Änderungen

2.409 Bytes hinzugefügt ,  10:45, 23. Mär. 2025
überarbeitet und ergänzt
Zeile 3: Zeile 3:     
== Geschichte ==
 
== Geschichte ==
Die Firma Gössl wurde [[1947]] von [[Grete Gössl|Grete]] und Leopold Gössl in [[Grödig]] gegründet. [[1963]] spezialisierte man sich auf Trachtenblusen, erst [[1979]] erweiterte man das Produktsortiment um das "Pfoad" für den Mann. Beide sind aus Baumwolle in Handarbeit gefertigt. [[1983]] gründete Gössl einen Verlag, in dem das hauseigene Gössl Journal "Gwandhaus" herausgegeben wird. Die Firmenzentrale befindet sich im [[Gwandhaus]] in Salzburg-[[Morzg]].
+
Die gebürtige Deutsch-Polin [[Grete Gössl]] kam mit mit Leopold Gössl nach [[Niederösterreich]]. Einige Nähmaschinen habe sie als Mitgift zur Hochzeit bekommen. Um sie vor den Russen zu verstecken, vergrub sie diese gegen Kriegsende und schmuggelte sie wenig später nach Salzburg in die [[USFA|amerikanische Besatzungszone]]. Dort habe Grete Gössl zu nähen begonnen und 1947 die "Grete Gössl Wäscheerzeugung"  gegründet.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/fuer-die-rutsche-taugt-die-lederne-nicht-maximilian-goessl-gibt-einblicke-119819419 www.sn.at], 12. April 2022</ref> [[1949]] wurde in [[Burgwies (Stuhlfelden)|Burgwies]] in [[Stuhlfelden]] das Unternehmen "Salzburger Blusen" eröffnet. Im August [[1979]] feierte das Unternehmen in Stuhlfelden sein 30jähriges Bestandsjubiläum, zu dem Handelsminister Staribacher, Altlandeshauptmann [[Hans Lechner]] und [[Landeshauptmann]] [[Hans Katschthaler]] kamen. Damals beschäftigte das Werk 100 Mitarbeiter.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=hDR4jV7BHxYBQ%2Bf3p7DkN0UOC9adONCxCk%2B16xj2YLrERkYqw32LxddasQX6hcQK5o58uMpFjm8riPT15hVWwqTGZz6xrcjZ4qNz%2FHOEbMa%2FJQj2R1DfZT%2BM7M1tW5wy&id1=19790822_23&q=%2522Grete%2520G%25C3%25B6ssl%2522#sn-archiv-23 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 22. August 1979, Seite 23 und [https://www.sn.at/archivsn?img=mDPm5Lm9OWmnHpKfLDK6v8sv%2FGZIOnM2kVFtx2KwZcedddk%2FISie83LzL9WXZc2yzpACVZcMcrt9z4ru91TkghFJUMp7JTxZYnb%2Bi7AmzarR4NnYHlgYta89owzKiG8n&id1=19780211_18&q=%2522Grete%2520G%25C3%25B6ssl%2522#slide18 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 11. Februar 1978, Seite 18</ref>
 +
 
 +
[[1963]] spezialisierte man sich auf Trachtenblusen, erst [[1979]] erweiterte man das Produktsortiment um das "Pfoad" für den Mann. Beide sind aus Baumwolle in Handarbeit gefertigt. Im Juli 1965 wurde die "Grete Gössl OHG" mit Sitz in  [[Anif]] in das Salzburger Handelsregister eingetragen.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=Sml3eMx24LMJ9zETD5NxnKCCt%2B3JZnrcs6gFf0U%2BMcwYj5W6QmZbEKsuVEiN%2ByFinFr3IhpF4jLaWnTNcrjceSh%2FLLeRUHH4duYTYzOklvFRB8KqR6%2BM%2Bq0tbF%2B2Mfoj&id1=19650729_09&q=%2522Grete%2520G%25C3%25B6ssl%2522#sn-archiv-9  www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 29. Juli 1965, Seite 9</ref> 
 +
 
 +
[[1982]] übernahmen das Gössl-Geschwisterpaar Gisela Bliem und Gerhard Gössl das Unternehmen. Die Modeabteilung und der Verkauf übersiedelten in die Villa Arco in [[Hellbrunn]].
 +
 
 +
[[1983]] gründete Gössl einen Verlag, in dem das hauseigene Gössl Journal "Gwandhaus" herausgegeben wird.  
 +
 
 +
[[1990]] übernahm das Unternehmen das Salzburger Traditionsunternehmen [[Kleiderhäuser Salko KG|Salko Mantel- und Mode Ges.m.b.H.]].
 +
 
 +
Anfang [[1992]] wurde die neue Firmenzentrale in [[Bergheim]] eröffnet, die rund 35 Millionen [[Schilling]] gekostet hatte.
 +
 
 +
[[2004]] kaufte Gössl das ehemalige [[Schlosshotel St. Rupert]] in Salzburg-[[Morzg]], die Firmenzentrale unter dem Namen [[Gwandhaus]] bis heute besteht.
    
