| − | 30. September 1871, Brief mit Umschlag Fanni Schlegel, Salzburg, an k.k. Gerichtsadjunkt Dr. Franz Spängler, Mödling bei Wien: Sie ist "still zufrieden und daß ich für unser künftiges Heim einiges selbst arbeiten kann"; möchte nach Wien kommen, "noch ist aber wenig Aussicht vorhanden, daß Großmutter diesen Wunsch erfüllen wird"; fortgesetzt Sonntag, 1. 10., "du frägst, mein Lieber, ob ich der Engel sein will, der sich an deine Seele schmiegt [ach der Engel ist nur ein armes, schwaches Menschenkind, das wol allerlei gute Vorsätze, aber sehr viele menschliche Schwächen und Fehler hat und von englischen Eigenschaften gar wenig in sich verspürt. [...] Ich will dir einmal eine recht böse Eigenschaft von mir bekennen. Sieh, wenn ich die Großmutter um etwas bitte, erlaubt sie es mir meist nicht sogleich, sondern schlägt manchmal meine Bitte rundweg ab. Hätte ich die Geduld, meine Bitte zu wiederholen, so würde mir dieselbe in vielen Fällen gewährt." Man hat ihr gesagt, dass sie als Frau nicht mehr freien Willen haben wird, denn als Mädchen jetzt... "allzeit wird der Mann sie beherrschen" [...] ‚Und er soll dein Herr sein.’ - Bekam einen Brief von Pfarrer Vinzenz Schlegel, sie hat von der Verlobung an die böhmische Großmutter in Leitmeritz geschrieben, wo Vinzenz gerade auf Ferien war. – Hat aus Zeitmangel die Singstunden aufgegeben. Sollte Franz das dennoch wünschen, so müßte er drei Jahre warten (bis sie wieder Zeit hat). "Ich bitte mir in diesem Punkte deinen Willen bekannt zu machen." Dagegen bekommt sie jetzt mehr englische Stunden; "derweilen spreche ich manchmal mit Minna englisch." Minna erzählt ihr über Wiener Verhältnisse; Fanni fühlt sich ratlos gegenüber den möglichen Verhältnissen in Wien, macht sich auf "allerlei größere oder kleinere Ungeschicklichkeiten gefaßt, ehe der Haushalt seinen regelrechten Gang bekommen wird." | + | 30. September 1871, Brief mit Umschlag Fanni Schlegel, Salzburg, an k.k. Gerichtsadjunkt Dr. Franz Spängler, Mödling bei Wien: Sie ist ''still zufrieden und daß ich für unser künftiges Heim einiges selbst arbeiten kann''; möchte nach Wien kommen, ''noch ist aber wenig Aussicht vorhanden, daß Großmutter diesen Wunsch erfüllen wird''; fortgesetzt Sonntag, 1. 10., ''du frägst, mein Lieber, ob ich der Engel sein will, der sich an deine Seele schmiegt [ach der Engel ist nur ein armes, schwaches Menschenkind, das wol allerlei gute Vorsätze, aber sehr viele menschliche Schwächen und Fehler hat und von englischen Eigenschaften gar wenig in sich verspürt.'' [...] ''Ich will dir einmal eine recht böse Eigenschaft von mir bekennen. Sieh, wenn ich die Großmutter um etwas bitte, erlaubt sie es mir meist nicht sogleich, sondern schlägt manchmal meine Bitte rundweg ab. Hätte ich die Geduld, meine Bitte zu wiederholen, so würde mir dieselbe in vielen Fällen gewährt.'' Man hat ihr gesagt, dass sie als Frau nicht mehr freien Willen haben wird, denn als Mädchen jetzt... ''allzeit wird der Mann sie beherrschen'' [...] Und er soll dein Herr sein. - Bekam einen Brief von Pfarrer Vinzenz Schlegel, sie hat von der Verlobung an die böhmische Großmutter in Leitmeritz geschrieben, wo Vinzenz gerade auf Ferien war. – Hat aus Zeitmangel die Singstunden aufgegeben. Sollte Franz das dennoch wünschen, so müßte er drei Jahre warten (bis sie wieder Zeit hat). ''Ich bitte mir in diesem Punkte deinen Willen bekannt zu machen.'' Dagegen bekommt sie jetzt mehr englische Stunden; ''derweilen spreche ich manchmal mit Minna englisch.'' Minna erzählt ihr über Wiener Verhältnisse; Fanni fühlt sich ratlos gegenüber den möglichen Verhältnissen in Wien, macht sich auf ''allerlei größere oder kleinere Ungeschicklichkeiten gefaßt, ehe der Haushalt seinen regelrechten Gang bekommen wird.'' |