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| | ==== Brief vom 10. März 1881 von Betti Katzinger an Fanny Kobler, Salzburg ==== | | ==== Brief vom 10. März 1881 von Betti Katzinger an Fanny Kobler, Salzburg ==== |
| − | Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen mit blauem Prägestempel "B K"; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen<br /> | + | Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen mit blauem Prägedruck "B K"; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen<br /> |
| | ''Grein am 10. März 881. Liebe gute Großmutter! Heute erhielt ich Deinen lieben Brief sammt Einschluß der 20 f [Gulden] ich weinte Freunden Thränen über Deine große Herzensgüte gegen mich, den es ist unsagbar welch‘ tiefen Kummer Du dadurch von meinen Herzen genohmen; den nun kann ich Hr. Doktor und die Apotheke bezahlen und damit nichts schuldig bleiben'' […] ''Tausend herzlichen Dank Dir liebste Großmutter'' […] / […] ''Deinen guten Rath liebe Großmutter werde ich befolgen, ein Schmalztücherl warm auf die Brust leben und den Magen mit Melißengeist einwaschen. Mit Kapaunfett welches mir unsere Frau Nachbarin gab, habe ich mich jetzt so immer Abends die Brust geschmiert; noch nie in meinen Leben habe ich so lange an einem Husten gelitten –'' […] ''Das Du jetzt so oft und stark das fatale Herzklopfen hast, bedauere ich Dich sehr aber ich denke es hat Dich halt der Tod Schlegels<ref>[[Richard Franz Schlegel]], † 1. März 1881 in Salzburg</ref> tief ergriffen, daß geht zum Herzen. ./.'' [Zeichen für Seitenwechsel] / ''Ich muß ja selbst fortwährend an ihm denken, wir haben ja so viel Frohes und auch so viel Trauriges mit ihm zusammen erlebt.'' […] / […] ''Gott hat Dich recht lieb das Er Dir das große Glück schenkte Dein Augenlicht wieder zu erhalten durch die Geschicklichkeit des Hr. D[r]. Kerschbaumer der gerade zu einer Zeit nach Salzburg kam, wo es für Dich nothwendig war. Gott fügt Alles wunderbar!'' […] ''Die Familie Schlegel Schneeberger Fr. v. Klausnitz die Theres und die Lisi lasse ich vielmahls grüßen'' […] ''Lebe wohl gute Großmutter nim nochmahls meinen herzinnigsten Dank für Deine große Güte und Theilnahme, Gott vergelts und erhalte Dich gesund, dieß ist der wärmste Wunsch Deiner Dich liebenden dankbaren Betti Katzinger.'' | | ''Grein am 10. März 881. Liebe gute Großmutter! Heute erhielt ich Deinen lieben Brief sammt Einschluß der 20 f [Gulden] ich weinte Freunden Thränen über Deine große Herzensgüte gegen mich, den es ist unsagbar welch‘ tiefen Kummer Du dadurch von meinen Herzen genohmen; den nun kann ich Hr. Doktor und die Apotheke bezahlen und damit nichts schuldig bleiben'' […] ''Tausend herzlichen Dank Dir liebste Großmutter'' […] / […] ''Deinen guten Rath liebe Großmutter werde ich befolgen, ein Schmalztücherl warm auf die Brust leben und den Magen mit Melißengeist einwaschen. Mit Kapaunfett welches mir unsere Frau Nachbarin gab, habe ich mich jetzt so immer Abends die Brust geschmiert; noch nie in meinen Leben habe ich so lange an einem Husten gelitten –'' […] ''Das Du jetzt so oft und stark das fatale Herzklopfen hast, bedauere ich Dich sehr aber ich denke es hat Dich halt der Tod Schlegels<ref>[[Richard Franz Schlegel]], † 1. März 1881 in Salzburg</ref> tief ergriffen, daß geht zum Herzen. ./.'' [Zeichen für Seitenwechsel] / ''Ich muß ja selbst fortwährend an ihm denken, wir haben ja so viel Frohes und auch so viel Trauriges mit ihm zusammen erlebt.'' […] / […] ''Gott hat Dich