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==Ursachen==
 
==Ursachen==
Bienen sind die Alarmanlage der Natur und manche meinen, dass ein Aussterben der Bienen auch das Ende der Menschheit bedeuten könnte. Sind doch die Bienen die wahrscheinlich wesentlichen Pflanzenbestäuber, ohne die eine auf Pflanzen basierende [[Landwirtschaft]] keine Früchte bringen kann. Zu denken gibt auch, dass Imker, die die [[Imkerei]] in der Stadt auf den Dächern von Häusern betreiben mittlerweile feststellen, dass ihre Bienen langlebiger sind und der Ertrag aus ihren Völkern höher als auf dem Land ist. Dabei sollte man meinen, dass in der Stadt durch Verkehr und Industrie ökologisch schlechtere Verhältnisse als auf dem Land gegeben sind.  
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Bienen sind die Alarmanlage der Natur und manche meinen, dass ein Aussterben der Bienen auch das Ende der Menschheit bedeuten könnte. Sind doch die Bienen die wahrscheinlich wesentlichen Pflanzenbestäuber, ohne die eine auf Pflanzen basierende [[Landwirtschaft]] keine Früchte bringen kann. Zu denken gibt auch, dass Imker, die die [[Imkerei]] in der Stadt auf den Dächern von Häusern betreiben mittlerweile feststellen, dass ihre Bienen langlebiger sind und der Ertrag aus ihren Völkern höher als auf dem Land ist. Dabei sollte man meinen, dass in der Stadt durch Verkehr und Industrie ökologisch schlechtere Verhältnisse als auf dem Land gegeben sind.
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Imker sehen die Ursache für CCD vorwiegend im Einsatz neuer Pestizide. Giftige Wolken von Pestiziden, die auf Maisfelder versprüht werden, können auch umliegende Pflanzen und Bäume vergiften und letztlich zum Tod der Bienen führen. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass es noch andere Gründe geben muss, wie das im Jahr 2004 in Israel entdeckte IAP-Virus (Israel  Acute Paralysis Virus), das in Kombination mit der Varoa-Milbe auftritt, sowie genetische Veränderungen an Pflanzen, alles Ursachen, die möglicherweise fatal zusammenwirken.  
 
Imker sehen die Ursache für CCD vorwiegend im Einsatz neuer Pestizide. Giftige Wolken von Pestiziden, die auf Maisfelder versprüht werden, können auch umliegende Pflanzen und Bäume vergiften und letztlich zum Tod der Bienen führen. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass es noch andere Gründe geben muss, wie das im Jahr 2004 in Israel entdeckte IAP-Virus (Israel  Acute Paralysis Virus), das in Kombination mit der Varoa-Milbe auftritt, sowie genetische Veränderungen an Pflanzen, alles Ursachen, die möglicherweise fatal zusammenwirken.  
 
=====Exkurs: Neue Insektizide=====
 
=====Exkurs: Neue Insektizide=====
 
Untersuchungen in den USA haben ergeben, dass in Bienenstöcken gegenwärtig bereits bis zu 31 verschiedene Pestizide enthalten sind. Im Schnitt finden sich sechs davon in jedem Bienenstock.
 
Untersuchungen in den USA haben ergeben, dass in Bienenstöcken gegenwärtig bereits bis zu 31 verschiedene Pestizide enthalten sind. Im Schnitt finden sich sechs davon in jedem Bienenstock.
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Es sind systemische Pestizide, die seit rund 15 Jahren direkt auf die Pflanzen aufgebracht werden, d.h., das Saatgut wird mit ihnen gebeizt ([[Sonnenblume]]n, [[Mais]]). Die Leute glauben, dass keine Pestizide mehr ausgebracht werden, da die früher beobachteten Spritzmaschinen verschwunden sind. Diese für die Produzenten rentablen neuen Insektizide mit der Bezeichnung Neonicotinoide (= synthetisch hergestellte hochwirksame nikotinartige Wirkstoffe) töten direkt oder indirekt auch das Insekt Biene. Neonicotinoide können durch die Vergiftung des Nervensystems zur Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung und des Orientierungssinnes führen, beide Funktionen sind  für Bienen überlebenswichtig. Die Folgen sind nicht nur für die einzelne Biene, sondern für das ganze Bienenvolk fatal.  
 
