| | ''Da sagst, es sei doch zu viel, wenn ich aus Theilnahme für fremdes Leid kaum den Gedanken an mein, an unser Glück recht zu faßen wagte. Ich meine, gerade das eigene Glück macht uns geneigter, dem Schmerz des Nächsten tieferes Mitgefühl zu widmen, wir denken uns ernster in die Lage des Unglücklichen, der uns im Vergleich mit unserer eigenen so viel trauriger erscheint, je heller und schöner das Leben vor unsern Blicken liegt. Einerseits aber bringt ein trauriges Ereignis uns auch die Wandelbarkeit irdischen Glückes in Erinnerung, und in diesem Sinne meine ich, wagen wir kaum das eigene Glück recht zu durchdenken, indem wir an unserem Nächsten erfahren, wie rasch ein trauriger Wehsel eintritt. – Du mußt aber nach diesem nicht glauben, ich schaue so düster und furchtsam in die Zukunft, ich vertraue auf Gottes Güte, die uns sicher durch alle Vorfälle des Erdenlebens führen kann und wird. Für heute muß ich schließen, da ich die Singakademie besuchen will. Es wird für ein Concert am Cäcilienfeste studirt, wo ich mitsingen werde, vielleicht zum letzten Mal. Erinnerst du dich an die Concertprobe, welchem du bei deinem Aufenthalte zu [[Pfingsten]] beinerhatest [?]? – | | ''Da sagst, es sei doch zu viel, wenn ich aus Theilnahme für fremdes Leid kaum den Gedanken an mein, an unser Glück recht zu faßen wagte. Ich meine, gerade das eigene Glück macht uns geneigter, dem Schmerz des Nächsten tieferes Mitgefühl zu widmen, wir denken uns ernster in die Lage des Unglücklichen, der uns im Vergleich mit unserer eigenen so viel trauriger erscheint, je heller und schöner das Leben vor unsern Blicken liegt. Einerseits aber bringt ein trauriges Ereignis uns auch die Wandelbarkeit irdischen Glückes in Erinnerung, und in diesem Sinne meine ich, wagen wir kaum das eigene Glück recht zu durchdenken, indem wir an unserem Nächsten erfahren, wie rasch ein trauriger Wehsel eintritt. – Du mußt aber nach diesem nicht glauben, ich schaue so düster und furchtsam in die Zukunft, ich vertraue auf Gottes Güte, die uns sicher durch alle Vorfälle des Erdenlebens führen kann und wird. Für heute muß ich schließen, da ich die Singakademie besuchen will. Es wird für ein Concert am Cäcilienfeste studirt, wo ich mitsingen werde, vielleicht zum letzten Mal. Erinnerst du dich an die Concertprobe, welchem du bei deinem Aufenthalte zu [[Pfingsten]] beinerhatest [?]? – |
| − | ''4. 11. ½ 9 Uhr früh. Auf deine Frage wegen Schumacher und Emma weiß ich keine bestimmte Antwort. Emma <ref>Emma Seehofer; Freundin der Fanni Schlegel, verh. Spängler</ref> sagte mir neulich, daß sie doch hoffentlich im Laufe des nächsten Sommers heirathen werden. Sie bedauert, daß ich wahrscheinlich nicht bei ihrer Hochzeit sein werde. Ich erwiderte, sie sollte eine geschickte Zeit zu ihrer Vermählung aussuchen, dann kommen wir Beide, du u. ich per Dampf angefahren an ihrem Hochzeitstag. Findest du vielleicht besser, daß wir warten, damit ich ihre Brautjungfer sein kann? Damit wärst du wol nicht einverstanden, oder? – Mir scheint, du wirst ohnehin ungeduldig genug bis zum April, aber denke an das "Wort der Frau: Es bleibt dabei. Und es bleibt dabei, sagt auch die Großmutter bezüglich der Hochzeitsreise, die wir im Februar noch keinesfalls machen dürften, weder nach Italien noch auch sonst wohin. Also Geduld. – Wo Albert und Emma sich niederlaßen werden, scheint auch noch nicht bestimmt, doch wird häufig von Wien gesprochen. Das wäre recht hübsch, wenn wir so nahe zusammen kämen. Minna Lorinser freut sich auch schon, wenn ich einmal für immer