| Zeile 12: |
Zeile 12: |
| | | | |
| | ==Geschichte== | | ==Geschichte== |
| − | Der "Hangende Stein“ war ein Felsvorsprung an der Ostseite des Untersbergstocks, der im Tal der Königsseeache (auf bayerischem Gebiet ''Berchtesgadener Ache'' genannt) bis an den Fluss ragte und einen Talpass (Engstelle) bildete. Dieser Pass galt seit dem späten [[13. Jahrhundert]] als Grenze zwischen dem [[Erzbischof als Landesherr oder Grundherr#Erzstift|Erzstift]] und der [[Propstei Berchtesgaden]]. Heute ist der Felsvorsprung bis auf einen kleinen Rest abgetragen. Dort treffen die deutsche Bundesstraße 305 ("[[Deutsche Alpenstraße]]") und die österreichische Landesstraße, die [[Berchtesgadener Straße]] (B 160), aufeinander. | + | Der "Hangende Stein" war ein Felsvorsprung an der Ostseite des Untersbergstocks, der im Tal der Königsseeache (auf bayerischem Gebiet ''Berchtesgadener Ache'' genannt) bis an den Fluss ragte und einen Talpass (Engstelle) bildete. Dieser Pass galt seit dem späten [[13. Jahrhundert]] als Grenze zwischen dem [[Erzbischof als Landesherr oder Grundherr#Erzstift|Erzstift]] und der [[Propstei Berchtesgaden]]. Heute ist der Felsvorsprung bis auf einen kleinen Rest abgetragen. Dort treffen die deutsche Bundesstraße 305 ("[[Deutsche Alpenstraße]]") und die österreichische Landesstraße, die [[Berchtesgadener Straße]] (B 160), aufeinander. |
| | | | |
| | === Historische Grenzzeichen === | | === Historische Grenzzeichen === |
| − | Bereits [[1306]] wurde [[Berchtesgaden]] erstmals als "Land“ bezeichnet. Die älteste noch erhaltene Grenzmarke am Hangendenstein ist eine Marmortafel, die der Berchtesgadener Stiftspropst Gregor Rainer 1517 anbringen ließ. Die Tafel zeigt eine Kreuzigungsgruppe, das Berchtesgadener Stiftswappen (links) und das Wappen von Propst Gregor Rainer (rechts). Die Inschrift lautet: "''Pax intrantibus et inhabitantibus 1517''“ ("Friede den Eintretenden und den Bewohnern 1517“). | + | Bereits [[1306]] wurde [[Berchtesgaden]] erstmals als "Land" bezeichnet. Die älteste noch erhaltene Grenzmarke am Hangendenstein ist eine Marmortafel, die der Berchtesgadener Stiftspropst Gregor Rainer 1517 anbringen ließ. Die Tafel zeigt eine Kreuzigungsgruppe, das Berchtesgadener Stiftswappen (links) und das Wappen von Propst Gregor Rainer (rechts). Die Inschrift lautet: "''Pax intrantibus et inhabitantibus 1517''" ("Friede den Eintretenden und den Bewohnern 1517"). |
| | | | |
| − | Die bis zur [[Säkularisation]] [[1803]] selbständigen Länder Salzburg und Berchtesgaden gehörten ab [[1806]] zu Österreich, ab 1810 zu Bayern. Während Berchtesgaden bei Bayern blieb, kam Salzburg 1816 zum zweiten Mal an Österreich. Aus dieser Zeit stammt eine zweite Steintafel, die den heiligen Leopold zeigt. Er ist der Landespatron von Niederösterreich, früher auch von ganz Österreich, daher auch rechts der Doppeladler im Wappenschild und links ein gespaltener Schild mit halbem Bindenschild ("rot-weiß-rot“) und halbem Wappenschild von Niederösterreich. Inschrift: "''Opes regum corda suditorum''“ ("Die Schätze/Reichtümer der Könige/Regierenden sind die Herzen der Untertanen“) | + | Die bis zur [[Säkularisation]] [[1803]] selbständigen Länder Salzburg und Berchtesgaden gehörten ab [[1806]] zu Österreich, ab 1810 zu Bayern. Während Berchtesgaden bei Bayern blieb, kam Salzburg 1816 zum zweiten Mal an Österreich. Aus dieser Zeit stammt eine zweite Steintafel, die den heiligen Leopold zeigt. Er ist der Landespatron von Niederösterreich, früher auch von ganz Österreich, daher auch rechts der Doppeladler im Wappenschild und links ein gespaltener Schild mit halbem Bindenschild ("rot-weiß-rot") und halbem Wappenschild von Niederösterreich. Inschrift: "''Opes regum corda suditorum''" ("Die Schätze/Reichtümer der Könige/Regierenden sind die Herzen der Untertanen") |
| | | | |
