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| | Die lateinische Bezeichnung ist ''Sorbus aucuperia'' und leitet sich vom lateinischen ''aucupari'' ab. ''Avis'' und ''capere'' bedeuten Vogelfangen, Vogelstellen. Tatsächlich wurde in früheren Zeiten die Leidenschaft vieler Vogelarten für die Vogelbeeren zum Vogelfang genutzt. | | Die lateinische Bezeichnung ist ''Sorbus aucuperia'' und leitet sich vom lateinischen ''aucupari'' ab. ''Avis'' und ''capere'' bedeuten Vogelfangen, Vogelstellen. Tatsächlich wurde in früheren Zeiten die Leidenschaft vieler Vogelarten für die Vogelbeeren zum Vogelfang genutzt. |
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| − | Während die Bezeichnung „Sorbus“ mehr als 2000 Jahre alt ist, ist „Eberesche“ erst seit dem [[16. Jahrhundert]] bekannt. Eberesche geht vermutlich auf ''„Aber-Esche“'' zurück, was unechte Esche bedeuten würde (Anm.: ''aber'', etymologisch nach, wieder, hinter, hat heute eine abschätzige Bedeutung (z.B. Aberglaube) und bezeichnet das Gegenteil dessen was der zweite Wortbestandteil ausdrückt). | + | Während die Bezeichnung „Sorbus“ mehr als 2000 Jahre alt ist, ist „Eberesche“ erst seit dem [[16. Jahrhundert]] bekannt. Eberesche geht vermutlich auf ''„Aber-Esche“'' zurück, was unechte Esche bedeuten würde (Anm.: ''aber'', etymologisch nach, wieder, hinter, hat heute eine abschätzige Bedeutung (z. B. Aberglaube) und bezeichnet das Gegenteil dessen was der zweite Wortbestandteil ausdrückt). |
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| | ==Zugehörigkeit, Erscheinungsbild und wichtigste Arten== | | ==Zugehörigkeit, Erscheinungsbild und wichtigste Arten== |
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| | Die Eberesche kommt in Europa von Sibirien bis zu den Mittelmeerländern vor. Sie zeichnet sich durch hohe Widerstandsfähigkeit aus. Leider ist auch der Vogelbeerbaum gegen die in den letzten Jahren im Salzburgerland grassierende und gefürchtete Baumkrankheit namens [[Feuerbrand]] nicht immun. | | Die Eberesche kommt in Europa von Sibirien bis zu den Mittelmeerländern vor. Sie zeichnet sich durch hohe Widerstandsfähigkeit aus. Leider ist auch der Vogelbeerbaum gegen die in den letzten Jahren im Salzburgerland grassierende und gefürchtete Baumkrankheit namens [[Feuerbrand]] nicht immun. |
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| − | Was seinen Standort betrifft ist er grundsätzlich anspruchslos. Er ist an Waldrändern, Zäunen und Mauern zu bewundern. Er liebt zwar frische, lockere und fruchtbare Böden, wächst aber – ausgenommen auf Plätzen mit Staunässe – auch überall sonst. Man sieht ihn selbst an der Baumgrenze gebirgiger Lagen. Er zeichnet sich durch schnelles Wachstum aus, seine Wurzeln sind tiefgehend und weitreichend. Er verträgt auch schattigere Lagen und ist daher vielseitig verwendbar. Angeblich ist er auf belasteten Flächen, wie z.B. im Erzgebirge, als Pionierbaumart oft die einzige, die den Immissionsbelastungen standhält. Das abgeworfene Laub zersetzt sich rasch und ist ein guter Humusförderer. Dass dieser Baumart eine hohe Bedeutung für die Kulturlandschaft zugebilligt wird nimmt nicht wunder. | + | Was seinen Standort betrifft ist er grundsätzlich anspruchslos. Er ist an Waldrändern, Zäunen und Mauern zu bewundern. Er liebt zwar frische, lockere und fruchtbare Böden, wächst aber – ausgenommen auf Plätzen mit Staunässe – auch überall sonst. Man sieht ihn selbst an der Baumgrenze gebirgiger Lagen. Er zeichnet sich durch schnelles Wachstum aus, seine Wurzeln sind tiefgehend und weitreichend. Er verträgt auch schattigere Lagen und ist daher vielseitig verwendbar. Angeblich ist er auf belasteten Flächen, wie z. B. im Erzgebirge, als Pionierbaumart oft die einzige, die den Immissionsbelastungen standhält. Das abgeworfene Laub zersetzt sich rasch und ist ein guter Humusförderer. Dass dieser Baumart eine hohe Bedeutung für die Kulturlandschaft zugebilligt wird nimmt nicht wunder. |
