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[[Bild:Agnes Primocic.jpg|thumb|Agnes Primocic]]'''Agnes Primocic''' (* [[30. Jänner]] [[1905]] in [[Hallein]], † [[14. April]] [[2007]] ebendort) war Widerstandskämpferin, jahrelang [[KPÖ]]-Gemeinderätin in Hallein und ist [[Ehrenbürger der Stadt Hallein|Ehrenbürgerin der Stadt Hallein]].
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[[Bild:Agnes Primocic.jpg|thumb|Agnes Primocic]]'''Agnes Primocic''' (* [[30. Jänner]] [[1905]] in [[Hallein]]; † [[14. April]] [[2007]] ebendort) war Widerstandskämpferin, jahrelang [[KPÖ]]-Gemeinderätin in Hallein und ist [[Ehrenbürger der Stadt Hallein|Ehrenbürgerin der Stadt Hallein]].
    
Die ehemalige Ehrenobfrau des KZ-Verbandes von Salzburg erfuhr von den offiziellen Stellen erst nach mehr als fünfzig Jahren die ihr zustehende Anerkennung für ihren Widerstand in der Zeit des [[Nationalsozialismus]].
 
Die ehemalige Ehrenobfrau des KZ-Verbandes von Salzburg erfuhr von den offiziellen Stellen erst nach mehr als fünfzig Jahren die ihr zustehende Anerkennung für ihren Widerstand in der Zeit des [[Nationalsozialismus]].
    
== Kindheit, Arbeitserfahrung und erstes politisches Engagement ==
 
== Kindheit, Arbeitserfahrung und erstes politisches Engagement ==
Primocic wurde als drittes von sechs Kindern von Johann und Franziska Reinthaler in der [[Tennengau]]er Bezirkshauptstadt Hallein geboren. Sie wuchs in den einfachen Verhältnissen einer Arbeiterfamilie auf und begann bereits mit 16 Jahren in der [[Halleiner Zigarren- und Tabakfabrik]] zu arbeiten. Die weit über die Region hinaus als "[[Tschikweiber]]" bekannten Arbeiterinnen der Fabrik bezogen damals die höchsten Löhne der Salinenstadt und verdienten sogar mehr als ihre männlichen Kollegen in der [[M-real Hallein AG|Zellulosefabrik]]. Sehr bald aber lernte sie in der Zigarren- und Tabakfabrik auch die Schattenseiten dieses Berufes kennen, in dem sich die Frauen nur durch ihre solidarische Haltung untereinander mit den oftmals unmenschlichen Arbeitsbedingungen zurechtfinden konnten. Sie setzte sich bei empfundenem Unrecht vehement für ihre Kolleginnen ein und kämpfte ab ihrem 25. Lebensjahr als Gewerkschafterin und Betriebsrätin für gerechte Arbeitsbedingungen in der Fabrik.  
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Primocic wurde als drittes von sechs Kindern von Johann Reinthaler und Franziska, geborene Vöterl, in der [[Tennengau]]er Bezirkshauptstadt Hallein geboren. Sie wuchs in den einfachen Verhältnissen einer Arbeiterfamilie auf und begann bereits mit 16 Jahren in der [[Halleiner Zigarren- und Tabakfabrik]] zu arbeiten. Die weit über die Region hinaus als "[[Tschikweiber]]" bekannten Arbeiterinnen der Fabrik bezogen damals die höchsten Löhne der Salinenstadt und verdienten sogar mehr als ihre männlichen Kollegen in der [[M-real Hallein AG|Zellulosefabrik]]. Sehr bald aber lernte sie in der Zigarren- und Tabakfabrik auch die Schattenseiten dieses Berufes kennen, in dem sich die Frauen nur durch ihre solidarische Haltung untereinander mit den oftmals unmenschlichen Arbeitsbedingungen zurechtfinden konnten. Sie setzte sich bei empfundenem Unrecht vehement für ihre Kolleginnen ein und kämpfte ab ihrem 25. Lebensjahr als Gewerkschafterin und Betriebsrätin für gerechte Arbeitsbedingungen in der Fabrik.  
    
