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| | Diese wurden meist durch lokale Beschwerden veranlasst und richteten sich gegen den Grundherrn, niemals gegen Kaiser und [[Reich]]. Manchmal war nur die Veränderung bestehender Zustände die Ursache, wie [[1462]] eine hohe Weihsteuer, [[1478]] der ungenügende Schutz vor den Türken in Kärnten, [[1515]] die Anwendung neuer Rechtsgrundsätze in der Untersteiermark (heute [[Slowenien]]). | | Diese wurden meist durch lokale Beschwerden veranlasst und richteten sich gegen den Grundherrn, niemals gegen Kaiser und [[Reich]]. Manchmal war nur die Veränderung bestehender Zustände die Ursache, wie [[1462]] eine hohe Weihsteuer, [[1478]] der ungenügende Schutz vor den Türken in Kärnten, [[1515]] die Anwendung neuer Rechtsgrundsätze in der Untersteiermark (heute [[Slowenien]]). |
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| | + | Durch die Steuerlast und zerstörten landwirtschaftlichen Betrieben stiegen Hungersnot, was zur Teuerung aller Produkte im Erzstift führte. Sogar Kardinal Lang musste sich einschränken und verkaufte alles Silbergeschirr seines [[Salzburger Fürstenhof|Fürstenhofes]]. |
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| | + | Die Auswirkungen der gewaltigen religiösen Umbrüche in vielen Ländern Europas hatten somit auch vor Salzburg, wenngleich oder gerade weil geistliches Fürstentum, nicht haltgemacht. Die schon fast aufklärerisch klingende und lutherisch beeinflusste ebenfalls von den Salzburger Aufständischen geforderte Trennung der geistigen von der weltlichen Macht zeigt schon weit in die Zukunft. Die Forderung nach der sogenannten Gewaltentrennung wurde später von Montesquieu mit seinem Appell nach einer Trennung von Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung "moderner" propagiert. Dennoch tritt auch in Salzburg im Zeitalter der Bauernaufstände ansatzweise bereits die Forderung nach Trennung von Gesetzgebung und Rechtsprechung (noch dazu in weltlicher und kirchlicher Sicht) zutage.<ref>[[Helmut Eymannsberger|Eymannsberger, Helmut]]: "Zum 530. Geburtstag von Sebastian Münster - Was Rauriser und Gasteiner Bergknappen mit Krokodilen, Meeresungeheuern und einem früheren 100 Mark-Schein verbindet", GSL 158/159 – 2018/2019. [[Verlag Anton Pustet]], ISBN 978-3-7025-0956-9, Salzburg 2019, S. 61–288, hier 138–140</ref>. Der Wunsch nach nach einer gewissen politischen Partizipation, der damals allein dem Adel vorbehalten war oder auch eben der Forderung nach einem Rechtsstaat zur Vermeidung von Willkür war dann gedanklich nicht mehr ganz so weit, auch wenn die Umsetzung schließlich noch Jahrhunderte dauerte. Es wäre allerdings zu pointiert formuliert, schon im Zeitalter der Bauernkriege, respektive auch in Salzburg schon eine Art demokratisch motivierte Bewegungen auf breiterer Front am Werk zu sehen, da sich im Gegenteil der Weg zu absolutistisch regierenden Landesfürsten abzeichnete. |
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| | Größeren Umfang erhielt die Bewegung durch die religiösen [[Evangelische Kirche (Gemeinschaft)|Lehren Luthers]] und anderer Reformatoren, vor allem im Anschluss an den großen deutschen Bauernkrieg von [[1525]]. Sie erfasste [[Tirol]] und Salzburg sowie Teile der [[Steiermark]], von [[Niederösterreich]], [[Oberösterreich]] und [[Kärnten]]. Höhepunkte waren die gewaltsamen Aktionen [[Michael Gaismair]]s in Tirol und Salzburg (Belagerung von [[Radstadt]]), die Belagerung des [[Fürsterzbischof]]s [[Matthäus Lang