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Die Gemeinde Lengau liegt an der südlichen Peripherie des politischen Bezirkes [[Braunau am Inn]] in [[Oberösterreich]] an der oberösterreichischen-salzburgischen Landesgrenze. Sie grenzt im Südosten mit der Ortschaft Lengau an die [[Flachgau]]er Marktgemeinde [[Straßwalchen]]. Das Gemeindegebiet ist Teil des Gerichtsbezirkes [[Mattighofen]].  
 
Die Gemeinde Lengau liegt an der südlichen Peripherie des politischen Bezirkes [[Braunau am Inn]] in [[Oberösterreich]] an der oberösterreichischen-salzburgischen Landesgrenze. Sie grenzt im Südosten mit der Ortschaft Lengau an die [[Flachgau]]er Marktgemeinde [[Straßwalchen]]. Das Gemeindegebiet ist Teil des Gerichtsbezirkes [[Mattighofen]].  
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Mit 58,2 km² ist die Gemeinde Lengau flächenmäßig nicht nur die größte Gemeinde des Bezirkes Braunau am Inn, sondern sogar des gesamten Innviertels. Freilich beträgt der Anteil des Waldes drei Fünftel der Gemeindefläche. Die Gemeinde hat 4 897 Einwohner (Stand 1. Jänner 2021). Sie besteht aus den drei Ortsteilen, Friedburg, Schneegattern und Lengau sowie 27 kleineren Ortschaften. Das Gemeindeamt befindet sich wegen der zentraleren Lage in Friedburg.  
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Mit 58,2 km² ist die Gemeinde Lengau flächenmäßig nicht nur die größte Gemeinde des Bezirkes Braunau am Inn, sondern sogar des gesamten Innviertels. Freilich beträgt der Anteil des Waldes drei Fünftel der Gemeindefläche. Die Gemeinde hat 4 897 Einwohner (Stand 1. Jänner 2021). Sie besteht aus den drei Ortsteilen, Friedburg, Schneegattern und Lengau sowie 27 kleineren Ortschaften. Das Gemeindeamt befindet sich wegen der zentraleren Lage in Friedburg.  
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In Lengau befindet sich auch ein Werk der [[Palfinger AG]], wo unter anderem nach Marburg, Slowenien, das zweite KTL-Lackieranlage eröffnet wurde. Das Werk besitzt einen Gleisanschluss zur [[Mattigtalbahn]].  
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In Lengau befindet sich auch ein Werk der [[Palfinger AG]], wo unter anderem nach Marburg, [[Slowenien]], das zweite KTL-Lackieranlage eröffnet wurde. Das Werk besitzt einen Gleisanschluss zur [[Mattigtalbahn]].  
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== Friedburg ==
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Besonders vor der Errichtung der Kobernaußerstraße war der Ortsteil Schneegattern in mehrfacher Hinsicht sehr an Region Salzburg ausgerichtet. Dies betraf die Arbeitsmöglichkeit, Ausbildung, Krankenhaus- und Facharztversorgung, Einkauf und kulturelle Möglichkeiten. Bis zur Gründung der Hauptschule Friedburg [[1977]] besuchten die Hauptschüler die [[ÖKO-Hauptschule Straßwalchen|Hauptschule]] in Straßwalchen.
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=== Friedburg ===
 
[[Datei:Friedburg.jpg|thumb|Friedburg]]
 
[[Datei:Friedburg.jpg|thumb|Friedburg]]
 
[[Datei:Pfarrkirche Friedburg, nordwestl. Ansicht.jpg|thumb|Pfarrkirche Friedburg, nordwestl. Ansicht]]
 