Als Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs beteiligte sich Primocic an der "Roten Hilfe" für in Not geratene Familien politisch Verfolgter und leistete schon sehr früh aktiven Widerstand gegen den einsetzenden Austrofaschismus. Während dieser Zeit organisierte sie als Betriebsrätin einen Streik in der Tabakfabrik und wurde in der Folge entlassen. Wegen des Besitzes einiger weniger kommunistischer Bücher, die sie aus Russland mitgebracht hatte, einer Flugzettel-Aktion ihres damals zwölfjährigen Sohnes und auf Grund der politischen Tätigkeit ihres Bruders wurde Primocic bereits in der Zeit vor dem Anschluss mehrmals eingesperrt und verbrachte insgesamt ein knappes Jahr in Haft.
 
Als Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs beteiligte sich Primocic an der "Roten Hilfe" für in Not geratene Familien politisch Verfolgter und leistete schon sehr früh aktiven Widerstand gegen den einsetzenden Austrofaschismus. Während dieser Zeit organisierte sie als Betriebsrätin einen Streik in der Tabakfabrik und wurde in der Folge entlassen. Wegen des Besitzes einiger weniger kommunistischer Bücher, die sie aus Russland mitgebracht hatte, einer Flugzettel-Aktion ihres damals zwölfjährigen Sohnes und auf Grund der politischen Tätigkeit ihres Bruders wurde Primocic bereits in der Zeit vor dem Anschluss mehrmals eingesperrt und verbrachte insgesamt ein knappes Jahr in Haft.
    
== Widerstand gegen den Nationalsozialismus ==
 
== Widerstand gegen den Nationalsozialismus ==
Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich ([[1938]]) wurde sie wegen ihres politischen Engagements von der Gestapo mehrfach verhört und bis [[1945]] weitere drei Mal inhaftiert. Als ihr Ehemann und der älteste Sohn zu Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] eingezogen wurden, musste sie ihrem Mann versprechen, "politisch still zuhalten". Primocic blieb jedoch weiterhin aktiv, unterstützte Widerstandsgruppen und sammelte Geld für die Familien politisch Verfolgter. Obwohl sie für ihre beiden weiteren Kinder zu sorgen hatte, half sie dem oberösterreichischen Widerstandskämpfer Josef Plieseis und weiteren Gefangenen bei ihrer Flucht aus dem KZ. Ihren Widerstand gegen die [[NSDAP|Nationalsozialisten]] begründete sie Jahre später damit, dass sie ihr Leben lang kein ruhiges Gewissen mehr haben hätte können, wenn sie einfach weggeschaut hätte, als Menschen in Not um ihre Hilfe baten. ''"Man muss anfangen, wenn Unrecht geschieht, denn nach dem Unrecht kommt die Gewalt".''  
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Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich ([[1938]]) wurde sie wegen ihres politischen Engagements von der Gestapo mehrfach verhört und bis [[1945]] weitere drei Mal inhaftiert. Als ihr Ehemann Fortunato Promocic und der älteste Sohn zu Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] eingezogen wurden, musste sie ihrem Mann versprechen, "politisch still zuhalten". Primocic blieb jedoch weiterhin aktiv, unterstützte Widerstandsgruppen und sammelte Geld für die Familien politisch Verfolgter. Obwohl sie für ihre beiden weiteren Kinder zu sorgen hatte, half sie dem oberösterreichischen Widerstandskämpfer Josef Plieseis und weiteren Gefangenen bei ihrer Flucht aus dem KZ. Ihren Widerstand gegen die [[NSDAP|Nationalsozialisten]] begründete sie Jahre später damit, dass sie ihr Leben lang kein ruhiges Gewissen mehr haben hätte können, wenn sie einfach weggeschaut hätte, als Menschen in Not um ihre Hilfe baten. ''"Man muss anfangen, wenn Unrecht geschieht, denn nach dem Unrecht kommt die Gewalt".''  
    
