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[[Datei:Gedenktafel Anna Bertha Königsegg.jpg|thumb|Gedenktafel für Anna Bertha Königsegg im Salzachgässchen Nr. 3]]
 
[[Datei:Gedenktafel Anna Bertha Königsegg.jpg|thumb|Gedenktafel für Anna Bertha Königsegg im Salzachgässchen Nr. 3]]
'''Anna Bertha Königsegg''' (* [[9. Mai]] [[1883]] in Königseggwald, [[Württemberg]], Deutschland,  † [[12. Dezember]] [[1948]] in [[Salzburg]]) entstammte einer gräflichen, im Fürstenrang stehenden Familie aus Württemberg in Deutschland und wurde als zweites Kind in Königseggwald geboren.
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'''Anna Bertha Königsegg''' (* [[9. Mai]] [[1883]] in Königseggwald, [[Württemberg]], Deutschland,  † [[12. Dezember]] [[1948]] in [[Salzburg]]) entstammte einer [[Königsegg|gräflichen, im Fürstenrang stehenden Familie]] aus Württemberg in Deutschland und wurde als zweites Kind in Königseggwald geboren.
    
==Leben==
 
==Leben==
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====Sr. Anna Berthas Proteste gegen die NS-Euthanasie====
 
====Sr. Anna Berthas Proteste gegen die NS-Euthanasie====
Als ein am 17. August [[1940]] verfasstes Schreiben der Reichsstatthalterei Salzburg, Abteilung III, Gaufürsorgeamt, gezeichnet von Dr. [[Oskar Hausner]], in der den Barmherzigen Schwestern unterstehenden Versorgungsanstalt Schernberg einlangte, in dem die Verlegung von Kranken auf Weisung des Reichsverteidigungskommissars des Wehrkreises XVIII angekündigt wurde, wusste die Visitatorin über die [[NS-Euthanasie]]maßnahmen bereits Bescheid und leistete von Anfang an Widerstand. In einem Schreiben, dessen Inhalt sie vorher mit dem Leiter des Caritasverbandes, Prof. Dr. [[Franz Fiala]] abgesprochen hatte, an den Reichsverteidigungskommissar, das war der Salzburger Reichsstatthalter und NSDAP-Gauleiter [[Friedrich Rainer]], nahm sie ausdrücklich gegen die Maßnahmen Stellung: "Es ist nunmehr ein offenes Geheimnis, welches Los diese abtransportierten Kranken erwartet, denn nur zu oft langt kurz nach ihrer Überführung die Todesnachricht vieler derselben ein." Eindringlich ersuchte Anna Bertha Königsegg Gauleiter Rainer, davon Abstand zu nehmen, indem sie auf die negativen Reaktionen des Auslandes verwies und an das religiöse Gewissen des NS-Politikers appellierte. Sie bot sogar an, auf staatliche Beiträge für die Anstalt bis zum Ende des Krieges zu verzichten. Für den Fall des Abtransportes der Kranken lehnte die Visitatorin jede Mithilfe dabei entschieden ab. Sie vertrat damit jene Position, die auch die im August 1940 tagende Fuldaer Bischofskonferenz einnahm. Bei dieser Tagung verurteilten die Bischöfe des Deutschen Reiches, unter ihnen Innitzer und Waitz, die NS-Euthanasie und verboten den katholischen Pflegeanstalten die Mitwirkung.
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Als ein am 17. August [[1940]] verfasstes Schreiben der [[Reichsgau Salzburg|Reichsstatthalterei Salzburg]], Abteilung III, Gaufürsorgeamt, gezeichnet von Dr. [[Oskar Hausner]], in der den Barmherzigen Schwestern unterstehenden Versorgungsanstalt Schernberg einlangte, in dem die Verlegung von Kranken auf Weisung des Reichsverteidigungskommissars des Wehrkreises XVIII angekündigt wurde, wusste die Visitatorin über die [[NS-Euthanasie]]maßnahmen bereits Bescheid und leistete von Anfang an Widerstand. In einem Schreiben, dessen Inhalt sie vorher mit dem Leiter des Caritasverbandes, Prof. Dr. [[Franz Fiala]] abgesprochen hatte, an den Reichsverteidigungskommissar, das war der Salzburger Reichsstatthalter und NSDAP-Gauleiter [[Friedrich Rainer]], nahm sie ausdrücklich gegen die Maßnahmen Stellung: "Es ist nunmehr ein offenes Geheimnis, welches Los diese abtransportierten Kranken erwartet, denn nur zu oft langt kurz nach ihrer Überführung die Todesnachricht vieler derselben ein." Eindringlich ersuchte Anna Bertha Königsegg Gauleiter Rainer, davon Abstand zu nehmen, indem sie auf die negativen Reaktionen des Auslandes verwies und an das religiöse Gewissen des NS-Politikers appellierte. Sie bot sogar an, auf staatliche Beiträge für die Anstalt bis zum Ende des Krieges zu verzichten. Für den Fall des Abtransportes der Kranken lehnte die Visitatorin jede Mithilfe dabei entschieden ab. Sie vertrat damit jene Position, die auch die im August 1940 tagende Fuldaer Bischofskonferenz einnahm. Bei dieser Tagung verurteilten die Bischöfe des Deutschen Reiches, unter ihnen Innitzer und Waitz, die NS-Euthanasie und verboten den katholischen Pflegeanstalten die Mitwirkung.