recht lieb das Er Dir das große Glück schenkte Dein Augenlicht wieder zu erhalten durch die Geschicklichkeit des Hr. D[r]. Kerschbaumer der gerade zu einer Zeit nach Salzburg kam, wo es für Dich nothwendig war. Gott fügt Alles wunderbar!'' […] ''Die Familie Schlegel Schneeberger Fr. v. Klausnitz die Theres und die Lisi lasse ich vielmahls grüßen'' […] ''Lebe wohl gute Großmutter nim nochmahls meinen herzinnigsten Dank für Deine große Güte und Theilnahme, Gott vergelts und erhalte Dich gesund, dieß ist der wärmste Wunsch Deiner Dich liebenden dankbaren Betti Katzinger.'' |
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| | ==== Brief vom 10. April 1881 von Betti Katzinger an Fanny Kobler, Salzburg ==== | | ==== Brief vom 10. April 1881 von Betti Katzinger an Fanny Kobler, Salzburg ==== |
| − | Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen mit blauem Prägestempel "B K"; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen<br /> | + | Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen mit blauem Prägedruck "B K"; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen<br /> |
| | ''Grein am 10. April 81. Liebe gute Großmutter! Wenn es mit meiner Erholung nicht gar so langsam ginge, hätte ich Dir schon längst geschrieben'' […] (Sie ist von "großer Müdigkeit und Schwäche" geplagt, näht trotzdem etwas auf der Maschiene, hat aber müde Hände und die Füße zittern; sie hat das Gefühl, kein Blut zu haben und sie ist mager geworden.) / (Sie fragt nach dem "fatalen Herzklopfen" der Großmutter und wünscht gesunde Osterfeiertage. Sie berichtet, dass ihr Bruder Wilhelm das Bräuhaus in "Harrachthal" gekauft hat [vgl. Brief vom 27. August 1879]) ''Wilhelm mußte 4000 f sogleich bezahlen und im Laufe des nechsten Jahres noch 6000 f die anderen 10,000 f bleiben zu 5 % liegen so lange bis sie es selbst zurückbezahlen wollen. Das Bräuhaus sammt Villa Binderhäusl und Schmidhäusl samt allen Gründen und allen Gerätschaften die zum Bräuhaus und zur Oekonomie gehören kostet 20,000 f ÖW. Alle Bekannte von meinen Bruder die das Anwesen kennen, riethen ihm zu diesen Kauf, da es durchaus nicht zu theuer ist. Am 1tn Oktober dieses Jahres müßen sie das Geschäft übernehmen, gebe Gott das es ihnen dort wieder recht wohl ergehe; ich freue mich herzlich darüber das Wilhelm doch noch in dem Besitz dieses Bräuhauses gekommen ist. Der liebe Gott hat es wirklich so haben wollen darum denke ich es wird zu ihrem Glück sein!'' […] (Es bleibt die Frage, ob sich bis zum 1. Oktober für das Bräuhaus in Steyregg ein Pächter meldet.) / (Sie haben eine Anzeige in die Zeitung gesetzt; wenn er keinen Nachfolger in Steyregg findet, muss er dort noch ein Jahr die Pacht zahlen [das Bräuhaus in Steyregg war offenbar nur gepachtet].) […] ''dann das Weggeben der Kinder macht ihnen auch viel Sorge, es muß aber sein, den in Harrachsthal würden sie nicht viel lernen und hätten eine Stunde weit zu gehen in die Schule. Mit Gottes Hilfe wird wohl Alles recht werden!'' (Frau Greisenegger [in Harrachstal] ist verstorben; der Bruder Wilhelm und dessen Frau bekommen nach ihr Kleider, Leinwand, Wäsche, Bilder, "etwas an alterthümlichen Schmuck und die Kinder ein jedes einen goldenen Ring als Andenken"; auch ein Gebetbuch, einen Rosenkranz, ein kleines Marienbild, alles wollen sie in Ehren halten.) ''Die gute Spängler hat mir vor 4 Wochen recht lieb geschrieben, es geht ihnen allen gut und sind gesund. Bitte grüße die Schlegelischen Frau Mutter Spängler die Theres