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| | [[Datei:Bier_Kaltenhausen.jpg|thumb|Ein naturtrübes Bier aus Kaltenhausen.]] | | [[Datei:Bier_Kaltenhausen.jpg|thumb|Ein naturtrübes Bier aus Kaltenhausen.]] |
| − | [[Datei:Kaltenhausen 085.jpg|thumb|Hofbräu Kaltenhausen, fühere Ansicht von Norden.]]
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| − | [[Datei:Kaltenhausen 088.jpg|thumb|Kaltenhausen, Ansicht von Norden.]]
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| − | [[Datei:Hofbräu Kaltenhausen vor und nach dem Abbruch des alten Brauereigebäudes, Collage.jpg|thumb|Hofbräu Kaltenhausen vor und nach dem Abbruch des alten Brauereigebäudes, Collage.]]
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| − | [[Datei:Hofbräu Kaltenhausen 1909.jpg|thumb|Eine Werbung in der "Österreichischen Alpen-Zeitung" 1909.]]
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| | Das '''Hofbräu Kaltenhausen''' wurde [[1475]] vom Kaufmann und [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Salzburger Bürgermeister]] [[Hans Elsenheimer]] in [[Kaltenhausen]] im Norden von [[Hallein]] gegründet. Es ist die älteste [[Brauereien (historisch)|Brauerei]] im Land Salzburg. | | Das '''Hofbräu Kaltenhausen''' wurde [[1475]] vom Kaufmann und [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Salzburger Bürgermeister]] [[Hans Elsenheimer]] in [[Kaltenhausen]] im Norden von [[Hallein]] gegründet. Es ist die älteste [[Brauereien (historisch)|Brauerei]] im Land Salzburg. |
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| | == Geschichte == | | == Geschichte == |
| | 1475 errichtete Hans Elsenheimer das ''Kalte Bräuhaus''. Der Standort unterhalb der [[Barmsteine]] hatte einen besonderen Vorteil gegenüber den meisten anderen Brauereien von seinerzeit: 'Windröhren'<ref name="Wind">Windröhren sind meist röhrenförmige Höhlen mit zwei oder mehreren Ausgängen, durch die bei Temperaturschwankungen der Außenluft eine deutlich bemerkbare Luftströmung stattfindet; Quelle [http://de.academic.ru/dic.nsf/meyers/151734/Windgrotten Windgrotten]</ref> erzeugten im Berg eine wechselwirksame Zirkulation von Innen- und Außenluft, wodurch sich eine natürliche Kühlung ergab. | | 1475 errichtete Hans Elsenheimer das ''Kalte Bräuhaus''. Der Standort unterhalb der [[Barmsteine]] hatte einen besonderen Vorteil gegenüber den meisten anderen Brauereien von seinerzeit: 'Windröhren'<ref name="Wind">Windröhren sind meist röhrenförmige Höhlen mit zwei oder mehreren Ausgängen, durch die bei Temperaturschwankungen der Außenluft eine deutlich bemerkbare Luftströmung stattfindet; Quelle [http://de.academic.ru/dic.nsf/meyers/151734/Windgrotten Windgrotten]</ref> erzeugten im Berg eine wechselwirksame Zirkulation von Innen- und Außenluft, wodurch sich eine natürliche Kühlung ergab. |
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| | + | [[Datei:Kaltenhausen 085.jpg|thumb|Hofbräu Kaltenhausen, frühere Ansicht von Norden.]] |
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| | [[1486]] wurde die Brauerei von [[Fürsterzbischof]] [[Johann III. Beckenschlager]] als Hofbrauerei übernommen. Dazu gab ihm das Testament von Hans Elsenheimer Gelegenheit. Der Fürsterzbischof übernahm den Besitz kurz nach dem Tod von Elsenheimer mit der Begründung, Elsenheimer hätte nicht über seinen Tod hinaus über dieses Lehen verfüge dürfen, wie er es aber testamentarisch getan hatte. Durch das in den Augen des Fürsterzbischofs rechtswidrigen Testament sei Kaltenhausen nach dem Urbarrecht an das [[Erzstift Salzburg]] heimgefallen. | | [[1486]] wurde die Brauerei von [[Fürsterzbischof]] [[Johann III. Beckenschlager]] als Hofbrauerei übernommen. Dazu gab ihm das Testament von Hans Elsenheimer Gelegenheit. Der Fürsterzbischof übernahm den Besitz kurz nach dem Tod von Elsenheimer mit der Begründung, Elsenheimer hätte nicht über seinen Tod hinaus über dieses Lehen verfüge dürfen, wie er es aber testamentarisch getan hatte. Durch das in den Augen des Fürsterzbischofs rechtswidrigen Testament sei Kaltenhausen nach dem Urbarrecht an das [[Erzstift Salzburg]] heimgefallen. |
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| | + | [[Datei:Kaltenhausen 088.jpg|thumb|Kaltenhausen, Ansicht von Norden.]] |
