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| | Bei den am weitesten entwickelten Arten schließlich sind die Weibchen nur mehr madenförmig und besitzen weder Flügel, noch Beine oder Fühler. Bei diesen Tieren verbleibt nicht nur die Puppe im Sack, sondern auch das Weibchen in der Puppenhülse. Diese bricht nur vorne etwas auf, und zur Begattung streckt das Männchen seinen Hinterleib extrem in die Länge, um durch Sack und Puppenhülse das Weibchen zu erreichen. Einige Arten sind sogar parthenogenetisch. Die Weibchen pflanzen sich also durch Jungfernzeugung fort, und Männchen treten nur höchst selten durch "Fortpflanzungsfehler" auf. Eine weitere Besonderheit der Psychidae ist ihr sehr kurzes Leben als [[Glossar_Biologie#I|Imagines]], das stark an die [[Ephemeroptera|Eintagsfliegen]] erinnert. Die Männchen leben oft nur wenige Stunden. Bald nach dem Schlüpfen suchen sie oft ungestüm nach Weibchen zur Begattung und sterben kurz darauf. Und auch die Weibchen leben kaum länger. Unbegattet können sie einige Tage überleben, nach der Eiablage, die bei fast allen Arten in den schützenden Sack hinein kurz nach der Begattung erfolgt, sterben sie aber ebenfalls in wenigen Stunden. | | Bei den am weitesten entwickelten Arten schließlich sind die Weibchen nur mehr madenförmig und besitzen weder Flügel, noch Beine oder Fühler. Bei diesen Tieren verbleibt nicht nur die Puppe im Sack, sondern auch das Weibchen in der Puppenhülse. Diese bricht nur vorne etwas auf, und zur Begattung streckt das Männchen seinen Hinterleib extrem in die Länge, um durch Sack und Puppenhülse das Weibchen zu erreichen. Einige Arten sind sogar parthenogenetisch. Die Weibchen pflanzen sich also durch Jungfernzeugung fort, und Männchen treten nur höchst selten durch "Fortpflanzungsfehler" auf. Eine weitere Besonderheit der Psychidae ist ihr sehr kurzes Leben als [[Glossar_Biologie#I|Imagines]], das stark an die [[Ephemeroptera|Eintagsfliegen]] erinnert. Die Männchen leben oft nur wenige Stunden. Bald nach dem Schlüpfen suchen sie oft ungestüm nach Weibchen zur Begattung und sterben kurz darauf. Und auch die Weibchen leben kaum länger. Unbegattet können sie einige Tage überleben, nach der Eiablage, die bei fast allen Arten in den schützenden Sack hinein kurz nach der Begattung erfolgt, sterben sie aber ebenfalls in wenigen Stunden. |
| − | Im äußeren Erscheinungsbild sind die Untergruppen der Sackträger zunächst sehr unterschiedlich. Die primitiven Formen erinnern sehr stark an die Echten Motten ([[Tineidae]]), mit denen sie ja auch am nächsten verwandt sind. Die höher entwickelten Gruppen dagegen sehen aus wie manche Nachtfalter. Das hat in früheren Zeiten sogar dazu geführt, dass die ursprünglichen Gruppen zu den "Kleinschmetterlingen", die übrigen aber zu den "Großschmetterlingen" gezählt wurden. Die zahlreichen Arten innerhalb der jeweiligen Gruppen sind dagegen meist einander sehr ähnlich und daher gehören die Psychidae bestimmungstechnisch zu den schwierigsten Gruppen innerhalb der Schmetterlinge (Lepidoptera) überhaupt. Weltweit kennt man bereits über 1000 verschiedene Arten, zahlreiche weitere harren vermutlich noch ihrer Entdeckung. | + | |
| | + | Im äußeren Erscheinungsbild sind die Untergruppen der Sackträger zunächst sehr unterschiedlich. Die primitiven Formen erinnern sehr stark an die Echten Motten ([[Tineidae]]), mit denen sie ja auch am nächsten verwandt sind. Die höher entwickelten Gruppen dagegen sehen aus wie manche Nachtfalter. Das hat in früheren Zeiten sogar dazu geführt, dass die ursprünglichen Gruppen zu den "Kleinschmetterlingen", die übrigen aber zu den "Großschmetterlingen" gezählt wurden. Die zahlreichen Arten innerhalb der jeweiligen Gruppen sind dagegen meist einander sehr ähnlich und daher gehören die ''Psychidae'' bestimmungstechnisch zu den schwierigsten Gruppen innerhalb der Schmetterlinge (Lepidoptera) überhaupt. Weltweit kennt man bereits über 1 000 verschiedene Arten, zahlreiche weitere harren vermutlich noch ihrer Entdeckung. |
