| − | ''Eine Woche vor dem traditionell am 1. Mai in der [[Stadt Salzburg]] zur Durchführung gelangenden "Großen Preis von Österreich“ für Motorräder konnte man in Salzburg noch Schneemänner bauen, so tief und nachhaltig war ein verspätetet Wintereinbruch ins Land gezogen. Einen Tag nach dem bei herrlichstem Frühlingswetter vor rund 35 000 Zuschauern abgewickelten Rennen schlug das Wetter neuerlich um, um die herrliche Bergszenerie dieses nun zum 10. Mal in ununterbrochener Folge in Salzburg | + | ''Eine Woche vor dem traditionell am 1. Mai in der [[Stadt Salzburg]] zur Durchführung gelangenden "Großen Preis von Österreich" für Motorräder konnte man in Salzburg noch Schneemänner bauen, so tief und nachhaltig war ein verspätetet Wintereinbruch ins Land gezogen. Einen Tag nach dem bei herrlichstem Frühlingswetter vor rund 35 000 Zuschauern abgewickelten Rennen schlug das Wetter neuerlich um, um die herrliche Bergszenerie dieses nun zum 10. Mal in ununterbrochener Folge in Salzburg |
| − | ''Da soll einer sagen, daß Petrus dem Veranstalter nicht wohlgesinnt sei. Dabei ist das Bestehen dieses größten Rennens in Österreich - und vom Zuschauerstandpunkt aus gesehen, auch im südbayeriscnen Raum weitgehend von verkehrstechnischen Momenten abhängig. Die alte Rennstrecke, seit [[1947]] auf dem stadtnahen Autobahnteilstück Liefering abgehalten, von [[1955]] an [[Rupert Hollaus Gedächtnisrennen|Rupert-Hollaus-Gedächtnisrennen]] und ab [[1958]] an die alte Tradition der 20er Jahre als "[[Großer Preis von Österreich]]“ anknüpfend, mußte wegen des nach Wien durchgehenden Autobahnverkehrs verlassen werden. Die neue gegenw2rtig noch am Ende des von der Grenze nach dem Süden strebenden Autobahnastes gelegenen Rennstrecke hat das gleiche Damoklesschwert im Rücken, denn an der Verlängerung dieses Autobahnteilstückes bis zum [[Pass Lueg|Paß Lueg]] wird heftig gearbeitet, und in wenigen Jahren wird man auch hier dem Verkehr weichen müssen. Das endgültige Überleben dieses größten und zugkräftigsten Motorradrennens in Österreich ist also von der Schaffung einer endgültigen Heimstätte, einer permanenten Rennbahn abhängig, die ebenfalls nahe Salzburg und der Autobahn bei [[Thalgau]], auf halbem Weg von Salzburg nach Mondsee, entstehen soll. | + | ''Da soll einer sagen, daß Petrus dem Veranstalter nicht wohlgesinnt sei. Dabei ist das Bestehen dieses größten Rennens in Österreich - und vom Zuschauerstandpunkt aus gesehen, auch im südbayeriscnen Raum weitgehend von verkehrstechnischen Momenten abhängig. Die alte Rennstrecke, seit [[1947]] auf dem stadtnahen Autobahnteilstück Liefering abgehalten, von [[1955]] an [[Rupert Hollaus Gedächtnisrennen|Rupert-Hollaus-Gedächtnisrennen]] und ab [[1958]] an die alte Tradition der 20er Jahre als "[[Großer Preis von Österreich]]" anknüpfend, mußte wegen des nach Wien durchgehenden Autobahnverkehrs verlassen werden. Die neue gegenw2rtig noch am Ende des von der Grenze nach dem Süden strebenden Autobahnastes gelegenen Rennstrecke hat das gleiche Damoklesschwert im Rücken, denn an der Verlängerung dieses Autobahnteilstückes bis zum [[Pass Lueg|Paß Lueg]] wird heftig gearbeitet, und in wenigen Jahren wird man auch hier dem Verkehr weichen müssen. Das endgültige Überleben dieses größten und zugkräftigsten Motorradrennens in Österreich ist also von der Schaffung einer endgültigen Heimstätte, einer permanenten Rennbahn abhängig, die ebenfalls nahe Salzburg und der Autobahn bei [[Thalgau]], auf halbem Weg von Salzburg nach Mondsee, entstehen soll. |