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs riskierte sie ihr eigenes Leben, als sie mit ihrer Freundin Mali Ziegenleder den Kommandanten eines [[Außenlager Hallein des KZ Dachau|Außenlagers]] des [[Konzentrationslager Dachau|KZ Dachau]] in der Nähe von Hallein mit dem bevorstehenden Einmarsch der amerikanischen Truppen unter Druck setzte, und rettete mit ihrem Mut mehr als 17 bereits zum Tode verurteilte Gefangene, darunter den späteren Halleiner Polizeichef [[Georg Staffenberger|Georg "Schani" Staffenberger]], vor der angeordneten Erschießung.
 
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs riskierte sie ihr eigenes Leben, als sie mit ihrer Freundin Mali Ziegenleder den Kommandanten eines [[Außenlager Hallein des KZ Dachau|Außenlagers]] des [[Konzentrationslager Dachau|KZ Dachau]] in der Nähe von Hallein mit dem bevorstehenden Einmarsch der amerikanischen Truppen unter Druck setzte, und rettete mit ihrem Mut mehr als 17 bereits zum Tode verurteilte Gefangene, darunter den späteren Halleiner Polizeichef [[Georg Staffenberger|Georg "Schani" Staffenberger]], vor der angeordneten Erschießung.
    
== Ihr Wirken nach dem Krieg ==
 
== Ihr Wirken nach dem Krieg ==
Nach 1945 war Agnes Primocic weiterhin politisch tätig, unter anderem als Landessekretärin der [[KPÖ]] in [[Salzburg]]. Als Halleiner Stadträtin für Fürsorge engagierte sie sich vor allem für den Aufbau von Kindergärten und die sozialen Rechte der arbeitenden Bevölkerung.  
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Nach 1945 war Agnes Primocic weiterhin politisch tätig, unter anderem als Landessekretärin der [[KPÖ]] in der [[Stadt Salzburg]]. Als Halleiner Stadträtin für Fürsorge engagierte sie sich vor allem für den Aufbau von Kindergärten und die sozialen Rechte der arbeitenden Bevölkerung.  
    
In den frühen [[1980er]] Jahren besuchte sie als bereits über 75-jährige Pensionistin öffentliche Schulen, um im Rahmen des vom damaligen Unterrichtsministers Fred Sinowatz initiierten Projekts, WiderstandskämpferInnen in Schulen über ihr Leben erzählen zu lassen, bei den Jugendlichen das politische Bewusstsein zu wecken und die Erinnerung wach zu halten.  
 
In den frühen [[1980er]] Jahren besuchte sie als bereits über 75-jährige Pensionistin öffentliche Schulen, um im Rahmen des vom damaligen Unterrichtsministers Fred Sinowatz initiierten Projekts, WiderstandskämpferInnen in Schulen über ihr Leben erzählen zu lassen, bei den Jugendlichen das politische Bewusstsein zu wecken und die Erinnerung wach zu halten.  
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== Ehrungen ==
 