von Wellenburg]] auf [[Festung Hohensalzburg|Hohensalzburg]] und die Kämpfe um [[Schladming]]. | | Größeren Umfang erhielt die Bewegung durch die religiösen [[Evangelische Kirche (Gemeinschaft)|Lehren Luthers]] und anderer Reformatoren, vor allem im Anschluss an den großen deutschen Bauernkrieg von [[1525]]. Sie erfasste [[Tirol]] und Salzburg sowie Teile der [[Steiermark]], von [[Niederösterreich]], [[Oberösterreich]] und [[Kärnten]]. Höhepunkte waren die gewaltsamen Aktionen [[Michael Gaismair]]s in Tirol und Salzburg (Belagerung von [[Radstadt]]), die Belagerung des [[Fürsterzbischof]]s [[Matthäus Lang von Wellenburg]] auf [[Festung Hohensalzburg|Hohensalzburg]] und die Kämpfe um [[Schladming]]. |
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| | Ein größerer Aufstand ging zudem [[1594]]/[[1595]] von Oberösterreich aus und dehnte sich [[1596]] wegen der Belastungen durch einen Türkenkrieg und Maßnahmen der Gegenreformation auch auf Teile des westlichen Niederösterreichs aus. | | Ein größerer Aufstand ging zudem [[1594]]/[[1595]] von Oberösterreich aus und dehnte sich [[1596]] wegen der Belastungen durch einen Türkenkrieg und Maßnahmen der Gegenreformation auch auf Teile des westlichen Niederösterreichs aus. |
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| − | Durch die Steuerlast und zerstörten landwirtschaftlichen Betrieben stiegen Hungersnot, was zur Teuerung aller Produkte im Erzstift führte. Sogar Kardinal Lang musste sich einschränken und verkaufte alles Silbergeschirr seines [[Salzburger Fürstenhof|Fürstenhofes]].
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| − | Die Auswirkungen der gewaltigen religiösen Umbrüche in vielen Ländern Europas hatten somit auch vor Salzburg, wenngleich oder gerade weil geistliches Fürstentum, nicht haltgemacht. Die schon fast aufklärerisch klingende und lutherisch beeinflusste ebenfalls von den Salzburger Aufständischen geforderte Trennung der geistigen von der weltlichen Macht zeigt schon weit in die Zukunft. Die Forderung nach der sogenannten Gewaltentrennung wurde später von Montesquieu mit seinem Appell nach einer Trennung von Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung "moderner" propagiert. Dennoch tritt auch in Salzburg im Zeitalter der Bauernaufstände ansatzweise bereits die Forderung nach Trennung von Gesetzgebung und Rechtsprechung (noch dazu in weltlicher und kirchlicher Sicht) zutage.<ref>[[Helmut Eymannsberger|Eymannsberger, Helmut]]: "Zum 530. Geburtstag von Sebastian Münster - Was Rauriser und Gasteiner Bergknappen mit Krokodilen, Meeresungeheuern und einem früheren 100 Mark-Schein verbindet", GSL 158/159 – 2018/2019. [[Verlag Anton Pustet]], ISBN 978-3-7025-0956-9, Salzburg 2019, S. 61–288, hier 138–140</ref>. Der Wunsch nach nach einer gewissen politischen Partizipation, der damals allein dem Adel vorbehalten war oder auch eben der Forderung nach einem Rechtsstaat zur Vermeidung von Willkür war dann gedanklich nicht mehr ganz so weit, auch wenn die Umsetzung schließlich noch Jahrhunderte dauerte. Es wäre allerdings zu pointiert formuliert, schon im Zeitalter der Bauernkriege, respektive auch in Salzburg schon eine Art demokratisch motivierte Bewegungen auf breiterer Front am Werk zu sehen, da sich im Gegenteil der Weg zu absolutistisch regierenden Landesfürsten abzeichnete.
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| | == Auswirkungen der Sanktionen für die Protestanten == | | == Auswirkungen der Sanktionen für die Protestanten == |