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[[Datei:Wappen von Hironimius Graf Colloredo am Schloss Laufen.jpg|thumb|Wappen von Hieronymus Graf Colloredo am [[Schloss Laufen]].]]
 
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[[File:Austria salzburg thaler 1777.jpg|thumb|Salzburger Thaler 1777, sie zeigen Hieronymus Graf Colloredo.]]
 
[[File:Austria salzburg thaler 1777.jpg|thumb|Salzburger Thaler 1777, sie zeigen Hieronymus Graf Colloredo.]]
'''Hieronymus Graf Colloredo''' (* [[31. Mai]] [[1732]] in [[Wien]]; † [[20. Mai]] [[1812]] ebendort) war von [[1772]] bis [[1803]] der letzte Salzburger Erzbischof, der als [[Fürsterzbischof]] residierte. Als passenden Wahlspruch der Regentschaft wählte Hieronymus Colloredo den Spruch „Providum imperium felix“ - Glücklich ist eine voraussehende Regierung Colloredo ging in seinen Reformen im Geist der Aufklärung gegenüber jenen von Joseph II in der Regel wesentlich vorsichtiger vor und passte manche Reform im Geist der Aufklärung den Salzburger Verhältnissen an. Er gründete eine Armenkommission, führte Beratungen zur Gründung eines Armeninstituts nach österreichischem Vorbild durch - samt einem frühen Ansatz für ein Pensionssystems, forderte eine ausreichende medizinische Betreuung der Bevölkerung und setzte sich dabei etwa auch für eine Pockenschutzimpfung ein.  
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'''Hieronymus Graf Colloredo''' (* [[31. Mai]] [[1732]] in [[Wien]]; † [[20. Mai]] [[1812]] ebendort) war von [[1772]] bis [[1803]] der letzte Salzburger Erzbischof, der als [[Fürsterzbischof]] residierte.  
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== Einleitung ==
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Als passenden Wahlspruch der Regentschaft wählte Hieronymus Colloredo den Spruch ''Providum imperium felix'' - "Glücklich ist eine voraussehende Regierung". Colloredo ging in seinen Reformen im Geist der Aufklärung gegenüber jenen von Joseph II. in der Regel wesentlich vorsichtiger vor und passte manche Reform im Geist der Aufklärung den Salzburger Verhältnissen an. Er gründete eine Armenkommission, führte Beratungen zur Gründung eines Armeninstituts nach österreichischem Vorbild durch - samt einem frühen Ansatz für ein Pensionssystems, forderte eine ausreichende medizinische Betreuung der Bevölkerung und setzte sich dabei etwa auch für eine Pockenschutzimpfung ein.  
    