[[Datei:Pfarrkirche Friedburg, nordwestl. Ansicht.jpg|thumb|Pfarrkirche Friedburg, nordwestl. Ansicht]]
Friedburg ist ein historischer Marktort in [[Oberösterreich]] an der Südwestseite des [[Kobernaußerwald]]es. Er ist der Hauptort und eine Katastralgemeinde der Gemeinde [[Lengau]] in Bezirk [[Braunau am Inn]].
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Friedburg ist ein historischer Marktort in Oberösterreich an der Südwestseite des [[Kobernaußerwald]]es. Er ist der Hauptort und eine Katastralgemeinde der Gemeinde Lengau. Friedburg erhielt erstmals [[1439]] das Marktrecht. Bei der Errichtung der Gemeinden nach den Ereignissen von [[1848]] war man vielfach von den bereits bestehenden Pfarreien ausgegangen. Im Fall Lengau wurde die politische Gemeinde der kirchlichen Pfarrgemeinde gleichgestellt. Da der Ort Lengau schon immer der kirchliche Mittelpunkt war und sich dort auch bis [[1939]] die Pfarrkirche befand, heißt die Gemeinde seither Lengau. Friedburg hingegen galt als Verwaltungsmittelpunkt der Gemeinde. Es war ein Markt mit einem [[Pflegegericht]]. Dort waren und sind die Ämter und Behörden, wie Post, Polizei, Hauptschule und eben auch das Gemeindeamt.
 
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Friedburg erhielt erstmals [[1439]] das Marktrecht. Bei der Errichtung der Gemeinden nach den Ereignissen von [[1848]] war man vielfach von den bereits bestehenden Pfarreien ausgegangen. Im Fall Lengau wurde die politische Gemeinde der kirchlichen Pfarrgemeinde gleichgestellt. Da der Ort Lengau schon immer der kirchliche Mittelpunkt war und sich dort auch bis [[1939]] die Pfarrkirche befand, heißt die Gemeinde seither Lengau.  
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Friedburg hingegen galt als Verwaltungsmittelpunkt der Gemeinde. Es war ein Markt mit einem [[Pflegegericht]]. Dort waren und sind die Ämter und Behörden, wie Post, Polizei, Hauptschule und eben auch das Gemeindeamt.
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===Schlossberg===
   
[[Datei:Schloss Fridburg von von Michael Wening (1645-1718).jpg|thumb|"Schloß Fridburg" um 1700,  Kupferstich von  Michael Wening (* 1645; † 1718)]]
 
[[Datei:Schloss Fridburg von von Michael Wening (1645-1718).jpg|thumb|"Schloß Fridburg" um 1700,  Kupferstich von  Michael Wening (* 1645; † 1718)]]
 
[[Datei:Weinreben am Friedburger Schlossberg.jpg|thumb|Weinreben am Friedburger Schlossberg]]
 
[[Datei:Weinreben am Friedburger Schlossberg.jpg|thumb|Weinreben am Friedburger Schlossberg]]
Auf der Erhebung nördlich des heutigen Ortes befand sich die Burg Friedburg. Sie wurde [[1180]] errichtet und wurde diente als Verwaltungssitz für das Mattigtal der Bischöfe von Bamberg und ist urkundlich  als "''castrum fridburc''" genannt.  
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Auf der Erhebung nördlich des heutigen Ortes befand sich die Burg Friedburg. Sie wurde [[1180]] errichtet und wurde diente als Verwaltungssitz für das Mattigtal der Bischöfe von Bamberg und ist urkundlich  als ''castrum fridburc'' genannt.  
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Vom Jahr [[1700]] datiert der einzig erhaltene Kupferstich des "Landesfürstlichen Schlosses Fridburg" Von Michael Wenig (* 1645; † 1718). Die Burganlage wurde [[1703]] im Zuge des spanischen Erbfolgekrieges  von österreichischen Truppen zerstört und wurde nicht wieder augebaut. Reste der Burg dienten später als Baumaterial im Ort. Nach Schlägerungen (2007) zur Schaffung eines Aussichtsfensters nach Süden erfolgte [[2008]] die Bepflanzung eines Weingartens mit 216 Reben, was sich angesichts der dortigen günstigen klimatischen Lage als erfolgreich erwies. Zugleich wurden Wanderwege zur Erschließung des umgebenden Geländes geschaffen.
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Vom Jahr [[1700]] datiert der einzig erhaltene Kupferstich des "Landesfürstlichen Schlosses Fridburg" Von Michael Wenig (* 1645; † 1718). Die Burganlage wurde [[1703]] im Zuge des spanischen Erbfolgekrieges  von österreichischen Truppen zerstört und wurde nicht wieder aufgebaut. Reste der Burg dienten später als Baumaterial im Ort. Nach Schlägerungen (2007) zur Schaffung eines Aussichtsfensters nach Süden erfolgte [[2008]] die Bepflanzung eines Weingartens mit 216 Reben, was sich angesichts der dortigen günstigen klimatischen Lage als erfolgreich erwies. Zugleich wurden Wanderwege zur Erschließung des umgebenden Geländes geschaffen.
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Vom Plateau des Schlossberges bietet sich ein herrliches Aussichtspanorama zu den Bergen der Nordalpen, dazu wurde eine Aussichtsplattform samt Beschreibung der Landschaft errichtet.
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Vom Plateau des Schlossberges bietet sich ein Aussichtspanorama zu den Bergen der Nordalpen, dazu wurde eine Aussichtsplattform samt Beschreibung der Landschaft errichtet.
 
