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| | '''Gemeinsame Geschichte bis 1328''' | | '''Gemeinsame Geschichte bis 1328''' |
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| − | Die Beziehungen Salzburgs zu Bayern gehen mehr als 2000 Jahre in die römische Zeit zurück. Der Verwaltungsbezirk von [[Iuvavum]] (Salzburg) umfasste auch das heute bayerische Gebiet östlich des Inn. | + | Die Beziehungen Salzburgs zu Bayern gehen mehr als 2000 Jahre in die [[Römer|römische]] Zeit zurück. Der Verwaltungsbezirk von [[Iuvavum]] (Salzburg) umfasste auch das heute bayerische Gebiet östlich des Inn. |
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| − | Ab dem [[6. Jahrhundert]] gehörte der [[Salzburggau]] zum Herzogtum Bayern, ebenso der [[Pinzgau]] und der [[Pongau]] im Gebirge, die ab der Mitte des [[7. Jahrhundert]] bayerisch besiedelt wurden. Der [[Lungau]] war ursprünglich ein Teil Kärntens (Karantanien), das vom [[8. Jahrhundert]] bis [[976]] zum [[Herzogtum Bayern]] gehörte und in dieser Zeit teilweise bayerisch besiedelt wurde. Ab [[955]] besiedelten die Bayern auch das „Ostland“ (Niederösterreich) dauerhaft, das bis [[1156]] ein Teil des Herzogtums Bayern war. | + | Ab dem [[6. Jahrhundert]] gehörte der [[Salzburggau]] zum [[Herzogtum Bayern]], ebenso der [[Pinzgau]] und der [[Pongau]] im Gebirge, die ab der Mitte des [[7. Jahrhundert]] bayerisch besiedelt wurden. Der [[Lungau]] war ursprünglich ein Teil Kärntens ([[Karantanien]]), das vom [[8. Jahrhundert]] bis [[976]] zum Herzogtum Bayern gehörte und in dieser Zeit teilweise bayerisch besiedelt wurde. Ab [[955]] besiedelten die Bayern auch das „Ostland“ ([[Niederösterreich]]) dauerhaft, das bis [[1156]] ein Teil des Herzogtums Bayern war. |
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| − | Der Bayernherzog [[Theodo II.]] holte den heiligen [[Rupert]] [[696]] nach Salzburg und beauftragte ihn mit der Missionierung seiner Untertanen und der Organisation der bayerischen Kirche. Als Grundausstattung seines Klosters [[Erzabtei St. Peter|St. Peter]] erhielt Rupert vom Herzog etwa ein Drittel der [[Saline Reichenhall]]. Im frühen [[Mittelalter]] war die Reichenhaller Saline die leistungsfähigste im [[Ostalpen]]raum. Sie bildete über Jahrhunderte hinweg die wirtschaftliche Basis der Salzburger Kirche. Das kam auch durch den seit etwa [[755]] verwendeten deutschen Namen für Iuvavum zum Ausdruck: „Salzburg“ ist abgeleitet vom Salz aus den Reichenhaller Salinen und der Herzogsburg der Agilolfinger auf dem [[Festungsberg]]. | + | Der [[Bayerische Herzöge in Salzburg|Bayernherzog]] [[Theodo II.]] holte den heiligen [[Rupert]] [[696]] nach Salzburg und beauftragte ihn mit der Missionierung seiner Untertanen und der Organisation der bayerischen Kirche. Als Grundausstattung seines Klosters [[Erzabtei St. Peter|St. Peter]] erhielt Rupert vom Herzog etwa ein Drittel der [[Saline Reichenhall]]. Im frühen [[Mittelalter]] war die Reichenhaller Saline die leistungsfähigste im [[Ostalpen]]raum. Sie bildete über Jahrhunderte hinweg die wirtschaftliche Basis der Salzburger Kirche. Das kam auch durch den seit etwa [[755]] verwendeten deutschen Namen für Iuvavum zum Ausdruck: „Salzburg“ ist abgeleitet vom Salz aus den Reichenhaller Salinen und der Herzogsburg der Agilolfinger auf dem [[Festungsberg]]. |