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| | [[File:BE-HdN-2937a.jpg|thumb|Sack von ''[[Siederia alpicolella]]'' mit Puppenhülse: Salzburg, [[Hohe Tauern]], [[Habachtal]], Kraneralm, 17. Juli 2004]] | | [[File:BE-HdN-2937a.jpg|thumb|Sack von ''[[Siederia alpicolella]]'' mit Puppenhülse: Salzburg, [[Hohe Tauern]], [[Habachtal]], Kraneralm, 17. Juli 2004]] |
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| | ==Geschichte der Erforschung im Land== | | ==Geschichte der Erforschung im Land== |
| − | Nickerl (1845: 106) berichtet über den Fund unglaublicher Massen von Raupen einer ihm unbekannten Psychide oberhalb Heiligenblut, also auf Kärntner Seite des Großglockners. Ziemlich sicher handelte es sich dabei um ''[[Ptilocephala plumifera valesiella]]''. Die ersten Funde für [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] verzeichnet [[Franz de Paula Storch junior|Storch]] (1868), dem drei Psychidae-Arten (unter "Macrolepidoptera") bekannt sind: ''[[Ptilocephala plumifera valesiella]]'' (als ''Psyche plumifera''), ''[[Bijugis bombycella]]'' (als ''Fumea bombycella'') und ''[[Epichnopterix plumella]]'' (als ''Fumea pulla''). Alle drei Arten werden auch heute noch als Bestandteil der Salzburger Fauna anerkannt. Eine vierte Art (''[[Taleporia politella]]'') wird noch unter den [[Tineidae]] und damit unter "Microlepidoptera" geführt. ''T. politella'' kommt aber in Salzburg nicht vor (siehe dort). Richter (1876) zählt bereits dreizehn Arten auf, von denen aber zwei (''Leptopterix plumistrella'' und ''Bijugis pectinella'') nicht in Salzburg vorkommen (erstere nur in Kärnten, letztere nur im Osten Österreichs). Weitere vier "Microlepidoptera" publiziert dann [[Karl Mitterberger|Mitterberger]] (1909): Talaeporidae: ''[[Taleporia tubulosa]]'', ''[[Dahlica triquetrella]]'' (als ''Solenobia triquetrella'') und ''[[Dahlica klimeschi]]'' (als ''Solenobia inconspiculella''), sowie ''[[Narycia duplicella]]'' (als ''Narycia monilifera'' unter den [[Tineidae]]). Ein weiterer "Kleinschmetterling" wird von [[Friedrich Mairhuber|Mairhuber]] (1965) hinzugefügt: ''[[Siederia pineti|Dahlica listerella]]'' (als ''Solenobia pineti'' wieder unter den Talaeporidae). Embacher (1990) listet schließlich bereits 32 Arten auf, von denen aber zwei (''Dahlica thurneri'': heute Synonym zu ''[[Dahlica triquetrella]]'' und ''Epichnopterix sieboldii'': Fehlbestimmung von ''[[Epichnopterix kovacsi]]'') später wieder eliminiert werden mussten. Von den 36 bei Huemer & Tarmann (1993) aufgezählten Arten mussten ebenfalls zwei Arten wieder gestrichen werden: ''Siederia meierella'' (= ''[[Siederia talagovensis|Dahlica talagovensis]]'') und ''[[Taleporia politella]]'' (vermutlich eine Fundortverwechslung, siehe dort). Dieselben beiden Arten sind auch bei Zeller-Lukashort et al. (1994) noch verzeichnet. Bei Embacher et al. (2011) ist ''[[Taleporia politella]]'' noch als Irrgast unter den sonst 39 Arten aufgeführt. Bei Huemer (2013) finden sich 40 Arten für Salzburg verzeichnet, ''[[Siederia meierella|Dahlica meierella]]'' (= ''[[Siederia talagovensis|Dahlica talagovensis]]''), ''[[Taleporia politella]]'' und ''Rebelia bavarica'' (Synonym oder Subspecies zu ''[[Rebelia plumella]]'') sind daraus aber wieder