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Nach Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiter Weltkriegs]] entschloss sich Menghin zur Flucht nach Argentinien in Südamerika. Nachdem [[1956]] das Strafverfahren gegen ihn wegen § 8 des Kriegsverbrechergesetzes und der Anklage wegen Hochverrats eingestellt worden war, konnte er drei Jahre später korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaft werden.
 
Nach Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiter Weltkriegs]] entschloss sich Menghin zur Flucht nach Argentinien in Südamerika. Nachdem [[1956]] das Strafverfahren gegen ihn wegen § 8 des Kriegsverbrechergesetzes und der Anklage wegen Hochverrats eingestellt worden war, konnte er drei Jahre später korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaft werden.
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Der Salzburger Zeithistoriker [[Robert Obermair]] wies [[2023]] anhand des ehemaligen Wiener Rektors und Unterrichtsministers Oswald Menghin nach, wie rechte Netzwerke in Österreich funktioniert haben - auch weit über die Nazizeit hinaus. Menghin war von [[1918]] bis [[1945]] Professor am Urgeschichtlichen Institut der Universität Wien, wurde [[1935]]/36 zum Rektor gewählt und agierte [[1938]] als Unterrichtsminister im sogenannten Anschlusskabinett von Arthur Seyß-Inquart. In diese Zeit fielen das Anschlussgesetz und die sogenannte Säuberung der Universität Wien - rund 40 Prozent des Lehrkörpers wurden wegen jüdischer Abstammung beziehungsweise aus politischen Gründen entlassen. Daran war Menghin maßgeblich beteiligt. "Mir fiel auf, dass es zu dieser einst einflussreichen politischen Person kaum Forschungsliteratur gab", sagt der Zeithistoriker Obermair. Ihm ging es aber nicht darum, eine Gelehrtenbiografie zu schreiben, vielmehr habe ihn Menghins Leben als Beispiel dafür interessiert, wie extrem rechte Netzwerke organisiert waren und wie sie nach dem Krieg weiter funktioniert haben. "Durch die Unterstützung seiner Netzwerke wurde Menghin [[1955]] begnadigt und bekam so in Argentinien eine hohe österreichische Pension", berichtet Obermair.
    
== Menghin und Mattsee ==
 
== Menghin und Mattsee ==
 
Wie Seyß-Inquart verkehrte er in Wiener antisemitisch-deutschnationalen Kreisen, hatte aber ein durchaus freundschaftliches Verhältnis zum christlich-sozialen Salzburger [[Landeshauptmann]] Dr. [[Franz Rehrl]].
 
Wie Seyß-Inquart verkehrte er in Wiener antisemitisch-deutschnationalen Kreisen, hatte aber ein durchaus freundschaftliches Verhältnis zum christlich-sozialen Salzburger [[Landeshauptmann]] Dr. [[Franz Rehrl]].
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In [[Mattsee (Ort)|Mattsee]] kaufte Menghin ein Haus am Fuß des [[Hinterwartstein]]s. Der Kauf stand in enger Verbindung zu den politischen Ereignissen im Frühjahr [[1938]]. Den Kaufvertrag  wurde am [[21. März]] 1938 abgeschlossen, Margarethe Menghin, seine Frau, wurde aufgrund dieses Vertrages mit [[16. März]] 1938 das Eigentumsrecht eingetragen.  
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In [[Mattsee (Ort)|Mattsee]] kaufte Menghin ein Haus am Fuß des Hinter[[wartstein]]s. Der Kauf stand in enger Verbindung zu den politischen Ereignissen im Frühjahr [[1938]]. Den Kaufvertrag  wurde am [[21. März]] 1938 abgeschlossen, Margarethe Menghin, seine Frau, wurde aufgrund dieses Vertrages mit [[16. März]] 1938 das Eigentumsrecht eingetragen.
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Als Menghin [[1945]] erkannte, dass es mit dem Deutschen Reich zu Ende gehen wird, setzte er sich von Wien in Richtung Westen ab. Er tauchte im Ferienhaus seiner Frau Mattsee unter, wurde aber verraten, von den Amerikanern verhaftet und in ein Zivilistenlager nach [[Deutschland]] gebracht. "Ein Glück für ihn", wie Obermair befindet. "In [[Österreich]] stand Menghin wegen Hochverrats beziehungsweise Vorbereitung zum Hochverrat auf der sogenannten ersten Kriegsverbrecherliste: "Er hat ja in der Zeit des Austrofaschismus geholfen, die nationalsozialistische Regierung herbeizuführen und so den Untergang Österreichs mitbesiegelt. Darauf stand die Todesstrafe."
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Menghin kam [[1947]] in Deutschland frei und startete in sein zweites Leben, reiste nach Südamerika: Die Flucht führte zu Fuß über den Reschenpass nach [[Italien]], dann per Schiff von Genua nach Buenos Aires. "Bei seiner Flucht ist er etwa vom damaligen Salzburger [[Erzbischof]] [[Andreas Rohracher]] unterstützt worden", sagt Obermair. Und: Obwohl in Österreich zur Fahndung ausgeschrieben, wurde ihm dennoch ein Reisepass ausgestellt.
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Ab Herbst [[1948]] arbeitete Menghin bereits als Professor an der Universität Buenos Aires. Es wurde, beschreibt Obermair, kein Auslieferungsverfahren gegen ihn eröffnet. Im Gegenteil: Menghin wurde unter Hinweis auf sein wissenschaftliches Ansehen rehabilitiert. Er blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1973 in Argentinien wissenschaftlich tätig, hatte dort eine Machtposition, kehrte mehrfach nach Österreich zurück, wo er sich in Tirol einen Alterssitz gekauft hatte. Und wurde von Vertrauten hofiert wie gefeiert.
    
== Quellen ==
 
== Quellen ==
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* [https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/oswald-menghin-prof-dr geschichte.univie.ac.at]
 
* [https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/oswald-menghin-prof-dr geschichte.univie.ac.at]
 
* [[Wo Dollfuß baden ging]], Mattsee erinnert sich: [[Arnold Schönberg|Schönberg]] - Seyß-Inquart - [[Stephanskrone]], Seite 65 und 95
 
* [[Wo Dollfuß baden ging]], Mattsee erinnert sich: [[Arnold Schönberg|Schönberg]] - Seyß-Inquart - [[Stephanskrone]], Seite 65 und 95
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* [https://www.sn.at/panorama/wissen/wissenschafter-dienste-nazis-147172357 www.sn.at], 20. Oktober 2023: "Wissenschafter im Dienste der Nazis", ein Beitrag von [[Martin Behr]]
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{{SORTIERUNG: Menghin, Oswald }}
 
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