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| | [Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler:<br />''Salzburg 2/8 1885/ Liebster Mann! Mit innigster Freude empfing ich deinen lieben Brief und bin mit dessen Inhalt sehr zufrieden; in der Thatsache, daß dein Urlaub 17 nicht 21 Tage dauern soll, muß ich mich halt fügen und ich freue mich einstweilen auf dich. Daß Herrn Neufeld noch eine fünfzig Guldennote für Euch gab, freut mich; dieser Herr schein[t] gut mit Kleingeld versehen zu sein. | | [Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler:<br />''Salzburg 2/8 1885/ Liebster Mann! Mit innigster Freude empfing ich deinen lieben Brief und bin mit dessen Inhalt sehr zufrieden; in der Thatsache, daß dein Urlaub 17 nicht 21 Tage dauern soll, muß ich mich halt fügen und ich freue mich einstweilen auf dich. Daß Herrn Neufeld noch eine fünfzig Guldennote für Euch gab, freut mich; dieser Herr schein[t] gut mit Kleingeld versehen zu sein. |
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| − | ''Für den Touristenausflug am 9./8. wünsche ich viel Vergnügen und gutes Wetter. An diesem Tage werde ich wol kaum Nachricht von dir haben.'' - <small>[gestrichen:]</small> ''3/8. Franzis Brief ist hoffentlich heute dir zugekommen. Sie stellt sich wirklich recht geschickt zum Schwimmen [an] und hat eine große Freude. Auf dem Heimweg von Leopoldskron begegnete uns gestern Fr. v. Plachetka die mich und die drei Größeren auf ihren Einspänner packte, und uns rings um den Leopoldskronenteich führte. So kamen wir zu einer Spazierfahrt. Nach Tisch machten wir einen Gang über den [[Mönchsberg]], wo es mir auf’s Neue wolgefiel. Es wäre doch hübsch, wenn unsere nächste Übersiedlung hierher wäre! - - - Übrigens ist auch Korneuburg ein hübscher Ort. Morgen fortsetzung. | + | ''Für den Touristenausflug am 9./8. wünsche ich viel Vergnügen und gutes Wetter. An diesem Tage werde ich wol kaum Nachricht von dir haben.'' - <small>[gestrichen:]</small> ''3/8. Franzis Brief ist hoffentlich heute dir zugekommen. Sie stellt sich wirklich recht geschickt zum Schwimmen'' [an] ''und hat eine große Freude. Auf dem Heimweg von Leopoldskron begegnete uns gestern Fr. v. Plachetka die mich und die drei Größeren auf ihren Einspänner packte, und uns rings um den Leopoldskronenteich führte. So kamen wir zu einer Spazierfahrt. Nach Tisch machten wir einen Gang über den [[Mönchsberg]], wo es mir auf’s Neue wolgefiel. Es wäre doch hübsch, wenn unsere nächste Übersiedlung hierher wäre! - - - Übrigens ist auch Korneuburg ein hübscher Ort. Morgen fortsetzung. |
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| | ''Liebster Mann! 4/8./ Deine Karte habe ich gestern Abend bekommen, auch heute Vormittag deine leztgeschriebene. Gestern u. vorgestern heute waren wir in Leopoldskron. Gestern sprang Franzi zweimal und heute denke dir, welcher Schreck! ist sie nicht zum Springen zu bewegen gewesen. Ich habe ihr alles [!] Ernstes gesagt, daß, wenn sie zu feig zum Springen ist, sie keine Schwimmstunde mehr bekommt. Sie versprach, morgen wieder zu springen. Gestern war ich Nachmittags allein bei Großmutter, da ihre Magd mich gebeten hatte, daß sie einmal nach Maria-Plein gehen möchte. | | ''Liebster Mann! 4/8./ Deine Karte habe ich gestern Abend bekommen, auch heute Vormittag deine leztgeschriebene. Gestern u. vorgestern heute waren wir in Leopoldskron. Gestern sprang Franzi zweimal und heute denke dir, welcher Schreck! ist sie nicht zum Springen zu bewegen gewesen. Ich habe ihr alles [!] Ernstes gesagt, daß, wenn sie zu feig zum Springen ist, sie keine Schwimmstunde mehr bekommt. Sie versprach, morgen wieder zu springen. Gestern war ich Nachmittags allein bei Großmutter, da ihre Magd mich gebeten hatte, daß sie einmal nach Maria-Plein gehen möchte. |