| | Die beiden Tafeln waren ursprünglich flussseitig am Hangendenstein nebeneinander angebracht. Bei einer Grenzregulierung [[1851]] wurden sie vermutlich in Richtung Berchtesgaden versetzt. Heute befindet sich die Tafel mit dem hl. Leopold auf der Westseite des Hangenden-Stein-Felsens. Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite, ist die Tafel mit der Kreuzigung angebracht. | | Die beiden Tafeln waren ursprünglich flussseitig am Hangendenstein nebeneinander angebracht. Bei einer Grenzregulierung [[1851]] wurden sie vermutlich in Richtung Berchtesgaden versetzt. Heute befindet sich die Tafel mit dem hl. Leopold auf der Westseite des Hangenden-Stein-Felsens. Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite, ist die Tafel mit der Kreuzigung angebracht. |
| | | | |
| − | === Salzausfuhr über den "vorderen Ausgang“ === | + | === Salzausfuhr über den "vorderen Ausgang" === |
| − | Wegen des geringen Eigenbedarfs der [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] exportierte man etwa 90 Prozent des Berchtesgadener [[Salz]]es vorwiegend nach Salzburg und Bayern. Die vom frühen [[13. Jahrhundert]] bis Mitte des [[16. Jahrhundert]]s wichtigste Strecke der Salzausfuhr war der Weg durch den "vorderen Ausgang“ am Hangendenstein in Richtung Salzburg. An der [[Salzach]] in [[Niederalm]] baute man nach [[1252]] einen Berchtesgadener [[Stadlmeistergut|Salzstadel]]. Das Salz wurde dort mit Fuhrwerken aus Schellenberg angeliefert und auf [[Hallein]]er Salzschiffe geladen. Als Gegenfracht brachten die Schiffer Getreide, Wein und weitere Lebensmittel mit, die ebenfalls im Salzstadel zwischengelagert wurden. | + | Wegen des geringen Eigenbedarfs der [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] exportierte man etwa 90 Prozent des Berchtesgadener [[Salz]]es vorwiegend nach Salzburg und Bayern. Die vom frühen [[13. Jahrhundert]] bis Mitte des [[16. Jahrhundert]]s wichtigste Strecke der Salzausfuhr war der Weg durch den "vorderen Ausgang" am Hangendenstein in Richtung Salzburg. An der [[Salzach]] in [[Niederalm]] baute man nach [[1252]] einen Berchtesgadener [[Stadlmeistergut|Salzstadel]]. Das Salz wurde dort mit Fuhrwerken aus Schellenberg angeliefert und auf [[Hallein]]er Salzschiffe geladen. Als Gegenfracht brachten die Schiffer Getreide, Wein und weitere Lebensmittel mit, die ebenfalls im Salzstadel zwischengelagert wurden. |
| | | | |
| | === Beginn des Almkanals === | | === Beginn des Almkanals === |
| Zeile 28: |
Zeile 28: |
| | | | |
| | === Zollstellen === | | === Zollstellen === |
| − | Am [[1. Juni]] [[1816]] nahm die "k.k. Mauthstation Hangendenstein“ ihren Dienst auf. Das ehemalige österreichische Zollhaus steht 120 Meter nordöstlich des Grenzübergangs (Wehrstraße 2). Die bayerischen Zöllner waren ab 1816 im 1,3 km südlich gelegenen [[Marktschellenberg]]er [[Passturm]] mit Torhaus stationiert, bis sie 1823 in das neu erbaute k.b. Zollamt unterhalb des Turms übersiedelten, welches heute noch steht. 1937 bezog der deutsche Zoll einen Neubau und 1953 wurde das neue "Inselzollamt“ Schellenberg eröffnet. | + | Am [[1. Juni]] [[1816]] nahm die "k.k. Mauthstation Hangendenstein" ihren Dienst auf. Das ehemalige österreichische Zollhaus steht 120 Meter nordöstlich des Grenzübergangs (Wehrstraße 2). Die bayerischen Zöllner waren ab 1816 im 1,3 km südlich gelegenen [[Marktschellenberg]]er [[Passturm]] mit Torhaus stationiert, bis sie 1823 in das neu erbaute k.b. Zollamt unterhalb des Turms übersiedelten, welches heute noch steht. 1937 bezog der deutsche Zoll einen Neubau und 1953 wurde das neue "Inselzollamt" Schellenberg eröffnet. |
| | | | |
| | Nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] war im neuen österreichischen Zollgebäude (Wehrstraße 4) das [[Zollamt Hangendenstein]] untergebracht. Mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 fielen die Grenzkontrollen weg. | | Nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] war im neuen österreichischen Zollgebäude (Wehrstraße 4) das [[Zollamt Hangendenstein]] untergebracht. Mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 fielen die Grenzkontrollen weg. |
| | | | |
| | === Grenzberichtigung === | | === Grenzberichtigung === |