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| | Der bayerische Herzog Arnulf (*911, † 937) ließ [[916]] in der [[Salzburger Münze]] Münzen nach [[Regensburg]]er Vorbild prägen. Es war die erste Münzprägung auf heute österreichischem Territorium. | | Der bayerische Herzog Arnulf (*911, † 937) ließ [[916]] in der [[Salzburger Münze]] Münzen nach [[Regensburg]]er Vorbild prägen. Es war die erste Münzprägung auf heute österreichischem Territorium. |
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| − | Der bayerische Herzog Heinrich wurde zum deutschen König gewählt und schenkte im Jahr [[1002]] Erzbischof [[Hartwig]] als Dank für seine Unterstützung umfangreichen Besitz im [[Lungau]]. | + | Der bayerische Herzog Heinrich wurde zum deutschen König gewählt und schenkte im Jahr [[1002]] [[Erzbischof]] [[Hartwig]] als Dank für seine Unterstützung umfangreichen Besitz im [[Lungau]]. |
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| − | Erzbischof [[Konrad III. von Wittelsbach]] war der erste Kardinal und päpstliche Legat in Salzburg. Er begann [[1177]] mit dem Bau des romanischen Doms, den [[Salzburger Dom#Geschichte|Hartwig-Dom]]. | + | Erzbischof [[Konrad III. von Wittelsbach]] war der erste Kardinal und päpstliche Legat in Salzburg. Er begann [[1177]] mit dem Bau des [[Romanik|romanischen]] Doms, den [[Salzburger Dom#Geschichte|Hartwig-Dom]]. |
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| − | Otto, der Bruder des Salzburger Erzbischofs [[Konrad III. von Wittelsbach]], wurde 1180 als erster [[Wittelsbacher]]-Herzog von Bayern. | + | Otto, der Bruder des Salzburger Erzbischofs [[Konrad III. von Wittelsbach]], wurde [[1180]] als erster [[Wittelsbacher]] Herzog von Bayern. |
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| − | Erzbischof [[Adalbert II.]] zerstörte [[1196]] die Salinenstadt Reichenhall, die erzbischöfliche [[Saline Hallein]] konnte daraufhin die Marktführerschaft im [[Salzhandel]] übernehmen. | + | Erzbischof [[Adalbert II.]] zerstörte [[1196]] die Salinenstadt ]]Bad Reichenhall|Reichenhall]], die erzbischöfliche [[Saline Hallein]] konnte daraufhin die Marktführerschaft im [[Salzhandel]] übernehmen. |
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| | Nach dem Aussterben der [[Grafen von Peilstein]] (um 1218) entbrannte ein über Jahrzehnte dauernder Kampf zwischen dem bayerischen Herzog und dem Salzburger Erzbischof um die Herrschaft über die Salinenstadt Reichenhall, den sie mit einem regelrechten „Burgenkrieg“ ausfochten. Im Jahr 1262 entschied Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern den Kampf für sich, er zerstörte die erzbischöflichen Burgen [[Kirchberg]], [[Amerang]] und [[Vager]] im Reichenhaller Tal. | | Nach dem Aussterben der [[Grafen von Peilstein]] (um 1218) entbrannte ein über Jahrzehnte dauernder Kampf zwischen dem bayerischen Herzog und dem Salzburger Erzbischof um die Herrschaft über die Salinenstadt Reichenhall, den sie mit einem regelrechten „Burgenkrieg“ ausfochten. Im Jahr 1262 entschied Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern den Kampf für sich, er zerstörte die erzbischöflichen Burgen [[Kirchberg]], [[Amerang]] und [[Vager]] im Reichenhaller Tal. |