== Leben ==
 
== Leben ==
Hieronymus Graf Colloredo war der Sohn des ehemaligen Vizekanzlers unter [[Maria Theresia]], Rudolph Joseph von Colloredo (* 6. Juli 1706; † 1. November 1788), und seiner Frau Maria Gabriele, geborene von Starhemberg (* 28. November 1707; † 9. November 1793)<ref>[https://de.rodovid.org/wk/Person:785576 de.rodovid.org]</ref>. Über sein Studium war bis Anfang des [[21. Jahrhundert]]s nicht viel bekannt. Die Kunsthistorikerin [[Roswitha Juffinger]] fand zusammen mit [[Christoph Brandhuber]] bis 2011 heraus, dass Colloredo Jus studierte - bisher hatte man angenommen, dass er nur Theologie studiert hatte. Mit nicht einmal 30 Jahren wurde er Auditor bei der ''Sacra Rota'', dem weltlichen Gericht des Vatikans. Nach dem Theologiestudium am ''[[Collegium Germanicum]]'' in Rom verlieh am [[19. Dezember]] [[1761]] Königin Maria Theresia von Österreich dem jungen Colloredo das [[Bistum Gurk]]. Fürsterzbischof [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach]] weihte ihn dann am [[14. April]] [[1762]] in der [[Stadt Salzburg]] zum [[Bischof von Gurk]]. Am [[14. März]] [[1772]] wurde er nach 49 Abstimmungen zum Fürsterzbischof von [[Erzstift Salzburg|Salzburg]] gewählt. Am [[29. April]] zog Colloredo feierlich von [[Schloss Freisaal]] in die Stadt ein, und Papst Clemens XIV. bestätigt am [[22. Juni]] seine Wahl.  
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Hieronymus Graf Colloredo war der Sohn des ehemaligen Vizekanzlers unter [[Maria Theresia]], Rudolph Joseph von Colloredo (* [[6. Juli]] [[1706]]; † [[1. November]] [[1788]]) und seiner Frau Maria Gabriele, geborene von Starhemberg (* [[28. November]] [[1707]]; † [[9. November]] [[1793]])<ref>[https://de.rodovid.org/wk/Person:785576 de.rodovid.org]</ref>. Über sein Studium war bis Anfang des [[21. Jahrhundert]]s nicht viel bekannt. Die Kunsthistorikerin [[Roswitha Juffinger]] fand zusammen mit [[Christoph Brandhuber]] bis 2011 heraus, dass Colloredo Jus studierte - bisher hatte man angenommen, dass er nur Theologie studiert hatte. Mit nicht einmal 30 Jahren wurde er Auditor bei der ''Sacra Rota'', dem weltlichen Gericht des Vatikans. Nach dem Theologiestudium am ''[[Collegium Germanicum]]'' in Rom verlieh am [[19. Dezember]] [[1761]] Königin Maria Theresia von Österreich dem jungen Colloredo das [[Bistum Gurk]]. Fürsterzbischof [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach]] weihte ihn dann am [[14. April]] [[1762]] in der [[Stadt Salzburg]] zum [[Bischof von Gurk]]. Am [[14. März]] [[1772]] wurde er nach 49 Abstimmungen zum Fürsterzbischof von [[Erzstift Salzburg|Salzburg]] gewählt. Am [[29. April]] zog Colloredo feierlich von [[Schloss Freisaal]] in die Stadt ein, und Papst Clemens XIV. bestätigt am [[22. Juni]] seine Wahl.  
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Sein Wahlspruch war: ''Providum imperium felix'' – "Eine voraussehende Regierung ist glücklich". Seinen Namenstag hatte er am [[30. September]].<ref>[https://www.facebook.com/photo?fbid=1406693180122872&set=a.1107150730077120 Facebook], ein Beitrag von [[Christoph Brandhuber]] am 16. Juni 2023 zu [[Johann Rudolph Czernin]].</ref>  
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Seinen Namenstag hatte er am [[30. September]].<ref>[https://www.facebook.com/photo?fbid=1406693180122872&set=a.1107150730077120 Facebook], ein Beitrag von [[Christoph Brandhuber]] am 16. Juni 2023 zu [[Johann Rudolph Czernin]].</ref>  
    
Colloredo war der erste moderne Herrscher im Geiste der Aufklärung. Wie der Salzburger Historiker Mag. Dr. [[Oskar Dohle]] in seinen jüngsten Forschungen anlässlich einer Doppelausstellung [[Kirchenfürst und Landesherr]] im Jahr 2012 formulierte, sei Colloredo ein Repräsentant einer Epochenwende gewesen. Einerseits vertrat er eine durch die Gegenreformation gestärkte katholische Kirche, andererseits blickte er mit seinen weltlichen Reformen weit in das [[19. Jahrhundert]] hinein. Colloredo habe viele Neuerungen angestoßen, wie etwa in der Bildung, der Vermessung des Landes und der Flussregulierung.
 
Colloredo war der erste moderne Herrscher im Geiste der Aufklärung. Wie der Salzburger Historiker Mag. Dr. [[Oskar Dohle]] in seinen jüngsten Forschungen anlässlich einer Doppelausstellung [[Kirchenfürst und Landesherr]] im Jahr 2012 formulierte, sei Colloredo ein Repräsentant einer Epochenwende gewesen. Einerseits vertrat er eine durch die Gegenreformation gestärkte katholische Kirche, andererseits blickte er mit seinen weltlichen Reformen weit in das [[19. Jahrhundert]] hinein. Colloredo habe viele Neuerungen angestoßen, wie etwa in der Bildung, der Vermessung des Landes und der Flussregulierung.
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Sein Leibarzt war [[Johann Jacob Hartenkeil]], zweiter Leibarzt war Dr. [[Anton Buchmann]].
 
