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| | In den [[2000er]]-Jahren wurde in der Stadt Salzburg eine mehrjährige Diskussion über die Überwachung der Einhaltung des Park- und Einfahrtverbots in der [[Fußgängerzone]] geführt. Da gab es Unbelehrbare, die mit ihrem Luxusauto bis buchstäblich vor die Terrasse des [[Café Tomaselli]]s fuhren, um Kaffee zu trinken, Parkende in der [[Sigmund-Haffner-Gasse]] und Eilige, die vom [[Sigmundstor]] an den [[Salzburger Festspielhäuser]]n vorbei einfach durch die Altstadt an den [[Rudolfskai]] fuhren, um dem stockenden Verkehr auszuweichen. | | In den [[2000er]]-Jahren wurde in der Stadt Salzburg eine mehrjährige Diskussion über die Überwachung der Einhaltung des Park- und Einfahrtverbots in der [[Fußgängerzone]] geführt. Da gab es Unbelehrbare, die mit ihrem Luxusauto bis buchstäblich vor die Terrasse des [[Café Tomaselli]]s fuhren, um Kaffee zu trinken, Parkende in der [[Sigmund-Haffner-Gasse]] und Eilige, die vom [[Sigmundstor]] an den [[Salzburger Festspielhäuser]]n vorbei einfach durch die Altstadt an den [[Rudolfskai]] fuhren, um dem stockenden Verkehr auszuweichen. |
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| − | Mit Juni 2010 war damit Schluss. Der [[Magistrat Salzburg]] hatte sich entschlossen, versenkbare Poller zu installieren. 612.000 Euro kostete die Errichtung der 36 Poller, die mittels Fernbedienung ein- und ausgefahren werden können. Diese Summe hatte sich jedoch dann deutlich erhöht, Mit weiteren Verbesserungen um 60.000 Euro stattete man die "Gefahrenbereiche“ mit Warnschildern, Haltelinien, Stopptafeln, Drehleuchten, Induktionsschleifen und Ampeln aus. | + | Mit Juni 2010 war damit Schluss. Der [[Magistrat Salzburg]] hatte sich entschlossen, versenkbare Poller zu installieren. 612.000 Euro kostete die Errichtung der 36 Poller, die mittels Fernbedienung ein- und ausgefahren werden können. Diese Summe hatte sich jedoch dann deutlich erhöht, Mit weiteren Verbesserungen um 60.000 Euro stattete man die "Gefahrenbereiche" mit Warnschildern, Haltelinien, Stopptafeln, Drehleuchten, Induktionsschleifen und Ampeln aus. |
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| | Verantwortlicher Projektleiter beim Magistrat ist [[Christian Morgner]]. Wer nach 11 Uhr, dem Zeitpunkt, zu dem die Poller automatisch in die Höhe fahren, in der Innenstadt wäre, müsse mit einem Strafmandat von € 100.--, bei Wiederholung bis € 335.--, rechnen. Um eine Versorgung der Unternehmen sowie das [[Parken]] für Altstadtbewohner zu ermöglichen, hatte das Magistrat 2 500 Ausnahmegenehmigungen und 2 700 Fernbedienungen für die Poller ausgegeben (Stand Juni 2011, eine Senkung war geplant, aber es wurden mehr, siehe oben). | | Verantwortlicher Projektleiter beim Magistrat ist [[Christian Morgner]]. Wer nach 11 Uhr, dem Zeitpunkt, zu dem die Poller automatisch in die Höhe fahren, in der Innenstadt wäre, müsse mit einem Strafmandat von € 100.--, bei Wiederholung bis € 335.--, rechnen. Um eine Versorgung der Unternehmen sowie das [[Parken]] für Altstadtbewohner zu ermöglichen, hatte das Magistrat 2 500 Ausnahmegenehmigungen und 2 700 Fernbedienungen für die Poller ausgegeben (Stand Juni 2011, eine Senkung war geplant, aber es wurden mehr, siehe oben). |
