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, 19:39, 3. Sep. 2007
Joseph Mohr in Hof bei Salzburg
(Geboren am 11. Dez. 1792 in Salzburg, gestorben am 4. Dezember 1848 in Wagrain).
Die ganze Welt kennt das innigste und ergreifendste aller Weihnachtslieder, das der fromme und lebensfrohe Priester Joseph Mohr im Dezember 1818 dichtete und das von Lehrer Franz Gruber vertont wurde. Mohr war damals gerade 26 Jahre alt geworden und Kooperator in Oberndorf an der Salzach. Nach seiner Priesterweihe am 21. August 1815 durch den Passauer Weihbischof Kajetan Graf von Gaisruck, half er einige Wochen in Ramsau bei Berchtesgaden aus (Salzburg war, bevor es endgültig an Österreich kam, von 1810 bis 1816 zusammen mit Berchtesgaden bei Bayern) und kam nach einem zweijährigen Dienst in Mariapfarr im Lungau zu seiner dritten Stelle nach Oberndorf. Weil er ein heiterer und musikalischer, vor allem aber ein äußerst hilfsbereiter Mensch war, schlossen ihn die Dorfbewohner bald in ihr Herz.
Sein Eintritt in das irdische Leben gestaltete sich aber keineswegs so heiter.
Er wurde 1792 als uneheliches Kind der Strickerin Anna Schoiberin aus Hallein (damals 34 Jahre alt) und des Salzburger Soldaten Joseph Mohr, aus Maiapfarr im Lungau stammend, geboren, welcher sich allerdings „verduftete“, noch ehe das Kind das Licht der Welt erblickte.
Mohr machte dennoch durch Fleiß und Hingabe seinen Weg, offenbar aber nicht immer in voller Übereinstimmung mit seinen Vorgesetzten. Er war ein tatkräftiger und charismatischer Mensch, fern jeder Liebedienerei. Er tat das, was im Augenblick für seine Mitmenschen notwendig war, ohne lange rückzufragen, ob es den eifersüchtigen Verwaltern von kleinlichen und bürokratischen Vorschriften in den Kram passte.
Joseph Mohr hat nach Stationen in Kuchl, Golling, Hallein, Krispl, Adnet, Vigaun, Anthering und Eugendorf von September 1827 bis Jänner 1828 in Hof bei Salzburg als Vikariats-Provisor gewirkt. Die Gedenktafel in der Hofer Pfarrkirche erinnert daran. Anschließend kam er für neun Jahre nach Hintersee.
Was weithin unbekannt ist: Nach den Forschungen von Pfarrer Andreas Radauer (Bischofshofen) ist es denkbar, dass Joseph Mohr während seiner Zeit in Hof oder Hintersee das spezielle „Stille-Nacht-Lied“ für Kinder reimte und vertonte, von dem noch zwei Strophen erhalten sind. Das Lied ist ein so genanntes „Ansingelied“, mit dem die Kinder Neujahrswünschen gegangen sind. Die Forschungen von Frau O.Univ. Dr. Gerlinde Haid brachten andere Ergebnisse. Das erwähnte Lied ist älter als das berühmte „Stille Nacht“, dessen Anfangsmotiv es eines Tages übernommen hatte. Die Verbindung zu Mohr kann sie nicht bestätigen.
Vielleicht treffen sich einmal beide Forschungsergebnisse, wenn Mohr ein altes Hirtenlied vorgefunden hätte (vielleicht sogar bei der damals sehr musikalischen Familie des Ederbauern auf dem Thalgauegg) und dieses Lied melodisch und textlich in Anlehnung an das „Original-Stille-Nacht“ zu dem vorliegenden Lied umgestaltet hat?
Martin Gschwandtner