| | ''An diesem Projekt entzünden sich wiederum die sportpolitischen Gemüter. Dieser Thalgau-Ring, in herrlicher Lage mit einer Streckenlänge von 4 km geplant, erfreut sich nämlich keineswegs der Förderung der Wienner Zentralstellen, die lieber bei Wien eine Motorsportarena sähen und überdies die endgültige Sicherung des Motorrad-Grand-Prix in Salzburg ein recht unerwünschtes Gegengewicht zur sportlichen Potenz der in der Bundeshauptstadt ansässigen Sponsoren und Verbände bedeuten könnte; von parallelen Überlegungen im Automobilsport Österreichs ganz abgesehen. Dies nur zum besseren Verständnis der Situation des Motorsports in Österreich und als Einleitung zum Rennbericht selbst. | | ''An diesem Projekt entzünden sich wiederum die sportpolitischen Gemüter. Dieser Thalgau-Ring, in herrlicher Lage mit einer Streckenlänge von 4 km geplant, erfreut sich nämlich keineswegs der Förderung der Wienner Zentralstellen, die lieber bei Wien eine Motorsportarena sähen und überdies die endgültige Sicherung des Motorrad-Grand-Prix in Salzburg ein recht unerwünschtes Gegengewicht zur sportlichen Potenz der in der Bundeshauptstadt ansässigen Sponsoren und Verbände bedeuten könnte; von parallelen Überlegungen im Automobilsport Österreichs ganz abgesehen. Dies nur zum besseren Verständnis der Situation des Motorsports in Österreich und als Einleitung zum Rennbericht selbst. |
| − | ''[...] Fahrer stellten sich in der 125 ccm-Klasse dem Starter, Anscheidt und Taveri als große Rivalen sowie die MZ-Fahrer Kohlar ([[DDR]]), Reisz (Ungarn) und Lenk (DDR) in der ersten Startreihe. Während Anscheidt einen Blitzstart hinlegt, hat Taveri Schwierigkeiten, seine Vierzylinder-Honda in Bewegung zu setzen. Er macht sich aber schon in der Startrunde frei und setzt mit allen Kräften Anscheidt nach. Vier Runden lang scheint es, als ob er Anschluß gewinnen könne, dann macht Anscheidt "den Hahn ganz auf“, und Taveri, der seinen Motor sichtlich überanstrengt, muß zurückstecken. Öl überzieht das Feuerzeug aus Japan, und die Leistung sinkt rapid. Er gibt auf, ehe der Motor endgültig "..aus“ sagt. Übereilige Funktionäre sprechen von"Motor aufmachen“ und "Startgeldentzug“, eine Sprache, von der sich dann aber die Verantwortlichen distanzieren. Taveri hatte, das konnte man mit freien Augen sehen, "a race for his money“ gegeben, auch wenn es nur vier Runden dauerte, aber niemand kann es ihm verargen, wenn er seinen Motor nicht endgültig verheizen wollte. Hinter Anscheidt formierten sich dann die MZ-Fahrer in der Reihenfolge Kohlar, Lenk (beide DDR) und Reisz, Szabo (beide Ungarn) vor Bischoff (DDR) und dem ersten Viertakter, dem Australier Carruthers auf Honda. Bill Smith, ebenfalls auf Honda, kam noch vor dem besten Deutschen, Walter Scheimann, der ein sehr gleichmäßiges Rennen gefahren hatte, ins Ziel. Im Mittelfeld hielt sich die neue Puch unter Albin Sterbenz, dem Mann, der im Grazer Versuch für die Motoren verantwortlich, für eine 125 ccm-Maschine aber wohl etwas schwer im Sattel ist. Man sollte neben ihm einen routinierten Leichtgewichtler in den Sattel einer weiteren Renn-Puch setzen, um sie besser ins Bild zu bringen. | + | ''[...] Fahrer stellten sich in der 125 ccm-Klasse dem Starter, Anscheidt und Taveri als große Rivalen sowie die MZ-Fahrer Kohlar ([[DDR]]), Reisz (Ungarn) und Lenk (DDR) in der ersten Startreihe. Während