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| | Der „Hangende Stein“ war ein Felsvorsprung an der Ostseite des Untersbergmassivs, der im Tal der Königsseeache (auf bayerischem Gebiet Berchtesgadener Ache genannt) bis an den Fluss ragte und einen Talpass (Engstelle) bildete. Dieser Pass galt seit dem späten 13. Jahrhundert als Grenze zwischen dem Erzstift Salzburg und der Propstei Berchtesgaden. Heute ist der Felsvorsprung bis auf einen kleinen Rest abgetragen. Dort treffen die deutsche Bundesstraße 305 und die österreichische Landesstraße B 160 aufeinander. | | Der „Hangende Stein“ war ein Felsvorsprung an der Ostseite des Untersbergmassivs, der im Tal der Königsseeache (auf bayerischem Gebiet Berchtesgadener Ache genannt) bis an den Fluss ragte und einen Talpass (Engstelle) bildete. Dieser Pass galt seit dem späten 13. Jahrhundert als Grenze zwischen dem Erzstift Salzburg und der Propstei Berchtesgaden. Heute ist der Felsvorsprung bis auf einen kleinen Rest abgetragen. Dort treffen die deutsche Bundesstraße 305 und die österreichische Landesstraße B 160 aufeinander. |
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| | '''Historische Grenzzeichen''' | | '''Historische Grenzzeichen''' |
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| | Die beiden Tafeln waren ursprünglich flussseitig am Hangendenstein nebeneinander angebracht. Bei einer Grenzregulierung 1851 wurden sie vermutlich in Richtung Berchtesgaden versetzt. Heute befindet sich die Tafel mit dem hl. Leopold auf der Westseite des Hangenden-Stein-Felsens. Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite, ist die Tafel mit der Kreuzigung angebracht. | | Die beiden Tafeln waren ursprünglich flussseitig am Hangendenstein nebeneinander angebracht. Bei einer Grenzregulierung 1851 wurden sie vermutlich in Richtung Berchtesgaden versetzt. Heute befindet sich die Tafel mit dem hl. Leopold auf der Westseite des Hangenden-Stein-Felsens. Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite, ist die Tafel mit der Kreuzigung angebracht. |
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| | '''Zollstellen''' | | '''Zollstellen''' |
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| | Wegen des geringen Eigenbedarfs der Propstei Berchtesgaden exportierte man etwa 90 Prozent des Berchtesgadener Salzes vorwiegend nach Salzburg und Bayern. Die vom frühen 13. Jahrhundert bis Mitte des 16. Jahrhunderts wichtigste Strecke der Salzausfuhr war der Weg durch den „vorderen Ausgang“ am Hangendenstein in Richtung Salzburg. An der Salzach bei Niederalm baute man nach 1252 einen Berchtesgadener Salzstadel. Das Salz wurde dort mit Fuhrwerken aus Schellenberg angeliefert und auf Halleiner Salzschiffe geladen. Als Gegenfracht brachten die Schiffer Getreide, Wein und weitere Lebensmittel mit, die ebenfalls im Salzstadel zwischengelagert wurden. | | Wegen des geringen Eigenbedarfs der Propstei Berchtesgaden exportierte man etwa 90 Prozent des Berchtesgadener Salzes vorwiegend nach Salzburg und Bayern. Die vom frühen 13. Jahrhundert bis Mitte des 16. Jahrhunderts wichtigste Strecke der Salzausfuhr war der Weg durch den „vorderen Ausgang“ am Hangendenstein in Richtung Salzburg. An der Salzach bei Niederalm baute man nach 1252 einen Berchtesgadener Salzstadel. Das Salz wurde dort mit Fuhrwerken aus Schellenberg angeliefert und auf Halleiner Salzschiffe geladen. Als Gegenfracht brachten die Schiffer Getreide, Wein und weitere Lebensmittel mit, die ebenfalls im Salzstadel zwischengelagert wurden. |
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| | '''Beginn des Almkanals''' | | '''Beginn des Almkanals''' |