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| − | Die Erzbischöfe waren bestrebt, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet zu schaffen, was durch den Erwerb von Grafschaften und Hochgerichtsbezirken geschah. Salzburg hatte unter anderem [[1213]] alle Rechte im Lungau erworben und den [[Pinzgau]], der zuvor ein an den Bayernherzog vergebenes Lehen war, [[1228]] erhalten. Nachdem [[1229]] die [[Grafen von Lebenau]] ausgestorben waren, konnte sich der Salzburger Erzbischof [[Eberhard II. von Regensburg]] deren Grafschaft sichern. Mit dem Aussterben der [[Grafen von Plain]] im Jahre [[1260]] fiel ihr Herrschaftsgebiet schließlich an die Nachfolger Eberhards. Damit verfügten die Salzburger Erzbischöfe über ein verhältnismäßig großes geschlossenes Herrschaftsgebiet. Mit der weitgehenden Anerkennung der Grenzen der erzbischöflichen Besitzungen durch den Bayernherzog im Jahr [[1275]] war eine wichtige Voraussetzung für die Landeswerdung Salzburgs geschaffen. [[1297]] verkauften die Herzöge von Bayern das [[Gasteiner Tal]] an Erzbischof [[Konrad IV. von Fohnsdorf]]. | + | Die Erzbischöfe waren bestrebt, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet zu schaffen, was durch den Erwerb von Grafschaften und Hochgerichtsbezirken geschah. Salzburg hatte unter anderem [[1213]] alle Rechte im Lungau erworben und den Pinzgau, der zuvor ein an den Bayernherzog vergebenes Lehen war, [[1228]] erhalten. Nachdem [[1229]] die [[Grafen von Lebenau]] ausgestorben waren, konnte sich der Salzburger Erzbischof [[Eberhard II. von Regensburg]] deren Grafschaft sichern. Mit dem Aussterben der [[Grafen von Plain]] im Jahre [[1260]] fiel ihr Herrschaftsgebiet schließlich an die Nachfolger Eberhards. Damit verfügten die Salzburger Erzbischöfe über ein verhältnismäßig großes geschlossenes Herrschaftsgebiet. Mit der weitgehenden Anerkennung der Grenzen der erzbischöflichen Besitzungen durch den Bayernherzog im Jahr [[1275]] war eine wichtige Voraussetzung für die Landeswerdung Salzburgs geschaffen. [[1297]] verkauften die Herzöge von Bayern das [[Gasteiner Tal]] an Erzbischof [[Konrad IV. von Fohnsdorf]]. |
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| − | Die Erzbischöfe waren zwar Reichsfürsten, aber ihr Herrschaftsgebiet galt immer noch als ein Teil des Herzogtums Bayern. Als Erzbischof [[Friedrich III.]] [[1328]] eine eigene Landesordnung erließ, löste er damit seine Besitzungen vom Mutterland Bayern. Aus Salzburg war ein eigenständiges Land innerhalb des „[[Reich#Heiliges Römisches Reich|Heiligen Römischen Reiches]]" geworden. In einer [[1342]] ausgestellten Urkunde sprach Erzbischof [[Heinrich von Pirnbrunn]] erstmals von seinem „Land“. | + | Die Erzbischöfe waren zwar Reichsfürsten, aber ihr Herrschaftsgebiet galt immer noch als ein Teil des Herzogtums Bayern. Als [[Fürsterzbischof]] [[Friedrich III.]] [[1328]] eine eigene [[Salzburger Landesordnung|Landesordnung]] erließ, löste er damit seine Besitzungen vom Mutterland Bayern. Aus Salzburg war ein eigenständiges Land innerhalb des „[[Reich#Heiliges Römisches Reich|Heiligen Römischen Reiches]]" geworden. In einer [[1342]] ausgestellten Urkunde sprach Erzbischof [[Heinrich von Pirnbrunn]] erstmals von seinem „Land“. |
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| | '''Bayern und Salzburg als Nachbarn''' | | '''Bayern und Salzburg als Nachbarn''' |