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=== Salzburgbezug ===
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Im Süden grenzt der Ort an die Salzburger Marktgemeinde Straßwalchen. Besonders vor der Errichtung der Kobernaußerstraße war der Ortsteil [[Schneegattern]] in mehrfacher Hinsicht sehr an Region Salzburg ausgerichtet. Dies betraf die Arbeitsmöglichkeit, Ausbildung, Krankenhaus- und Facharztversorgung, Einkauf und kulturelle Möglichkeiten. Bis zur Gründung der Hauptschule Friedburg [[1977]] besuchten die Hauptschüler die [[ÖKO-Hauptschule Straßwalchen|Hauptschule]] in Straßwalchen.
      
[[Datei:Lourdeskirche 1.JPG|thumb|Lourdeskirche in Schneegattern.]]
 
[[Datei:Lourdeskirche 1.JPG|thumb|Lourdeskirche in Schneegattern.]]
 
[[Datei:Lourdeskirche.JPG|thumb|Lourdeskirche in Schneegattern.]]
 
[[Datei:Lourdeskirche.JPG|thumb|Lourdeskirche in Schneegattern.]]
 
[[Datei:Blick vom Krenwald auf Schneegattern.JPG|thumb|Blick vom Krenwald auf Schneegattern.]]  
 
[[Datei:Blick vom Krenwald auf Schneegattern.JPG|thumb|Blick vom Krenwald auf Schneegattern.]]  
[[Datei:Schneegattern Blichrichtung von O nach W.JPG|thumb|Schneegattern Blichrichtung von Ost nach West.]]
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[[Datei:Schneegattern Blichrichtung von O nach W.JPG|thumb|Schneegattern Blickrichtung von Ost nach West.]]
 
[[Datei:Denkmal mit Notglocke vor der Kirche.JPG|thumb|Denkmal mit Notglocke vor der Kirche in Schneegattern.]]
 
[[Datei:Denkmal mit Notglocke vor der Kirche.JPG|thumb|Denkmal mit Notglocke vor der Kirche in Schneegattern.]]
[[Datei:Notglocke Schneegattern - Erinnerungstafel.jpg|thumb|Notglocke Schneegattern - Erinnerungstafel.]]
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[[Datei:Gerlosstraße Schneegattern.jpg|thumb|Bild Mitte links: 1936: Weihe der neuen Lourdeskirche in Schneegattern.]]
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== Schneegattern ==
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=== Schneegattern ===
Schneegattern grenzt im Süden an das [[Bundesland Salzburg]] an die Marktgemeinde Straßwalchen.
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Die Ortschaft Schneegattern grenzt im Süden an das [[Bundesland Salzburg]] an die Marktgemeinde Straßwalchen.
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===Kirche Schneegattern===
   
Bis [[1923]] hatte Schneegattern keine Kirche. In diesem Jahr erwarb der Kirchenbauverein die im Flüchtlingslager in [[Braunau am Inn|Braunau]] stehende Holzkirche. Sie wurde in Braunau abgetragen und in der Nähe des Gasthauses Pühringer wieder aufgestellt. Die Notkirche war recht geräumig und bei Sonntagsgottesdiensten sehr stark besucht.
 