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Die Antwort des Regimes bestand in der Verhaftung der mutigen Schwester durch die Gestapo am [[17. September]] [[1940]], weil Anna Bertha Königsegg ihre Informanten über die NS-Euthanasie nicht preisgeben wollte. Nach elftägiger Haft wurde sie wieder freigelassen. Diese schlechten Erfahrungen hinderten sie jedoch nicht, wenig später, im Jänner [[1941]], gegen die "Verlegung" der Pfleglinge von Mariathal in Tirol, wo die Barmherzigen Schwestern ca. 70 geistig behinderte Kinder betreuten, in einem Schreiben an Gauleiter [[Friedrich Rainer]] Stellung zu nehmen. Sie wiederholte die Bereitschaft des Ordens, die Pfleglinge auf eigene Kosten zu erhalten; wiederum erfolgte keine Antwort. Als schließlich Anfang April 1941 der Abtransport der Schernberger Patienten unmittelbar bevorstand, wandte sich die Visitatorin neuerlich an den Gauleiter, um ihn von der Aktion abzubringen. An ihrer Entschlossenheit, ihre Schwestern von jeder Mitwirkung abzuhalten, ließ sie keinen Zweifel: Sie müsse den Schwestern untersagen, "irgendwie dabei mitzuhelfen, wäre es auch nur mit dem Ausfüllen von Listen und Fragebögen, denn unser Gewissen verbietet uns, in dieser Aktion mitzuwirken". Und ihren Mitschwestern erklärte sie: "''... ich übernehme die Verantwortung, und sollte es auch mein Leben kosten, ich gebe es gerne für Gott und unsere lieben Armen.''"  
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Die Antwort des Regimes bestand in der Verhaftung der mutigen Schwester durch die [[Gestapo]] am [[17. September]] [[1940]], weil Anna Bertha Königsegg ihre Informanten über die NS-Euthanasie nicht preisgeben wollte. Nach elftägiger Haft wurde sie wieder freigelassen. Diese schlechten Erfahrungen hinderten sie jedoch nicht, wenig später, im Jänner [[1941]], gegen die "Verlegung" der Pfleglinge von Mariathal in Tirol, wo die Barmherzigen Schwestern ca. 70 geistig behinderte Kinder betreuten, in einem Schreiben an Gauleiter Friedrich Rainer Stellung zu nehmen. Sie wiederholte die Bereitschaft des Ordens, die Pfleglinge auf eigene Kosten zu erhalten; wiederum erfolgte keine Antwort. Als schließlich Anfang April 1941 der Abtransport der Schernberger Patienten unmittelbar bevorstand, wandte sich die Visitatorin neuerlich an den Gauleiter, um ihn von der Aktion abzubringen. An ihrer Entschlossenheit, ihre Schwestern von jeder Mitwirkung abzuhalten, ließ sie keinen Zweifel: Sie müsse den Schwestern untersagen, "irgendwie dabei mitzuhelfen, wäre es auch nur mit dem Ausfüllen von Listen und Fragebögen, denn unser Gewissen verbietet uns, in dieser Aktion mitzuwirken". Und ihren Mitschwestern erklärte sie: "''... ich übernehme die Verantwortung, und sollte es auch mein Leben kosten, ich gebe es gerne für Gott und unsere lieben Armen.''"  
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Daraufhin wurde Anna Bertha Königsegg am [[16. April]] 1941 neuerlich verhaftet, und während ihrer Abwesenheit wurden die Pfleglinge von Schernberg unter Protesten der Schwestern in die Vernichtungsanstalt Hartheim deportiert. Nur eine 17köpfige Gruppe konnte rechtzeitig gewarnt werden, flüchtete in einen Wald und überlebte. Der Schernberger Pfleger Friedrich Zehentner, der sich beim Abtransport am [[21. April]] 1941 weigerte, aktiv mitzuwirken und später davon erzählte, war wegen Verbreitung unwahrer Gerüchte, einem Delikt nach dem Heimtückegesetz, sechs Monate in Haft und erlitt einen schweren Gesundheitsschaden.
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Daraufhin wurde Anna Bertha Königsegg am [[16. April]] 1941 neuerlich verhaftet, und während ihrer Abwesenheit wurden die Pfleglinge von Schernberg unter Protesten der Schwestern in die Vernichtungsanstalt Hartheim deportiert. Nur eine 17köpfige Gruppe konnte rechtzeitig gewarnt werden, flüchtete in einen Wald und überlebte. Der Schernberger Pfleger [[Friedrich Zehentner]], der sich beim Abtransport am [[21. April]] 1941 weigerte, aktiv mitzuwirken und später davon erzählte, war wegen Verbreitung unwahrer Gerüchte, einem Delikt nach dem Heimtückegesetz, sechs Monate in Haft und erlitt einen schweren Gesundheitsschaden.
    