Anscheidt einen Blitzstart hinlegt, hat Taveri Schwierigkeiten, seine Vierzylinder-Honda in Bewegung zu setzen. Er macht sich aber schon in der Startrunde frei und setzt mit allen Kräften Anscheidt nach. Vier Runden lang scheint es, als ob er Anschluß gewinnen könne, dann macht Anscheidt "den Hahn ganz auf", und Taveri, der seinen Motor sichtlich überanstrengt, muß zurückstecken. Öl überzieht das Feuerzeug aus Japan, und die Leistung sinkt rapid. Er gibt auf, ehe der Motor endgültig "..aus" sagt. Übereilige Funktionäre sprechen von"Motor aufmachen" und "Startgeldentzug", eine Sprache, von der sich dann aber die Verantwortlichen distanzieren. Taveri hatte, das konnte man mit freien Augen sehen, "a race for his money" gegeben, auch wenn es nur vier Runden dauerte, aber niemand kann es ihm verargen, wenn er seinen Motor nicht endgültig verheizen wollte. Hinter Anscheidt formierten sich dann die MZ-Fahrer in der Reihenfolge Kohlar, Lenk (beide DDR) und Reisz, Szabo (beide Ungarn) vor Bischoff (DDR) und dem ersten Viertakter, dem Australier Carruthers auf Honda. Bill Smith, ebenfalls auf Honda, kam noch vor dem besten Deutschen, Walter Scheimann, der ein sehr gleichmäßiges Rennen gefahren hatte, ins Ziel. Im Mittelfeld hielt sich die neue Puch unter Albin Sterbenz, dem Mann, der im Grazer Versuch für die Motoren verantwortlich, für eine 125 ccm-Maschine aber wohl etwas schwer im Sattel ist. Man sollte neben ihm einen routinierten Leichtgewichtler in den Sattel einer weiteren Renn-Puch setzen, um sie besser ins Bild zu bringen. |
| − | ''Das abschließende Beiwagenrennen war mit nur acht Gespannen leider eine dünne Suppe; nicht so sehr die Schuld des Veranstalters, sondern der Terminkollisionen. Nichtsdestoweniger kämpften alle Mann hart um den Kurs. Spannung gab es aber nur zwei Runden lang;, als Auerbacher Butscher niederkämpfte, und dann war das Rennen gelaufen. Wie sagte doch einst Herbert Ernst, der große Breslauer Fahrer der 20er Jahre, als ich ihn [[1946]] erstmals als Zuschauer bei einem Rennen traf: "Daß die Kerle hintereinander fahren, ist ja ganz vernünftig, bloß nicht interessant!“ Dieser weise Ausspruch traf aber eben nur auf das den Renntag beschließende B eiwagenrennen zu. So wird der 10. "Große Preis von Österreich,“ in ununterbrochener Reihenfolge in Salzburg durchgeführt, dennoch allen Anwesenden in guter Erinnerung bleiben, auch wenn die neue Strecke, heuer zum zweiten Mal befahren, mit Wehmut an den alten Kurs in Liefering denken läßt. | + | ''Das abschließende Beiwagenrennen war mit nur acht Gespannen leider eine dünne Suppe; nicht so sehr die Schuld des Veranstalters, sondern der Terminkollisionen. Nichtsdestoweniger kämpften alle Mann hart um den Kurs. Spannung gab es aber nur zwei Runden lang;, als Auerbacher Butscher niederkämpfte, und dann war das Rennen gelaufen. Wie sagte doch einst Herbert Ernst, der große Breslauer Fahrer der 20er Jahre, als ich ihn [[1946]] erstmals als Zuschauer bei einem Rennen traf: "Daß die Kerle hintereinander fahren, ist ja ganz vernünftig, bloß nicht interessant!" Dieser weise Ausspruch traf aber eben nur auf das den Renntag beschließende B eiwagenrennen zu. So wird der 10. "Große Preis von Österreich," in ununterbrochener Reihenfolge in Salzburg durchgeführt, dennoch allen Anwesenden in guter Erinnerung bleiben, auch wenn die neue Strecke, heuer zum zweiten Mal befahren, mit Wehmut an den alten Kurs in Liefering denken läßt. |