Bis [[1923]] hatte Schneegattern keine Kirche. In diesem Jahr erwarb der Kirchenbauverein die im Flüchtlingslager in [[Braunau am Inn|Braunau]] stehende Holzkirche. Sie wurde in Braunau abgetragen und in der Nähe des Gasthauses Pühringer wieder aufgestellt. Die Notkirche war recht geräumig und bei Sonntagsgottesdiensten sehr stark besucht.
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===Lourdeskirche===
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Die Lourdeskirche wurde auf Initiative und mit tatkräftiger Mithilfe von Pfarrer Johann Weißengruber nach den Plänen von Architekt Richard Puchner aus Bad Hall erbaut. Bemerkenswert ist, dass die Kirche in einer Zeit größter Not entstanden ist. Von diesen bitteren Jahren der Arbeitslosigkeit kündet eine Glocke am Kriegerdenkmal in der Nähe der Kirche, neben der ein Schürhaken der stillgelegten Glashütte angebracht ist.
Sie wurde auf Initiative und mit tatkräftiger Mithilfe von Pfarrer Johann Weißengruber nach den Plänen von Architekt Richard Puchner aus Bad Hall erbaut. Bemerkenswert ist, dass die Kirche in einer Zeit größter Not entstanden ist. Von diesen bitteren Jahren der Arbeitslosigkeit kündet eine Glocke am Kriegerdenkmal in der Nähe der Kirche, neben der ein Schürhaken der stillgelegten Glashütte angebracht ist.
      
Auf einer Marmortafel kann man folgenden Spruch lesen:
 
Auf einer Marmortafel kann man folgenden Spruch lesen:
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=== Holztrift in Schwemmbach und Mattig ===
 
=== Holztrift in Schwemmbach und Mattig ===
Städte und Agrargebiete brauchten [[Holz]]. Die Wegstrecken dorthin waren oft zu lang und der Transport zu schwierig. Es gab noch keine Eisenbahnen und die Straßen waren zu schlecht. Es gab nur eine Möglichkeit das Holz zu den Absatzgebieten zu transportieren – den Wasserweg. Der [[Kobernaußerwald]] liegt weitab schiffbarer Flüsse. So musste ein anderer Weg gefunden werden. Die vielen Täler des Kobernaußerwaldes führen alle kleine Bäche und Rinnsale. Am Südrand vereinen sie sich und fließen der [[Mattig]] und schließlich dem [[Inn]] zu.
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Städte und Agrargebiete brauchten [[Holz]]. Die Wegstrecken dorthin waren oft zu lang und der Transport zu schwierig. Es gab noch keine Eisenbahnen und die Straßen waren zu schlecht. Es gab nur eine Möglichkeit das Holz zu den Absatzgebieten zu transportieren – den Wasserweg. Der Kobernaußerwald liegt weitab schiffbarer Flüsse. So musste ein anderer Weg gefunden werden. Die vielen Täler des Kobernaußerwaldes führen alle kleine Bäche und Rinnsale. Am Südrand vereinen sie sich und fließen der [[Mattig]] und schließlich dem [[Inn]] zu.
    
[[1760]]–[[1765]]: Errichtung einer Triftanstalt durch die [[Kurfürstentum Bayern|kurbayerische Regierung]]; das ermöglichte den Transport von Scheiterholz auf dem Wasserwege. Die österreichische Regierung setzte nach dem Erwerb des Innviertels [[1779]] das Werk fort.
 
[[1760]]–[[1765]]: Errichtung einer Triftanstalt durch die [[Kurfürstentum Bayern|kurbayerische Regierung]]; das ermöglichte den Transport von Scheiterholz auf dem Wasserwege. Die österreichische Regierung setzte nach dem Erwerb des Innviertels [[1779]] das Werk fort.
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[[1891]] wurde ein zweites Gebäude gebaut. <br />
 
[[1891]] wurde ein zweites Gebäude gebaut. <br />
 
[[1920]] waren vier Öfen, davon drei Hafenöfen mit je zwölf Hafen in Betrieb. 800 Beschäftigte fanden Arbeit.<br />
 
[[1920]] waren vier Öfen, davon drei Hafenöfen mit je zwölf Hafen in Betrieb. 800 Beschäftigte fanden Arbeit.<br />
Am [[4. Dezember]] [[1924]] wurde der gesamte Betrieb stillgelegt. Während der Wirtschaftskrise der [[1920er]]-Jahre wurde die Glasfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. [[1926]] wurde ein neuer Anlauf der Glashütte genommen, jedoch mussten nach 20 Arbeitswochen die 400 eingestellten Arbeiter neuerlich entlassen werden. Ein weiterer Versuch dauerte von [[1929]] bis [[1932]]. Export bis Indien und auf den Balkan.
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Am [[4. Dezember]] [[1924]] wurde der gesamte Betrieb stillgelegt. Während der Wirtschaftskrise der [[1920er]]-Jahre wurde die Glasfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. [[1926]] wurde ein neuer Anlauf der Glashütte genommen, jedoch mussten nach 20 Arbeitswochen die 400 eingestellten Arbeiter neuerlich entlassen werden. Ein weiterer Versuch dauerte von [[1929]] bis [[1932]]. Export bis [[Indien]] und auf den Balkan.
    