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| | ==Die Vogelbeeren und ihre Nutzung durch Mensch und Tier== | | ==Die Vogelbeeren und ihre Nutzung durch Mensch und Tier== |
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| | ===Vogelbeerschnaps oder „Vögei“=== | | ===Vogelbeerschnaps oder „Vögei“=== |
| | [[Datei:Brennzeug.jpg|thumb|Brennzeug in einem [[Bauernhof]] in [[Taxenbach]]]] | | [[Datei:Brennzeug.jpg|thumb|Brennzeug in einem [[Bauernhof]] in [[Taxenbach]]]] |
| − | Das Wissen um die Nutzbarkeit der Vogel- oder Moschbeeren (Moschbeere leitet sich von Meischbeere ab, „Meisch“ von Meische) ist - was den hochgeschätzten heimischen [[Schnapsbrennen im Pinzgau|Vogelbeerschnaps]] betrifft - zumindest in den Salzburger Gebirgsgauen weit verbreitet. Kenner behaupten allerdings, dass für eine wirklich gute Qualität nur mehr ausländische Beeren taugen. Manch heimischer Nobelbrenner importiert daher sein Brenngut aus Nachbarländern. Das hat auch damit zu tun, dass die Früchte aus Angst vor den gefiederten Konkurrenten oft etwas zu früh, d.h. bevor sie voll ausgereift sind, geerntet werden. Diesen Beeren fehlen die Aromastoffe und das Destillat lässt in der Folge an Geschmack und damit an Qualität zu wünschen übrig. Früher, als auch in den Gebirgsgauen noch Getreide angebaut wurde, das auch den Vögeln Nahrung geboten hat, konnte man die Beeren ausreifen lassen und erst im September ernten. ''„Heute fressen die Vögel alles weg was nicht rechtzeitig geerntet wird“'', so eine Bergbäuerin aus dem Unterpinzgau. Laut Rupert Lengauer aus Bruck hatte der Vogelbeerschnaps in der Not der 30iger-Jahren des [[20. Jahrhundert]]s inner Gebirg auch eine wichtige ökonomische Bedeutung. Es war bei den Bauern kein Bargeld vorhanden und konnte z.B. Arzt oder Tierarzt nur mit Schnaps bezahlt werden. | + | Das Wissen um die Nutzbarkeit der Vogel- oder Moschbeeren (Moschbeere leitet sich von Meischbeere ab, „Meisch“ von Meische) ist - was den hochgeschätzten heimischen [[Schnapsbrennen im Pinzgau|Vogelbeerschnaps]] betrifft - zumindest in den Salzburger Gebirgsgauen weit verbreitet. Kenner behaupten allerdings, dass für eine wirklich gute Qualität nur mehr ausländische Beeren taugen. Manch heimischer Nobelbrenner importiert daher sein Brenngut aus Nachbarländern. Das hat auch damit zu tun, dass die Früchte aus Angst vor den gefiederten Konkurrenten oft etwas zu früh, d.h. bevor sie voll ausgereift sind, geerntet werden. Diesen Beeren fehlen die Aromastoffe und das Destillat lässt in der Folge an Geschmack und damit an Qualität zu wünschen übrig. Früher, als auch in den Gebirgsgauen noch Getreide angebaut wurde, das auch den Vögeln Nahrung geboten hat, konnte man die Beeren ausreifen lassen und erst im September ernten. ''„Heute fressen die Vögel alles weg was nicht rechtzeitig geerntet wird“'', so eine Bergbäuerin aus dem Unterpinzgau. Laut Rupert Lengauer aus Bruck hatte der Vogelbeerschnaps in der Not der 30iger-Jahren des [[20. Jahrhundert]]s inner Gebirg auch eine wichtige ökonomische Bedeutung. Es war bei den Bauern kein Bargeld vorhanden und konnte z. B. Arzt oder Tierarzt nur mit Schnaps bezahlt werden. |
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| | ===Vogelbeeren in der Volksmedizin=== | | ===Vogelbeeren in der Volksmedizin=== |