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| | Spätestens seit dem [[12. Jahrhundert]] wurde [[Holz]] aus den so genannten [[Bayerische Saalforste|Bayerischen Saalforste]] zur Saline Reichenhall [[Holztrift|getriftet]]. Die im salzburgischen Pinzgau gelegenen Wälder gehörten seit alters her den Salinenbetreibern und ab Anfang des [[16. Jahrhundert]]s dem bayerischen Staat. Kaiser Ludwig der Bayer ordnete [[1333]] an, dass das Salz aus [[Hallein]] nur mehr zu Wasser transportiert werden dürfe. [[Laufen]] gewann damit als Schifferstadt an Bedeutung. Kaiser Maximilian I. ließ das Heilige Römische Reich Deutscher Nation im Jahr [[1500]] in so genannte Reichskreise einteilen. Das [[Erzstift Salzburg]] gehörte daraufhin bis [[1806]] zum Bayerischen Reichskreis. | | Spätestens seit dem [[12. Jahrhundert]] wurde [[Holz]] aus den so genannten [[Bayerische Saalforste|Bayerischen Saalforste]] zur Saline Reichenhall [[Holztrift|getriftet]]. Die im salzburgischen Pinzgau gelegenen Wälder gehörten seit alters her den Salinenbetreibern und ab Anfang des [[16. Jahrhundert]]s dem bayerischen Staat. Kaiser Ludwig der Bayer ordnete [[1333]] an, dass das Salz aus [[Hallein]] nur mehr zu Wasser transportiert werden dürfe. [[Laufen]] gewann damit als Schifferstadt an Bedeutung. Kaiser Maximilian I. ließ das Heilige Römische Reich Deutscher Nation im Jahr [[1500]] in so genannte Reichskreise einteilen. Das [[Erzstift Salzburg]] gehörte daraufhin bis [[1806]] zum Bayerischen Reichskreis. |
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| − | Herzog Ludwig X. von Bayern kam [[1525]] dem von aufständischen Bauern belagerten Erzbischof [[Matthäus Lang]] mit Militär zu Hilfe. Im [[1529]] geschlossenen [[Vertrag von Mühldorf]] vereinbarten Erzbischof Matthäus Lang und der bayerische Herzog die Holznutzungsrechte der Reichenhaller Saline im Pinzgau. | + | Herzog Ludwig X. von Bayern kam [[1525]] dem von aufständischen Bauern belagerten Erzbischof [[Matthäus Lang]] mit Militär zu Hilfe. Im [[1529]] geschlossenen [[Vertrag von Mühldorf]] vereinbarten Fürsterzbischof [[Matthäus Lang von Wellenburg]] und der bayerische Herzog die Holznutzungsrechte der Reichenhaller Saline im Pinzgau. |
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| − | [[1540]] wurde [[Ernst Herzog von Bayern]] zum [[Erzbischof]] von Salzburg gewählt. | + | [[1540]] wurde [[Ernst Herzog von Bayern]] zum Fürsterzbischof von Salzburg gewählt. |
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| | Im Jahr [[1583]] wurde ein [[Konkordat]] über kirchliche Angelegenheiten zwischen Bayern und dem Erzbistum Salzburg sowie den [[Salzburger Kirchenprovinz|Suffraganbistümern]] geschlossen. | | Im Jahr [[1583]] wurde ein [[Konkordat]] über kirchliche Angelegenheiten zwischen Bayern und dem Erzbistum Salzburg sowie den [[Salzburger Kirchenprovinz|Suffraganbistümern]] geschlossen. |
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| − | Zwischen Erzbischof [[Wolf Dietrich von Raitenau]] und Herzog Maximilian I. von Bayern entbrannte [[1611]] der so genannte „[[Salzkrieg 1611|Salzkrieg]]“ um die Dominanz im Salzhandel. Dieser Konflikt wurde mit gegenseitigen Wirtschaftsboykotten, Lebensmittel-Embargos und militärischen Operationen ausgetragen. Bayern konnte schließlich den Salzhandel zu seinen Gunsten steuern, nachdem Maximilian als Sieger aus dem Salzkrieg hervorgegangen war. | + | Zwischen Fürsterzbischof [[Wolf Dietrich von Raitenau]] und Herzog Maximilian I. von Bayern entbrannte [[1611]] der so genannte „[[Salzkrieg 1611|Salzkrieg]]“ um die Dominanz im Salzhandel. Dieser Konflikt wurde mit gegenseitigen Wirtschaftsboykotten, Lebensmittel-Embargos und militärischen Operationen ausgetragen. Bayern konnte schließlich den Salzhandel zu seinen Gunsten steuern, nachdem Maximilian als Sieger aus dem Salzkrieg hervorgegangen war. |
