Änderungen

K
Textersetzung - „““ durch „"“
Zeile 19: Zeile 19:  
Winkler vertrat ab [[1878]] die Stadtgemeinde [[Radstadt]] im [[Salzburger Landtag]], dem er über 40 Jahre angehörte. [[1882]] folgte seine Berufung in den Landesausschuss ([[Landesregierung]]). Von [[1897]] bis [[1902]] und in einer weiteren Funktionsperiode von [[1909]] bis [[1919]] bekleidete er das Amt des [[Landeshauptmann]]s von Salzburg. In den Jahren dazwischen fungierte er als Landeshauptmann-Stellvertreter unter [[Albert Schumacher]]. Von 1897 bis [[1901]] war er auch Reichsratsabgeordneter.
 
Winkler vertrat ab [[1878]] die Stadtgemeinde [[Radstadt]] im [[Salzburger Landtag]], dem er über 40 Jahre angehörte. [[1882]] folgte seine Berufung in den Landesausschuss ([[Landesregierung]]). Von [[1897]] bis [[1902]] und in einer weiteren Funktionsperiode von [[1909]] bis [[1919]] bekleidete er das Amt des [[Landeshauptmann]]s von Salzburg. In den Jahren dazwischen fungierte er als Landeshauptmann-Stellvertreter unter [[Albert Schumacher]]. Von 1897 bis [[1901]] war er auch Reichsratsabgeordneter.
   −
Während seiner Amtszeit richtete er sein Hauptaugenmerk auf die Ordnung der Landesfinanzen und den Ausbau der Fürsorgeeinrichtungen. Besonders bemüht zeigte er sich um den Ausbau der [[Landeskrankenhaus|Landesheilanstalt]] und der  [[Landeszentrum für Hör- und Sehbehinderte|Taubstummenanstalt]] sowie um die Gründung der [[Lungenheilanstalt Grafenhof]] in [[St. Veit im Pongau]], zu deren Errichtung ([[1912]]/[[1913|1913]]) er auch als Vorsitzender des "Volksvereins zur Bekämpfung der Tuberkulose im Kronlande Salzburg“ wesentlich beitrug.
+
Während seiner Amtszeit richtete er sein Hauptaugenmerk auf die Ordnung der Landesfinanzen und den Ausbau der Fürsorgeeinrichtungen. Besonders bemüht zeigte er sich um den Ausbau der [[Landeskrankenhaus|Landesheilanstalt]] und der  [[Landeszentrum für Hör- und Sehbehinderte|Taubstummenanstalt]] sowie um die Gründung der [[Lungenheilanstalt Grafenhof]] in [[St. Veit im Pongau]], zu deren Errichtung ([[1912]]/[[1913|1913]]) er auch als Vorsitzender des "Volksvereins zur Bekämpfung der Tuberkulose im Kronlande Salzburg" wesentlich beitrug.
    