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| | Fürsterzbischof [[Leonhard von Keutschach]] erwarb [[1496]] die ''Elsenheimerische Brauerei zu Kaltenhausen'', wurde damit erster erbischöflicher Brauherr und erweiterte die Brauerei großzügig. Weil Keutschach in den Hofbräuhäusern in Kaltenhausen und im Kaltenbierhaus in der [[Stadt Salzburg]] Bier und in der [[Dompropstei]] Wein ausschenken ließ, brachte dem Fürsterzbischof die Spitznamen ''Liendl-Wiert'' und ''Liendl Pierschenkh'' bei der Salzburger Bevölkerung ein. | | Fürsterzbischof [[Leonhard von Keutschach]] erwarb [[1496]] die ''Elsenheimerische Brauerei zu Kaltenhausen'', wurde damit erster erbischöflicher Brauherr und erweiterte die Brauerei großzügig. Weil Keutschach in den Hofbräuhäusern in Kaltenhausen und im Kaltenbierhaus in der [[Stadt Salzburg]] Bier und in der [[Dompropstei]] Wein ausschenken ließ, brachte dem Fürsterzbischof die Spitznamen ''Liendl-Wiert'' und ''Liendl Pierschenkh'' bei der Salzburger Bevölkerung ein. |
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| | [[1832]] fertigte [[Franz Xaver Gugg junior]] eine Dampfmaschine mit einer Leistung von drei PS in der Brechmühle im Hofbräu Kaltenhausen. Es war dies die erste und einzige Dampfmaschine im [[Land Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] und blieb es bis Mitte der [[1850er]]-Jahre. | | [[1832]] fertigte [[Franz Xaver Gugg junior]] eine Dampfmaschine mit einer Leistung von drei PS in der Brechmühle im Hofbräu Kaltenhausen. Es war dies die erste und einzige Dampfmaschine im [[Land Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] und blieb es bis Mitte der [[1850er]]-Jahre. |
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| | + | [[Datei:Hofbräu Kaltenhausen 1909.jpg|thumb|Eine Werbung in der "Österreichischen Alpen-Zeitung" 1909.]] |
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| | [[1898]] kaufte die Deutsche Bank die Brauerei, aus der sie dann [[1901]] die "Aktiengesellschaft Brauerei Kaltenhausen" machte. In der zweiten Hälfte des [[19. Jahrhundert]]s war die Brauerei der größte Steuerzahler der Gemeinde [[Taxach (Gemeinde)|Taxach]]. Seit [[1896]] liegt die Brauerei im Stadtgebiet von Hallein. [[1921]] war die Brauerei ein Gründungsbetrieb der ''Österreichischen Brau AG'', die [[1998]] mit der Steirerbrau zur ''Brau Union Österreich AG'' fusionierte. | | [[1898]] kaufte die Deutsche Bank die Brauerei, aus der sie dann [[1901]] die "Aktiengesellschaft Brauerei Kaltenhausen" machte. In der zweiten Hälfte des [[19. Jahrhundert]]s war die Brauerei der größte Steuerzahler der Gemeinde [[Taxach (Gemeinde)|Taxach]]. Seit [[1896]] liegt die Brauerei im Stadtgebiet von Hallein. [[1921]] war die Brauerei ein Gründungsbetrieb der ''Österreichischen Brau AG'', die [[1998]] mit der Steirerbrau zur ''Brau Union Österreich AG'' fusionierte. |
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| | === Das Hofbräu im 21. Jahrhundert === | | === Das Hofbräu im 21. Jahrhundert === |
| − | 2010 stellte die Brauerei mit Ende des Jahres die Produktion der Biersorten "Kaiser" und "Edelweiß" in Kaltenhausen ein. Die Produktion wurde in die Brauerei Zipf und die Brauerei Wieselburg verlagert. In Kaltenhausen hingegen entstand eine Art "Bier-Superministerium"<ref>Zitat [[Salzburger Nachrichten]], 6. Juli 2010</ref> unter Leitung von Braumeister [[Günther Seeleitner]]. Er betreut seither die Bereiche Tradition, Moderne und Produktion. Es wird weiterhin Bier gebraut, wenn auch in kleinen Mengen (zwölf Hektoliter pro Sud entspricht dann einer Kleinstbrauerei). Allein [[Die Weisse]] in der Stadt Salzburg braut doppelt so viel (Datenstand Sommer 2010). | + | Mit Ende des Jahres [[2010]] stellte die Brauerei die Produktion der Biersorten "Kaiser" und "Edelweiß" in Kaltenhausen ein. Zuletzt lag die Produktion bei 400 000 Hektolitern pro Jahr.<ref name="SNMai25">{{Quelle SN|26. April 2025, Lokalteil Seite 12}}</ref>Die Produktion wurde in die Brauerei Zipf und die Brauerei Wieselburg verlagert. In Kaltenhausen hingegen entstand eine Art "Bier-Superministerium"<ref>Zitat "[[Salzburger Nachrichten]]", 6. Juli 2010</ref> unter Leitung von Braumeister [[Günther Seeleitner]]. Er betreute die Bereiche Tradition, Moderne und Produktion. Es wurde weiterhin Bier gebraut, wenn auch in kleinen Mengen (zwölf Hektoliter pro Sud entspricht dann einer Kleinstbrauerei). Allein [[Die Weisse]] in der Stadt Salzburg braut doppelt so viel (Datenstand Sommer 2010). |
