| Zeile 4: |
Zeile 4: |
| | [[Datei:220 KV-Leitung durch das Ortsgebiet von Eugendorf.jpg|thumb|220 KV-Leitung durch das Ortsgebiet von Eugendorf]] | | [[Datei:220 KV-Leitung durch das Ortsgebiet von Eugendorf.jpg|thumb|220 KV-Leitung durch das Ortsgebiet von Eugendorf]] |
| | [[Datei:380 KV-Leitung in Kaprun.jpg|thumb|380 KV-Leitung in Kaprun]] | | [[Datei:380 KV-Leitung in Kaprun.jpg|thumb|380 KV-Leitung in Kaprun]] |
| − | Als '''Salzburgleitung''' wird die 380-kV-Freileitung von St. Peter/Hart (Oberösterreich, [[Innviertel]]) bis zum [[Umspannwerk Tauern]] ([[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]], [[Pinzgau]]) bezeichnet. | + | Als '''Salzburgleitung''' wird die 380-kV-Freileitung von St. Peter am Hart ([[Oberösterreich]], [[Innviertel]]) bis zum [[Umspannwerk Tauern]] ([[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]], [[Pinzgau]]) bezeichnet. |
| | | | |
| | ==Hintergrund== | | ==Hintergrund== |
| − | Mit der Salzburgleitung wird das letzte offene Teilstück in dem für die Stromversorgung Österreichs nötigen Übertragungsnetz (380-kV-Ring) geschlossen. Die zu geringe Kapazität der bestehenden Leitungen führt beim Stromtransfer zwischen dem Norden und dem Süden des Landes zu erheblichen Problemen. Errichter ist die VERBUND-[[Austrian Power Grid AG]] (APG), ein Tochterunternehmen des Verbunds. Dieses Unternehmen steht mit 51 Prozent im Eigentum der Republik Österreich. | + | Mit der Salzburgleitung wird das letzte offene Teilstück in dem für die Stromversorgung Österreichs nötigen Übertragungsnetz (380-kV-Ring) geschlossen. Die zu geringe Kapazität der bestehenden Leitungen führt beim Stromtransfer zwischen dem Norden und dem Süden des Landes zu erheblichen Problemen. Errichter ist die Verbund-[[Austrian Power Grid AG]] (APG), ein Tochterunternehmen des Verbunds. Dieses Unternehmen steht mit 51 Prozent im Eigentum der Republik Österreich. |
| | | | |
| | 142 Kilometer Kabel will die Austrian Power Grid zwischen den beiden Gemeinden auf 410 Masten aufhängen. Der ungefähre Trassenkorridor führt direkt vorbei an ein paar Häusern in [[Fusch an der Großglocknerstraße]], durch [[Kuchl]], über ein [[Natura 2000]]-Gebiet bei [[Bad Vigaun]], an einer neu errichteten Wohnsiedlung in [[Elsbethen]] und über den [[Gaisberg]]. 203 Häuser werden weniger als 200 Meter von der 380-kV-Leitung entfernt sein, weitere 300 liegen näher als 400 Meter. Das sind die Abstände, die das [[Landeselektrizitätsgesetz]] (LEG) für Häuser bzw. Siedlungen vorschreibt. | | 142 Kilometer Kabel will die Austrian Power Grid zwischen den beiden Gemeinden auf 410 Masten aufhängen. Der ungefähre Trassenkorridor führt direkt vorbei an ein paar Häusern in [[Fusch an der Großglocknerstraße]], durch [[Kuchl]], über ein [[Natura 2000]]-Gebiet bei [[Bad Vigaun]], an einer neu errichteten Wohnsiedlung in [[Elsbethen]] und über den [[Gaisberg]]. 203 Häuser werden weniger als 200 Meter von der 380-kV-Leitung entfernt sein, weitere 300 liegen näher als 400 Meter. Das sind die Abstände, die das [[Landeselektrizitätsgesetz]] (LEG) für Häuser bzw. Siedlungen vorschreibt. |
| Zeile 13: |
Zeile 13: |
| | Das Projekt zwischen St. Peter am Hart (Oberösterreich) und [[Elixhausen]] (Salzburg, [[Flachgau]]) wurde im März [[2007]] nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung von den Behörden der Länder Oberösterreich und Salzburg genehmigt. Gegen diese Entscheidung wurde von Gegnern der Freileitung berufen, eine endgültige Entscheidung muss der Umweltsenat innerhalb von sechs Monaten treffen. | | Das Projekt zwischen St. Peter am Hart (Oberösterreich) und [[Elixhausen]] (Salzburg, [[Flachgau]]) wurde im März [[2007]] nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung von den Behörden der Länder Oberösterreich und Salzburg genehmigt. Gegen diese Entscheidung wurde von Gegnern der Freileitung berufen, eine endgültige Entscheidung muss der Umweltsenat innerhalb von sechs Monaten treffen. |
