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| | Nun gab es aber auch noch andere Caféhäuser in der Stadt Salzburg. Da war das [[Café Mozart|Gerlich'sche Kaffeehaus]], das durch Heirat der Tochter von [[Johann Franz Gerlich]] mit dem Beamten des [[Domkapitel]]s, [[Leopold Erich]] zum ''Erich'schen Kaffeehaus'' wurde. Die Stieftochter dieses Ehepaares, [[Antonia Honikel]] (auch ''Honigl''), erbte das ''Erich'sche Kaffeehaus'' und heiratete den "hochfürstlichen Hofvirtuosen" und späteren Hoftenoristen am kaiserlichen Hof in Wien [[Giuseppe Tomaselli]]. | | Nun gab es aber auch noch andere Caféhäuser in der Stadt Salzburg. Da war das [[Café Mozart|Gerlich'sche Kaffeehaus]], das durch Heirat der Tochter von [[Johann Franz Gerlich]] mit dem Beamten des [[Domkapitel]]s, [[Leopold Erich]] zum ''Erich'schen Kaffeehaus'' wurde. Die Stieftochter dieses Ehepaares, [[Antonia Honikel]] (auch ''Honigl''), erbte das ''Erich'sche Kaffeehaus'' und heiratete den "hochfürstlichen Hofvirtuosen" und späteren Hoftenoristen am kaiserlichen Hof in Wien [[Giuseppe Tomaselli]]. |
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| − | Einer ihrer Söhne, [[Carl Tomaselli]], gelernter Zuckerbäcker, kaufte am [[12. März]] [[1852]] das "Staiger'sche Kaffeehaus" um 36.000 [[Gulden]] Reichswährung von Josefa Staiger. Seither ist es im Besitz der Familie [[Tomaselli]]. | + | [[1833]] erfolgte die Unterzeichnung des Schenkungsvertrags über das Eigentum am zweiten Stockwerk des Salzburger Kaffeesiederhauses (Kaffeestöckl), [[Getreidegasse]] Nr. 321 (heute Nr. 24), das Antonia in die Ehe mitgebracht hatte. Einer ihrer Söhne, [[Carl Tomaselli]], gelernter Zuckerbäcker, übersiedelte daraufhin nach Salzburg. |
| | + | Er kaufte am [[12. März]] [[1852]] das "Staiger'sche Kaffeehaus", das Kaffeehaus am Marktplatz (heute [[Alter Markt]]), um 36.000 [[Gulden]] Reichswährung von Josefa Staiger. Damit begründete er den [[Tomaselli]]'schen Familienbetrieb. |
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| − | [[1859]] wurde schräg gegenüber dem Stammlokal der [[Kiosk Tomaselli|Tomaselli Kiosk]] eröffnet. | + | Er richtete das Haus völlig neu ein, eröffnete in den Räumlichkeiten des Nebengebäudes seine Konditorei und etablierte damit den neuen Typus des Konditorei-Kaffeehauses in Salzburg. Backwaren wurden im Gassenverkauf, aber auch auf dem Tablett direkt an den Kaffeehaustischen angeboten. Der Betrieb florierte von Anbeginn, wobei das Publikum breit gestreut war. 1859 erweiterte Tomaselli das Café, zunächst durch eine Überdachung des Vorgartens, [[1860]] durch den Bau des sogenannte [[Kiosk Tomaselli|Sommersalons]], eines nur im Sommer geöffneten Kiosks. |
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| − | Nach dem Tod der Eltern übernahm [[Carl Tomaselli d. J.]] das Café und führte es mit seiner Frau Elise, geborenen Leiler. Sie war als Frau Tomaselli ein echtes "Stück Salzburg"<ref>Zitat aus der [[Schriftenreihe "Salzburg Archiv"]] des [[Verein Freunde der Salzburger Geschichte|Vereins ''Freunde der Salzburger Geschichte'']], Band 20, 1995, Beitrag Walburg Schobersberger: ''Vom Cafégewölb zum Literatencafé'', Seite 328</ref> und Förderin des [[Salzburger Museum Carolino Augusteum|Museums Carolino Augusteum]]. Ihr zweitältester Sohn [[Richard Tomaselli (Cafetier)|Richard Tomaselli]] übernahm das [[Café Bazar]], der jüngste, [[Otto Tomaselli|Otto]], [[1906]] das ''Café Tomaselli''. Nach seinem Tod [[1925]] führte es seine Frau Olga bis nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] weiter. | + | Das Café, in dem in- und ausländische Zeitungen auflagen, Billard sowie Kartenspiel angeboten wurde, entwickelte sich rasch zu einem Aushängeschild der aufstrebenden Saisonstadt Salzburg. 