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| | 1286 wurde auf Salzburger Seite mit dem Bau eines fünf Kilometer langen Kanals bis zur Königsseeache - auch Alm oder Almfluss (in Bayern Berchtesgadener Ache) genannt - begonnen. Damit gelang eine für die weitere Entwicklung der Stadt Salzburg entscheidende Verbesserung der Wasserversorgung. Die dazu notwendigen Wehranlagen führten jedoch immer wieder zu Überschwemmungen, weshalb die Abzweigung um 1292 flussaufwärts zum Hangendenstein verlegt wurde, wo sie sich noch heute befindet. | | 1286 wurde auf Salzburger Seite mit dem Bau eines fünf Kilometer langen Kanals bis zur Königsseeache - auch Alm oder Almfluss (in Bayern Berchtesgadener Ache) genannt - begonnen. Damit gelang eine für die weitere Entwicklung der Stadt Salzburg entscheidende Verbesserung der Wasserversorgung. Die dazu notwendigen Wehranlagen führten jedoch immer wieder zu Überschwemmungen, weshalb die Abzweigung um 1292 flussaufwärts zum Hangendenstein verlegt wurde, wo sie sich noch heute befindet. |
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| | '''Grenzberichtigung''' | | '''Grenzberichtigung''' |
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| | Im Jahr 1851 wurden an der Grenze zwischen Österreich und Bayern mehrere Korrekturen durchgeführt. Österreich erhielt dabei unter anderem „den Gebiethsteil nächst der Almwehr beim hangenden Stein, dergestalt, daß diese Almwehr nebst einem Rayon für einen Werk- und Material-Lagerplatz oberhalb derselben zum österreichischen Gebiete gehören soll.“ Die Grenze wurde etwas in Richtung Berchtesgaden zurückgenommen, die Wehranlage des Almkanals lag nun gänzlich auf österreichischem Territorium. | | Im Jahr 1851 wurden an der Grenze zwischen Österreich und Bayern mehrere Korrekturen durchgeführt. Österreich erhielt dabei unter anderem „den Gebiethsteil nächst der Almwehr beim hangenden Stein, dergestalt, daß diese Almwehr nebst einem Rayon für einen Werk- und Material-Lagerplatz oberhalb derselben zum österreichischen Gebiete gehören soll.“ Die Grenze wurde etwas in Richtung Berchtesgaden zurückgenommen, die Wehranlage des Almkanals lag nun gänzlich auf österreichischem Territorium. |
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| | '''Eisenbahntunnel und Bahnhof''' | | '''Eisenbahntunnel und Bahnhof''' |
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| | Die Bahnstrecke Berchtesgaden–Hangender Stein, auch Lokalbahn oder „Grüne Elektrische“ genannt, war eine 12,6 Kilometer lange grenzüberschreitende Nebenbahn. Die normalspurige und elektrifizierte Strecke führte von Berchtesgaden in Bayern nach Grödig in Österreich. Dort bestand im Bahnhof Hangender Stein Anschluss zur Bahnstrecke Salzburg–Hangender Stein, der sogenannten „Roten Elektrischen“. Die Bahnstrecke durchquerte den Felsvorsprung Hangender Stein mit einem 35 Meter langen Tunnel, der von 1905 bis 1907 errichtet wurde. Beim nördlichen Tunnelportal befand sich der Bahnhof Hangender Stein. 1938 stellte man den Bahnbetrieb ein. An der Stelle des Tunnels wurde ein Jahr später der Berg durchbrochen und die heutige Straßentrasse gebaut. | | Die Bahnstrecke Berchtesgaden–Hangender Stein, auch Lokalbahn oder „Grüne Elektrische“ genannt, war eine 12,6 Kilometer lange grenzüberschreitende Nebenbahn. Die normalspurige und elektrifizierte Strecke führte von Berchtesgaden in Bayern nach Grödig in Österreich. Dort bestand im Bahnhof Hangender Stein Anschluss zur Bahnstrecke Salzburg–Hangender Stein, der sogenannten „Roten Elektrischen“. Die Bahnstrecke durchquerte den Felsvorsprung Hangender Stein mit einem 35 Meter langen Tunnel, der von 1905 bis 1907 errichtet wurde. Beim nördlichen Tunnelportal befand sich der Bahnhof Hangender Stein. 1938 stellte man den Bahnbetrieb ein. An der Stelle des Tunnels wurde ein Jahr später der Berg durchbrochen und die heutige Straßentrasse gebaut. |