zu streichen. ''[[Taleporia politella]]'' ist schließlich auch noch von den 39 bei Kurz & Embacher (2018) aufgezählten Arten zu streichen (erfolgt in Embacher et al. 2024)) und die Nachuntersuchung des einzigen vermeintlichen Exemplares von ''[[Epichnopterix alpina]]'' im Jahr 2025 ergab schließlich, dass auch diese Art zu streichen ist, da das Tierchen eine ''[[Epichnopterix montana]]'' ist. | + | Nickerl ([[1845]]: 106) berichtet über den Fund unglaublicher Massen von Raupen einer ihm unbekannten Psychide oberhalbvon [[Heiligenblut]], also auf [[Kärnten|Kärntner]] Seite des [[Großglockner (Berg)|Großglockners]]. Ziemlich sicher handelte es sich dabei um ''[[Ptilocephala plumifera valesiella]]''. Die ersten Funde für [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] verzeichnet [[Franz de Paula Storch junior|Storch]] ([[1868]]), dem drei Psychidae-Arten (unter "Macrolepidoptera") bekannt sind: ''[[Ptilocephala plumifera valesiella]]'' (als ''Psyche plumifera''), ''[[Bijugis bombycella]]'' (als ''Fumea bombycella'') und ''[[Epichnopterix plumella]]'' (als ''Fumea pulla''). Alle drei Arten werden auch heute noch als Bestandteil der Salzburger Fauna anerkannt. Eine vierte Art (''[[Taleporia politella]]'') wird noch unter den [[Tineidae]] und damit unter "Microlepidoptera" geführt. ''T. politella'' kommt aber in Salzburg nicht vor (siehe dort). Richter (1876) zählt bereits dreizehn Arten auf, von denen aber zwei (''Leptopterix plumistrella'' und ''Bijugis pectinella'') nicht in Salzburg vorkommen (erstere nur in Kärnten, letztere nur im Osten Österreichs). Weitere vier "Microlepidoptera" publiziert dann [[Karl Mitterberger|Mitterberger]] ([[1909]]): Talaeporidae: ''[[Taleporia tubulosa]]'', ''[[Dahlica triquetrella]]'' (als ''Solenobia triquetrella'') und ''[[Dahlica klimeschi]]'' (als ''Solenobia inconspiculella''), sowie ''[[Narycia duplicella]]'' (als ''Narycia monilifera'' unter den [[Tineidae]]). Ein weiterer "Kleinschmetterling" wird von [[Friedrich Mairhuber|Mairhuber]] ([[1965]]) hinzugefügt: ''[[Siederia pineti|Dahlica listerella]]'' (als ''Solenobia pineti'' wieder unter den Talaeporidae). Embacher ([[1990]]) listet schließlich bereits 32 Arten auf, von denen aber zwei (''Dahlica thurneri'': heute Synonym zu ''[[Dahlica triquetrella]]'' und ''Epichnopterix sieboldii'': Fehlbestimmung von ''[[Epichnopterix kovacsi]]'') später wieder eliminiert werden mussten. Von den 36 bei Huemer & Tarmann ([[1993]]) aufgezählten Arten mussten ebenfalls zwei Arten wieder gestrichen werden: ''Siederia meierella'' (= ''[[Siederia talagovensis|Dahlica talagovensis]]'') und ''[[Taleporia politella]]'' (vermutlich eine Fundortverwechslung, siehe dort). Dieselben beiden Arten sind auch bei Zeller-Lukashort et al. ([[1994]]) noch verzeichnet. Bei Embacher et al. ([[2011]]) ist ''[[Taleporia politella]]'' noch als Irrgast unter den sonst 39 Arten aufgeführt. Bei Huemer ([[2013]]) finden sich 40 Arten für Salzburg verzeichnet, ''[[Siederia meierella|Dahlica meierella]]'' (= ''[[Siederia talagovensis|Dahlica talagovensis]]''), ''[[Taleporia politella]]'' und ''Rebelia bavarica'' (Synonym oder Subspecies zu ''[[Rebelia plumella]]'') sind daraus aber wieder zu streichen. ''[[Taleporia politella]]'' ist schließlich auch noch von den 39 bei Kurz & Embacher ([[2018]]) aufgezählten Arten zu streichen (erfolgt in Embacher et al. [[2024]])) und die Nachuntersuchung des einzigen vermeintlichen Exemplares von ''[[Epichnopterix alpina]]'' im Jahr [[2025]] ergab schließlich, dass auch diese Art zu streichen ist, da das Tierchen eine ''[[Epichnopterix montana]]'' ist. |
