| − | ''Salzburg 28. 12. 73: Meine innigstgeliebten Theuren! Gott zum gruß: Ihr habt mich schön lange warten lassen, auf einen Brief, ich glaubte schon, es sey der eine an Euch verloren gegangen, weil ich von 1[ten] wo ich geschrieben, bis 25[ten] nicht eine Zeile von Euch erhalten habe. Ich habe es den Rudolf Spängler schon aufgegeben, das sie Euch statt meiner einen kleinen Putzen giebt, - aber es eine Frage sein, ob ihr Euch sehen werdet. Sie sind am Dienstag von hier abgereist, und werden am Dienstag oder längstens Mitwoch Früh hier ankommen. Ich danke Euch beyden recht herzlich für die guten Wünsche zum Jahreswechsel, der liebe Gott wolle uns alle in seinen heilgen Schutz erhalten und in seiner Gnade, dan wird uns alles zum besten gereichen, ich bin nun schon sehr alt'' [70 Jahre] '', es kann jeden Tag der letzte sein, wie gott will. Sein Wille sey auch der meine. – Meinen Lieben auch bringe Euch die herzlichsten gewiß auf[ch] n[w]ichtigen Wünsche zum Neuen Jahr möge Euer Glück immer so ungetrübt bleiben wie bis jetzt. Ist es zu Euren beßten, so wird der liebe Gott schon noch Euer Glück erhöhen, durch die Freude, ein Kindlein auf Euren Armen zu wiegen was nicht ist– kann werden, es ist noch nichts auß der Zeit. Behaltet mich immer in Euerer Liebe. Für das hübsche Jangerl danke ich dir recht herzlich lieber Franz, so was kann man immer brauchen. Den kleinen Otto geht es gottlob schon beßer und darf nun schon Vormittag und Nachmittag jedes mahl 2 Stund auf sein und auch mehreres essen, und etwas Wein oder Schoko zur Sterkung nehmen. | + | ''Salzburg 28. 12. 73: Meine innigstgeliebten Theuren! Gott zum gruß: Ihr habt mich schön lange warten lassen, auf einen Brief, ich glaubte schon, es sey der eine an Euch verloren gegangen, weil ich von 1[ten] wo ich geschrieben, bis 25[ten] nicht eine Zeile von Euch erhalten habe. Ich habe es den Rudolf Spängler schon aufgegeben, das sie Euch statt meiner einen kleinen Putzen giebt, - aber es eine Frage sein, ob ihr Euch sehen werdet. Sie sind am Dienstag von hier abgereist, und werden am Dienstag oder längstens Mitwoch Früh hier ankommen. Ich danke Euch beyden recht herzlich für die guten Wünsche zum Jahreswechsel, der liebe Gott wolle uns alle in seinen heilgen Schutz erhalten und in seiner Gnade, dan wird uns alles zum besten gereichen, ich bin nun schon sehr alt'' [70 Jahre] '', es kann jeden Tag der letzte sein, wie gott will. Sein Wille sey auch der meine. – Meinen Lieben auch bringe Euch die herzlichsten gewiß auf[ch] n[w]ichtigen Wünsche zum Neuen Jahr möge Euer Glück immer so ungetrübt bleiben wie bis jetzt. Ist es zu Euren beßten, so wird der liebe Gott schon noch Euer Glück erhöhen, durch die Freude, ein Kindlein auf Euren Armen zu wiegen was nicht ist– kann werden, es ist noch nichts auß der Zeit. Behaltet mich immer in Euerer Liebe. Für das hübsche Jangerl danke ich dir recht herzlich lieber Franz, so was kann man immer brauchen. Den kleinen Otto geht es gottlob schon beßer und darf nun schon Vormittag und Nachmittag jedes mahl 2 Stund auf sein und auch mehreres essen, und etwas Wein oder Schoko zur Sterkung nehmen.'' |
| − | Lieber Franz ich denke schon das Ihr zu Ostern hierher kömmt, dan wollen wir von der Wienerreise reden. Die Feyertage sind nun auch wieder bald vorbey. Heil Abend und Weihnachtstag Mittag, war ich bey Duregger geladen Die Obrigen Tage gingen wie alle anderen Tage vorüber. Zum Christgeschenk bekam ich von Otto und Louise eine recht liebe Ha[u]be mit Kirsch rothen Bändern Stüzeln von Wolle und ein geldtascherl alles kann ich sehr gut brauchen. Otto sagte mir heute das er einen Brief von dir erhalten wo du so freundlich bist und mir etwas kauffen willst zum Christgeschenk- in diesen Augenblück ist mir noch nichts eingefallen, ich werde es ihm sagen wen