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| | Der Start am 21. Juni 2010 erfolgte mehr oder weniger problemlos. Ein Lieferwagen einer auswärtigen Firma, der von der neuen Regelung nichts wusste, musste erfolglos bei der Einfahrt in die Linzer Gasse, Ecke [[Wolf-Dietrich-Straße]] umdrehen. Zwar verursachte er dadurch laut Aussage eines Unternehmers an dieser Ecke, ''Lärm und Abgase'', aber es wird wohl in Summe immer noch weniger sein, als jene Fahrzeuge ''... die im Sommer in die Linzer Gasse einfahren, ihren Irrtum bemerken, umdrehen und dadurch ein Verkehrschaos auslösen...''. Eine Autofahrerin schien sich hinter ein Fahrzeug anhängen zu wollen, das mittels Fernbedienung einen Poller senken konnte. Allerdings, als sie über den Poller fuhr, hob sich dieser gerade wieder und beschädigte ihren Pkw. | | Der Start am 21. Juni 2010 erfolgte mehr oder weniger problemlos. Ein Lieferwagen einer auswärtigen Firma, der von der neuen Regelung nichts wusste, musste erfolglos bei der Einfahrt in die Linzer Gasse, Ecke [[Wolf-Dietrich-Straße]] umdrehen. Zwar verursachte er dadurch laut Aussage eines Unternehmers an dieser Ecke, ''Lärm und Abgase'', aber es wird wohl in Summe immer noch weniger sein, als jene Fahrzeuge ''... die im Sommer in die Linzer Gasse einfahren, ihren Irrtum bemerken, umdrehen und dadurch ein Verkehrschaos auslösen...''. Eine Autofahrerin schien sich hinter ein Fahrzeug anhängen zu wollen, das mittels Fernbedienung einen Poller senken konnte. Allerdings, als sie über den Poller fuhr, hob sich dieser gerade wieder und beschädigte ihren Pkw. |
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| − | Im ersten Betriebsjahr wurden 900 000 Durchfahrten und 209 Poller-Unfälle registriert. Die positive Auswirkung der 14 versenkbaren und 22 fix installierten Poller: Die Fußgängerzone wurde laut Planungsstadtrat [[Johann Padutsch]] ([[Bürgerliste]]) um "''bis zu 900 Fahrten täglich''“ entlastet. | + | Im ersten Betriebsjahr wurden 900 000 Durchfahrten und 209 Poller-Unfälle registriert. Die positive Auswirkung der 14 versenkbaren und 22 fix installierten Poller: Die Fußgängerzone wurde laut Planungsstadtrat [[Johann Padutsch]] ([[Bürgerliste]]) um "''bis zu 900 Fahrten täglich''" entlastet. |
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| | Aufgrund der Anzahl und Kosten der Unfälle wurden 2011 "stärkere" Poller angeschafft werden. Bis Jänner 2011 gab es folgende Fakten: Je 6 000 Durchfahrten geschah ein Unfall, was an und für sich nicht viel wäre. Aber Experten machten auf den extrem dichten Pollerverkehr, nämlich durchschnittlich 4 000 Ein- und Ausfahrten (hoch gerechnet also 750 000 Durchfahrten pro Jahr - und dies in einer Fußgängerzone einer [[UNESCO Weltkulturerbe|UNESCO]]-geschützten Altstadt!). Da bei den meisten Unfällen auch die Hydraulik kaputt gegangen ist, die alleine 3.500 Euro kostet, musste jeweils der gesamte Poller ausgetauscht werden (8.000 Euro pro Poller). Die Herstellerfirma [[Siemens]] arbeitete dann an einer besseren Armierung der Poller. | | Aufgrund der Anzahl und Kosten der Unfälle wurden 2011 "stärkere" Poller angeschafft werden. Bis Jänner 2011 gab es folgende Fakten: Je 6 000 Durchfahrten geschah ein Unfall, was an und für sich nicht viel wäre. Aber Experten machten auf den extrem dichten Pollerverkehr, nämlich durchschnittlich 4 000 Ein- und Ausfahrten (hoch gerechnet also 750 000 Durchfahrten pro Jahr - und dies in einer Fußgängerzone einer [[UNESCO Weltkulturerbe|UNESCO]]-geschützten Altstadt!). Da bei den meisten Unfällen auch die Hydraulik kaputt gegangen ist, die alleine 3.500 Euro kostet, musste jeweils der gesamte Poller ausgetauscht werden (8.000 Euro pro Poller). Die Herstellerfirma [[Siemens]] arbeitete dann an einer besseren Armierung der Poller. |