| − | Im Jahr [[1851]] wurden an der Grenze zwischen Österreich und Bayern mehrere Korrekturen durchgeführt. Österreich erhielt dabei unter anderem "''den Gebiethsteil nächst der Almwehr beim hangenden Stein, dergestalt, dass diese Almwehr nebst einem Rayon für einen Werk- und Material-Lagerplatz oberhalb derselben zum österreichischen Gebiete gehören soll.''“ Die Grenze wurde etwas in Richtung Berchtesgaden zurückgenommen, die Wehranlage des Almkanals lag nun gänzlich auf österreichischem Territorium. | + | Im Jahr [[1851]] wurden an der Grenze zwischen Österreich und Bayern mehrere Korrekturen durchgeführt. Österreich erhielt dabei unter anderem "''den Gebiethsteil nächst der Almwehr beim hangenden Stein, dergestalt, dass diese Almwehr nebst einem Rayon für einen Werk- und Material-Lagerplatz oberhalb derselben zum österreichischen Gebiete gehören soll.''" Die Grenze wurde etwas in Richtung Berchtesgaden zurückgenommen, die Wehranlage des Almkanals lag nun gänzlich auf österreichischem Territorium. |
| | | | |
| | === Eisenbahntunnel und Bahnhof === | | === Eisenbahntunnel und Bahnhof === |
| − | Die Bahnstrecke Berchtesgaden–Hangender Stein, auch Lokalbahn oder "Grüne Elektrische“ genannt, war eine 12,6 Kilometer lange grenzüberschreitende Nebenbahn. Die normalspurige und elektrifizierte Strecke führte von Berchtesgaden in Bayern nach [[Grödig]] in Österreich. Dort bestand im Bahnhof Hangender Stein Anschluss zur Bahnstrecke Salzburg–Hangender Stein, der sogenannten "[[Rote Elektrische|Roten Elektrischen]]“. Die Bahnstrecke durchquerte den Felsvorsprung Hangender Stein mit einem 35 Meter langen Tunnel, der von 1905 bis 1907 errichtet wurde. Beim nördlichen Tunnelportal befand sich der Bahnhof Hangender Stein. 1938 stellte man den Bahnbetrieb ein. An der Stelle des Tunnels wurde ein Jahr später der Berg durchbrochen und die heutige Straßentrasse gebaut. | + | Die Bahnstrecke Berchtesgaden–Hangender Stein, auch Lokalbahn oder "Grüne Elektrische" genannt, war eine 12,6 Kilometer lange grenzüberschreitende Nebenbahn. Die normalspurige und elektrifizierte Strecke führte von Berchtesgaden in Bayern nach [[Grödig]] in Österreich. Dort bestand im Bahnhof Hangender Stein Anschluss zur Bahnstrecke Salzburg–Hangender Stein, der sogenannten "[[Rote Elektrische|Roten Elektrischen]]". Die Bahnstrecke durchquerte den Felsvorsprung Hangender Stein mit einem 35 Meter langen Tunnel, der von 1905 bis 1907 errichtet wurde. Beim nördlichen Tunnelportal befand sich der Bahnhof Hangender Stein. 1938 stellte man den Bahnbetrieb ein. An der Stelle des Tunnels wurde ein Jahr später der Berg durchbrochen und die heutige Straßentrasse gebaut. |
| | | | |
| | Die alte Straße verlief flussseitig am Felsen entlang zum alten österreichischen Zollgebäude und ist heute teilweise noch erhalten (Wehrstraße). | | Die alte Straße verlief flussseitig am Felsen entlang zum alten österreichischen Zollgebäude und ist heute teilweise noch erhalten (Wehrstraße). |
| Zeile 47: |
Zeile 47: |
| | Datei:Hangendenstein 1851Ö.JPG| Der [[Grenzstein]] 82 in Hangendenstein aus 1851 steht knapp nach der ehemaligen Grenzstelle an der Straße Richtung [[Marktschellenberg]] links, hier die österreichische Seite | | Datei:Hangendenstein 1851Ö.JPG| Der [[Grenzstein]] 82 in Hangendenstein aus 1851 steht knapp nach der ehemaligen Grenzstelle an der Straße Richtung [[Marktschellenberg]] links, hier die österreichische Seite |
| | Datei:Hangendenstein 1851B.JPG|… und hier die bayerische Seite | | Datei:Hangendenstein 1851B.JPG|… und hier die bayerische Seite |
| − | Datei:1 Hanget stain, 1628.JPG|Der "Hanget stain“ zwischen Schellenberg und St. Leonhard auf einer Karte der Propstei Berchtesgaden von Hans Faistenauer, 1628 | + | Datei:1 Hanget stain, 1628.JPG|Der "Hanget stain" zwischen Schellenberg und St. Leonhard auf einer Karte der Propstei Berchtesgaden von Hans Faistenauer, 1628 |
| | Datei:Tafel hl. Leopold um 1816, Hangendenstein.JPG|Tafel hl. Leopold um 1816, Hangendenstein | | Datei:Tafel hl. Leopold um 1816, Hangendenstein.JPG|Tafel hl. Leopold um 1816, Hangendenstein |
| | </gallery> | | </gallery> |