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| | ==1816 bis 1848: Der Salzachkreis als 5. Kreis von Österreich ob der Enns == | | ==1816 bis 1848: Der Salzachkreis als 5. Kreis von Österreich ob der Enns == |
| | ===Staatsrechtlicher Rahmen === | | ===Staatsrechtlicher Rahmen === |
| − | Im Vertrag von Ried (1813) war die Grenzziehung zwischen Bayern und Österreich nur vage geregelt worden, nach massivem österreichischem Druck musste sich Bayern zum Vertrag von München ([[1816]]) bequemen. | + | Im Vertrag von [[Ried im Innkreis|Ried]] ([[1813]]) war die Grenzziehung zwischen Bayern und Österreich nur vage geregelt worden, nach massivem österreichischem Druck musste sich Bayern zum Vertrag von München ([[1816]]) bequemen. |
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| | Am [[1. Mai]] 1816 kam Salzburg (mit einigen anderen Gebieten) daher endgültig zu Österreich. Bayern behielt das wirtschaftlich wertvolle Gebiet des [[Rupertiwinkel]]s am linken Ufer der Salzach<!--[[Benutzer:Scriptor|Scriptor19:31, 7. Jul. 2012 (CEST)--> und ebenfalls das nur kurz zu Salzburg gehörige [[Berchtesgadener Land]]. | | Am [[1. Mai]] 1816 kam Salzburg (mit einigen anderen Gebieten) daher endgültig zu Österreich. Bayern behielt das wirtschaftlich wertvolle Gebiet des [[Rupertiwinkel]]s am linken Ufer der Salzach<!--[[Benutzer:Scriptor|Scriptor19:31, 7. Jul. 2012 (CEST)--> und ebenfalls das nur kurz zu Salzburg gehörige [[Berchtesgadener Land]]. |
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| | Aus der Sicht der damaligen österreichischen Staatsdoktrin war dies im Wesentlichen die Wiederherstellung eines früheren (mit höherer Legitimität versehenen) Zustandes, sodass schon im Vertrag von München die Gebietsabtretung als „Rückgabe“ des 1809 abgetretenen Herzogtums Salzburg bezeichnet wurde. | | Aus der Sicht der damaligen österreichischen Staatsdoktrin war dies im Wesentlichen die Wiederherstellung eines früheren (mit höherer Legitimität versehenen) Zustandes, sodass schon im Vertrag von München die Gebietsabtretung als „Rückgabe“ des 1809 abgetretenen Herzogtums Salzburg bezeichnet wurde. |
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| − | Allerdings wurden sogleich das [[Zillertal]] und das Brixental (Gericht [[Itter]] mit dem Markt Hopfgarten), die bisher zu Salzburg gehört hatten, dem Land Tirol zugeschlagen. Damit war der Gebietsstand erreicht, der bis heute (von kleinen Grenzbereinigungen im Gefolge von Flussregulierungen udgl.) unverändert geblieben ist. | + | Allerdings wurden sogleich das [[Zillertal]] und das [[Brixental]] (Gericht [[Itter]] mit dem Markt Hopfgarten), die bisher zu Salzburg gehört hatten, dem [[Tirol|Land Tirol]] zugeschlagen. Damit war der Gebietsstand erreicht, der bis heute (von kleinen Grenzbereinigungen im Gefolge von Flussregulierungen udgl.) unverändert geblieben ist. |
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| − | Das Land wurde als fünfter Kreis von ''Österreich ob der Enns'' (Oberösterreich) und der Landesregierung in Linz unterstellt. Nur dem Namen nach führte dieser Salzachkreis auch den Titel eines Herzogtums Salzburg weiter. Alle Bitten der Bürgerschaft um Gewährung einer eigenen Landesregierung, um die Residenz eines kaiserlichen Prinzen in Salzburg und um Wiedererrichtung der [[Universität Salzburg|Universität]] verhallten ungehört, ebenso die Klagen, dass Salzburg ''"zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken"'' sei. Die zentralistische Verwaltung des riesigen Kaiserstaates hatte für ein kleines Gebiet wie Salzburg kein Verständnis. | + | Das Land wurde als fünfter Kreis von ''Österreich ob der Enns'' (Oberösterreich) und der Landesregierung in Linz unterstellt. Nur dem Namen nach führte dieser [[Salzachkreis]] auch den Titel eines Herzogtums Salzburg weiter. Alle Bitten der Bürgerschaft um Gewährung einer eigenen [[Landesregierung]], um die Residenz eines kaiserlichen Prinzen in Salzburg und um Wiedererrichtung der [[Universität Salzburg|Universität]] verhallten ungehört, ebenso die Klagen, dass Salzburg "''zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken''" sei. Die zentralistische Verwaltung des riesigen Kaiserstaates hatte für ein kleines Gebiet wie Salzburg kein Verständnis. |