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| | Der bayerische Kurfürst Maximilian I. flüchtete im April [[1648]] aus München vor den anrückenden Schweden und Franzosen nach Salzburg, wo er von Fürsterzbischof [[Paris Graf Lodron]] aufgenommen wurde. [[Wolfgang Amadeus Mozart]]s Oper „La finta giardiniera“ wurde [[1775]] in [[München]] uraufgeführt, sechs Jahre später auch die Oper „Idomeneo“. | | Der bayerische Kurfürst Maximilian I. flüchtete im April [[1648]] aus München vor den anrückenden Schweden und Franzosen nach Salzburg, wo er von Fürsterzbischof [[Paris Graf Lodron]] aufgenommen wurde. [[Wolfgang Amadeus Mozart]]s Oper „La finta giardiniera“ wurde [[1775]] in [[München]] uraufgeführt, sechs Jahre später auch die Oper „Idomeneo“. |
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| | Der [[Salinen-Hauptvertrag]] zwischen Bayern und Salzburg ([[1781]]) regelte Angelegenheiten des [[Salz]]<nowiki>abbaus</nowiki> und des Holzbezuges. | | Der [[Salinen-Hauptvertrag]] zwischen Bayern und Salzburg ([[1781]]) regelte Angelegenheiten des [[Salz]]<nowiki>abbaus</nowiki> und des Holzbezuges. |
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| − | Die Stadt [[Mühldorf am Inn]] fiel [[1802]] an Bayern, nachdem sie zuvor fast 900 Jahre dem Salzburger Erzbischof gehörte. Das [[Fürsterzbistum Salzburg]] wurde durch den Reichsdeputationshauptschluss ([[1803]]) in ein weltliches Kurfürstentum umgewandelt. Der frühere Großherzog von Toskana, [[Ferdinand III. von Toskana|Ferdinand III.]], ein Bruder [[Franz II.|Kaiser Franz' II.]], trat nun die Regierung in Salzburg an. Zu seinem räumlich aufgesplitterten Kurfürstentum gehörten neben Salzburg noch weitere säkularisierte Länder wie [[Berchtesgaden]], ein Teil von [[Passau]] und [[Eichstätt]] (alle heute Bayern), die ehedem geistliche Fürstentümer waren. Dieses Staatsgebilde bestand bis [[1806]]. | + | Die Stadt [[Mühldorf am Inn]] fiel [[1802]] an Bayern, nachdem sie zuvor fast 900 Jahre dem Salzburger Erzbischof gehörte. Das [[Erzbistum (Überblick)|Fürsterzbistum Salzburg]] wurde durch den Reichsdeputationshauptschluss ([[1803]]) in ein weltliches Kurfürstentum umgewandelt. Der frühere Großherzog von Toskana, [[Ferdinand III. von Toskana|Ferdinand III.]], ein Bruder Kaiser [[Franz II.|Franz' II.]], trat nun die Regierung in Salzburg an. Zu seinem räumlich aufgesplitterten Kurfürstentum gehörten neben Salzburg noch weitere säkularisierte Länder wie [[Berchtesgaden]], ein Teil von [[Passau]] und [[Eichstätt]] (alle heute Bayern), die ehedem geistliche Fürstentümer waren. Dieses Staatsgebilde bestand bis [[1806]]. |
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| | Das „[[Reich#Heiliges Römisches Reich|Heilige Römische Reich Deutscher Nation]]“, dem Salzburg und Bayern angehörten, wurde [[1806]] aufgelöst. | | Das „[[Reich#Heiliges Römisches Reich|Heilige Römische Reich Deutscher Nation]]“, dem Salzburg und Bayern angehörten, wurde [[1806]] aufgelöst. |
