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''Salzburg den 30/1 1872. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Es ist schon wieder eine geraume Zeit, seit ich dir das letzte mal geschrieben, aber ich habe imer viel zu thun; ann [!] einen Tag auf den andern meine ich zu schreiben und wider komme ich nicht dazu. Ich höre wohl immer von der Fany wie es dir geht. Die Fany sieht recht gut auß und ist schon bald fertig mit der Außstattung'' [Aussteuer, Anm.] ''bis auf Kleinigkeiten, und Kleider; auch wir sind schon zimmlich vorwerts gekommen habe[n] aber doch noch vieles zu ordnen? wie ist es den mit den [!] Bett? wenn du es früher brauchen solltest – so mußt du es schreiben, sonst warte ich mit Roßhar zupfen, bis es etwas wärmer wird.'' /
 
''Salzburg den 30/1 1872. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Es ist schon wieder eine geraume Zeit, seit ich dir das letzte mal geschrieben, aber ich habe imer viel zu thun; ann [!] einen Tag auf den andern meine ich zu schreiben und wider komme ich nicht dazu. Ich höre wohl immer von der Fany wie es dir geht. Die Fany sieht recht gut auß und ist schon bald fertig mit der Außstattung'' [Aussteuer, Anm.] ''bis auf Kleinigkeiten, und Kleider; auch wir sind schon zimmlich vorwerts gekommen habe[n] aber doch noch vieles zu ordnen? wie ist es den mit den [!] Bett? wenn du es früher brauchen solltest – so mußt du es schreiben, sonst warte ich mit Roßhar zupfen, bis es etwas wärmer wird.'' /
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''Wen alles fertig ist, so laße ich es bey den Goigingen waschen, und auch dort alles bügeln, damit es recht schön ist. Morgen 2 Monathe gehst du so gott will schon von Mödling fort, wie schnell die Zeit herum sein wird. Ich bin für dich sehr erfreut, daß du nun wider um 100 gulden mehr bekommen hast, ist gut zu brauchen. Es giebt Außlagen genug. August Spángler<ref>August Franz Maria [[Spängler]] (* 1827; † 1895); er führt mit seinem Bruder Josef II. Spängler (* 1823; † 1895) die "Franz Spängler'sche Tuch- und Seidenhandlung" am Marktplatz  [&nbsp;[[Alter Markt]], Anm.] Nr. 2, Gehmacherhaus), bis die Firma 1893 an Max [[Gehmacher]] verkauft wird.</ref> hat wider 150 fl [Gulden] gezalt, da gab mir Otto die 8 fl vom Monathgeld und die Außlagen was ich für dich noch kaufen mußte was zu wenig herug [?] ward [?]. Ich glaube er schreibt auch einige Zeilen und fragt was er kauffen soll von den übrigen geld, ich glaube es wird auch das Abzahlen an der Sparkasse bald treffen. Das die Rizzi gestorben, ist wohl ein glück, den sie hat ja mit den Tod nun auf gehört zu Leiden. / Sie hatte ja schon Jahre lang keinen Genuß von Leben. Das vom Schlägl das kleine Kind gestorben<ref>Berta Schlegel (* 20. Dezember 1871; † 26. Jänner 1872), eine Tochter von [[Richard Franz Schlegel]] aus der zweiten Ehe</ref> wirst du von Fany wissen die Mutter war ganz trostlos, aber es wird sich schon geben, sie hat zum erziehen, und anhalten, und zur Arbeit, noch Kinder genug. Die Fany ist auch meiner Meinung. Du wirst dieß mal den Fasching ganz einfach zubringen und gewiß wenig oder gar nicht tanzen, die Fany geht eigens hin so auch die Ewa Zeller. Die Louise war neulich auf den Juristen Ball hat sehr hübsch außgesehen und viel getanzt. Am 6 te Februar geht sie wider eben so auch die Koch, auch die soll sehr hübsch außgese[he]n haben. Lebe nun recht wohl es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Kata[ri]na Spángler'' /
