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==== Brief vom 21. und 23. Juni 1873 von der Mutter [[Antonia Spängler]], an die Familie [[Franz Xaver Gregor Spängler]] in Mödling ====
 
==== Brief vom 21. und 23. Juni 1873 von der Mutter [[Antonia Spängler]], an die Familie [[Franz Xaver Gregor Spängler]] in Mödling ====
Ein Bogen; / = Seitenwechsel (neue Leseabsätze eingefügt); fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
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Ein Bogen; / = Seitenwechsel (neue Leseabsätze eingefügt); fragliche [?] Stellen:<br />
 
''Salzburg den 21/6 [18]73. Meine inigst geliebten Theuren! Für Eure lieben Glückswünsche meinen herzlichsten Dank. 23 t[en] Ich wünsche von ganzen Herzen das sie mögen in Erfühlung gehen, behaltet mir Eure Liebe, wie bisher dan bin ich glücklich. Meinen Nammenstag brachte ich recht angenehm zu Vormittag in der C[K]irche<ref>K und ein C stark darübergeschrieben; auch bei "Cathi" und "Kathi" wechselt die Schreibweise.</ref> dan kammen wie gewöhnlich sehr viele Leute, Nachmittag war ich bey Duregger geladen – abends bey Otto, wo auch die Koch war, und wir fleißig spielten. Es war recht angenehm. Am Sontag darauf war ich bey der Toda geladen, mit Fany Spángler und Maria Weitzner, am Nammenstag hatte die Toda die 2 Abrela [?] Fräulein geladen. Meine lieben Theuren rechnet mir es nicht übel wen ich es Euch für dießmal würklich abschlagen muß hinab<ref>nach Wien "hinunter"</ref> zu kommen aber es geht dermalen durchhauß / nicht, ich kann die Pepi nicht, nach 8 Monathen hier sein wider nach hauße senden, wo seit her mit der Kathi 3 Schwestern zu Hauße kammen – im nächsten Jahr hoffe ich sie schon irgend wo unterzubringen für die Zeit als ich bey Euch bin.<ref>Auch im vorigen Brief vom 9. Juni sind diese drei Schwestern Kathi, Pepi und Toni erwähnt. Pepi ist Dienstmagd in Salzburg, Kathi in Mödling. Sie sind offenbar in Steyr zu Hause (vgl. Brief vom 24. Januar 1873), und man kann den Eltern nicht zumuten, dass sie alle drei zu Hause sind. Erwachsene Töchter mussten sich als Dienstboten und Mägde verdingen, um der Familie nicht mehr zur Last zu fallen. Bemerkenswert scheint mir [O. H.], mit welch fürsorglichen Gedanken die Briefschreiberin immer wieder an die Mägde denkt und sie versorgt und beschützt wissen möchte. Von der Hausangestellten "Kathi" ist seit dem Brief vom 16. Mai 1870 häufig die Rede; an sie gehen Grüße und sie lässt Grüße ausrichten. Von "Pepi" ist zuerst in den Briefen vom 20. April 1872 und vom 6. Mai 1872 die Rede.</ref> Allein kann ich die Pepi durchauß nicht zu Hauße lassen, sie würde so träge werden und alles vergeßen was ich ihr mit Mühe gelernt habe, das ich es nur bereuen müßte, dieses gethan zu haben. Gang zur Eitelkeit hat sie auch, ich darf nur immer zurück halten – und so wäre ihr nur Nahrung dazu gegeben – man muß in der Welt alles in Erwegung ziehen bevor man einen Schritt macht. So gott will mochte ich im Frühjahr recht bald kommen, und dan einige Zeit bey Euch bleiben. Ich denke es wird auch jetzt gar heiß sein in Wien, die Hitze thut nur immer mehr weh als die Kälte. / Also ich bitte Euch recht schön nehmt es mir nicht übel, daß ich dießmal recht herzlich danke für die so freundliche Einladung.''
 
''Salzburg den 21/6 [18]73. Meine inigst geliebten Theuren! Für Eure lieben Glückswünsche meinen herzlichsten Dank. 23 t[en] Ich wünsche von ganzen Herzen das sie mögen in Erfühlung gehen, behaltet mir Eure Liebe, wie bisher dan bin ich glücklich. Meinen Nammenstag brachte ich recht angenehm zu Vormittag in der C[K]irche<ref>K und ein C stark darübergeschrieben; auch bei "Cathi" und "Kathi" wechselt die Schreibweise.</ref> dan kammen wie gewöhnlich sehr viele Leute, Nachmittag war ich bey Duregger geladen – abends bey Otto, wo auch die Koch war, und wir fleißig spielten. Es war recht angenehm. Am Sontag darauf war ich bey der Toda geladen, mit Fany Spángler und Maria Weitzner, am Nammenstag hatte die Toda die 2 Abrela [?] Fräulein geladen. Meine lieben Theuren rechnet mir es nicht übel wen ich es Euch für dießmal würklich abschlagen muß hinab<ref>nach Wien "hinunter"</ref> zu kommen aber es geht dermalen durchhauß / nicht, ich kann die Pepi nicht, nach 8 Monathen hier sein wider nach hauße senden, wo seit her mit der Kathi 3 Schwestern zu Hauße kammen – im nächsten Jahr hoffe ich sie schon irgend wo unterzubringen für die Zeit als ich bey Euch bin.<ref>Auch im vorigen Brief vom 9. Juni sind diese drei Schwestern Kathi, Pepi und Toni erwähnt. Pepi ist Dienstmagd in Salzburg, Kathi in Mödling. Sie sind offenbar in Steyr zu Hause (vgl. Brief vom 24. Januar 1873), und man kann den Eltern nicht zumuten, dass sie alle drei zu Hause sind. Erwachsene Töchter mussten sich als Dienstboten und Mägde verdingen, um der Familie nicht mehr zur Last zu fallen. Bemerkenswert scheint mir [O. H.], mit welch fürsorglichen Gedanken die Briefschreiberin immer wieder an die Mägde denkt und sie versorgt und beschützt wissen möchte. Von der Hausangestellten "Kathi" ist seit dem Brief vom 16. Mai 1870 häufig die Rede; an sie gehen Grüße und sie lässt Grüße ausrichten. Von "Pepi" ist zuerst in den Briefen vom 20. April 1872 und vom 6. Mai 1872 die Rede.</ref> Allein kann ich die Pepi durchauß nicht zu Hauße lassen, sie würde so träge werden und alles vergeßen was ich ihr mit Mühe gelernt habe, das ich es nur bereuen müßte, dieses gethan zu haben. Gang zur Eitelkeit hat sie auch, ich darf nur immer zurück halten – und so wäre ihr nur Nahrung dazu gegeben – man muß in der Welt alles in Erwegung ziehen bevor man einen Schritt macht. So gott will mochte ich im Frühjahr recht bald kommen, und dan einige Zeit bey Euch bleiben. Ich denke es wird auch jetzt gar heiß sein in Wien, die Hitze thut nur immer mehr weh als die Kälte. / Also ich bitte Euch recht schön nehmt es mir nicht übel, daß ich dießmal recht herzlich danke für die so freundliche Einladung.''