[[Datei:Trachtenausstellung im Gwandhaus.jpg|thumb|Trachtenausstellung im Gwandhaus]]
 
[[Datei:Trachtenausstellung im Gwandhaus.jpg|thumb|Trachtenausstellung im Gwandhaus]]
Zeile 9: Zeile 21:  
Max Gössl übernahm [[2019]] als neuer Geschäftsführer die Firma Gössl.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/immobiliendeal-in-salzburg-goessl-verkauft-gwandhaus-an-rehrl-platz-besitzer-62882608 Salzburger Nachrichten, 22. Dezember 2018]</ref>
 
Max Gössl übernahm [[2019]] als neuer Geschäftsführer die Firma Gössl.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/immobiliendeal-in-salzburg-goessl-verkauft-gwandhaus-an-rehrl-platz-besitzer-62882608 Salzburger Nachrichten, 22. Dezember 2018]</ref>
   −
Heute wird das Unternehmen in zweiter Generation von Gerhard Gössl geführt. Rund 100 Mitarbeiter sind bei Gössl beschäftigt. Mit mehr als 40 Gössl-Geschäften und über 100 Partnern im Händlernetz ist Gössl ein führender Premium-Trachtenhersteller in Österreich. Pro Jahr werden 100&nbsp;000 Modelle für Männer, Frauen und Kinder in Handarbeit hergestellt. Das Sortiment ist für Frauen, Männer und Kinder abgestimmt. Dazu zählen das klassische [[Dirndl]] und die Joppe ebenso wie das Sakko und die "Hanflederne". Dazu die Bekleidung fürs Berufsleben, für Freizeit, für festliche Anlässe und für Hochzeiten. ''Accessoires'' wie Schals, Seidentücher, Gürtel und Taschen komplettieren das Angebot. Der Kernmarkt ist der deutschsprachige Raum, insbesondere Österreich und Bayern, die Schweiz und Südtirol. Der Umsatz beläuft sich auf 25 Millionen Euro (2019)<ref>{{Quelle SN|2.2.2019}}</ref>
+
Rund 100 Mitarbeiter waren zu dieser Zeit bei Gössl beschäftigt. Mit mehr als 40 Gössl-Geschäften und über 100 Partnern im Händlernetz war Gössl ein führender Premium-Trachtenhersteller in Österreich. Pro Jahr wurden 100&nbsp;000 Modelle für Männer, Frauen und Kinder in Handarbeit hergestellt. Das Sortiment war für Frauen, Männer und Kinder abgestimmt. Dazu zählten das klassische [[Dirndl]] und die Joppe ebenso wie das Sakko und die "Hanflederne". Dazu die Bekleidung fürs Berufsleben, für Freizeit, für festliche Anlässe und für Hochzeiten. ''Accessoires'' wie Schals, Seidentücher, Gürtel und Taschen komplettierten das Angebot. Der Kernmarkt war der deutschsprachige Raum, insbesondere Österreich und [[Bayern]], die [[Schweiz]] und [[Südtirol]]. Der Umsatz belief sich auf 25 Millionen Euro (2019)<ref>{{Quelle SN|2.2.2019}}</ref>
    