== Ehrungen ==
Die Stadt Hallein ehrte Agnes Primocic [[2000]] für ihr politisches und soziales Engagement mit der Ernennung zur [[Ehrenbürger der Stadt Hallein|Ehrenbürgerin]]. 2000 wurde sie mit dem [[Irma-von-Troll-Borostyáni-Preis|Troll-Borostyáni-Preis]] sowie mit dem ''Kulturpreis für Menschenrechte und Integration'' gewürdigt. Das Land Salzburg zeichnete sie für ihre Leistungen gegen den Nationalsozialismus mit dem ''[[Verdienstzeichen#Gold|Goldenen Verdienstzeichen des Landes]]'' aus, das ihr in einer feierlichen Veranstaltung am [[10. August]] [[2005]] von Landeshauptfrau Mag.<sup>a</sup><ref>{{Magistra}}</ref> [[Gabi Burgstaller|Gabriele Burgstaller]] verliehen wurde.<ref>[http://service.salzburg.gv.at/lkorrj/Index?cmd=detail_ind&nachrid=35010 Salzburger Landeskorrespondenz vom  10.08.2005]</ref> Die ehemalige Tabakarbeiterin lebte bis zu ihrem Tod in einem Altenheim in ihrer Geburtsstadt Hallein.
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Die Stadt Hallein ehrte Agnes Primocic am [[28. Juni]] [[2000]] für ihr politisches und soziales Engagement mit der Ernennung zur [[Ehrenbürger der Stadt Hallein|Ehrenbürgerin]]. 2000 wurde sie mit dem [[Irma-von-Troll-Borostyáni-Preis|Troll-Borostyáni-Preis]] sowie mit dem ''Kulturpreis für Menschenrechte und Integration'' gewürdigt. Das Land Salzburg zeichnete sie für ihre Leistungen gegen den Nationalsozialismus mit dem ''[[Verdienstzeichen des Landes Salzburg#Verdienstzeichen in Gold|Goldenen Verdienstzeichen des Landes]]'' aus, das ihr in einer feierlichen Veranstaltung am [[10. August]] [[2005]] von Landeshauptfrau Mag.<sup>a</sup><ref>{{Magistra}}</ref> [[Gabi Burgstaller|Gabriele Burgstaller]] verliehen wurde.<ref>[https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=35010 Salzburger Landeskorrespondenz vom  10.08.2005]</ref> Die ehemalige Tabakarbeiterin lebte bis zu ihrem Tod in einem Altenheim in ihrer Geburtsstadt Hallein.
    
==Vorgestellt in den Salzburger Nachrichten==
 
==Vorgestellt in den Salzburger Nachrichten==
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Ihre persönlichen Erinnerungen an diese Zeit haben in dem von der Theatergruppe "bodi end sole" inszenierten Stück "Die Tschikweiber" Niederschlag gefunden.
 
Ihre persönlichen Erinnerungen an diese Zeit haben in dem von der Theatergruppe "bodi end sole" inszenierten Stück "Die Tschikweiber" Niederschlag gefunden.
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Vier Mal wurde Primocic noch vor dem Anschluss an Hitler-Deutschland wegen ihrer "linken" Aktionen eingesperrt, und auch das nationalsozialistische Regime verfolgte die Mutter zweier Kinder und brachte sie ihn Haft.
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Vier Mal wurde Primocic noch vor dem Anschluss an Hitler-Deutschland wegen ihrer "linken" Aktionen eingesperrt, und auch das nationalsozialistische Regime verfolgte die Mutter dreier Kinder (ein unehelicher Sohn * 1922, zwei Töchter, * 1936 und * 1940) und brachte sie ihn Haft.
    
Legendär wurde ihre Befreiungsaktion für 17 zum Tode verurteilte Gefangene aus dem KZ-Außenlager Hallein in den letzten Apriltagen des Jahres [[1945]]. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Agnes Primocic jahrelang als KPÖ-Gemeinderätin in der Kommunalpolitik der [[Salzbergbau|Salinenstadt]] Hallein tätig.
 
Legendär wurde ihre Befreiungsaktion für 17 zum Tode verurteilte Gefangene aus dem KZ-Außenlager Hallein in den letzten Apriltagen des Jahres [[1945]]. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Agnes Primocic jahrelang als KPÖ-Gemeinderätin in der Kommunalpolitik der [[Salzbergbau|Salinenstadt]] Hallein tätig.
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* [http://www.echoonline.at/echo/salzburg/zeitgeschichte.php?we_objectID=647 Echo Online: ''Die Tschikweiber von Hallein'']
 
* [http://www.echoonline.at/echo/salzburg/zeitgeschichte.php?we_objectID=647 Echo Online: ''Die Tschikweiber von Hallein'']
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== Fußnoten ==
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== Einzelnachweise ==
 
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[[Kategorie:Politik]]
 
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[[Kategorie:Person (Politik)]]
 
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[[Kategorie:Frau]]
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[[Kategorie:Geboren 1905]]