Sein Leibarzt war [[Johann Jacob Hartenkeil]], zweiter Leibarzt war Dr. [[Anton Buchmann]].
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Schon damals investierten Staatsmänner in Aktien. Colloredo sanierte sehr erfolgreich den Fürstenstaat Salzburg. Das Land Salzburg verlor aber dann im Zuge der [[Napoleon|Napoleonischen]] Kriege wieder viel Geld, als die Aktienmärkte ''in den Keller'' sanken.
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Schon damals investierten Staatsmänner in Aktien. Colloredo sanierte sehr erfolgreich den Fürstenstaat Salzburg. Das Land Salzburg verlor aber dann im Zuge der [[Napoleon]]ischen Kriege wieder viel Geld, als die Aktienmärkte "in den Keller" sanken.
 
      
==Schule und Bildung==
 
==Schule und Bildung==
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==Kirchliche Feiertage==  
 
==Kirchliche Feiertage==  
Zur Erneuerung überkommener Bräuche nahm sich Hieronymus Colloredo schon Ende 1772 vor tiefgreifende in die gelebten Frömmigkeit vorzunehmen und verlangte nach einer Erneuerung im Glauben bzw. eine Abkehr vom  unzeitgemäß gewordenen Barockkatholizismus und. Vor allem verordnete er die Aufhebung vieler Fest- und Feiertage - um Entsetzen großer konservativer Teile der der Bevölkerung, die der Klerus vielfach wesentlich mittrug. Damit wolle er eine bessere Heiligung und Würdigung der übrigen Feiertage durch eine verstärkte Teilnahme an den religiösen Übungen erreichen. Von den damaligen 95 kirchlichen Sonn- und Feiertage sollten fast 20 aufgehoben werden 1788 wurde das Volk erneut zur Arbeit an den aufgehobenen Feiertagen aufgefordert. Die Aufhebung der Feiertage erwies sich in der Umsetzung als zu schwierig. Auch der Franziskaner Pater Clarentius Pschaider nutzte seine Predigten, und eine Schrift mit dem Titel „Frage, ob die Abstellung der Feyertäge bey jeztmaligen Weltlauf christlich und zu billigen seye?. Damit griff der Pater Erzbischof und Papst an. Die erzbischöflichen Maßnahmen verglich der Pater dabei mit einem unverständigen Schnarcher. Trotzdem konnte für kurze Zeit diese Schrift in Salzburg verkauft werden, bis sie später dann doch eingezogen wurde. Pater Clarentius wurde darauf zu acht Jahren Haft verurteilt und gleichzeitig den zuständigen Ordensoberen übergeben.  
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Zur Erneuerung überkommener Bräuche nahm sich Hieronymus Colloredo schon Ende 1772 vor tiefgreifende in die gelebten Frömmigkeit vorzunehmen und verlangte nach einer Erneuerung im Glauben bzw. eine Abkehr vom  unzeitgemäß gewordenen Barockkatholizismus und. Vor allem verordnete er die Aufhebung vieler Fest- und Feiertage - um Entsetzen großer konservativer Teile der der Bevölkerung, die der Klerus vielfach wesentlich mittrug. Damit wolle er eine bessere Heiligung und Würdigung der übrigen Feiertage durch eine verstärkte Teilnahme an den religiösen Übungen erreichen. Von den damaligen 95 kirchlichen Sonn- und Feiertage sollten fast 20 aufgehoben werden 1788 wurde das Volk erneut zur Arbeit an den aufgehobenen Feiertagen aufgefordert. Die Aufhebung der Feiertage erwies sich in der Umsetzung als zu schwierig. Auch der Franziskaner Pater Clarentius Pschaider nutzte seine Predigten, und eine Schrift mit dem Titel "Frage, ob die Abstellung der Feyertäge bey jeztmaligen Weltlauf christlich und zu billigen seye?". Damit griff der Pater Erzbischof und Papst an. Die erzbischöflichen Maßnahmen verglich der Pater dabei mit einem unverständigen Schnarcher. Trotzdem konnte für kurze Zeit diese Schrift in Salzburg verkauft werden, bis sie später dann doch eingezogen wurde. Pater Clarentius wurde darauf zu acht Jahren Haft verurteilt und gleichzeitig den zuständigen Ordensoberen übergeben.  
    