=== 2024: Insolvenz ===
 
=== 2024: Insolvenz ===
Der wirtschaftliche Einbruch im Textilhandel machte in den [[2020er]]-Jahren auch vor der Trachtenmode nicht halt. Trotz Millionen Euro an [[Covid]]-Hilfen steckte das Trachtenunternehmen [[2024]] in finanziellen Turbulenzen. Wie Medienberichten am [[15. November]] 2024 zu entnehmen war, sollen fällige Überbrückungskredite aus der Covid-Zeit eine finanzielle Situation des Unternehmens mit rund 75 Mitarbeitern (Stand 2022) verschärfen. Die zuletzt veröffentlichte Bilanz der Gössl GmbH für das Jahr [[2022]] weist einen Bilanzverlust von drei Millionen Euro aus. Fortgeschrieben wurde der Verlust aus den Vorjahren. Zudem sind Verbindlichkeiten in der Höhe von 8,2 Millionen Euro verbucht. 5,5 Millionen Euro erhielten die Gössl-Gesellschaften als Covid-Hilfen vom Staat, das geht aus dem Transparenzportal des Bundes hervor. Überbrückungskredite samt staatlichen Garantien sind gesondert zu betrachten.
+
Der wirtschaftliche Einbruch im Textilhandel machte in den [[2020er]]-Jahren auch vor der Trachtenmode nicht halt. Trotz Millionen Euro an [[Covid]]-Hilfen steckte das Trachtenunternehmen [[2024]] in finanziellen Turbulenzen. Wie Medienberichten am [[15. November]] 2024 zu entnehmen war, sollen fällige Überbrückungskredite aus der Covid-Zeit eine finanzielle Situation des Unternehmens mit rund 75 Mitarbeitern (Stand 2022) verschärft haben. Die zuletzt veröffentlichte Bilanz der Gössl GmbH für das Jahr [[2022]] wies einen Bilanzverlust von drei Millionen Euro aus. Fortgeschrieben wurde der Verlust aus den Vorjahren. Zudem sind Verbindlichkeiten in der Höhe von 8,2 Millionen Euro verbucht. 5,5 Millionen Euro erhielten die Gössl-Gesellschaften als Covid-Hilfen vom Staat, das geht aus dem Transparenzportal des Bundes hervor. Überbrückungskredite samt staatlichen Garantien sind gesondert zu betrachten.
   −
Einfach erklärt sprang die Förder- und Finanzierungsbank der [[Republik Österreich]], die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft (aws), bei Krediten, die zwischen Unternehmen und Banken während der Pandemie geschlossen wurden, als eine Art Schutzschirm mit Garantien ein. Unternehmen bekamen dadurch die Möglichkeit, die Kosten trotz Geschäftseinbruch zu decken, und blieben liquide. Rund 1&nbsp;950 Überbrückungsgarantien mit einem Volumen von 400 Millionen Euro wurden für Salzburg abgewickelt, teilt ein aws-Sprecher mit. Die Ausfallsquote liege für [[2023]] im einstelligen Prozentbereich und unter den Erwartungen.
+
Einfach erklärt sprang die Förder- und Finanzierungsbank der [[Republik Österreich]], die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft (aws), bei Krediten, die zwischen Unternehmen und Banken während der Pandemie geschlossen wurden, als eine Art Schutzschirm mit Garantien ein. Unternehmen bekamen dadurch die Möglichkeit, die Kosten trotz Geschäftseinbruch zu decken, und blieben liquide. Rund 1&nbsp;950 Überbrückungsgarantien mit einem Volumen von 400 Millionen Euro wurden für Salzburg abgewickelt, teilte ein aws-Sprecher mit. Die Ausfallsquote liege für [[2023]] im einstelligen Prozentbereich und unter den Erwartungen.
   −
Am Mittwoch, den [[11. Dezember]] 2024 beantragte der Trachtenhändler Gössl beim [[Landesgericht]] zwei Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. In der Gössl GmbH steht eine Passiva von 9,6 Millionen Euro einer Aktiva von 2 Millionen Euro gegenüber. Ein Sanierungsplanvorschlag sieht eine Quote von 20 Prozent für die Gläubiger vor. 127 Mitarbeiter waren von der Insolvenz betroffen. Eine Fortführung des Unternehmens wurde angestrebt.  
+
Am Mittwoch, den [[11. Dezember]] 2024 beantragte dann der Trachtenhändler Gössl beim [[Salzburger Landesgericht]] zwei Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. In der Gössl GmbH stand eine Passiva von 9,6&nbsp;Millionen Euro einer Aktiva von zwei Millionen Euro gegenüber. Ein Sanierungsplanvorschlag sah eine Quote von 20 Prozent für die Gläubiger vor. 127 Mitarbeiter waren von der Insolvenz betroffen. Eine Fortführung des Unternehmens wurde angestrebt.  
   −
"Eine Schließung von Standorten beziehungsweise Kündigung von Mitarbeitern ist vorerst nicht vorgesehen", heißt es vom Unternehmen. Als Grund für die Insolvenz nennt das Gössl massive Umsatzrückgänge während der Covid-Pandemie, die Energiekrise, den Personalmangel und ein geändertes Kaufverhalten der Kunden. Auch die Covidhilfen konnten die Lage bei Gössl nicht entspannen: In Summe flossen in den Jahren 2021 bis 2024 an Covidhilfen aus dem Bundesbudget 5,8 Millionen Euro an die Gössl-Gesellschaften. Hinzu kamen die Kurzarbeitsgelder.
+
"Eine Schließung von Standorten beziehungsweise Kündigung von Mitarbeitern ist vorerst nicht vorgesehen", hieß es vom Unternehmen. Als Grund für die Insolvenz nannte das Gössl massive Umsatzrückgänge während der Covid-Pandemie, die Energiekrise, den Personalmangel und ein geändertes Kaufverhalten der Kunden. Auch die Covidhilfen konnten die Lage bei Gössl nicht entspannen: In Summe flossen in den Jahren 2021 bis 2024 an Covidhilfen aus dem Bundesbudget 5,8 Millionen Euro an die Gössl-Gesellschaften. Hinzu kamen die Kurzarbeitsgelder.
   −
Gössl musste Ende des Jahres 2024 eine Unterlassungsverpflichtung auf seiner Website veröffentlichen. Sowohl er als auch ein von Gössl beauftragter Finanzdienstleister aus Wien dürfen nicht mehr behaupten, dass die Hausbank, die Bank Austria, Kredite ohne entsprechende Grundlage vorzeitig fällig stelle. Zudem dürfe auch nicht mehr behauptet werden, dass die Bank Kunden in einer wirtschaftlich angespannten Situation nicht unterstütze oder gar eine fehlende Verhandlungsbereitschaft zeige.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/trachtenunternehmer-goessl-hausbank-schuld-insolvenz-171088309 www.sn.at], 4. Jänner 2024</ref>  
+
Gössl musste Ende des Jahres 2024 eine Unterlassungsverpflichtung auf seiner Website veröffentlichen. Sowohl Max Gössl als auch ein von Gössl beauftragter Finanzdienstleister aus Wien dürfen nicht mehr behaupten, dass die Hausbank, die Bank Austria, Kredite ohne entsprechende Grundlage vorzeitig fällig stelle. Zudem dürfe auch nicht mehr behauptet werden, dass die Bank Kunden in einer wirtschaftlich angespannten Situation nicht unterstütze oder gar eine fehlende Verhandlungsbereitschaft zeige.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/trachtenunternehmer-goessl-hausbank-schuld-insolvenz-171088309 www.sn.at], 4. Jänner 2024</ref>  
    
