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'''Klothilde Zeller''', geborene Unterfocher  (* [[1887]] in Leithmeritz, [[Böhmen]], † [[1971]] in Schönberg am Kamp) war eine Ärztin aus Leidenschaft, die in Salzburg arbeitete.
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'''Klothilde Zeller''', geborene Unterfocher  (* [[1887]] in Leitmeritz, [[Böhmen]], † [[1971]] in Schönberg am Kamp, [[NÖ]]) war eine Ärztin aus Leidenschaft, die in Salzburg arbeitete.
    
== Leben ==
 
== Leben ==
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Klothilde Zeller war eine dieser Frauen, die sich damals für den Ärztinnenberuf entschieden. Wie viele andere kam auch sie aus dem Bildungsbürgertum. Ihr Vater war Gymnasialprofessor im böhmischen Leitmeritz. 1887 als Klothilde Unterforcher dort geboren, maturierte sie in Triest ([[Friaul-Julisch Venetien]], [[Italien]]) und inskribierte zunächst an der Medizinischen Fakultät in Wien. Mit dem Studium der Medizin ging eine Berufsausbildung einher. Diese bedeutete für Zeller auch eine finanzielle Unabhängigkeit.  
 
Klothilde Zeller war eine dieser Frauen, die sich damals für den Ärztinnenberuf entschieden. Wie viele andere kam auch sie aus dem Bildungsbürgertum. Ihr Vater war Gymnasialprofessor im böhmischen Leitmeritz. 1887 als Klothilde Unterforcher dort geboren, maturierte sie in Triest ([[Friaul-Julisch Venetien]], [[Italien]]) und inskribierte zunächst an der Medizinischen Fakultät in Wien. Mit dem Studium der Medizin ging eine Berufsausbildung einher. Diese bedeutete für Zeller auch eine finanzielle Unabhängigkeit.  
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In einem Brief an die um zehn Jahre ältere Ärztekollegin Oktavia Aigner-Rollet betont sie die materiellen Beweggründe. Zeller hat den Beruf der Ärztin aber nicht nur aus rein materiellen Gründen ausgeübt. Die Medizin war ihr auch ein persönliches Anliegen. Die Direktion der [[Salzburger Landeskrankenanstalten]] bescheinigte ihr am [[22. Juli]] [[1915]] „ein sehr ruhiges sympathisches Wesen“. Sie „scheint ihren gewählten Beruf sehr ernst zu nehmen."
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In einem Brief an die um zehn Jahre ältere Ärztekollegin Oktavia Aigner-Rollet betont sie die materiellen Beweggründe. Zeller hat den Beruf der Ärztin aber nicht nur aus rein materiellen Gründen ausgeübt. Die Medizin war ihr auch ein persönliches Anliegen. Die Direktion der [[Salzburger Landeskrankenanstalten]] bescheinigte ihr am [[22. Juli]] [[1915]] „ein sehr ruhiges sympathisches Wesen“. Sie „scheint ihren gewählten Beruf sehr ernst zu nehmen“.
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Damals tobte der [[Erster Weltkrieg|ErsteWeltkrieg]] schon beinah ein Jahr. Die erste lsonzo-Schlacht forderte bereits ihre Opfer und der Ärztemangel führte zu einem personellen Engpass in den Spitälern. So auch in Salzburg. Dieser Notstand führte schließlich dazu, dass die erst frisch  promovierte Ärztin Klothilde Zeller im [[St. Johanns-Spital]] eine Anstellung als Sekundarärztin bekam. Und das obwohl sie verheiratet war. Doch da die Hälfte der Spitalsärzte in den Salzburger Krankenanstalten mit Kriegsbeginn eingezogen wurde, schien die Ehe mit Friedrich Zeller kein Problem mehr zu sein. So hieß es in einem Schreiben der Direktion der Landeskrankenanstalten An den Landesausschuss des [[Herzogtum Salzburg|Herzogtums Salzburg]]: „.ln dieser schweren Kriegszeit, in der fast alle Hilfskräfte einberufen wurden, ist es von großem Werte einen Arzt zu haben, der sicher hier bleibt. Von dem Umstande. dass Frau Dr. Zeller verheiratet ist, kann ja in
