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''Salzburg den 29/5 [18]77 Meine lieben – lieben Theuren! Ich schreibe Heute in meinen, und im Nahmen, des Otto, das Louise Heute Vormittag ½ 10 Uhr glücklich entbunden wurde mit einen Mädchen welches in der Heil Taufe den Nahmen Berta<ref>Bertha Spängler (* 29. Mai 1877; † 16. September 1971), am 1. Mai 1905 verheiratet mit [[Adolf Stierle senior]]</ref>erhielt. Beyde sind nach möglichkeit wohl. Nun muß ich erst erzählen, was wir diese Tage, außgestanden haben. Denckt Euch, Otto bekamm vor 3 Wochen die Flecken, sie verliefen zimmlich gut und er geht seit gestern in die Schule, aber es wurden die Kinder eines nach den anderen unwohl, eben so auch die große Louise, welche aber sehr kranck wurde, sie bekamm heftiges Fieber so das man eine Kreutzschwester / für Louise nehmen mußte welche die Nacht immer wachte bey ihr sie Hatte so erbrechen und Diaree. Ublichkeiten [Übel-, Anm.] – kurz sie war sehr krank, und bekamm dan endlich am Dienstag die Flecken, und zwar von innen und außen und einen so schrecklichen Husten das sie gar nichts enden [?] konnte, ohne von diesen Husten geplagt zu werden, gestern Hatte sie noch Fieber, und kleinweise stelten sich schon Sintomme von der Entbindung ein, kannst dir dencken wie uns allen zu muthe war, welche Angst uns alle besellte, und endlich ging es Heute glücklich vor sich, die Hebamme war seit gestern Früh bis dato um 4 Uhr noch da, der Kuhn [?] kamm [?] jetzt jeden Tag 2 mal, und war Heute von ½ 5 Uhr früh / bis ½ 12 Mittag da, und es wurden viele Mittel angewendet – um eine starke Blutung zu verhintter[n]. Die Flecken sind noch nicht ver schwunden, gott gebe das der weitere verlauf ein glücklicher ist, das Kind ist so enorben [?] groß und schwer, aber ganz blau, der docktor und die Hebamme, geben nicht viel für das Leben des Kindes. Die 3 Mädchen haben alle die Flecken sehr stark gehabt, aber sind schon wider beßer, liegen aber noch alle.''
 
''Salzburg den 29/5 [18]77 Meine lieben – lieben Theuren! Ich schreibe Heute in meinen, und im Nahmen, des Otto, das Louise Heute Vormittag ½ 10 Uhr glücklich entbunden wurde mit einen Mädchen welches in der Heil Taufe den Nahmen Berta<ref>Bertha Spängler (* 29. Mai 1877; † 16. September 1971), am 1. Mai 1905 verheiratet mit [[Adolf Stierle senior]]</ref>erhielt. Beyde sind nach möglichkeit wohl. Nun muß ich erst erzählen, was wir diese Tage, außgestanden haben. Denckt Euch, Otto bekamm vor 3 Wochen die Flecken, sie verliefen zimmlich gut und er geht seit gestern in die Schule, aber es wurden die Kinder eines nach den anderen unwohl, eben so auch die große Louise, welche aber sehr kranck wurde, sie bekamm heftiges Fieber so das man eine Kreutzschwester / für Louise nehmen mußte welche die Nacht immer wachte bey ihr sie Hatte so erbrechen und Diaree. Ublichkeiten [Übel-, Anm.] – kurz sie war sehr krank, und bekamm dan endlich am Dienstag die Flecken, und zwar von innen und außen und einen so schrecklichen Husten das sie gar nichts enden [?] konnte, ohne von diesen Husten geplagt zu werden, gestern Hatte sie noch Fieber, und kleinweise stelten sich schon Sintomme von der Entbindung ein, kannst dir dencken wie uns allen zu muthe war, welche Angst uns alle besellte, und endlich ging es Heute glücklich vor sich, die Hebamme war seit gestern Früh bis dato um 4 Uhr noch da, der Kuhn [?] kamm [?] jetzt jeden Tag 2 mal, und war Heute von ½ 5 Uhr früh / bis ½ 12 Mittag da, und es wurden viele Mittel angewendet – um eine starke Blutung zu verhintter[n]. Die Flecken sind noch nicht ver schwunden, gott gebe das der weitere verlauf ein glücklicher ist, das Kind ist so enorben [?] groß und schwer, aber ganz blau, der docktor und die Hebamme, geben nicht viel für das Leben des Kindes. Die 3 Mädchen haben alle die Flecken sehr stark gehabt, aber sind schon wider beßer, liegen aber noch alle.''
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''Bey liegend sende ich ein kleines Einbi[n]d [?] geld für den kleinen Ankömmling, gott gebe das bey Euch alles ruhig und glücklich vorüber gehe. Der kleine Otto ist nun ganz bey mir dammit er in die Schule gehen kann. / Ich dachte mir, es wird Euch recht sein wen ich Euch alles beschreibe, den in der Ferne stellt man sich oft alles ganz anders vor. Gott gebe das bey dir alles glücklich vorbey gehe, für dich hal= [hoffent-?]lich viel weniger Sorge, weil du gottlob immer Gesund bist. Bey Franz Spángler bedauere ich sie [?] recht sehr, das er so unwohl ist – gott gebe eine baldige beßerung in ein paar Tagen werde ich wider Nachricht geben, von den Befinden, von'' [unterstrichen:] ''allen. Lebt recht wohl Gottes Segen uber Euch und Euren Kindlein, keinen Tag werdet Ihr vergeßen im Gebeth. Mit Tausend Küßen Eure treue Mutter Spángler. Otto läßt Euch recht herzlich grüßen.''
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''Bey liegend sende ich ein kleines Einbi[n]dgeld<ref>Patengeschenk zur Taufe</ref> für den kleinen Ankömmling, gott gebe das bey Euch alles ruhig und glücklich vorüber gehe. Der kleine Otto ist nun ganz bey mir dammit er in die Schule gehen kann. / Ich dachte mir, es wird Euch recht sein wen ich Euch alles beschreibe, den in der Ferne stellt man sich oft alles ganz anders vor. Gott gebe das bey dir alles glücklich vorbey gehe, für dich hal= [hoffent-?]lich viel weniger Sorge, weil du gottlob immer Gesund bist. Bey Franz Spángler bedauere ich sie [?] recht sehr, das er so unwohl ist – gott gebe eine baldige beßerung in ein paar Tagen werde ich wider Nachricht geben, von den Befinden, von'' [unterstrichen:] ''allen. Lebt recht wohl Gottes Segen uber Euch und Euren Kindlein, keinen Tag werdet Ihr vergeßen im Gebeth. Mit Tausend Küßen Eure treue Mutter Spángler. Otto läßt Euch recht herzlich grüßen.''
 
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