Die Gössl GmbH wird weitergeführt.<ref>"[[Salzburger Wirtschaft (Zeitung)|Salzburger Wirtschaft]]", Ausgabe vom 23. Jänner 2025, Seite 43 "Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung → Betriebsfortführungen"</ref> Hingegen wird die "Gwandhaus GmbH" geschlossen. Diese Gesellschaft wickelte die Bespielung des Gwandhauses ab, elf Dienstnehmer sind von der Schließung betroffen.<ref>{{Quelle SN|25. Jänner 2025, Seite 3, Lokalteil}}</ref>
 
Die Gössl GmbH wird weitergeführt.<ref>"[[Salzburger Wirtschaft (Zeitung)|Salzburger Wirtschaft]]", Ausgabe vom 23. Jänner 2025, Seite 43 "Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung → Betriebsfortführungen"</ref> Hingegen wird die "Gwandhaus GmbH" geschlossen. Diese Gesellschaft wickelte die Bespielung des Gwandhauses ab, elf Dienstnehmer sind von der Schließung betroffen.<ref>{{Quelle SN|25. Jänner 2025, Seite 3, Lokalteil}}</ref>
    
=== Gwandhaus wurde an Mark Mateschitz verkauft ===
 
=== Gwandhaus wurde an Mark Mateschitz verkauft ===
Firmensitz in Salzburg ist noch das Gwandhaus. Dieses kaufte 2024 [[Red Bull|Red-Bull]]-Eigentümer [[Mark Mateschitz]]. Der Mietvertrag mit Gössl läuft [[2029]] aus. Gössl war selbst Besitzer des historischen Gebäudeensembles. Er verkaufte es im Jahr [[2019]] um 24 Millionen Euro an [[planquadr.at]].
+
Firmensitz in Salzburg ist noch das Gwandhaus. Dieses kaufte 2024 [[Red Bull|Red-Bull]]-Eigentümer [[Mark Mateschitz]]. Der Mietvertrag mit Gössl läuft [[2029]] aus. Gössl war seit 2004 Besitzer des historischen Gebäudeensembles und verkaufte es [[2019]] um 24 Millionen Euro an [[planquadr.at]].
 
  −
== Adresse ==
  −
:''Gössl Gwandhaus
  −
:''[[Morzger Straße]] 31
  −
:''5020 Salzburg
      
== Quellen==
 
== Quellen==