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| | '''Totalschaden an einem Jaguar'''. Der Jaguar der Salzburger Mäzenin und Unternehmerin [[Gertraud Ruckser-Giebisch]] wurde in der Nacht vom [[19. Oktober|19.]] auf den 20. Oktober 2010 von Unbekannten aufgebrochen und gestartet. Mit dem Fahrzeug, das in der Kaigasse geparkt war, versuchten die bisher unbekannten Täter an mehreren Ausfahrten über die Poller zu gelangen. Ob ein Diebstahl oder nur die Beschädigung geplant war, ist ebenfalls unbekannt. | | '''Totalschaden an einem Jaguar'''. Der Jaguar der Salzburger Mäzenin und Unternehmerin [[Gertraud Ruckser-Giebisch]] wurde in der Nacht vom [[19. Oktober|19.]] auf den 20. Oktober 2010 von Unbekannten aufgebrochen und gestartet. Mit dem Fahrzeug, das in der Kaigasse geparkt war, versuchten die bisher unbekannten Täter an mehreren Ausfahrten über die Poller zu gelangen. Ob ein Diebstahl oder nur die Beschädigung geplant war, ist ebenfalls unbekannt. |
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| − | '''Jemand, der seit 20 Jahren hier immer fuhr...''' Immer wieder krachen speziell Autofahrer gegen Poller. Im ersten Jahr kam es zu 209 Unfällen, 2011 ereigneten sich 217. “''Besonders skurril war der Fall, als ein Pkw-Lenker 2010 in einen Poller gekracht ist und drauf stur behauptete, dass er schon 20 Jahre hier durchfahren würde und dies auch weiterhin machen wird. Der Poller hat ihm und dem BMW dann aber die Grenzen aufgezeigt''”, erklärte Morgner.<ref name="S24at">Quelle [http://www.salzburg24.at/die-kuriosesten-poller-unfaelle-in-salzburg/5326411 www.salzburg24.at: Die kuriosesten Poller-Unfälle in Salzburg], 14. August 2018</ref> | + | '''Jemand, der seit 20 Jahren hier immer fuhr...''' Immer wieder krachen speziell Autofahrer gegen Poller. Im ersten Jahr kam es zu 209 Unfällen, 2011 ereigneten sich 217. "''Besonders skurril war der Fall, als ein Pkw-Lenker 2010 in einen Poller gekracht ist und drauf stur behauptete, dass er schon 20 Jahre hier durchfahren würde und dies auch weiterhin machen wird. Der Poller hat ihm und dem BMW dann aber die Grenzen aufgezeigt''”, erklärte Morgner.<ref name="S24at">Quelle [http://www.salzburg24.at/die-kuriosesten-poller-unfaelle-in-salzburg/5326411 www.salzburg24.at: Die kuriosesten Poller-Unfälle in Salzburg], 14. August 2018</ref> |
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| | '''Tourist in die Höhe gehoben'''. Just in jenem Moment als ein Poller wieder seine 80 Zentimeter in die Höhe fuhr, ging ein 71-Jähriger Wiener Tourist darüber. Er wurde vom Poller in die Luft gehoben, stürzte und verletzte sich. Der Vorfall ereignete sich im Dezember 2010. | | '''Tourist in die Höhe gehoben'''. Just in jenem Moment als ein Poller wieder seine 80 Zentimeter in die Höhe fuhr, ging ein 71-Jähriger Wiener Tourist darüber. Er wurde vom Poller in die Luft gehoben, stürzte und verletzte sich. Der Vorfall ereignete sich im Dezember 2010. |