nach Wien komme, sie schrieb neulich, wenn ich komme, wird ihr sein, als ob ein Stück Salzburg in ihr Staubnest käme. So ungebührlich beliebt sie die alte Kaiserstadt zu betiteln, für die sie eben gar keine Sympathie hat. Ich weiß nicht, womit ich es verdiene, daß Minna, so wenig wir uns früher verstanden, mich nun so lieb hat, und so gern bei mir ist. – Nun heute sind noch 50 Tage bis zum Weihnachtsabend, siehst du, ich bin wie ein Kind, und zähle die Tage bis zu dem lieben, schönen Fest. Ich gehöre aber nicht zu den braven Kindern, die an das Christkind schreiben dürfen. Am Ende würde eine solche Correspondenz auch unseren Briefwechsel beeinträchtigen und das wäre wieder dir nicht recht, ich bilde mir sogar ein, daß dich meine Briefe mehr erfreuen, als sie das Christkindl freuen würden, das doch so sehr viele Briefe von viel braveren Kindern kriegt. – Mittwoch 1. Nov. schrieb ich an Frau v.Danner, bin neugierig, wann ich eine Antwort bekomme. – | + | ''4. 11. ½ 9 Uhr früh. Auf deine Frage wegen Schumacher und Emma weiß ich keine bestimmte Antwort. Emma'' [Zeller, Anm.] ''sagte mir neulich, daß sie doch hoffentlich im Laufe des nächsten Sommers heirathen werden. Sie bedauert, daß ich wahrscheinlich nicht bei ihrer Hochzeit sein werde. Ich erwiderte, sie sollte eine geschickte Zeit zu ihrer Vermählung aussuchen, dann kommen wir Beide, du u. ich per Dampf angefahren an ihrem Hochzeitstag. Findest du vielleicht besser, daß wir warten, damit ich ihre Brautjungfer sein kann? Damit wärst du wol nicht einverstanden, oder? – Mir scheint, du wirst ohnehin ungeduldig genug bis zum April, aber denke an das "Wort der Frau: Es bleibt dabei. Und es bleibt dabei, sagt auch die Großmutter bezüglich der Hochzeitsreise, die wir im Februar noch keinesfalls machen dürften, weder nach Italien noch auch sonst wohin. Also Geduld. – Wo Albert und Emma sich niederlaßen werden, scheint auch noch nicht bestimmt, doch wird häufig von Wien gesprochen. Das wäre recht hübsch, wenn wir so nahe zusammen kämen. Minna Lorinser freut sich auch schon, wenn ich einmal für immer nach Wien komme, sie schrieb neulich, wenn ich komme, wird ihr sein, als ob ein Stück Salzburg in ihr Staubnest käme. So ungebührlich beliebt sie die alte Kaiserstadt zu betiteln, für die sie eben gar keine Sympathie hat. Ich weiß nicht, womit ich es verdiene, daß Minna, so wenig wir uns früher verstanden, mich nun so lieb hat, und so gern bei mir ist. – Nun heute sind noch 50 Tage bis zum Weihnachtsabend, siehst du, ich bin wie ein Kind, und zähle die Tage bis zu dem lieben, schönen Fest. Ich gehöre aber nicht zu den braven Kindern, die an das Christkind schreiben dürfen. Am Ende würde eine solche Correspondenz auch unseren Briefwechsel beeinträchtigen und das wäre wieder dir nicht recht, ich bilde mir sogar ein, daß dich meine Briefe mehr erfreuen, als sie das Christkindl freuen würden, das doch so sehr viele Briefe von viel braveren Kindern kriegt. – Mittwoch 1. Nov. schrieb ich an Frau v.Danner, bin neugierig, wann ich eine Antwort bekomme. – |