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Damals tobte der [[Erster Weltkrieg|ErsteWeltkrieg]] schon beinah ein Jahr. Die erste lsonzo-Schlacht forderte bereits ihre Opfer und der Ärztemangel führte zu einem personellen Engpass in den Spitälern. So auch in Salzburg. Dieser Notstand führte schließlich dazu, dass die erst frisch  promovierte Ärztin Klothilde Zeller im [[St. Johanns-Spital]] eine Anstellung als Sekundarärztin bekam. Und das, obwohl sie verheiratet war. Doch da die Hälfte der Spitalsärzte in den Salzburger Krankenanstalten mit Kriegsbeginn eingezogen wurde, schien die Ehe mit Friedrich Zeller kein Problem mehr zu sein. So hieß es in einem Schreiben der Direktion der Landeskrankenanstalten an den [[Landesausschuss]] des [[Herzogtum Salzburg|Herzogtums Salzburg]]: „In dieser schweren Kriegszeit, in der fast alle Hilfskräfte einberufen wurden, ist es von großem Werte einen Arzt zu haben, der sicher hier bleibt. Von dem Umstande, dass Frau Dr. Zeller verheiratet ist, kann ja in Rücksicht auf den dermaligen grossen Ärztemangel abgesehen werden, da sie sich verpflichtet, hier zu wohnen und allen Obliegenheiten des Dienstes wie die männlichen Doktoren nachzukommen."
Rücksicht auf den dermaligen grossen Ärztemangel abgesehen werden, da sie sich verpflichtet, hier zu wohnen und allen Obliegenheiten des Dienstes wie die männlichen Doktoren nachzukommen."
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Zeller übernahm daraufhin nicht nur die gleichen Tätigkeiten als Sekundarärztin auf der Internen Abteilung wie ihre männlichen Kollegen auf anderen Abteilungen, sie bekam auch den gleichen Lohn. Sie selbst war mit der Anstellung „äußerst zufrieden, denn die Mannigfaltigkeit des vorliegenden Krankenmateriales bietet mir eine gewisse Sicherheit". Außerdem könne sie hier vieles sehen und lernen. Die monatlich 1.400 Kronen waren aber hart verdientes Geld. Denn die Arbeit gestaltete sich mit fortlaufender Kriegsdauer schwierig. So konnte Zeller bei Bedarf auch in der Gynäkologischen Abteilung oder im Kinderspital eingesetzt werden. Dort stieg die durchschnittliche stationäre Aufenthaltsdauer von 19,5 auf 21,4 Tage. Gleichzeitig erhöhte sich die Todesrate auf über acht Prozent. Zeller blieb dennoch bis nach Kriegsende. Ihre provisorische Anstellung wurde per Dekret sogar auf zwei Jahre verlängert.  
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Zeller übernahm daraufhin nicht nur die gleichen Tätigkeiten als Sekundarärztin auf der Internen Abteilung wie ihre männlichen Kollegen auf anderen Abteilungen, sie bekam auch den gleichen Lohn. Sie selbst war mit der Anstellung „äußerst zufrieden, denn die Mannigfaltigkeit des vorliegenden Krankenmateriales bietet mir eine gewisse Sicherheit“. Außerdem könne sie hier vieles sehen und lernen. Die monatlich 1.400 Kronen waren aber hart verdientes Geld. Denn die Arbeit gestaltete sich mit fortlaufender Kriegsdauer schwierig. So konnte Zeller bei Bedarf auch in der Gynäkologischen Abteilung oder im Kinderspital eingesetzt werden. Dort stieg die durchschnittliche stationäre Aufenthaltsdauer von 19,5 auf 21,4 Tage. Gleichzeitig erhöhte sich die Todesrate auf über acht Prozent. Zeller blieb dennoch bis nach Kriegsende. Ihre provisorische Anstellung wurde per Dekret sogar auf zwei Jahre verlängert.  
    
Doch mit Kriegsende sollte sich das Blatt wenden. 1919 meldete Zeller in Graz ihre Niederlassung an und verzog in die steirische Landeshauptstadt. Obwohl sie in Salzburg bereits als Sekundarärztin tätig gewesen war, musste sie den Kriegsheimkehrern Platz machen, die in Spitälern bevorzugt eingesetzt wurden. Zeller wurde im Landeskrankenhaus Graz erst als Aspirantin, danach als Hilfsärztin und erst ab Dezember 1920 wieder als Sekundarärztin tätig. 1921 übersiedelte
 
Doch mit Kriegsende sollte sich das Blatt wenden. 1919 meldete Zeller in Graz ihre Niederlassung an und verzog in die steirische Landeshauptstadt. Obwohl sie in Salzburg bereits als Sekundarärztin tätig gewesen war, musste sie den Kriegsheimkehrern Platz machen, die in Spitälern bevorzugt eingesetzt wurden. Zeller wurde im Landeskrankenhaus Graz erst als Aspirantin, danach als Hilfsärztin und erst ab Dezember 1920 wieder als Sekundarärztin tätig. 1921 übersiedelte