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| | Die neue Staatszugehörigkeit und die damit verbundenen einschneidenden Veränderungen wurden aber vor allem von der Bevölkerung im Gebirge abgelehnt. Diese projizierte ihren Reichspatriotismus auf den österreichischen Kaiser Franz I., der zuvor als Franz II. Kaiser des 1806 untergegangenen „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ gewesen war. Zudem hatten in der österreichischen Zeit von [[1806]] bis [[1809]] die Behörden im Land selbst kaum Veränderungen vorgenommen. Die Beibehaltung des so genannten „alten Herkommens“ war den Bauern weitaus lieber als die Reformflut der bayerischen Verwaltung. In der Stadt Salzburg machten sich die Bayern unter anderem durch die Auflösung der [[Salzburger Landstände]] und der [[Universität]] unbeliebt. Dabei dürfte der Anschluss an Bayern anfangs im ''Flachen Land'' weitgehend akzeptiert und in der Stadt sogar begrüßt worden sein. In der Stadt Salzburg waren nämlich private Transparente mit Aufschriften wie etwa „''Retour nach Baiern''“ zu lesen und die [[Salzburger Zeitung]] erblickte den Tag, „''...wo uns der Zeitenlauf wieder zu dem alten Vaterhause bringt, dem wir einst angehörten''“. Die rücksichtslose Durchsetzung der Reformen im Sinne des Grafen Montgelas jedoch ließ die Sympathie für den Verbleib bei Bayern drastisch schwinden. Ziel des zentralistischen Staates war es, durch die vollständige Löschung der alten Strukturen und jeglicher Eigenart, ein nur nach verwaltungstechnischen Gesichtspunkten gestaltetes Land zu schaffen. Den Salzburgern drohte damit der Verlust ihrer Identität. | | Die neue Staatszugehörigkeit und die damit verbundenen einschneidenden Veränderungen wurden aber vor allem von der Bevölkerung im Gebirge abgelehnt. Diese projizierte ihren Reichspatriotismus auf den österreichischen Kaiser Franz I., der zuvor als Franz II. Kaiser des 1806 untergegangenen „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ gewesen war. Zudem hatten in der österreichischen Zeit von [[1806]] bis [[1809]] die Behörden im Land selbst kaum Veränderungen vorgenommen. Die Beibehaltung des so genannten „alten Herkommens“ war den Bauern weitaus lieber als die Reformflut der bayerischen Verwaltung. In der Stadt Salzburg machten sich die Bayern unter anderem durch die Auflösung der [[Salzburger Landstände]] und der [[Universität]] unbeliebt. Dabei dürfte der Anschluss an Bayern anfangs im ''Flachen Land'' weitgehend akzeptiert und in der Stadt sogar begrüßt worden sein. In der Stadt Salzburg waren nämlich private Transparente mit Aufschriften wie etwa „''Retour nach Baiern''“ zu lesen und die [[Salzburger Zeitung]] erblickte den Tag, „''...wo uns der Zeitenlauf wieder zu dem alten Vaterhause bringt, dem wir einst angehörten''“. Die rücksichtslose Durchsetzung der Reformen im Sinne des Grafen Montgelas jedoch ließ die Sympathie für den Verbleib bei Bayern drastisch schwinden. Ziel des zentralistischen Staates war es, durch die vollständige Löschung der alten Strukturen und jeglicher Eigenart, ein nur nach verwaltungstechnischen Gesichtspunkten gestaltetes Land zu schaffen. Den Salzburgern drohte damit der Verlust ihrer Identität. |
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| | In den folgenden Jahren erfolgten der Ausbau von Straßen, die Einführung der staatlichen Post und Neuerungen in der Landwirtschaft. Das Schul- und Bildungswesen und die medizinische Versorgung wurden verbessert. Schwere Belastungen für die Bevölkerung aber stellten die Erhöhung von Steuern und Abgaben sowie die Truppenaushebungen dar. Trotz der kriegerischen Ereignisse kümmerte man sich um kulturelle Angelegenheiten: Die Bayerische Akademie der Wissenschaften begann [[1815]] mit der Ausgrabung der bekannten [[Römer|römischen]] [[Palastvilla in Loig]]. | | In den folgenden Jahren erfolgten der Ausbau von Straßen, die Einführung der staatlichen Post und Neuerungen in der Landwirtschaft. Das Schul- und Bildungswesen und die medizinische Versorgung wurden verbessert. Schwere Belastungen für die Bevölkerung aber stellten die Erhöhung von Steuern und Abgaben sowie die Truppenaushebungen dar. Trotz der kriegerischen Ereignisse kümmerte man sich um kulturelle Angelegenheiten: Die Bayerische Akademie der Wissenschaften begann [[1815]] mit der Ausgrabung der bekannten [[Römer|römischen]] [[Palastvilla in Loig]]. |
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| | '''Kirchliche Bezüge 696 - 1816''' | | '''Kirchliche Bezüge 696 - 1816''' |
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| − | [[Rupert von Worms]], der Gründer der [[Salzburger Kirche]] ([[696]]) und erfolgreichster Missionar im Herzogtum Bayern gilt als „Apostel der Bayern“. Der Überlieferung nach hat er den bayerischen Herzog Theodo II. in Regensburg getauft. | + | [[Rupert von Worms]], der Gründer der [[Salzburger Kirche]] ([[696]]) und erfolgreichster Missionar im Herzogtum Bayern gilt als „Apostel der Bayern“. Der Überlieferung nach hat er den bayerischen Herzog [[Theodo II.]] in Regensburg getauft. |
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| | Die [[739]] gegründete Diözese Salzburg wurde [[798]] zum [[Erzdiözese Salzburg|Erzbistum]] erhoben und war damit zum Mittelpunkt der neuen bairischen Kirchenprovinz ([[Salzburger Kirchenprovinz]]) geworden. Dem Erzbistum Salzburg unterstanden die Suffraganbistümer [[Regensburg]], [[Passau]], [[Freising]] und [[Brixen|Säben (Brixen)]]. Die Salzburger Kirchenprovinz deckte damit fast das gesamte Gebiet des Herzogtums Bayern ab. Die [[Erzdiözese Salzburg]] selbst umfasste auch Gebiete im heutigen Bayern. Von [[1816]] bis [[1822]] wurden die Diözesangrenzen an die Staatsgrenzen angeglichen. Der [[Rupertiwinkel]] und das bayerische Gebiet östlich des Inns, die seit jeher kirchlich zur Erzdiözese Salzburg gehört hatten, fielen nun in die Zuständigkeit des Erzbistums München-Freising. | | Die [[739]] gegründete Diözese Salzburg wurde [[798]] zum [[Erzdiözese Salzburg|Erzbistum]] erhoben und war damit zum Mittelpunkt der neuen bairischen Kirchenprovinz ([[Salzburger Kirchenprovinz]]) geworden. Dem Erzbistum Salzburg unterstanden die Suffraganbistümer [[Regensburg]], [[Passau]], [[Freising]] und [[Brixen|Säben (Brixen)]]. Die Salzburger Kirchenprovinz deckte damit fast das gesamte Gebiet des Herzogtums Bayern ab. Die [[Erzdiözese Salzburg]] selbst umfasste auch Gebiete im heutigen Bayern. Von [[1816]] bis [[1822]] wurden die Diözesangrenzen an die Staatsgrenzen angeglichen. Der [[Rupertiwinkel]] und das bayerische Gebiet östlich des Inns, die seit jeher kirchlich zur Erzdiözese Salzburg gehört hatten, fielen nun in die Zuständigkeit des Erzbistums München-Freising. |
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| | * Hirsch, Andreas: ''Gestaltung des Abschnittes "geschichtliche Salzburg-Bezüge"'' | | * Hirsch, Andreas: ''Gestaltung des Abschnittes "geschichtliche Salzburg-Bezüge"'' |
| | * [http://www.bayern.de www.bayern.de] | | * [http://www.bayern.de www.bayern.de] |
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| | + | [[Kategorie:Geschichte]] |
| | + | [[Kategorie:Bayern]] |
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