Schneegattern wurde von der Wirtschaftskrise in den 1930er-Jahren besonders schwer getroffen. Waren im Jahr 1920 über 800 Personen in der dortigen Glasindustrie beschäftigt, so wurde bereits zu Weihnachten 1924 der letzte Glaserzeugungsbetrieb eingestellt. Der Ort wurde dadurch im eine große Notlage gestürzt. Nicht wenige mussten Betteln, um überleben zu können. Im Jahr 1925 wanderten 16 Familien deshalb nach Griechenland aus, kehrten allerdings nach einigen Monaten ärmer als zuvor zurück, weil sie vor der Ausreise ihr Hab und Gut für die Reisekosten verkauft hatten. In der Krisenzeit versammelten sich die Arbeitslosen regelmäßig bei der Drehscheibe", einem Platz in der Ortsmitte von Schneeggattern. Hier wurde diskutiert und beraten, man kam aber auch einfach nur zusammen, um die Ausweglosigkeit gemeinsam besser ertragen zu können. Seither wird die "Drehscheibe" als legendärer Platz angesehen.  
 
Schneegattern wurde von der Wirtschaftskrise in den 1930er-Jahren besonders schwer getroffen. Waren im Jahr 1920 über 800 Personen in der dortigen Glasindustrie beschäftigt, so wurde bereits zu Weihnachten 1924 der letzte Glaserzeugungsbetrieb eingestellt. Der Ort wurde dadurch im eine große Notlage gestürzt. Nicht wenige mussten Betteln, um überleben zu können. Im Jahr 1925 wanderten 16 Familien deshalb nach Griechenland aus, kehrten allerdings nach einigen Monaten ärmer als zuvor zurück, weil sie vor der Ausreise ihr Hab und Gut für die Reisekosten verkauft hatten. In der Krisenzeit versammelten sich die Arbeitslosen regelmäßig bei der Drehscheibe", einem Platz in der Ortsmitte von Schneeggattern. Hier wurde diskutiert und beraten, man kam aber auch einfach nur zusammen, um die Ausweglosigkeit gemeinsam besser ertragen zu können. Seither wird die "Drehscheibe" als legendärer Platz angesehen.  
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=== Kurt Wokan - Ingrid-Glashütte Austria (1968–1975) ===
 
=== Kurt Wokan - Ingrid-Glashütte Austria (1968–1975) ===
Die OÖ. Landesregierung verhandelte mit Prokurist Claus Josef Riedel (Tiroler Glashütte). Es kam zu einer neuen Glashütte, deren Grundsteinlegung am [[26. Juni]] 1968 erfolgte. Am [[2. September]] 1968 wurde in der alten Glashütte wieder Glas geblasen, nachdem Kurt Wokan, Eigentümer der Ingridhütte in Euskirchen bei Bonn den Betrieb ersteigert hatte. Kurt Wokan gab großes Eröffnungsfest für alle Schneegatterer am [[5. Oktober]] 1968. Die alte Glashütte soll nun Ingrid-Hütte Austria Schneegattern heißen.
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Die OÖ Landesregierung verhandelte mit Prokurist Claus Josef Riedel (Tiroler Glashütte). Es kam zu einer neuen Glashütte, deren Grundsteinlegung am [[26. Juni]] 1968 erfolgte. Am [[2. September]] 1968 wurde in der alten Glashütte wieder Glas geblasen, nachdem Kurt Wokan, Eigentümer der Ingridhütte in Euskirchen bei Bonn den Betrieb ersteigert hatte. Kurt Wokan gab großes Eröffnungsfest für alle Schneegatterer am [[5. Oktober]] 1968. Die alte Glashütte soll nun Ingrid-Hütte Austria Schneegattern heißen.
    