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| | Aufgeschlossener war der Kaiser gegenüber dem Wunsch nach Wiedererrichtung der [[Salzburger Landstände]], zumal die Deutsche Bundesakte die Einführung landständischer Verfassungen in allen Bundesstaaten (der Kaiser von Österreich gehörte dem Deutschen Bund mit allen seinen vormals zum ''Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation'' zählenden Besitzungen an) vorsah. Dies wurde aber von der Landesregierung von Österreich ob der Enns hintertrieben. Die Entscheidung, ob Salzburg eigene [[Salzburger Landstände|Landstände]] erhalten oder ob Vertreter Salzburgs in die Landstände Österreichs ob der Enns aufgenommen – und Salzburg damit seine verfassungsrechtliche Eigenständigkeit verlieren – sollte, blieb bis 1848 in Schwebe. | | Aufgeschlossener war der Kaiser gegenüber dem Wunsch nach Wiedererrichtung der [[Salzburger Landstände]], zumal die Deutsche Bundesakte die Einführung landständischer Verfassungen in allen Bundesstaaten (der Kaiser von Österreich gehörte dem Deutschen Bund mit allen seinen vormals zum ''Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation'' zählenden Besitzungen an) vorsah. Dies wurde aber von der Landesregierung von Österreich ob der Enns hintertrieben. Die Entscheidung, ob Salzburg eigene [[Salzburger Landstände|Landstände]] erhalten oder ob Vertreter Salzburgs in die Landstände Österreichs ob der Enns aufgenommen – und Salzburg damit seine verfassungsrechtliche Eigenständigkeit verlieren – sollte, blieb bis 1848 in Schwebe. |
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| | ===Salzburg als Betteldorf=== | | ===Salzburg als Betteldorf=== |
| − | Der Beginn der österreichischen Herrschaft stand für Salzburg unter keinem guten Stern: | + | :''Haupartikel: [[Salzburg - vom Betteldorf zum reich gesegneten Land]]'' |
| | + | Der Beginn der österreichischen Herrschaft stand für Salzburg unter keinem guten Stern: Mit dem Verlust der Residenzfunktion wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16 000 auf weniger als 12 000 Bewohner zurück. Lustschlösser und Paläste verödeten. |
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| − | Mit dem Verlust der Residenzfunktion wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16.000 auf weniger als 12.000 Bewohner zurück. Lustschlösser und Paläste verödeten.
| + | Nach Missernten in den Jahren [[1814]] bis 1816 forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung. [[1818]] legte ein [[Stadtbrand Salzburg 1818|Brand]] den Stadtteil am rechten Salzachufer samt dem [[Schloss Mirabell]] in Schutt und Asche. |
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| − | Nach Missernten in den Jahren [[1814]] bis 1816<ref>Vgl. den [[Wikipedia]]-Artikel [http://de.wikipedia.org/wiki/Jahr_ohne_Sommer Jahr ohne Sommer.]</ref> forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung. [[1818]] legte ein [[Stadtbrand Salzburg 1818|Brand]] den Stadtteil am rechten Salzachufer samt dem [[Schloss Mirabell]] in Schutt und Asche. | |
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| | Die Armut der Bevölkerung nahm zu und die intensive polizeiliche Überwachung und Bespitzelung in der Zeit des Vormärz ([[1815]] - [[1848]]) unterdrückte alle politischen Regungen. Das Bürgertum zog sich ins [[biedermeier]]liche Privatleben zurück und die Bevölkerung in Stadt und Land versank in tiefe Apathie und Hoffnungslosigkeit. "''Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, deren es viele und schöne gibt, wächst Gras, so wenig werden sie betreten''", schrieb [[Franz Schubert]] anlässlich seines Besuchs in Salzburg [[1825]]. | | Die Armut der Bevölkerung nahm zu und die intensive polizeiliche Überwachung und Bespitzelung in der Zeit des Vormärz ([[1815]] - [[1848]]) unterdrückte alle politischen Regungen. Das Bürgertum zog sich ins [[biedermeier]]liche Privatleben zurück und die Bevölkerung in Stadt und Land versank in tiefe Apathie und Hoffnungslosigkeit. "''Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, deren es viele und schöne gibt, wächst Gras, so wenig werden sie betreten''", schrieb [[Franz Schubert]] anlässlich seines Besuchs in Salzburg [[1825]]. |