=== Winkler und der Erste Weltkrieg ===
 
=== Winkler und der Erste Weltkrieg ===
Nach dem [[Ersten Weltkrieg]] und dem Zusammenbruch der Monarchie half er die Not der Bevölkerung zu mildern und hinterließ bei seinen Zeitgenossen einen bleibenden Eindruck, als er [[1918]] im Alter von 80 Jahren die Ordnung im "Revolutionslandtag“ wieder herstellte. Seine sachliche Art brachte ihm die Anerkennung weiter Teile der Bevölkerung und auch seiner politischen Gegner.
+
Nach dem [[Ersten Weltkrieg]] und dem Zusammenbruch der Monarchie half er die Not der Bevölkerung zu mildern und hinterließ bei seinen Zeitgenossen einen bleibenden Eindruck, als er [[1918]] im Alter von 80 Jahren die Ordnung im "Revolutionslandtag" wieder herstellte. Seine sachliche Art brachte ihm die Anerkennung weiter Teile der Bevölkerung und auch seiner politischen Gegner.
   −
Der Winter 1918 traf die Salzburger Bevölkerung wie ein Fallbeil. Der Krieg "''für Gott, Kaiser und Vaterland''war verloren, die Väter, Söhne und Brüder waren tot oder noch nicht heimgekehrt und das kleine ehemalige Kronland nagte am Hungertuch. Dazu gesellten sich die Kälte und die so genannte [[Spanische Grippe]].
+
Der Winter 1918 traf die Salzburger Bevölkerung wie ein Fallbeil. Der Krieg "''für Gott, Kaiser und Vaterland''" war verloren, die Väter, Söhne und Brüder waren tot oder noch nicht heimgekehrt und das kleine ehemalige Kronland nagte am Hungertuch. Dazu gesellten sich die Kälte und die so genannte [[Spanische Grippe]].
   −
Schon Monate zuvor waren immer wieder Demonstrationen, Streiks und Unruhen ausgebrochen. Viele Frauen konnten ihre Familien nicht mehr ernähren. Die Menschen griffen zur Selbsthilfe. "''Brot wollen wir haben. Gebt unseren Kindern Brot. Wir müssen verhungern'', schrie eine aufgebrachte Menge von 600 größtenteils Frauen am [[21. Juni]] [[1918]] vor dem [[Neue Residenz|Regierungsgebäude]] am [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]]. Am [[19. September]] 1918 entlud sich die von leeren Mägen entfesselte Wut auf die Obrigkeit in der großen Hungerdemonstration.
+
Schon Monate zuvor waren immer wieder Demonstrationen, Streiks und Unruhen ausgebrochen. Viele Frauen konnten ihre Familien nicht mehr ernähren. Die Menschen griffen zur Selbsthilfe. "''Brot wollen wir haben. Gebt unseren Kindern Brot. Wir müssen verhungern''", schrie eine aufgebrachte Menge von 600 größtenteils Frauen am [[21. Juni]] [[1918]] vor dem [[Neue Residenz|Regierungsgebäude]] am [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]]. Am [[19. September]] 1918 entlud sich die von leeren Mägen entfesselte Wut auf die Obrigkeit in der großen Hungerdemonstration.
   −
Landeshauptmann Alois Winkler bewahrte Ruhe. Der Prälat verzichtete auf ein gewaltsames Einschreiten. Anders als in anderen Städten der sich auflösenden Habsburgermonarchie kam es nicht zu blutigen Ausschreitungen mit Toten. "''Er setzte nicht auf die bewaffnete Staatsmacht und verhinderte so eine Eskalation'', sagt der Salzburger Historiker und Leiter des [[Salzburger Landesarchiv]]s, [[Oskar Dohle]]. Doch warum handelte der Salzburger Landeschef auf diese Weise und schlug nicht wie andere Autoritäten in anderen Landesteilen den Aufstand brutal nieder? Die Antwort ist in seiner Biografie zu suchen. Denn Salzburg hätte als Garnisonsstadt die militärische Stärke durchaus aufbringen können, wenn es auch um die Moral der Truppen zu jenem Zeitpunkt bereits schlecht bestellt war.
+
Landeshauptmann Alois Winkler bewahrte Ruhe. Der Prälat verzichtete auf ein gewaltsames Einschreiten. Anders als in anderen Städten der sich auflösenden Habsburgermonarchie kam es nicht zu blutigen Ausschreitungen mit Toten. "''Er setzte nicht auf die bewaffnete Staatsmacht und verhinderte so eine Eskalation''", sagt der Salzburger Historiker und Leiter des [[Salzburger Landesarchiv]]s, [[Oskar Dohle]]. Doch warum handelte der Salzburger Landeschef auf diese Weise und schlug nicht wie andere Autoritäten in anderen Landesteilen den Aufstand brutal nieder? Die Antwort ist in seiner Biografie zu suchen. Denn Salzburg hätte als Garnisonsstadt die militärische Stärke durchaus aufbringen können, wenn es auch um die Moral der Truppen zu jenem Zeitpunkt bereits schlecht bestellt war.
   −
Winkler kannte das Land und die Sorgen der Menschen.  "''Er wusste, wie die Realität am Land aussah, und das beeinflusste sehr wohl sein Denken und Handeln'', so Dohle. Deswegen ließ er sich später, als der Vielvölkerstaat am Ende war, nicht dazu hinreißen, einen militärischen Assistenzeinsatz zu fordern. "''Er wusste, dass der Ofen aus ist.''
+
Winkler kannte das Land und die Sorgen der Menschen.  "''Er wusste, wie die Realität am Land aussah, und das beeinflusste sehr wohl sein Denken und Handeln''", so Dohle. Deswegen ließ er sich später, als der Vielvölkerstaat am Ende war, nicht dazu hinreißen, einen militärischen Assistenzeinsatz zu fordern. "''Er wusste, dass der Ofen aus ist.''"
    
== Sein Lebensende ==
 
== Sein Lebensende ==
Zeile 38: Zeile 38:  
Alois Winkler war [[Ehrenbürger]] vieler Gemeinden.
 
Alois Winkler war [[Ehrenbürger]] vieler Gemeinden.
   −
[[1886]] wurde er zum [[Ehrenbürger der Stadt Radstadt|Ehrenbürger]] von [[Radstadt]] ernannt. Am [[2. Juni]] [[1917]] verlieh ihm auch die [[Stadt Salzburg]] anlässlich der Vollendung seines 80. Lebensjahres und seines 40jährigen Jubiläums als Landtagabgeordneter "''in dankbarer Anerkennung seiner langjährigen und hervorragenden Verdienste um das Kronland, insbesondere aber um die Landeshauptstadt''die [[Ehrenbürger der Stadt Salzburg|Ehrenbürgerschaft]].  
+
[[1886]] wurde er zum [[Ehrenbürger der Stadt Radstadt|Ehrenbürger]] von [[Radstadt]] ernannt. Am [[2. Juni]] [[1917]] verlieh ihm auch die [[Stadt Salzburg]] anlässlich der Vollendung seines 80. Lebensjahres und seines 40jährigen Jubiläums als Landtagabgeordneter "''in dankbarer Anerkennung seiner langjährigen und hervorragenden Verdienste um das Kronland, insbesondere aber um die Landeshauptstadt''" die [[Ehrenbürger der Stadt Salzburg|Ehrenbürgerschaft]].  
    
In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm die Gemeinde [[Saalbach]] am [[15. August]] [[1912]] ihre [[Ehrenbürger der Gemeinde Saalbach-Hinterglemm|Ehrenbürgerschaft]].<ref>* [[Siegfried Weitlaner|Weitlaner, Siegfried]]: ''Heimatbuch Saalbach-Hinterglemm. Vom armen Bergbauerndorf zum internationalen Fremdenverkehrsort''. Gemeinde Saalbach-Hinterglemm 1987, S. 423.</ref>
 
In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm die Gemeinde [[Saalbach]] am [[15. August]] [[1912]] ihre [[Ehrenbürger der Gemeinde Saalbach-Hinterglemm|Ehrenbürgerschaft]].<ref>* [[Siegfried Weitlaner|Weitlaner, Siegfried]]: ''Heimatbuch Saalbach-Hinterglemm. Vom armen Bergbauerndorf zum internationalen Fremdenverkehrsort''. Gemeinde Saalbach-Hinterglemm 1987, S. 423.</ref>