Der Salzburger Anstaltsarzt Dr. Gföllner berichtete [[1945]], dass die Aufregung in der ländlichen Bevölkerung so groß war, "dass eine Wiederholung des Unternehmens politisch nicht mehr ratsam erschien". In der Folge wurden die für die Aktion bestimmten Pfleglinge aus Schernberg durch das DRK nach Salzburg gebracht, wo sie in den nächsten Transport nach Hartheim eingereiht wurden.
 
Der Salzburger Anstaltsarzt Dr. Gföllner berichtete [[1945]], dass die Aufregung in der ländlichen Bevölkerung so groß war, "dass eine Wiederholung des Unternehmens politisch nicht mehr ratsam erschien". In der Folge wurden die für die Aktion bestimmten Pfleglinge aus Schernberg durch das DRK nach Salzburg gebracht, wo sie in den nächsten Transport nach Hartheim eingereiht wurden.
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Als Anna Bertha Königsegg nach viermonatiger Gestapohaft entlassen wurde, musste sie den Reichsgau Salzburg verlassen und sich auf das Gut ihres Bruders in Königseggwald zurückziehen. Als Repressalie wurde das gesamte Vermögen der Kongregation beschlagnahmt. "Die Gemeinschaft haftet für Verfehlungen der einzelnen Mitglieder und erst recht für Verfehlungen der Leitung", wurde den Schwestern mitgeteilt. Erst im Sommer 1945 konnte die Visitatorin, die trotz Drohungen ihr Amt nicht zurücklegte, nach Salzburg zurückkehren und am Wiederaufbau mitwirken. Anna Bertha Königsegg starb am 12. Dezember 1948.
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Als Anna Bertha Königsegg nach viermonatiger Gestapohaft entlassen wurde, musste sie den [[Reichsgau Salzburg]] verlassen und sich auf das Gut ihres Bruders in Königseggwald zurückziehen. Als Repressalie wurde das gesamte Vermögen der Kongregation beschlagnahmt. "Die Gemeinschaft haftet für Verfehlungen der einzelnen Mitglieder und erst recht für Verfehlungen der Leitung", wurde den Schwestern mitgeteilt. Erst im Sommer 1945 konnte die Visitatorin, die trotz Drohungen ihr Amt nicht zurücklegte, nach Salzburg zurückkehren und am Wiederaufbau mitwirken. Anna Bertha Königsegg starb am 12. Dezember 1948.
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Zu Recht bezeichnet [[Ernst Hanisch]] die Handlungsweise der Visitatorin der Barmherzigen Schwestern als die "couragierteste Protestaktion der Kirche in Salzburg". [[Walter Reschreiter]], dessen eindrucksvolle biographische Skizze im Jahrbuch 1991 des DÖW meinen Ausführungen zugrunde liegt, stellt Anna Bertha Königsegg "in eine Reihe mit Bischof Clemens August von Galen und anderen mutigen Christen".
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Zu Recht bezeichnet [[Ernst Hanisch]] die Handlungsweise der Visitatorin der Barmherzigen Schwestern als die "couragierteste Protestaktion der Kirche in Salzburg". [[Walter Reschreiter]], dessen eindrucksvolle biographische Skizze im Jahrbuch 1991 des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) diesem Artikel zugrunde liegt, stellt Anna Bertha Königsegg "in eine Reihe mit Bischof Clemens August von Galen und anderen mutigen Christen".
    
== Widmungen ==
 
== Widmungen ==
Der Gemeinderat der Stadt Salzburg benennt 1988 eine kurze Straße nach ihr. In den meisten Geschichten der NS-Euthanasie freilich (Ernst Klee, Henry Friedlander, Hans-Walter Schmuhl) bleibt ihr Name unerwähnt. Im  Stadtteil [[Mülln]] erinnert im [[Salzachgässchen]] Nr. 3 eine Gedenktafel an Anna Bertha Königsegg.  
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Der [[Salzburger Gemeinderat|Gemeinderat]] der Stadt Salzburg benennt 1988 [[Anna-Berta-Königsegg-Straße|eine kurze Straße]] nach ihr. Im  Stadtteil [[Mülln]] erinnert im [[Salzachgässchen]] Nr. 3 eine Gedenktafel an Anna Bertha Königsegg. In den meisten Geschichten der NS-Euthanasie freilich (Ernst Klee, Henry Friedlander, Hans-Walter Schmuhl) bleibt ihr Name unerwähnt.  
    
Im Salzburger Stadtteil [[Taxham]] trägt die Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder ihren Namen ([[Anna-Bertha-Königsegg-Schule]]).
 
Im Salzburger Stadtteil [[Taxham]] trägt die Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder ihren Namen ([[Anna-Bertha-Königsegg-Schule]]).