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| | Erst die Aktivitäten des aus Tirol stammenden Advokaten Dr. [[Alois Fischer]], der später Landespräsident von [[Oberösterreich]] wurde, und das Revolutionsjahr [[1848]] führten zu einem Umschwung. Salzburg wurde zu einem Kronland der Monarchie und erhielt – verzögert durch die Ära des Neoabsolutismus – [[1860]]/[[1861|61]] eigene Landesbehörden und Landstände. | | Erst die Aktivitäten des aus Tirol stammenden Advokaten Dr. [[Alois Fischer]], der später Landespräsident von [[Oberösterreich]] wurde, und das Revolutionsjahr [[1848]] führten zu einem Umschwung. Salzburg wurde zu einem Kronland der Monarchie und erhielt – verzögert durch die Ära des Neoabsolutismus – [[1860]]/[[1861|61]] eigene Landesbehörden und Landstände. |
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| − | Übergeordnete Behörden wie die Bundesbahndirektion, das Oberlandesgericht und die Post- und Telegraphendirektion für Salzburg, die ihren Sitz in [[Linz]] hatten bzw. noch haben, erinnerten lange an die Zeit als fünfter Kreis von Oberösterreich, die von den Salzburgern als tiefe Erniedrigung empfunden wurde. Der Weg nach Österreich war steinig und entbehrungsreich! | + | Übergeordnete Behörden wie die Bundesbahndirektion, das Oberlandesgericht und die [[Post- und Telegraphendirektion für Salzburg]], die ihren Sitz in [[Linz]] hatten bzw. noch haben, erinnerten lange an die Zeit als fünfter Kreis von Oberösterreich, die von den Salzburgern als tiefe Erniedrigung empfunden wurde. Der Weg nach Österreich war steinig und entbehrungsreich! |
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| | ==1848 bis 1918 (Salzburg als selbstständiges Kronland)== | | ==1848 bis 1918 (Salzburg als selbstständiges Kronland)== |
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| | ===Der Wirtschaftsaufschwung der Stadt Salzburg=== | | ===Der Wirtschaftsaufschwung der Stadt Salzburg=== |
| − | Die Eröffnung der [[Westbahn|Kaiserin-Elisabeth-Westbahn]] im Jahr [[1860]], die Salzburg mit Wien und München verband, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Als Kaiser [[Franz Joseph I.]] im selben Jahr Salzburg als Festung aufließ und die Bastionen, die bis dahin die Stadt wie ein Korsett eingeschnürt hatten, der Bürgerschaft schenkte, setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Der Eisenbahnunternehmer [[Karl Freiherr von Schwarz]] führte die [[Salzachregulierung|Regulierung der Salzach]] durch und nahm den Bau der "[[Neustadt]]" am rechten Salzachufer in Angriff. | + | Die Eröffnung der [[Westbahn|Kaiserin-Elisabeth-Westbahn]] im Jahr [[1860]], die Salzburg mit Wien und München verband, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Als Kaiser [[Franz Joseph I.]] im selben Jahr Salzburg als Festung aufließ und die [[Befestigung der Stadt Salzburg|Bastionen]], die bis dahin die Stadt wie ein Korsett eingeschnürt hatten, der [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürgerschaft]] schenkte, setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Der Eisenbahnunternehmer [[Karl Freiherr von Schwarz]] führte die [[Salzachregulierung|Regulierung der Salzach]] durch und nahm den Bau der "[[Neustadt]]" am rechten Salzachufer in Angriff. |
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| − | Mit der [[Elisabeth-Vorstadt]] und [[Riedenburg]] entstanden bevölkerungsstarke neue Stadtteile. Auch die damaligen Umgebungsgemeinden [[Gnigl]]-[[Itzling]] und [[Maxglan]] wuchsen sehr stark an. | + | Mit der [[Elisabeth-Vorstadt]] und [[Riedenburg]] entstanden bevölkerungsstarke neue Stadtteile. Auch die damaligen Umgebungsgemeinden [[Gemeinde Gnigl-Itzling|Gnigl-Itzling]] und [[Gemeinde Maxglan|Maxglan]] wuchsen sehr stark an. |
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| | == Literatur == | | == Literatur == |
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| | |NACHHER=[[Salzburg unter Napoleon]] (1805 - 1806) | | |NACHHER=[[Salzburg unter Napoleon]] (1805 - 1806) |
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| | {{Epochen | | {{Epochen |
| | |EPOCHE=Salzburg im 19. Jahrhundert<br />1806 - 1809 | | |EPOCHE=Salzburg im 19. Jahrhundert<br />1806 - 1809 |
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| | |NACHHER=[[Salzburg Teil des Königreichs Bayern ]] (1810 - 1816) | | |NACHHER=[[Salzburg Teil des Königreichs Bayern ]] (1810 - 1816) |
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