Es folgten Arbeitskämpfe um die Einführung der 43-Stunden-Woche. Ein dreimonatiger kostspieliger Arbeitskampf folgte. [[1971]] errichtete Wokan eine dritte Halle.
 
Es folgten Arbeitskämpfe um die Einführung der 43-Stunden-Woche. Ein dreimonatiger kostspieliger Arbeitskampf folgte. [[1971]] errichtete Wokan eine dritte Halle.
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In Schneegattern, im hinteren Weißenbachtal, wohnte Adolf Zierler (* [[16. März]] [[1917]]; † [[15. Dezember]] [[1939]]). Er arbeitete als Holzknecht und gehörte den Zeugen Jehovas an. Er wurde als Wehrdienstverweigerer in Berlin-Plötzensee am 15. Dezember 1939 wegen Wehrzersetzung hingerichtet.
 
In Schneegattern, im hinteren Weißenbachtal, wohnte Adolf Zierler (* [[16. März]] [[1917]]; † [[15. Dezember]] [[1939]]). Er arbeitete als Holzknecht und gehörte den Zeugen Jehovas an. Er wurde als Wehrdienstverweigerer in Berlin-Plötzensee am 15. Dezember 1939 wegen Wehrzersetzung hingerichtet.
 
[[Datei:Seelentaferl für Adolf Zierler.JPG|thumb|Für seinen Glauben gab er sein junges Leben.]]
 
[[Datei:Seelentaferl für Adolf Zierler.JPG|thumb|Für seinen Glauben gab er sein junges Leben.]]
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=== Salzburger Persönlichkeiten aus Schneegattern ===
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* [[Josef Dechant]], ehemaliger [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] der [[Stadt Salzburg]]
      
==Kirchen ==
 
==Kirchen ==
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== Persönlichkeiten ==
 
== Persönlichkeiten ==
 
[[Franz Winkelmeier]], der als "Der Riese von Lengau", als größter Mensch der Welt, bekannt wurde.
 
[[Franz Winkelmeier]], der als "Der Riese von Lengau", als größter Mensch der Welt, bekannt wurde.
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=== Salzburger Persönlichkeiten aus Schneegattern ===
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* [[Josef Dechant]], ehemaliger [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] der [[Stadt Salzburg]]
    
== Bilder ==
 
== Bilder ==
 
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==Weblinks==
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{{homepage|http://www.gemeindelengau.at/}}
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* [http://www.gemeindelengau.at/system/web/gelbeseite.aspx?bezirkonr=0&detailonr=264410&menuonr=218698454  Die Geschichte der Kirche  Heiligenstatt]
  −
* [http://www.auslandsdienst.at/de/projekt/riese-von-lengau-tage  Bericht über den Riesen von Lengau]
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== Quellen ==
 
== Quellen ==
{{homepage|http://www.gemeindelengau.at/}}
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{{homepage|https://www.gemeindelengau.at}}
* [http://www.gemeindelengau.at/gemeindeamt/html/OrtsplanSchneegatternH%C3%B6cken.jpg Ortsplan von Schneegattern]
  −
* [http://www.flickr.com/photos/prlorenzoni/sets/72157629955910859/ Fotos aus Schneegattern mit der Fa. Glas Riedel]
   
* [http://www.falb.co.at/lengau-friedburg-schneegattern/ Foto und Infos über Schneegattern auf der Homepage von OSR Adolf Falb]
 
* [http://www.falb.co.at/lengau-friedburg-schneegattern/ Foto und Infos über Schneegattern auf der Homepage von OSR Adolf Falb]
* [http://www.palfinger.com/palfinger/3319_DE.htm?PA_Id=10 www.palfinger.com]
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* [https://www.openstreetmap.org/ www.openstreetmap.org]  
* [http://www.openstreetmap.org/ www.openstreetmap.org]  
   
* digitale Landesbibliothek Oberösterreich  
 
* digitale Landesbibliothek Oberösterreich  
 
* Aufstellung über die Geschichte von Schneegattern von Oberschulrat Adolf Falb, Friedburg  
 
* Aufstellung über die Geschichte von Schneegattern von Oberschulrat Adolf Falb, Friedburg