Lisi und Alle vielmals Dich grüßt und küßt 1000 mahl Deine dankbare Betti K.'' | | ''Grein am 10. April 81. Liebe gute Großmutter! Wenn es mit meiner Erholung nicht gar so langsam ginge, hätte ich Dir schon längst geschrieben'' […] (Sie ist von "großer Müdigkeit und Schwäche" geplagt, näht trotzdem etwas auf der Maschiene, hat aber müde Hände und die Füße zittern; sie hat das Gefühl, kein Blut zu haben und sie ist mager geworden.) / (Sie fragt nach dem "fatalen Herzklopfen" der Großmutter und wünscht gesunde Osterfeiertage. Sie berichtet, dass ihr Bruder Wilhelm das Bräuhaus in "Harrachthal" gekauft hat [vgl. Brief vom 27. August 1879]) ''Wilhelm mußte 4000 f sogleich bezahlen und im Laufe des nechsten Jahres noch 6000 f die anderen 10,000 f bleiben zu 5 % liegen so lange bis sie es selbst zurückbezahlen wollen. Das Bräuhaus sammt Villa Binderhäusl und Schmidhäusl samt allen Gründen und allen Gerätschaften die zum Bräuhaus und zur Oekonomie gehören kostet 20,000 f ÖW. Alle Bekannte von meinen Bruder die das Anwesen kennen, riethen ihm zu diesen Kauf, da es durchaus nicht zu theuer ist. Am 1tn Oktober dieses Jahres müßen sie das Geschäft übernehmen, gebe Gott das es ihnen dort wieder recht wohl ergehe; ich freue mich herzlich darüber das Wilhelm doch noch in dem Besitz dieses Bräuhauses gekommen ist. Der liebe Gott hat es wirklich so haben wollen darum denke ich es wird zu ihrem Glück sein!'' […] (Es bleibt die Frage, ob sich bis zum 1. Oktober für das Bräuhaus in Steyregg ein Pächter meldet.) / (Sie haben eine Anzeige in die Zeitung gesetzt; wenn er keinen Nachfolger in Steyregg findet, muss er dort noch ein Jahr die Pacht zahlen [das Bräuhaus in Steyregg war offenbar nur gepachtet].) […] ''dann das Weggeben der Kinder macht ihnen auch viel Sorge, es muß aber sein, den in Harrachsthal würden sie nicht viel lernen und hätten eine Stunde weit zu gehen in die Schule. Mit Gottes Hilfe wird wohl Alles recht werden!'' (Frau Greisenegger [in Harrachstal] ist verstorben; der Bruder Wilhelm und dessen Frau bekommen nach ihr Kleider, Leinwand, Wäsche, Bilder, "etwas an alterthümlichen Schmuck und die Kinder ein jedes einen goldenen Ring als Andenken"; auch ein Gebetbuch, einen Rosenkranz, ein kleines Marienbild, alles wollen sie in Ehren halten.) ''Die gute Spängler hat mir vor 4 Wochen recht lieb geschrieben, es geht ihnen allen gut und sind gesund. Bitte grüße die Schlegelischen Frau Mutter Spängler die Theres Lisi und Alle vielmals Dich grüßt und küßt 1000 mahl Deine dankbare Betti K.'' |
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| | [[Datei:Brief vom 23. und 24. Oktober 1881, Seite 2 - 3.JPG|thumb|Brief vom 23. und 24. Oktober 1881, Seite 2 und 3.]] | | [[Datei:Brief vom 23. und 24. Oktober 1881, Seite 2 - 3.JPG|thumb|Brief vom 23. und 24. Oktober 1881, Seite 2 und 3.]] |
| | [[Datei:Brief vom 23. und 24. Oktober 1881, Seite 4.JPG|thumb|Brief vom 23. und 24. Oktober 1881, Seite 4.]] | | [[Datei:Brief vom 23. und 24. Oktober 1881, Seite 4.JPG|thumb|Brief vom 23. und 24. Oktober 1881, Seite 4.]] |
| − | Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; weißer Prägestempel "C Salzburg"; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt):<br /> | + | Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; weißer Prägedruck "C Salzburg"; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt):<br /> |