==Einschränkung von Umgängen und Wallfahrten==
 
==Einschränkung von Umgängen und Wallfahrten==
1779 ließ Colloredo im Fürsterzbistum die Passionsspiele und andere „Mummereyen” bei den Karfreitags- und anderen Prozessionen verbieten - erneut zur Entrüstung des Kirchenvolkes und des konservativen Clerus. Colloredo und seine aufgeklärten Berater meinten darin einen „für das Christenthum entehrenden Missbrauch zu erkennen. Im Jubeljahr 1782 veröffentlichte er neuerlich eine Kritik an den kirchlichen Missständen forderte einer deutlich verbesserten Armenpolitik, wobei diese Forderungen mit Zitaten der Kirchenväter untermauerte. Auch wurde die Bedeutung des Bibellesens und der Gesang deutscher Kirchenlieder empfohlen, und das barocke Übermaß der Marien- und Heiligenverehrung eingeschränkt
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1779 ließ Colloredo im Fürsterzbistum die Passionsspiele und andere "Mummereyen" bei den Karfreitags- und anderen Prozessionen verbieten - erneut zur Entrüstung des Kirchenvolkes und des konservativen Clerus. Colloredo und seine aufgeklärten Berater meinten darin einen "für das Christenthum entehrenden Missbrauch zu erkennen. Im Jubeljahr 1782 veröffentlichte er neuerlich eine Kritik an den kirchlichen Missständen forderte einer deutlich verbesserten Armenpolitik, wobei diese Forderungen mit Zitaten der Kirchenväter untermauerte. Auch wurde die Bedeutung des Bibellesens und der Gesang deutscher Kirchenlieder empfohlen, und das barocke Übermaß der Marien- und Heiligenverehrung eingeschränkt.
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Den wohl ambitioniertesten Schritt in Richtung aufgeklärte Religion unternahm Erzbischof Colloredo mit der Publikation des berühmten Hirtenbriefes im Jubeljahr 1782. In diesem Sendschreiben, das an die in der Seelsorge stehenden Priester gerichtet war, aber zugleich den weltlichen Beamten und dem Kanzleipersonal per Zirkular mitgeteilt wurde, griff er den seiner Meinung nach unzeitgemäß gewordenen Barockkatholizismus scharf an und verlangte nach einer Erneuerung im Glauben.  
 
Den wohl ambitioniertesten Schritt in Richtung aufgeklärte Religion unternahm Erzbischof Colloredo mit der Publikation des berühmten Hirtenbriefes im Jubeljahr 1782. In diesem Sendschreiben, das an die in der Seelsorge stehenden Priester gerichtet war, aber zugleich den weltlichen Beamten und dem Kanzleipersonal per Zirkular mitgeteilt wurde, griff er den seiner Meinung nach unzeitgemäß gewordenen Barockkatholizismus scharf an und verlangte nach einer Erneuerung im Glauben.  
Noch lange nach der Absetzung als Fürst des Römisch-deutschen Reiches verhinderte übrigens Colloredo den Plan von Kaiser Franz das Erzbistum Salzburg zu degradieren und als Bistum dem Wiener Metropoliten zu  
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Noch lange nach der Absetzung als Fürst des Römisch-deutschen Reiches verhinderte übrigens Colloredo den Plan von Kaiser Franz das Erzbistum Salzburg zu degradieren und als Bistum dem Wiener Metropoliten zu.
    
== Colloredo und die Kunst ==
 
== Colloredo und die Kunst ==
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== Bilder ==
 
== Bilder ==
 
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== Literatur und Quellen==
 
== Literatur und Quellen==
 
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* {{Quelle SN|28. Juni 2012 "Er war der Letzte seiner Art"}}
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* Ergänzungen durch Dr. [[Reinhard Medicus]]
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== Einzelnachweis ==
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== Einzelnachweise ==
 
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