Es sind systemische Pestizide, die seit rund 15 Jahren direkt auf die Pflanzen aufgebracht werden, d.h., das Saatgut wird mit ihnen gebeizt ([[Sonnenblume]]n, [[Mais]]). Die Leute glauben, dass keine Pestizide mehr ausgebracht werden, da die früher beobachteten Spritzmaschinen verschwunden sind. Diese für die Produzenten rentablen neuen Insektizide mit der Bezeichnung Neonicotinoide (= synthetisch hergestellte hochwirksame nikotinartige Wirkstoffe) töten direkt oder indirekt auch das Insekt Biene. Neonicotinoide können durch die Vergiftung des Nervensystems zur Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung und des Orientierungssinnes führen, beide Funktionen sind  für Bienen überlebenswichtig. Die Folgen sind nicht nur für die einzelne Biene, sondern für das ganze Bienenvolk fatal.  
 
=====Exkurs: Beispiel Frankreich=====
 
=====Exkurs: Beispiel Frankreich=====
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Für die Resistenz gegen die Varoa-Milbe sind nach heutigem Wissen rund 30 Gene verantwortlich. Durch Zucht von resistenten Bienen durch künstliche Befruchtung von Königinnen will man die Resistenz der Völker erhöhen. Forscher meinen aber, dass diese Resistenz nicht nur genetisch, sondern auch durch das hygienische Verhalten von Bienenvölkern bedingt ist (assoziated with behavior).  
 
Für die Resistenz gegen die Varoa-Milbe sind nach heutigem Wissen rund 30 Gene verantwortlich. Durch Zucht von resistenten Bienen durch künstliche Befruchtung von Königinnen will man die Resistenz der Völker erhöhen. Forscher meinen aber, dass diese Resistenz nicht nur genetisch, sondern auch durch das hygienische Verhalten von Bienenvölkern bedingt ist (assoziated with behavior).  
 