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| | ''Gertraud ist eine sehr brave brauchbare Person, ich kann nur wünschen, daß sie bei Großmutter aushalten möge. Großmutter war recht ruhig und ziemlich klar. | | ''Gertraud ist eine sehr brave brauchbare Person, ich kann nur wünschen, daß sie bei Großmutter aushalten möge. Großmutter war recht ruhig und ziemlich klar. |
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| − | ''Es kam eben das Inkasso von Schrems [?] durch Dr Widmann, mit meiner Beihilfe, freilich kaum leserlich unterzeichnete sie die Quittung, frug auch um den Betrag/: 350 fl:/ [Gulden] welchen ich in die Kasse versperrte, den Schlüßel hat meine Mutter in Händen. Mit Großmutter’s Bewilligung nehme ich mir den Bedarf für unser Essen Mittag u. Abends. Sie kümmert sich nicht weiter darum. Bis du kommst muß in den Geldangelegenheiten andere Ordnung werden. - Für heute lebe wol 1000 Küße. | + | ''Es kam eben das Inkasso von Schrems [?] durch Dr Widmann, mit meiner Beihilfe, freilich kaum leserlich unterzeichnete sie die Quittung, frug auch um den Betrag/: 350 fl:/'' [Gulden, Anm.] ''welchen ich in die Kasse versperrte, den Schlüßel hat meine Mutter in Händen. Mit Großmutter’s Bewilligung nehme ich mir den Bedarf für unser Essen Mittag u. Abends. Sie kümmert sich nicht weiter darum. Bis du kommst muß in den Geldangelegenheiten andere Ordnung werden. - Für heute lebe wol 1000 Küße. |
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| − | ''Liebster Franzl! 5/8./ Ich muß dir doch wieder einmal sagen daß ich dich sehr lieb habe, und mich sehr auf dein Kommen freue! Im Übrigen geht es uns sehr gut. Heute hat Franzi wieder gutgemacht was sie gestern beim Springen schlecht machte. Zweimal sprang sie nach einigem Zureden und durch einen leichten Stoß veranlaßt, zum Schluß der Lektion sprang sie noch zweimal ohne Zögern. Ich hoffe dieser Anfall von Feigheit wäre vorbei. Im Übrigen schwimmt sie recht ordentlich. Wir gehen immer Vormittag nach [[Leopoldskron]]. Bei meinen Schwestern bin ich heuer weniger als andere Male, da Rosa [die jüngere Halbschwester von Fanni] leider immer recht leidend ist, und keinen Lärm der Kinder verträgt. Sie sieht recht übel aus. Gestern war ich bei Schumacher. Emma ist bedeutend schlanker geworden / sieht aber sonst gut aus. Mit vielem dank für die heutige Karte schließe ich diesen Brief. Behalte lieb deine Fanni - Grüße von Franzi u[nd] Toni. | + | ''Liebster Franzl! 5/8./ Ich muß dir doch wieder einmal sagen daß ich dich sehr lieb habe, und mich sehr auf dein Kommen freue! Im Übrigen geht es uns sehr gut. Heute hat Franzi wieder gutgemacht was sie gestern beim Springen schlecht machte. Zweimal sprang sie nach einigem Zureden und durch einen leichten Stoß veranlaßt, zum Schluß der Lektion sprang sie noch zweimal ohne Zögern. Ich hoffe dieser Anfall von Feigheit wäre vorbei. Im Übrigen schwimmt sie recht ordentlich. Wir gehen immer Vormittag nach [[Leopoldskron]]. Bei meinen Schwestern bin ich heuer weniger als andere Male, da Rosa'' [die jüngere Halbschwester von Fanni, Anm.] ''leider immer recht leidend ist, und keinen Lärm der Kinder verträgt. Sie sieht recht übel aus. Gestern war ich bei Schumacher. Emma ist bedeutend schlanker geworden / sieht aber sonst gut aus. Mit vielem dank für die heutige Karte schließe ich diesen Brief. Behalte lieb deine Fanni - Grüße von Franzi u[nd] Toni. |
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| | Tochter "Franzi" ist acht Jahre alt; "Großmutter": Fanny Kobler, geb. 1796, 89 Jahre alt. | | Tochter "Franzi" ist acht Jahre alt; "Großmutter": Fanny Kobler, geb. 1796, 89 Jahre alt. |