| | | | |
| − | Die Salzburgleitung ist durchgehend als Freileitung und großteils auf der bereits bestehenden Trasse geplant. Eine – auch nur teilweise – unterirdische Verkabelung ist laut den Errichtern aus technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Gründen nicht sinnvoll. | + | Die Salzburgleitung ist durchgehend als Freileitung und größtenteils auf der bereits bestehenden Trasse geplant. Eine – auch nur teilweise – unterirdische Verkabelung ist laut den Errichtern aus technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Gründen nicht sinnvoll. |
| | | | |
| | Die Gegner der Freileitung fordern eine – zumindest teilweise – Verkabelung und berufen sich darauf, dass es weltweit zahlreiche Beispiele für unterirdische Verkabelungen von Leitungen mit 380 kV und mehr gibt. Die Errichter der Salzburgleitung verweisen darauf, dass es sich bei den angeführten Fallbeispielen um Versorgungsleitungen (z. B. großer Städte) handelt, deren Kapazität bei einem Ausfall durch eine Vielzahl paralleler Zuleitungen ersetzt werden kann. | | Die Gegner der Freileitung fordern eine – zumindest teilweise – Verkabelung und berufen sich darauf, dass es weltweit zahlreiche Beispiele für unterirdische Verkabelungen von Leitungen mit 380 kV und mehr gibt. Die Errichter der Salzburgleitung verweisen darauf, dass es sich bei den angeführten Fallbeispielen um Versorgungsleitungen (z. B. großer Städte) handelt, deren Kapazität bei einem Ausfall durch eine Vielzahl paralleler Zuleitungen ersetzt werden kann. |
| Zeile 19: |
Zeile 19: |
| | Bei der Salzburgleitung handelt es sich jedoch um eine Übertragungsleitung. Bei einer Panne bestehe die Gefahr eines österreich- oder europaweiten Black-outs. Die Reparatur einer unterirdischen Kabelleitung dauert im Schnitt zwanzig Mal so lange wie die einer Freileitung. | | Bei der Salzburgleitung handelt es sich jedoch um eine Übertragungsleitung. Bei einer Panne bestehe die Gefahr eines österreich- oder europaweiten Black-outs. Die Reparatur einer unterirdischen Kabelleitung dauert im Schnitt zwanzig Mal so lange wie die einer Freileitung. |
| | | | |
| − | Am [[28. Jänner]] [[2008]] stellte [[Jörg Zillmer|Dipl.-Ing. Jörg Zillmer]] dem [[Salzburger Landtag]] ein Gutachten über die umstrittene 380-Kilovolt-Leitung vor. Es kommt zum Schluss, dass eine unterirdische Teilverkabelung der Leitung sinnvoll und machbar ist. | + | Am [[28. Jänner]] [[2008]] stellte Dipl.-Ing. [[Jörg Zillmer]] dem [[Salzburger Landtag]] ein Gutachten über die umstrittene 380-Kilovolt-Leitung vor. Es kommt zum Schluss, dass eine unterirdische Teilverkabelung der Leitung sinnvoll und machbar ist. |
| | | | |
| | == Bescheid == | | == Bescheid == |
| | Anfang Dezember 2010 verschickte das Wirtschaftsministerium einen Bescheid, der dem Bund das Recht für zwei Jahre ab [[13. Dezember]] [[2010]] gibt, fremde Grundstücke zu betreten und darauf Vorarbeiten für die Errichtung der 380-kv-Leitung vorzunehmen. Die Vorarbeiten werden mit Begehungen, Vermessungsarbeiten, Kartierungen, Untersuchungen der Bodenbeschaffung, Bohrungen, der Errichtung von temporären Messstellen, Quellenuntersuchungen oder der Festlegung von Maststandorten vor Ort umschrieben. | | Anfang Dezember 2010 verschickte das Wirtschaftsministerium einen Bescheid, der dem Bund das Recht für zwei Jahre ab [[13. Dezember]] [[2010]] gibt, fremde Grundstücke zu betreten und darauf Vorarbeiten für die Errichtung der 380-kv-Leitung vorzunehmen. Die Vorarbeiten werden mit Begehungen, Vermessungsarbeiten, Kartierungen, Untersuchungen der Bodenbeschaffung, Bohrungen, der Errichtung von temporären Messstellen, Quellenuntersuchungen oder der Festlegung von Maststandorten vor Ort umschrieben. |
| | | | |