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| − | Zu diesem neuen Zweck kaufte Braumeister [[Günther Seeleitner]] um 650.000 Euro eine neue, maßgeschneiderte Brauerei(anlage) von Caspary, einem Hersteller von Innovations- und Gasthausbrauereien im bayerischen Chieming. Mit dem Herzstück, zwei Kupfergefäße, die im [[Braugasthof Hofbräu Kaltenhausen]] aufgestellt werden, sollen dann ab Juni 2011 20 Hektoliter pro Sud produziert werden können. Im Bergkeller unter den [[Barmsteine]]n werden vier große und vier kleine Gär- und Lagertanks errichtet. Drei Biersorten werden gebraut werden, daneben soll es auch Sorten mit limitierter Menge gegen<ref>{{Quelle SN|23. Dezember 2010}}</ref>. | + | Zu diesem neuen Zweck kaufte Braumeister Günther Seeleitner um 650.000 Euro eine neue, maßgeschneiderte Brauerei(anlage) von Caspary, einem Hersteller von Innovations- und Gasthausbrauereien im bayerischen Chieming. Mit dem Herzstück, zwei Kupfergefäße, die im [[Braugasthof Hofbräu Kaltenhausen]] aufgestellt wurden, konnten ab Juni [[2011]] 20 Hektoliter pro Sud produziert werden. Im Bergkeller unter den [[Barmsteine]]n wurden vier große und vier kleine Gär- und Lagertanks errichtet. Drei Biersorten werden gebraut, daneben soll es auch Sorten mit limitierter Menge gegen<ref>{{Quelle SN|23. Dezember 2010}}</ref>. |
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| | + | [[Datei:Hofbräu Kaltenhausen vor und nach dem Abbruch des alten Brauereigebäudes, Collage.jpg|thumb|Hofbräu Kaltenhausen vor und nach dem Abbruch des alten Brauereigebäudes, Collage.]] |
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| | [[2016]] wurde ein an das Sudhaus angebautes Gebäude abgerissen, in dem sich ein großer Veranstaltungssaal befand. | | [[2016]] wurde ein an das Sudhaus angebautes Gebäude abgerissen, in dem sich ein großer Veranstaltungssaal befand. |
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| | + | [[2025]] feierte die Brauerei ihr 550jähriges Bestandsjubiläum. Aus diesem Anlass wurde bereits im November [[2024]] erstmals wieder ein "Kaiserbräu"-Bier gebraut, das "Kaiser Ruperti", ein ungefiltertes Bernstein-Märzen. Im Frühjahr 2025 folgte das "Kaiser Hofquell", ein ungefiltertes, naturtrübes Bier. Diese in kleinen Mengen erzeugten Biere tragen ein neues Logo - "Kaiser-Spezialitäten aus dem Hofbräu Kaltenhausen". Aktuell lag der Ausstoß der Brauerei bei 4 000 Hektolitern pro Jahr. Angeboten werden vom Bernstein über das Keller- und Maronibier bis zum "1475 Pale Ale". Das Hofbräu Kaltenhausen beschäftigt derzeit mehr als 60 Mitarbeiter. Laut Verkaufsdirektor Günter Hinterholzer werden rund 3 400 Kunden in der Gastronomie und im Handel betreut. Aktuell ist [[Martin Simion]] der Braumeister.<ref name="SNMai25" /> |
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| | == Weitere Brauereieinrichtungen in Kaltenhausen == | | == Weitere Brauereieinrichtungen in Kaltenhausen == |
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| | * [[1974]]: 263.000 hl und 112.000 hl [[Gasteiner Mineralwasser|Gasteiner Tafelwasser]] wurden vertrieben | | * [[1974]]: 263.000 hl und 112.000 hl [[Gasteiner Mineralwasser|Gasteiner Tafelwasser]] wurden vertrieben |
| | * [[2009]]: 200.000 hl Kaiser Bier und Edelweiß | | * [[2009]]: 200.000 hl Kaiser Bier und Edelweiß |
| | + | * [[2010]]: 400.000 hl Gesamtausstoß |
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| | === Biere im 20. Jahrhundert bis 2010 === | | === Biere im 20. Jahrhundert bis 2010 === |
| | * [[Ruperti Bier]] | | * [[Ruperti Bier]] |
| − | * [[Kaiser Märzen]] | + | * Kaiser Märzen |
| − | * [[Kaiser Premium]] | + | * Kaiser Premium |
| − | * [[Kaiser Pils]] | + | * Kaiser Pils |
| − | * [[Bernsteiner]] | + | * Bernsteiner |
| − | * [[Edelweiss]] und [[Edelweiss Gamsbock]] | + | * Edelweiss und [[Edelweiss Gamsbock]] |
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| | == Bilder == | | == Bilder == |