| | ''Salzburg den 23/10 [18]81 Meine inigst geliebten Theuren! Nun muß ich Euch wider recht fleißig nenen, das ich 2 Briefe so schnel nach einander von Euch erhalten habe. Gottlob das es Euch allen recht gut geht, ich freue mich schon jetzt, auf das künftige Jahr, wen ich noch lebe, das ich die Kindlein alle sehen werde, so Gott will, wird die Fany hirher kommen, mit den Kindern. Die Fany'' [Franziska, Anm.] ''stelle ich mir schon zimmlich groß, und bedächtig vor, da sie auch schon verschiedene kleine Geschäfte verrichtet, Gänge'' [Einkäufe, Anm.] ''macht und dergleichen – / auch von der Häckelkunst schon eine Probe geschückt da wird die Mutter gewiß früh eine Hülfe an ihr bekommen und von Toni'' [Antonia, Anm.] ''sagen mir schon alle welche sie gesehen das sie allerliebst sey. Und Rosa kann ja auch schon etwas.<ref>Franziska (Fany) * 1877; Antonia (Toni) * 1879; Rosa * 1880; in Pottenstein dann: Johanna (Hansi) * 1882; Franz * 1883; Otto * 1886</ref> Es ist für der Eltern Mühe, der größte Lohn, wen man an den Kindern warnimmt, das sein Bemühen Früchte bringt, der liebe Gott möge Euch recht viel Segen schücken und mir die Freude, alle in meinen Leben noch einmal zu sehen.<ref>[[Antonia Spängler]] starb am 15. März 1882 in der Stadt Salzburg. Von ihr sind noch weitere Briefe vom Anfang des Jahres 1882 erhalten, aber mit diesem Brief ist das Briefbündel 1879 bis 1881 abgeschlossen.</ref> Wie ist es den mit meinen lieben Franz habe ich doch heuer, noch die Freude, ihm [!] bey mir zu sehen? ich meinte doch, wen / er kömmt doch sehen'' [schon, Anm.] ''so bald als möglich, weil der Tag schon so kurz wird, und man dan so wenig unternehmen kann. Ich freue mich schon recht inig darauf, alle Tage meine ich es kömmt die Nachricht das Franz kömmt.'' | | ''Salzburg den 23/10 [18]81 Meine inigst geliebten Theuren! Nun muß ich Euch wider recht fleißig nenen, das ich 2 Briefe so schnel nach einander von Euch erhalten habe. Gottlob das es Euch allen recht gut geht, ich freue mich schon jetzt, auf das künftige Jahr, wen ich noch lebe, das ich die Kindlein alle sehen werde, so Gott will, wird die Fany hirher kommen, mit den Kindern. Die Fany'' [Franziska, Anm.] ''stelle ich mir schon zimmlich groß, und bedächtig vor, da sie auch schon verschiedene kleine Geschäfte verrichtet, Gänge'' [Einkäufe, Anm.] ''macht und dergleichen – / auch von der Häckelkunst schon eine Probe geschückt da wird die Mutter gewiß früh eine Hülfe an ihr bekommen und von Toni'' [Antonia, Anm.] ''sagen mir schon alle welche sie gesehen das sie allerliebst sey. Und Rosa kann ja auch schon etwas.<ref>Franziska (Fany) * 1877; Antonia (Toni) * 1879; Rosa * 1880; in Pottenstein dann: Johanna (Hansi) * 1882; Franz * 1883; Otto * 1886</ref> Es ist für der Eltern Mühe, der größte Lohn, wen man an den Kindern warnimmt, das sein Bemühen Früchte bringt, der liebe Gott möge Euch recht viel Segen schücken und mir die Freude, alle in meinen Leben noch einmal zu sehen.<ref>[[Antonia Spängler]] starb am 15. März 1882 in der Stadt Salzburg. Von ihr sind noch weitere Briefe vom Anfang des Jahres 1882 erhalten, aber mit diesem Brief ist das Briefbündel 1879 bis 1881 abgeschlossen.</ref> Wie ist es den mit meinen lieben Franz habe ich doch heuer, noch die Freude, ihm [!] bey mir zu sehen? ich meinte doch, wen / er kömmt doch sehen'' [schon, Anm.] ''so bald als möglich, weil der Tag schon so kurz wird, und man dan so wenig unternehmen kann. Ich freue mich schon recht inig darauf, alle Tage meine ich es kömmt die Nachricht das Franz kömmt.'' |
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