| − | Am 6. Dezember 2010 wurde bekannt, dass das Land Salzburg den Bescheid beim Verfassungsgerichtshof anfechten will. Man möchte vor der Umweltverträglichkeitsprüfung wissen, ob das Landeselektrizitätsgesetz oder das Starkstromwegerecht des Bundes gelte. | + | Am [[6. Dezember]] 2010 wurde bekannt, dass das Land Salzburg den Bescheid beim Verfassungsgerichtshof anfechten will. Man möchte vor der Umweltverträglichkeitsprüfung wissen, ob das Landeselektrizitätsgesetz oder das Starkstromwegerecht des Bundes gelte. |
| | | | |
| | == Widerstand == | | == Widerstand == |
| − | [[Doris Bernhofer]], kaufmännische Angestellte bei der Firma [[Porsche Salzburg]], hat sich dem Kampf gegen die 380-kv-Salzburgleitung verschrieben. | + | [[Doris Bernhofer]], kaufmännische Angestellte bei der Firma [[Porsche Salzburg]], hatte sich dem Kampf gegen die 380-kv-Salzburgleitung verschrieben. |
| | | | |
| | ==Aktivierung== | | ==Aktivierung== |
| Zeile 35: |
Zeile 35: |
| | | | |
| | Für den Abschnitt II vom Flachgau bis in den Pinzgau will die APG im April [[2012]] die Umweltverträglichkeitserklärung dem Land vorlegen. Für Anfang März 2011 wurden Informationsveranstaltungen im Tennengau angekündigt, wo der Widerstand von Gemeinden zuletzt besonders massiv war. | | Für den Abschnitt II vom Flachgau bis in den Pinzgau will die APG im April [[2012]] die Umweltverträglichkeitserklärung dem Land vorlegen. Für Anfang März 2011 wurden Informationsveranstaltungen im Tennengau angekündigt, wo der Widerstand von Gemeinden zuletzt besonders massiv war. |
| | + | |
| | + | == Keine Chance fürs Erdkabel == |
| | + | Am Montag, den [[15. Dezember]] [[2015]] genehmigte das [[Land Salzburg (Verwaltung)|Land Salzburg]] die umstrittene "Stromautobahn". Der 700 Seiten starke Bescheid im Umweltverfahren fiel für die Freileitung positiv aus. Politisch erteilte die [[Landesregierung]] eine Absage an die 380-kV-Erdverkabelung. Die Projektbetreiber haben die 113 Kilometer lange Freileitung von Elixhausen nach Kaprun eingereicht. |
| | + | |
| | + | Neben Agrar-[[Landesrat]] [[Josef Schwaiger]] ([[ÖVP]]) und Gutachtern stuft auch die [[Die Grünen|grüne]] Umweltreferentin [[Landeshauptmann|LH]]-Stv. [[Astrid Rössler]] die Eingriffe des Erdkabelverlegens als wahrscheinlich noch schwerwiegender ein als jene von Mastenstandorten. Das Kabel würde ''einige Probleme'', etwa mit der Wildbach- und Lawinenverbauung, bringen. |
| | + | |
| | + | Die Gegner der Freileitung werden den Bescheid des Landes beeinspruchen. |
| | + | |
| | + | Astrid Rössler zahlt einen sehr hohen politischen Preis. Es fiel ihr sichtbar schwer und sie machte auch keinen Hehl daraus. Die grüne Chefin bewilligte ein Projekt, das sie früher heftig abgelehnt hat. |
| | | | |
| | == Weblinks und Quellen == | | == Weblinks und Quellen == |
| Zeile 41: |
Zeile 50: |
| | *[http://www.salzburger-fenster.at/schwerpunkte/380-kv/588-380-kv-leitung-die-genauen-trassen-plaene-fuer-den-abschnitt-von-kaprun-bis-elixhausen-.html Salzburger Fenster der genaue Trassenverlauf] | | *[http://www.salzburger-fenster.at/schwerpunkte/380-kv/588-380-kv-leitung-die-genauen-trassen-plaene-fuer-den-abschnitt-von-kaprun-bis-elixhausen-.html Salzburger Fenster der genaue Trassenverlauf] |
| | * [http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/583381/Hochspannungsleitung_Ueber-410-Masten-in-die-Dose diepresse.com] | | * [http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/583381/Hochspannungsleitung_Ueber-410-Masten-in-die-Dose diepresse.com] |
| − | {{Quelle TN|[[9. Dezember]] [[2010]]}} | + | {{Quelle TN|9. Dezember 2010}} |
| − | * {{Quelle SN|[[26. Jänner]] [[2011]]}} | + | * {{Quelle SN|26. Jänner 2011 und 15. Dezember 2015}} |
| | [[Kategorie:Versorgung und Entsorgung]] | | [[Kategorie:Versorgung und Entsorgung]] |
| | | | |
| | [[Kategorie:Energie]] | | [[Kategorie:Energie]] |