| − | ''Herrn Doctor Franz Spängler kk: Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXX erh 16/2 beantw 16/2] aufgedruckte 5 Kr-Marke, rotes Lacksiegel'' [siehe oben] "F": ''Salzburg 14.'' [gleicher Tag wie voriger Brief!] ''Februar 1872. ½ 9 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Obwo[h]l ich vor kaum 2 Stunden einen Brief an dich abschickte, benütze ich doch noch ein freies Stündchen vor dem Schlafengehn, um etwas ausführlicher und geordneter an dich zu schreiben. Die "Hochgnädige" zu welcher wir um 7 Uhr gingen, war nicht zu Hause, und so kann ich dir schreiben, nachdem ich zuerst an Minna einen Brief schrieb. – Wie ich dir unlängst schon schrieb, geht es bei uns immer geschäftiger zu. Tag um Tag rückt das Ziel näher und immer giebt es Neues zu besorgen und anzuordnen. Am Montag waren wir also noch einmal bei Zeller, wie bald wird der gewohnte Kreis so anders gestaltet sein! Emma ist sehr lieb und vergnügt, ich versprach ihr, wenn wir Beide d.h. du u. ich S sie zur Hochzeit laden, einen ganzen Tag dazu zu verwenden, damit wir ihren Haushalt sehen können, du bist doch einverstanden? Gestern mußte ich lebhaft an den Faschingsdienstag 1869 denken. Gestern soll es recht hübsch im Casino gewesen sein, erzählte mir Lida.'' | + | ''Herrn Doctor Franz Spängler kk: Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXX erh 16/2 beantw 16/2] aufgedruckte 5 Kr-Marke, rotes Lacksiegel'' [siehe oben, Anm.] "F": ''Salzburg 14.'' [gleicher Tag wie voriger Brief! Anm.] ''Februar 1872. ½ 9 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Obwo[h]l ich vor kaum 2 Stunden einen Brief an dich abschickte, benütze ich doch noch ein freies Stündchen vor dem Schlafengehn, um etwas ausführlicher und geordneter an dich zu schreiben. Die "Hochgnädige" zu welcher wir um 7 Uhr gingen, war nicht zu Hause, und so kann ich dir schreiben, nachdem ich zuerst an Minna einen Brief schrieb. – Wie ich dir unlängst schon schrieb, geht es bei uns immer geschäftiger zu. Tag um Tag rückt das Ziel näher und immer giebt es Neues zu besorgen und anzuordnen. Am Montag waren wir also noch einmal bei Zeller, wie bald wird der gewohnte Kreis so anders gestaltet sein! Emma ist sehr lieb und vergnügt, ich versprach ihr, wenn wir Beide d.h. du u. ich S sie zur Hochzeit laden, einen ganzen Tag dazu zu verwenden, damit wir ihren Haushalt sehen können, du bist doch einverstanden? Gestern mußte ich lebhaft an den Faschingsdienstag 1869 denken. Gestern soll es recht hübsch im Casino gewesen sein, erzählte mir Lida.'' |
| | ''Ich bin beschäftigt mein Kleid zu Emmas Hochzeit zu fabrizi[e]ren. Morgen ist Hr. [[Laschensky]] sowie Hr: v. Schlögelh:[ofer] u. Ida bei uns eingeladen Am Freitag kommen Zeller und Plachetka u Hr: Wahl. Wir wollen aber, so lange ich noch hier bin, unsere alten Bekannten noch einmal einladen. Da muß ich Vormittags herrichten. Bald werden die 14 Tage bis zum 1.März vorüber sein, und die Dampfrosse führen mich zu dir du Lieber, das wird wieder ein schönes Fieber werden! während der Reise. Wer hätte gedacht, daß wir unser Versprechen dich in Mödling bei einer allfälligen Wiener Reise zu besuchen, in dieser Weise einlösen werden, und daß diesem Besuch ein Daueraufenthalt folgen werde? Ist es dir recht, daß es so kam? Ich muß schon gleich hinzufügen, ich hoffe ja, sonst machst du mich Böse. Aber daß meine Kranzjungfrauen viel schöner sein werden als ich ist sicher, habe dank, daß du nicht nach dem Äußern allein schautest bei der Wahl deiner Frau. Gott gebe, daß du mich deinen Erwartungen entsprechend findest! Daß wir an unserem Hochzeitstag in feierlicher Stimmung sein werden, bezweifle ich nicht, doch glaube ich auch, daß wenigstens ich ziemlich erregt sein werde. Bist du böse, wenn die notwendigen Abschiedsbesuche manchmal nicht ohne Tränen abgehen sollten? Wäre doch erst der Abschied vorbei!'' | | ''Ich bin beschäftigt mein Kleid zu Emmas Hochzeit zu fabrizi[e]ren. Morgen ist Hr. [[Laschensky]] sowie Hr: v. Schlögelh:[ofer] u. Ida bei uns eingeladen Am Freitag kommen Zeller und Plachetka u Hr: Wahl. Wir wollen aber, so lange ich noch hier bin, unsere alten Bekannten noch einmal einladen. Da muß ich Vormittags herrichten. Bald werden die 14 Tage bis zum 1.März vorüber sein, und die Dampfrosse führen mich zu dir du Lieber, das wird wieder ein schönes Fieber werden! während der Reise. Wer hätte gedacht, daß wir unser Versprechen dich in Mödling bei einer allfälligen Wiener Reise zu besuchen, in dieser Weise einlösen werden, und daß diesem Besuch ein Daueraufenthalt folgen werde? Ist es dir recht, daß es so kam? Ich muß schon gleich hinzufügen, ich hoffe ja, sonst machst du mich Böse. Aber daß meine Kranzjungfrauen viel schöner sein werden als ich ist sicher, habe dank, daß du nicht nach dem Äußern allein schautest bei der Wahl deiner Frau. Gott gebe, daß du mich deinen Erwartungen entsprechend findest! Daß wir an unserem Hochzeitstag in feierlicher Stimmung sein werden, bezweifle ich nicht, doch glaube ich auch, daß wenigstens ich ziemlich erregt sein werde. Bist du böse, wenn die notwendigen Abschiedsbesuche manchmal nicht ohne Tränen abgehen sollten? Wäre doch erst der Abschied vorbei!'' |