| | ''An meine sogenannte böhmische Großmutter schrieb ich zu ihrem Namenstag, sie heißt Therese'' [Schlegel, Anm.] '', und schickte ihr die Fotografien von uns, die Brustbilder. Sie hatte Freude daran und findet auch, daß wir gut zusammen passen. Das finden wir auch, nicht wahr? – Am Allerseelentage ging ich allein in die Franziskanerkirche, nach der hl:Messe besuchte ich am St. Peterfriedhofe die Gräber. Zuerst das deines sel: Vater, wo ich mich auch erinnerte, wie wir Beide an derselben Stelle standen. Was dein guter Vater wol sagen würde wenn er mich sehen könnte. Dann besuchte ich das Grab der armen Fanni Plachetka. Obwohl ich sie nicht kannte, ich sah sie nur einmal, habe ich doch Sympathie für sie, als die Schwester meiner lieben Lida. Zuletzt stand ich einige Augenblicke an dem neuen Grabhügel der armen Marie Gattermay[e]r. Bei Gelegenheit ihres Todes trat mir der Gedanke nahe, wie trostreich der Glaube an ein Fortleben der Seele, an ein einstiges Wiedersehen ist. Resi Gattermay[e]r sagte am Todestag ihrer Schwester, nun uns die gute Marie vorangegangen ist, kann ich mich freuen auf das Hinübergehen ins Jenseits, weil ich weiß, daß ich dort die verklärte Marie wiederfinden werde. Wieviel größer muß der Schmerz der Trennung für Jene sein, die den seligen Glauben an ein künftiges Leben aufgegeben haben! – Doch genug hiervon. – Ich freue mich, daß du soviel Talent zeigst, ein recht guter Ehemann zu werden, doch daran zweifelte ich ohnehin nicht. Ich erkläre mich auch bereit, als deine treue Lebensgefährtin dich auf den verschiedenen Lebenswegen zu begleiten, auch auf denen die Abends ins Gasthaus führen. Wenn wir zum Einkaufe der Möbel u.s.f. im Februar nach Wien kommen, freue ich mich schon, mit dir recht viel Schönes und Neues sehen zu können. Ich werde auch eigens für diese Zeit recht schöne Theaterstücke zur Aufführung bestellen. Hoffentlich wird man mir zu Ehren auch eine Festvorstellung veranstalten, natürlich mit Beleuchtung des äußeren Schauplatzes, meinst du nicht? – | | ''An meine sogenannte böhmische Großmutter schrieb ich zu ihrem Namenstag, sie heißt Therese'' [Schlegel, Anm.] '', und schickte ihr die Fotografien von uns, die Brustbilder. Sie hatte Freude daran und findet auch, daß wir gut zusammen passen. Das finden wir auch, nicht wahr? – Am Allerseelentage ging ich allein in die Franziskanerkirche, nach der hl:Messe besuchte ich am St. Peterfriedhofe die Gräber. Zuerst das deines sel: Vater, wo ich mich auch erinnerte, wie wir Beide an derselben Stelle standen. Was dein guter Vater wol sagen würde wenn er mich sehen könnte. Dann besuchte ich das Grab der armen Fanni Plachetka. Obwohl ich sie nicht kannte, ich sah sie nur einmal, habe ich doch Sympathie für sie, als die Schwester meiner lieben Lida. Zuletzt stand ich einige Augenblicke an dem neuen Grabhügel der armen Marie Gattermay[e]r. Bei Gelegenheit ihres Todes trat mir der Gedanke nahe, wie trostreich der Glaube an ein Fortleben der Seele, an ein einstiges Wiedersehen ist. Resi Gattermay[e]r sagte am Todestag ihrer Schwester, nun uns die gute Marie vorangegangen ist, kann ich mich freuen auf das Hinübergehen ins Jenseits, weil ich weiß, daß ich dort die verklärte Marie wiederfinden werde. Wieviel größer muß der Schmerz der Trennung für Jene sein, die den seligen Glauben an ein künftiges Leben aufgegeben haben! – Doch genug hiervon. – Ich freue mich, daß du soviel Talent zeigst, ein recht guter Ehemann zu werden, doch daran zweifelte ich ohnehin nicht. Ich erkläre mich auch bereit, als deine treue Lebensgefährtin dich auf den verschiedenen Lebenswegen zu begleiten, auch auf denen die Abends ins Gasthaus führen. Wenn wir zum Einkaufe der Möbel u.s.f. im Februar nach Wien kommen, freue ich mich schon, mit dir recht viel Schönes und Neues sehen zu können. Ich werde auch eigens für diese Zeit recht schöne Theaterstücke zur Aufführung bestellen. Hoffentlich wird man mir zu Ehren auch eine Festvorstellung veranstalten, natürlich mit Beleuchtung des äußeren Schauplatzes, meinst du nicht? – |