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''Wen alles fertig ist, so laße ich es bey den Goigingen waschen, und auch dort alles bügeln, damit es recht schön ist. Morgen 2 Monathe gehst du so gott will schon von Mödling fort, wie schnell die Zeit herum sein wird. Ich bin für dich sehr erfreut, daß du nun wider um 100 gulden mehr bekommen hast, ist gut zu brauchen. Es giebt Außlagen genug. August Spángler<ref>August Franz Maria [[Spängler]] (* 1827; † 1895); er führt mit seinem Bruder Josef II. Spängler (* 1823; † 1895) die "Franz Spängler'sche Tuch- und Seidenhandlung" am Marktplatz  [&nbsp;[[Alter Markt]], Anm.] Nr. 2, Gehmacherhaus), bis die Firma 1893 an Max [[Gehmacher]] verkauft wird.</ref> hat wider 150 fl [Gulden] gezalt, da gab mir Otto die 8 fl vom Monathgeld und die Außlagen was ich für dich noch kaufen mußte was zu wenig herug [?] ward [?]. Ich glaube er schreibt auch einige Zeilen und fragt was er kauffen soll von den übrigen geld, ich glaube es wird auch das Abzahlen an der Sparkasse bald treffen. Das die Rizzi gestorben, ist wohl ein glück, den sie hat ja mit den Tod nun auf gehört zu Leiden.<ref>Anna Rizzi, geb. Lürzer, Edle von Zehendthal, Landrichterswitwe ... [gestorben] nach einer längeren schmerzlichen Krankheit ... im 74. Jahre ihres Lebens am 16. Jänner 1872 ... am 18. Jänner ... auf dem Friedhofe in Hall bestattet ... [unterschrieben von:] Anton Rizzi, k. k. Kreisgerichtsoffizial / Karl Rizzi, Handlungsdisponent / Heinrich Rizzi, k. k. Lieutenant [zusammen:] als Kinder / Josefine Sauter, geb. von Lürzer / Therese von Lürzer, Stiftsdame / Antonie Spängler, geb. von Lürzer, Witwe / Leopold von Lürzer, pens. k. k. Finanzoffizial [zusammen:] als Geschwister / Andreas Sauter, pens. k. k. Oberforstrath, als Schwager. Todesanzeige</ref> / Sie hatte ja schon Jahre lang keinen Genuß von Leben. Das vom Schlägl das kleine Kind gestorben<ref>Berta Schlegel (* 20. Dezember 1871; † 26. Jänner 1872), eine Tochter von [[Richard Franz Schlegel]] aus der zweiten Ehe</ref> wirst du von Fany wissen die Mutter war ganz trostlos, aber es wird sich schon geben, sie hat zum erziehen, und anhalten, und zur Arbeit, noch Kinder genug. Die Fany ist auch meiner Meinung. Du wirst dieß mal den Fasching ganz einfach zubringen und gewiß wenig oder gar nicht tanzen, die Fany geht eigens hin so auch die Ewa Zeller. Die Louise war neulich auf den Juristen Ball hat sehr hübsch außgesehen und viel getanzt. Am 6 te Februar geht sie wider eben so auch die Koch, auch die soll sehr hübsch außgese[he]n haben. Lebe nun recht wohl es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Kata[ri]na Spángler'' /
    
''die Pepi Reißigl hat in Mühln'' [Mülln, Anm.] ''eine Wohnung gemiethet um 300 fl'' [Gulden, Anm.] ''sie will um eine Partei'' [wohl: Mieter, Anm.] ''sich schauen, die wird wohl fertig werden mit ihren geld wen sie so thut. Wir gehen hier wegen der Rizzi nicht in trauer. Mittag. Soeben habe ich von der Fany ihrer Kochkunst einen sehr guten Guglhupf gekostet.''
 
''die Pepi Reißigl hat in Mühln'' [Mülln, Anm.] ''eine Wohnung gemiethet um 300 fl'' [Gulden, Anm.] ''sie will um eine Partei'' [wohl: Mieter, Anm.] ''sich schauen, die wird wohl fertig werden mit ihren geld wen sie so thut. Wir gehen hier wegen der Rizzi nicht in trauer. Mittag. Soeben habe ich von der Fany ihrer Kochkunst einen sehr guten Guglhupf gekostet.''