1865 übersiedelte Tomaselli sein „Zuckerbäckerei-Verkaufs-Gewölbe“ in ein Haus auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes und erweiterte das Café um die frei gewordenen Räumlichkeiten. [[1868]] übergab er das Konditorgewerbe an seinen Schwiegersohn [[Rudolf Baumann]]. |
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| | + | Nach dem Tod der Eltern übernahm [[Carl Tomaselli d. J.]] das Café und führte es mit seiner Frau [[Elise Tomaselli|Elise]], geborenen Leiler. Carl Tomaselli ließ [[1888]] das Café mit elektrischem Licht ausstatten und eröffnete [[1891]] dort einen „Damen-Salon“. [[1894]] wurde eine Marmorfassade und eine elektrische beleuchtete Terrasse errichtet. |
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| | + | Sie war als Frau Tomaselli ein echtes "Stück Salzburg"<ref>Zitat aus der [[Schriftenreihe "Salzburg Archiv"]] des [[Verein Freunde der Salzburger Geschichte|Vereins ''Freunde der Salzburger Geschichte'']], Band 20, 1995, Beitrag Walburg Schobersberger: ''Vom Cafégewölb zum Literatencafé'', Seite 328</ref> und Förderin des [[Salzburger Museum Carolino Augusteum|Museums Carolino Augusteum]]. Nach dem Tod von Carl leitete Elise Tomaselli das Café, ließ [[1921]] die Kaffeeküche vergrößern und den Hofraum überdachen. Ab [[1927]] strahlte der Name des Cafés Tomaselli in einer Leuchtreklame mit blauem Neonlicht. |
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| | + | Ihr zweitältester Sohn [[Richard Tomaselli (Cafetier)|Richard Tomaselli]] übernahm das [[Café Bazar]], der jüngste, [[Otto Tomaselli|Otto]], [[1906]] das ''Café Tomaselli''. Nach seinem Tod [[1925]] führte es seine Frau Olga bis nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] weiter. |
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| | [[1937]]/[[1938|1938]] wurde nach Plänen des Salzburger Architekten [[Otto Prossinger]] die Tomaselli-Terrasse errichtet. | | [[1937]]/[[1938|1938]] wurde nach Plänen des Salzburger Architekten [[Otto Prossinger]] die Tomaselli-Terrasse errichtet. |
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| | * [[Walburg Schobersberger]]: ''Vom Cafégewölb zum Literatencafé'', in: Schriftenreihe des Vereins ''[[Freunde der Salzburger Geschichte]]'', Bd. 20, 1995. | | * [[Walburg Schobersberger]]: ''Vom Cafégewölb zum Literatencafé'', in: Schriftenreihe des Vereins ''[[Freunde der Salzburger Geschichte]]'', Bd. 20, 1995. |
| | * [[Gerhard Ammerer]]: [http://www.salzburg.com/sn/salzburg/artikel/2074221.html ''Das Tomaselli und die Salzburger Kaffeehaustradition seit 1700'',] Wien (Brandstätter) 2006, ISBN 3-902510-22-6 / 978-3-902510-22-8 | | * [[Gerhard Ammerer]]: [http://www.salzburg.com/sn/salzburg/artikel/2074221.html ''Das Tomaselli und die Salzburger Kaffeehaustradition seit 1700'',] Wien (Brandstätter) 2006, ISBN 3-902510-22-6 / 978-3-902510-22-8 |
| | + | * [http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_T/Tomaselli_Carl_1809_1887.xml www.biographien.ac.at] |
| | + | : → ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 389f. |
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| | ==Fußnoten== | | ==Fußnoten== |