| − | Fanny Kobler an Fanni Spängler: 24. Dezember 1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an:<br />''Liebe Fanni! Der 15te Dez: ist wie ich von Franzens: Mutter gehört habe, Gott lob glücklich überstanden, und wie ich hoffe werdet ihr ainhr auch schon zimmlich in Ortung seyn. Täglich, fast Stündlich hab ich mich mit euerer Wanderung'' [Umzug von Mödling, geplant nach Wien] ''beschäftigt. Euer jetztiges Schlafzimmer wird doch geheizt werden? Schläft die Rosi wieder in der Küche? Wie ist dein Mann mit Zimmer eintheilung zufrieden und sind deine gebräuchlichen Sachen unbeschätiget angelangt? Vor allem aber schreibe mir bald ob ihr beyd gesund geblieben seid. Ich Gott lob befinde mich wohl, euere Umgebung und wechslung der Luft hat mir recht gut gethan, ich bin sogar etwas dicker geworden. Ich war jetzt auf einige Tage viel beschäftiget. Wir haten groß Säuberei und ich Näher-nani die wie du weißt nimmermer im Athen hält, die Armme wußte keine Arbeit für wenige Tage, und ich suchte alles hervor um sie zu beschäftigen, sie dankte mir recht dafür, jetzt ist sie wieder bey der Baumman die schon drey Kinder hat. Die Nani läßt dir die Hand küßen. Schlegel'' [Vater Richard Schlegel, Arzt] ''ist nicht einverstanden das ihr in ein so kurz gebaudes Haus schon eingezogen seyd, es sind so gar Gesetze welche verbithen ein solches Lokal zu bewohnen, weil wenn es bewohnt ist nicht mehr austrocknen kann, und daher für die Gesundheit sehr nachtheilig ist. Gott gebe das ihr gesund bleibt. Was ich von der Mutter'' [Spängler] ''erfahren habe, habt ihr euere Sachen gut untergebracht, worüber ich sehr erfreud bin. Das es möglich war noch vor den Feyertagen hinein zu wandern ist sehr angenehm, ihr werdet doch aoch noch schöns Wetter gehabt haben. Schreibe mir doch was die Wanderung'' [Umzug] ''gekostet hat, ich bin schon mehrmals darum gefragt worden dein Vater möcht auch gerne wißen, warum du meinen Koffer wieder nach Mödling zurück bringen mußtest. Deinen Mann grüße ich herzlich, er wird recht froh seyn so nahe zu wohnen. Mit dem das dein Mann den ganzen Vormittag bis 3 Uhr nichts zu sich nimt bin ich nicht einverstanden, er könnte wahrhaftig krank werden.'' | + | [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] an Fanni Spängler: 24. Dezember 1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an:<br />''Liebe Fanni! Der 15te Dez: ist wie ich von Franzens: Mutter gehört habe, Gott lob glücklich überstanden, und wie ich hoffe werdet ihr ainhr auch schon zimmlich in Ortung seyn. Täglich, fast Stündlich hab ich mich mit euerer Wanderung'' [Umzug von Mödling, geplant nach Wien] ''beschäftigt. Euer jetztiges Schlafzimmer wird doch geheizt werden? Schläft die Rosi wieder in der Küche? Wie ist dein Mann mit Zimmer eintheilung zufrieden und sind deine gebräuchlichen Sachen unbeschätiget angelangt? Vor allem aber schreibe mir bald ob ihr beyd gesund geblieben seid. Ich Gott lob befinde mich wohl, euere Umgebung und wechslung der Luft hat mir recht gut gethan, ich bin sogar etwas dicker geworden. Ich war jetzt auf einige Tage viel beschäftiget. Wir haten groß Säuberei und ich Näher-nani die wie du weißt nimmermer im Athen hält, die Armme wußte keine Arbeit für wenige Tage, und ich suchte alles hervor um sie zu beschäftigen, sie dankte mir recht dafür, jetzt ist sie wieder bey der Baumman die schon