mir etwas nöthiges einfällt. Bey Langer bitte ich mich beßtens zu Empfehlen. ich lasse alle Bekanten ein gutes neues Jahr wünschen. Wie ich auch von hier von vielen entrichten soll. Denkt Euch die F v Feusle [?] ist vor 3 Tagen mit einem Mädchen glücklich Entbunden worden welches den Nahmen Linna erhalten hat. Beide befinden sich wohl. Der Dommherr Schweiger ist am Weihnachtstag begraben worden. – Otto hat gesagt, er läßt Euch einsweilen ein recht gutes neues Jahr wünschen, er wird erst, wen alles geordnet ist schreiben. Die Frau von Pausing bedauere ich recht sehr, es läßt sich wohl denken wie leid ihr seyn wird. Gott gebe das es ein andermal beßer geht. Der Herr von Duregger war auch dieser Tage unwohl ist aber wider beßer aber mit den aufstehen vom Seßl und gehen da geht es oft so schlecht das 2 oder 3 zusammen helfen müßen um ihn aufzubringen. – Lebt recht wohl meine lieben Euch oft und oft im Gottes Schutz empfehlend verbleibe ich Eure Euch von ganzen Herzen lieben treue Mutter Spängler. Otto und Bekante grüßen Euch recht herzlich.'' | + | ''Lieber Franz ich denke schon das Ihr zu Ostern hierher kömmt, dan wollen wir von der Wienerreise reden. Die Feyertage sind nun auch wieder bald vorbey. Heil Abend und Weihnachtstag Mittag, war ich bey Duregger geladen Die Obrigen Tage gingen wie alle anderen Tage vorüber. Zum Christgeschenk bekam ich von Otto und Louise eine recht liebe Ha[u]be mit Kirsch rothen Bändern Stüzeln von Wolle und ein geldtascherl alles kann ich sehr gut brauchen. Otto sagte mir heute das er einen Brief von dir erhalten wo du so freundlich bist und mir etwas kauffen willst zum Christgeschenk- in diesen Augenblück ist mir noch nichts eingefallen, ich werde es ihm sagen wen mir etwas nöthiges einfällt. Bey Langer bitte ich mich beßtens zu Empfehlen. ich lasse alle Bekanten ein gutes neues Jahr wünschen. Wie ich auch von hier von vielen entrichten soll. Denkt Euch die F v Feusle [?] ist vor 3 Tagen mit einem Mädchen glücklich Entbunden worden welches den Nahmen Linna erhalten hat. Beide befinden sich wohl. Der Dommherr Schweiger ist am Weihnachtstag begraben worden. – Otto hat gesagt, er läßt Euch einsweilen ein recht gutes neues Jahr wünschen, er wird erst, wen alles geordnet ist schreiben. Die Frau von Pausing bedauere ich recht sehr, es läßt sich wohl denken wie leid ihr seyn wird. Gott gebe das es ein andermal beßer geht. Der Herr von Duregger war auch dieser Tage unwohl ist aber wider beßer aber mit den aufstehen vom Seßl und gehen da geht es oft so schlecht das 2 oder 3 zusammen helfen müßen um ihn aufzubringen. – Lebt recht wohl meine lieben Euch oft und oft im Gottes Schutz empfehlend verbleibe ich Eure Euch von ganzen Herzen lieben treue Mutter Spängler. Otto und Bekante grüßen Euch recht herzlich.'' |
| | „Duregger“: Die Duregger-Handelsgesellschaft gibt es ab 1828, ab 1855 übernimmt das „Spängler & Trauner“, 1870 „Carl Spängler“ die Bank. Die Familie Duregger besaß ein Haus in der Getreidegasse Nr. 3. Sie zieht 1855 um in das ansehnliche Haus am Mozartplatz Nr. 4, und Leopoldine Duregger, verh. mit Carl Spängler, erbt dieses Haus. – „#Langer“: Familie der Frau von Julius Spängler (* 1837; † 1903), verh. mit Bertha Langer. Julius (Wien) ist ein Cousin von Franz Spängler und Studienkamerad aus Graz. | | „Duregger“: Die Duregger-Handelsgesellschaft gibt es ab 1828, ab 1855 übernimmt das „Spängler & Trauner“, 1870 „Carl Spängler“ die Bank. Die Familie Duregger besaß ein Haus in der Getreidegasse Nr. 3. Sie zieht 1855 um in das ansehnliche Haus am Mozartplatz Nr. 4, und Leopoldine Duregger, verh. mit Carl Spängler, erbt dieses Haus. – „#Langer“: Familie der Frau von Julius Spängler (* 1837; † 1903), verh. mit Bertha Langer. Julius (Wien) ist ein Cousin von Franz Spängler und Studienkamerad aus Graz. |