| − | Frau Jakober war bis in ihre letzten Lebensjahre heute geistig rege und sie konnte auf ein langes und ereignisreiches Leben zurückblicken. Sie erreichte ein Alter von 98 Jahren und lebte im Haus ihrer Tochter in Maishofen. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit konnte sie als aus ärmlichen, ländlichen Verhältnissen stammende Frau ihrer Generation im zweiten Bildungsweg einen anspruchsvollen Beruf erlernen und diesen ein ganzes Berufsleben lang ausüben. Sie hat in ihrem Leben auch eine eigene Familie gegründet, eigene Kinder geboren und freut sich über Enkel und Urenkel. Sie hat mehrere politische Regime erlebt und ist Zeitzeugin wesentlicher gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, die sich nicht zuletzt in ihrem Berufsbereich manifestierten: vom Erb- und Rassenwahn der NS-Zeit mit der für Hebammen behördlich verordneten Meldepflicht von missgebildet geborenen Kindern und die Hausgeburten bei Petroleumlicht unter unzureichenden hygienischen Bedingungen, über die Nachkriegszeit mit ihren hohen Geburtenraten. Vom dramatischen Absinken der Geburtenzahlen in den letzten Jahrzehnten bis hin zur kontrollierten Reproduktionsmedizin der Gegenwart mit all den bekannten Begleiterscheinungen. Ob Letzteres wirklich ein Fortschritt ist, darüber war sich Frau Jakober in ihren letzten Lebensjahren nicht völlig sicher. | + | Frau Jakober war bis in ihre letzten Lebensjahre geistig rege und sie konnte auf ein langes und ereignisreiches Leben zurückblicken. Sie lebte im Haus ihrer Tochter in Maishofen und erreichte ein Alter von 98 Jahren. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit konnte sie als aus ärmlichen, ländlichen Verhältnissen stammende Frau ihrer Generation, im zweiten Bildungsweg einen anspruchsvollen Beruf erlernen und diesen ein ganzes Berufsleben lang ausüben. Sie hat in ihrem Leben auch eine eigene Familie gegründet, eigene Kinder geboren und freute sich über Enkel und Urenkel. Sie hat mehrere politische Regime erlebt und war Zeitzeugin wesentlicher gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, die sich nicht zuletzt in ihrem Berufsbereich manifestierten. Vom Erb- und Rassenwahn der NS-Zeit mit der für Hebammen behördlich verordneten Meldepflicht von missgebildet geborenen Kindern, über die Hausgeburten bei Petroleumlicht unter unzureichenden hygienischen Bedingungen, und über die Nachkriegszeit mit ihren hohen Geburtenraten. Vom dramatischen Absinken der Geburtenzahlen in den letzten Jahrzehnten bis hin zur kontrollierten Reproduktionsmedizin der Gegenwart mit all den bekannten Begleiterscheinungen. Ob Letzteres wirklich ein Fortschritt ist, darüber war sich Frau Jakober in ihren letzten Lebensjahren nicht völlig sicher. |