=====Exkurs: Die Situation in den USA=====
 
=====Exkurs: Die Situation in den USA=====
Die Honigbiene wurde erst im [[17. Jahrhundert]] durch europäische Siedler in das heutige Gebiet der USA eingeführt.  Die US-Amerikanische Honigbiene verfügt daher von vorne herein über einen entsprechend limitierten Genpool. Die in den letzten Jahrzehnten erfolgte Intensivzucht bringt eine kontrollierte Evolution in einer kontrollierten und selektierten Umwelt. Die Züchtung zielt auf Kriterien wie erhöhte Fügsamkeit und Honigproduktionssteigerung. Es fehlen die natürliche Anpassung und die damit verbundene Resistenzentwicklung.  
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Die Honigbiene wurde erst im [[17. Jahrhundert]] durch europäische Siedler in das heutige Gebiet der USA eingeführt.  Die US-Amerikanische Honigbiene verfügt daher von vorne herein über einen entsprechend limitierten Genpool. Die in den letzten Jahrzehnten erfolgte Intensivzucht bringt eine kontrollierte Evolution in einer kontrollierten und selektierten Umwelt. Die Züchtung zielt auf Kriterien wie erhöhte Fügsamkeit und Honigproduktionssteigerung. Es fehlen die natürliche Anpassung und die damit verbundene Resistenzentwicklung.
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Während in den 60er Jahren in Kalifornien ausreichend Bienen zur Verfügung standen, um die rund 60 000 ha an Mandelbaumplantagen zu bestäuben, muss mittlerweile zur Zeit der Mandelblüte jährlich ein immer größerer Teil des Gesamtbestandes US-amerikanischen Bienenvölker zur Bestäubung der Mandelbaumplantagen nach Kalifornien gebracht werden. Die Mandelproduktion nimmt dort bereits eine Fläche von 300 000 ha ein, eine Monokultur unvorstellbaren Ausmaßes, die nicht als natürliche Umgebung zu bewerten ist. (In einer für Honigbienen natürlichen Umgebung blühen zahlreiche Pflanzen unterschiedlicher Art gleichzeitig). Die Bienenstöcke werden von den Plantagenbesitzern von industriell arbeitenden Imkern angemietet und von diesen aus allen Ecken der USA angeliefert. Diese mobilen Imker sorgen mittlerweile für die Bestäubung aller Anbauflächen in den Vereinigten Staaten. Die dazu notwendige Zusammenführung vieler Völker mit ihren jeweiligen Erregern aus unterschiedlichen Regionen (mit ihren jeweiligen Pestiziden in den jeweiligen Plantagen) stellt eine massive Gefährdung dar. Die häufigen Transporte bedeuten außerdem einen enormen Stress für die Bienen. Die Königinnen sind bereits kurzlebiger als früher und viele von ihnen werden wie „Turbomilchkühe“, die ihre Leistung nicht mehr bringen, einfach ausgetauscht. Die Imker handeln immer mehr wie Viehzüchter, ihre Plantagenfütterung und die dadurch notwendige Medikamentierung entsprechen einer aggressiven Imkerei: ihre Bienen werden bis zum Tod ausgebeutet. Ihr Überleben ist nur durch den kurzen Verbleib in den jeweiligen Plantagen (Mandelbaumkulturen, Apfelbaumkulturen etc.) möglich, ihre natürliche Lebensdauer wird aber in jedem Fall verkürzt. Die Biene wird zur Wegwerfarbeiterin degradiert.
 
Während in den 60er Jahren in Kalifornien ausreichend Bienen zur Verfügung standen, um die rund 60 000 ha an Mandelbaumplantagen zu bestäuben, muss mittlerweile zur Zeit der Mandelblüte jährlich ein immer größerer Teil des Gesamtbestandes US-amerikanischen Bienenvölker zur Bestäubung der Mandelbaumplantagen nach Kalifornien gebracht werden. Die Mandelproduktion nimmt dort bereits eine Fläche von 300 000 ha ein, eine Monokultur unvorstellbaren Ausmaßes, die nicht als natürliche Umgebung zu bewerten ist. (In einer für Honigbienen natürlichen Umgebung blühen zahlreiche Pflanzen unterschiedlicher Art gleichzeitig). Die Bienenstöcke werden von den Plantagenbesitzern von industriell arbeitenden Imkern angemietet und von diesen aus allen Ecken der USA angeliefert. Diese mobilen Imker sorgen mittlerweile für die Bestäubung aller Anbauflächen in den Vereinigten Staaten. Die dazu notwendige Zusammenführung vieler Völker mit ihren jeweiligen Erregern aus unterschiedlichen Regionen (mit ihren jeweiligen Pestiziden in den jeweiligen Plantagen) stellt eine massive Gefährdung dar. Die häufigen Transporte bedeuten außerdem einen enormen Stress für die Bienen. Die Königinnen sind bereits kurzlebiger als früher und viele von ihnen werden wie „Turbomilchkühe“, die ihre Leistung nicht mehr bringen, einfach ausgetauscht. Die Imker handeln immer mehr wie Viehzüchter, ihre Plantagenfütterung und die dadurch notwendige Medikamentierung entsprechen einer aggressiven Imkerei: ihre Bienen werden bis zum Tod ausgebeutet. Ihr Überleben ist nur durch den kurzen Verbleib in den jeweiligen Plantagen (Mandelbaumkulturen, Apfelbaumkulturen etc.) möglich, ihre natürliche Lebensdauer wird aber in jedem Fall verkürzt. Die Biene wird zur Wegwerfarbeiterin degradiert.
  
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