drey Kinder hat. Die Nani läßt dir die Hand küßen. Schlegel'' [Vater Richard Schlegel, Arzt] ''ist nicht einverstanden das ihr in ein so kurz gebaudes Haus schon eingezogen seyd, es sind so gar Gesetze welche verbithen ein solches Lokal zu bewohnen, weil wenn es bewohnt ist nicht mehr austrocknen kann, und daher für die Gesundheit sehr nachtheilig ist. Gott gebe das ihr gesund bleibt. Was ich von der Mutter'' [Spängler] ''erfahren habe, habt ihr euere Sachen gut untergebracht, worüber ich sehr erfreud bin. Das es möglich war noch vor den Feyertagen hinein zu wandern ist sehr angenehm, ihr werdet doch aoch noch schöns Wetter gehabt haben. Schreibe mir doch was die Wanderung'' [Umzug] ''gekostet hat, ich bin schon mehrmals darum gefragt worden dein Vater möcht auch gerne wißen, warum du meinen Koffer wieder nach Mödling zurück bringen mußtest. Deinen Mann grüße ich herzlich, er wird recht froh seyn so nahe zu wohnen. Mit dem das dein Mann den ganzen Vormittag bis 3 Uhr nichts zu sich nimt bin ich nicht einverstanden, er könnte wahrhaftig krank werden.'' |
| | ''Ich wünsche auch in diesem Brief zugleich alles Gute zum Neuenjahr. Mein tägliches Gebeth zu Gott besteht um Gesundheit, Zufriedenheit, die in unseren Jaren bestehn muß zu bitten, möge er meine Bitte erhören. Schänkt auch im kommenden Jahr euerer Großmutter euer Vertrauen, und euere Liebe. Mit [nehmt] folgendes Christgeschänk nun freundlich von mir an, möge euch alles gut bekommen. Die Spitzenbaret ist richtig bey den bewusten Sachen gelegen, zu den später gekauften Seidenkleid wird es vieleicht recht gut passen. Lebt beide recht wohl und bringt die Feyertage recht vergnügt zu; jedenfalls besser alls euere einsame Großmutter Fanni. - Schreibe ob die Attreße wenn ich einen Brief schreibe so recht ist Wie auf den Kistel. – Das sich das Christkind etwas verspätet hat ist die Ursache weil ich alles recht frisch schüken wollte. Die Zunge ist schon gesotten. Guten Appetit. – Von allen Bekante viele, viele Grüße. Grüße die Rosi, wie benihmt sie sich? wird sie sich doch entschließen bey euch zu bleiben, ich wäre würklich sehr froh. Schreibe mit bald wie du alles empfangen hast. Mit meinen Sachen hat es gar keine Eille.'' | | ''Ich wünsche auch in diesem Brief zugleich alles Gute zum Neuenjahr. Mein tägliches Gebeth zu Gott besteht um Gesundheit, Zufriedenheit, die in unseren Jaren bestehn muß zu bitten, möge er meine Bitte erhören. Schänkt auch im kommenden Jahr euerer Großmutter euer Vertrauen, und euere Liebe. Mit [nehmt] folgendes Christgeschänk nun freundlich von mir an, möge euch alles gut bekommen. Die Spitzenbaret ist richtig bey den bewusten Sachen gelegen, zu den später gekauften Seidenkleid wird es vieleicht recht gut passen. Lebt beide recht wohl und bringt die Feyertage recht vergnügt zu; jedenfalls besser alls euere einsame Großmutter Fanni. - Schreibe ob die Attreße wenn ich einen Brief schreibe so recht ist Wie auf den Kistel. – Das sich das Christkind etwas verspätet hat ist die Ursache weil ich alles recht frisch schüken wollte. Die Zunge ist schon gesotten. Guten Appetit. – Von allen Bekante viele, viele Grüße. Grüße die Rosi, wie benihmt sie sich? wird sie sich doch entschließen bey euch zu bleiben, ich wäre würklich sehr froh. Schreibe mit bald wie du alles empfangen hast. Mit meinen Sachen hat es gar keine Eille.'' |