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| | [[File:BE-MK-3151a.jpg|thumb|Sack von ''[[Typhonia ciliaris]]'': Salzburg, [[Osterhorngruppe]], [[Trattberg]], [[Trattbergalm|vordere Trattbergalm]], 6. Juli 2003]] | | [[File:BE-MK-3151a.jpg|thumb|Sack von ''[[Typhonia ciliaris]]'': Salzburg, [[Osterhorngruppe]], [[Trattberg]], [[Trattbergalm|vordere Trattbergalm]], 6. Juli 2003]] |
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| | ==Kenntnisstand der Gruppe in Salzburg== | | ==Kenntnisstand der Gruppe in Salzburg== |
| − | Trotz der Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Tiere, die oft nur mit Hilfe statistischer Methoden möglich ist, gehören die Psychidae zu den am besten untersuchten Gruppen der ursprünglichen Schmetterlinge. Dazu haben vor allem die Untersuchungen der Geschwister Kurz, sowie von Christof Zeller beigetragen, die sich seit Ende der 1980er Jahre sehr intensiv mit dieser Gruppe auseinandergesetzt haben und zahlreiche neue Arten für die Landesfauna entdeckt haben. So gehört Salzburg mit 37 Arten heute zu den am besten untersuchten Regionen in ganz Österreich. Allerdings zeigen sich die Bestimmungsschwierigkeiten in der Tatsache, dass davon zwei Arten bisher keiner der der Wissenschaft bekannten Arten zugeordnet werden konnten und daher möglicherweise noch unbeschrieben sind. Allerdings liegen von diesen Arten zum Teil nur wenige oder gar einzelne Exemplare vor, die eine statistische Auswertung der Merkmale unmöglich machen. Leider sind viele Arten in Salzburg nämlich extrem selten, da die oft wärmeliebenden Tiere in Salzburg zum Teil nur sehr lokal und kleinräumig geeignete Lebensbedingungen vorfinden. Einige Arten sind außerdem mit großer Wahrscheinlichkeit bei uns bereits ausgestorben oder waren nie hier heimisch (eingeschleppte Irrgäste). Wesentliche Neuzugänge im Arteninventar sind nicht mehr zu erwarten. Folgende Arten werden von Embacher et al. (2024), bzw. [[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz]] & [[Marion Kurz|Kurz]] (2024) für Salzburg gemeldet: | + | Trotz der Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Tiere, die oft nur mit Hilfe statistischer Methoden möglich ist, gehören die Psychidae zu den am besten untersuchten Gruppen der ursprünglichen Schmetterlinge. Dazu haben vor allem die Untersuchungen der Geschwister Kurz, sowie von Christof Zeller beigetragen, die sich seit Ende der [[1980er]]-Jahre sehr intensiv mit dieser Gruppe auseinandergesetzt haben und zahlreiche neue Arten für die Landesfauna entdeckt haben. So gehört Salzburg mit 37 Arten heute zu den am besten untersuchten Regionen in ganz Österreich. Allerdings zeigen sich die Bestimmungsschwierigkeiten in der Tatsache, dass davon zwei Arten bisher keiner der der Wissenschaft bekannten Arten zugeordnet werden konnten und daher möglicherweise noch unbeschrieben sind. Allerdings liegen von diesen Arten zum Teil nur wenige oder gar einzelne Exemplare vor, die eine statistische Auswertung der Merkmale unmöglich machen. Leider sind viele Arten in Salzburg nämlich extrem selten, da die oft wärmeliebenden Tiere in Salzburg zum Teil nur sehr lokal und kleinräumig geeignete Lebensbedingungen vorfinden. Einige Arten sind außerdem mit großer Wahrscheinlichkeit bei uns bereits ausgestorben oder waren nie hier heimisch (eingeschleppte Irrgäste). Wesentliche Neuzugänge im Arteninventar sind nicht mehr zu erwarten. Folgende Arten werden von Embacher et al. (2024), bzw. [[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz]] & [[Marion Kurz|Kurz]] (2024) für Salzburg gemeldet: |
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