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| | === 2011 === | | === 2011 === |
| − | '''Vom Poller Richtung Mozarts Geburtshaus ''katapultiert'''''. 2011, im zweiten Jahr nach der Installation der Poller, behauptete ein Fußgänger, er sei am [[Hagenauerplatz]] von einem Poller Richtung [[Mozarts Geburtshaus]] ''katapultiert'' worden. “''Stattdessen ist er einfach gestolpert. Einfach unglaublich, was sich die Leute einfallen lassen''”, sagte Morgner. Folglich wurden vom Verkehrsamt gar Katapult-Tests mit den Pollern ins Leben gerufen. Ein volles Weinglas sowie ein Apfel wurden zum Härtetest herangezogen. “''Das Weinglas verlor keinen Tropfen und der Apfel flog maximal 0,5 Zentimeter hoch''”, schmunzelte der Pollerbeauftragte.<ref name="S24at"></ref> | + | '''Vom Poller Richtung Mozarts Geburtshaus ''katapultiert'''''. 2011, im zweiten Jahr nach der Installation der Poller, behauptete ein Fußgänger, er sei am [[Hagenauerplatz]] von einem Poller Richtung [[Mozarts Geburtshaus]] ''katapultiert'' worden. "''Stattdessen ist er einfach gestolpert. Einfach unglaublich, was sich die Leute einfallen lassen''”, sagte Morgner. Folglich wurden vom Verkehrsamt gar Katapult-Tests mit den Pollern ins Leben gerufen. Ein volles Weinglas sowie ein Apfel wurden zum Härtetest herangezogen. "''Das Weinglas verlor keinen Tropfen und der Apfel flog maximal 0,5 Zentimeter hoch''”, schmunzelte der Pollerbeauftragte.<ref name="S24at"></ref> |
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| | '''Typisch salzburgerisch!''' Frustration machte sich im Jänner 2011 beim Projektleiter Christian Morgner breit. Er hielt in einem Interview mit den [[Salzburger Nachrichten]], Ausgabe 19. Jänner 2011, fest ''... dass die Unfälle nicht Schuld des Systems sind...'' und weiter "''Das Problem sind die Autofahrer. Sie verhalten sich verkehrswidrig, wenn sie illegal in die Altstadt einfahren. Das ist, wie wenn jemand ein Rotlicht bei einem Bahnübergang ignoriert und drüberfährt. Da ist auch nicht das Rotlicht schuld, sondern der Autofahrer.''" Vor allem frustrierte Morgner die Beharrlichkeit, mit der Unberechtigte in der linken Altstadt parken wollten. Dies sei wohl etwas speziell Salzburgerisches. Doch hält Morgner fest, dass er nichts bereue und es ein Erfolg sei, wenn es beispielsweise vor dem Café Tomaselli oder auf anderen Plätzen deutlich weniger Autos gäbe. | | '''Typisch salzburgerisch!''' Frustration machte sich im Jänner 2011 beim Projektleiter Christian Morgner breit. Er hielt in einem Interview mit den [[Salzburger Nachrichten]], Ausgabe 19. Jänner 2011, fest ''... dass die Unfälle nicht Schuld des Systems sind...'' und weiter "''Das Problem sind die Autofahrer. Sie verhalten sich verkehrswidrig, wenn sie illegal in die Altstadt einfahren. Das ist, wie wenn jemand ein Rotlicht bei einem Bahnübergang ignoriert und drüberfährt. Da ist auch nicht das Rotlicht schuld, sondern der Autofahrer.''" Vor allem frustrierte Morgner die Beharrlichkeit, mit der Unberechtigte in der linken Altstadt parken wollten. Dies sei wohl etwas speziell Salzburgerisches. Doch hält Morgner fest, dass er nichts bereue und es ein Erfolg sei, wenn es beispielsweise vor dem Café Tomaselli oder auf anderen Plätzen deutlich weniger Autos gäbe. |