersatzflächen im Oberen und Unteren Sulzbachtal zu tauschen. 1942 wurden als Vorarbeit für den Nationalpark salzburger Gebiete der Hohen Tauern nach dem Reichsnaturschutzgesetz als alpines Landschaftsschutzgebiet geschützt. |