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[[Datei:Maria Jakober 1.jpg|thumb|Maria Jakober]]
 
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'''Maria Jakober''' (*[[16. Juli]] [[1917]]) aus [[Maishofen]] im [[Pinzgau]] ist gelernte Hebamme. Ihr Leben und ihr Berufsleben stehen exemplarisch für die gesellschaftlichen Entwicklungen des vergangenen [[20. Jahrhundert]]s.
 
'''Maria Jakober''' (*[[16. Juli]] [[1917]]) aus [[Maishofen]] im [[Pinzgau]] ist gelernte Hebamme. Ihr Leben und ihr Berufsleben stehen exemplarisch für die gesellschaftlichen Entwicklungen des vergangenen [[20. Jahrhundert]]s.
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==Herkunftsfamilie==
 
==Herkunftsfamilie==
 
Maria Jakober, geborene Mitterlindner, war das erste von sechs Kindern. Ihre Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater stammte aus einer Bauernfamilie mit 17 Kindern. Als weichender Bauernsohn musste er sich mangels anderer Möglichkeiten als Knecht verdingen und arbeitete als Melker in der Landwirtschaft von [[Schloss Saalhof]].
 
Maria Jakober, geborene Mitterlindner, war das erste von sechs Kindern. Ihre Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater stammte aus einer Bauernfamilie mit 17 Kindern. Als weichender Bauernsohn musste er sich mangels anderer Möglichkeiten als Knecht verdingen und arbeitete als Melker in der Landwirtschaft von [[Schloss Saalhof]].
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==Schulbesuch und erste außerhäusliche Arbeitspflichten==
 
==Schulbesuch und erste außerhäusliche Arbeitspflichten==
 
Maria besuchte von [[1923]] bis [[1931]] die Volksschule in Maishofen. Noch während des Pflichtschulbesuches half sie im Alter von neun Jahren wegen einer schweren Erkrankung der Pfarrersköchin monatelang im Pfarrhof aus. Das trug ihr die Bezeichnung ''Pfarrermälz'' ein. (''Mälz'' ist ein Pinzgauer Mundartbegriff und bedeutet Mädchen). Im Gegensatz zu heute, wo man geneigt wäre, diese Bezeichnung misszuverstehen, beinhaltete dieser Spitzname damals keine Doppeldeutigkeit.
 
Maria besuchte von [[1923]] bis [[1931]] die Volksschule in Maishofen. Noch während des Pflichtschulbesuches half sie im Alter von neun Jahren wegen einer schweren Erkrankung der Pfarrersköchin monatelang im Pfarrhof aus. Das trug ihr die Bezeichnung ''Pfarrermälz'' ein. (''Mälz'' ist ein Pinzgauer Mundartbegriff und bedeutet Mädchen). Im Gegensatz zu heute, wo man geneigt wäre, diese Bezeichnung misszuverstehen, beinhaltete dieser Spitzname damals keine Doppeldeutigkeit.
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==Berufsausbildung im zweiten Bildungsweg==
 
==Berufsausbildung im zweiten Bildungsweg==
 
[[1942]] wurde sie in den Hebammenlehrgang am [[Landeskrankenhaus Salzburg]] aufgenommen. Die Ausbildung bezahlte der Staat, das darüber hinaus nötige Taschengeld hatte sich Frau Jakober durch ihre vorhergehende Arbeit verdient.  
 
[[1942]] wurde sie in den Hebammenlehrgang am [[Landeskrankenhaus Salzburg]] aufgenommen. Die Ausbildung bezahlte der Staat, das darüber hinaus nötige Taschengeld hatte sich Frau Jakober durch ihre vorhergehende Arbeit verdient.  
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Eine Ironie des Schicksals war, dass sie ihr Kind nun erst recht nicht selbst betreuen konnte, da sie während des Lehrganges kaserniert war und auch wegen der anfallenden Fahrtkosten nur gelegentlich nach Maishofen fahren konnte, wo ihre Tochter daher von der Großmutter betreut wurde.
 
Eine Ironie des Schicksals war, dass sie ihr Kind nun erst recht nicht selbst betreuen konnte, da sie während des Lehrganges kaserniert war und auch wegen der anfallenden Fahrtkosten nur gelegentlich nach Maishofen fahren konnte, wo ihre Tochter daher von der Großmutter betreut wurde.
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Es stellte sich nun auch immer klarer heraus, dass das Weiterarbeiten ohne eigenen PKW nicht mehr zu bewältigen war. Also musste Frau Jakober [[1958]] im Alter von 40 Jahren den Führerschein machen. Sie machte ihn ''über die BH'' (Bezirkshauptmannschaft), das heißt, dass sie keine Fahrschule besuchte, sondern das Fahren von Bekannten erlernte.
 
Es stellte sich nun auch immer klarer heraus, dass das Weiterarbeiten ohne eigenen PKW nicht mehr zu bewältigen war. Also musste Frau Jakober [[1958]] im Alter von 40 Jahren den Führerschein machen. Sie machte ihn ''über die BH'' (Bezirkshauptmannschaft), das heißt, dass sie keine Fahrschule besuchte, sondern das Fahren von Bekannten erlernte.
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Ausgerechnet zum Prüfungstermin hatten auch zwei der von ihr betreuten Wöchnerinnen ihren Geburtstermin. Beide lagen bereits im Kreißsaal. Irgendwie ging sich alles trotzdem noch aus. Frau Jakober lief vom Krankenhaus zur theoretischen Prüfung in den nahegelegenen Metzgerwirt hinüber und kam anschließend gerade noch rechtzeitig zurück, um die erste der beiden Wöchnerinen zu entbinden. Nachfolgend legte sie die praktische Fahrprüfung ab. Dabei sei der Fahrlehrer etwas gnädig gewesen und er habe sie durch gelassen, obwohl sie beim Rückwärtseinparken gepatzt habe. Anschließend entband sie die zweite Wöchnerin. Von da an chauffierte sie ihr eigenes Auto, und das war vom Anfang bis zuletzt immer ein VW-Käfer.
 
Ausgerechnet zum Prüfungstermin hatten auch zwei der von ihr betreuten Wöchnerinnen ihren Geburtstermin. Beide lagen bereits im Kreißsaal. Irgendwie ging sich alles trotzdem noch aus. Frau Jakober lief vom Krankenhaus zur theoretischen Prüfung in den nahegelegenen Metzgerwirt hinüber und kam anschließend gerade noch rechtzeitig zurück, um die erste der beiden Wöchnerinen zu entbinden. Nachfolgend legte sie die praktische Fahrprüfung ab. Dabei sei der Fahrlehrer etwas gnädig gewesen und er habe sie durch gelassen, obwohl sie beim Rückwärtseinparken gepatzt habe. Anschließend entband sie die zweite Wöchnerin. Von da an chauffierte sie ihr eigenes Auto, und das war vom Anfang bis zuletzt immer ein VW-Käfer.
    
Später verlagerte sich das Schwergewicht ihrer Arbeit langsam von Hausgeburten auf Geburten im Krankenhaus. Ihre letzte Hausgeburt machte sie Anfang der 1970er-Jahre. Um die Hausgeburten war ihr wirklich leid. Diese waren zwar ab und zu schwierig, aber nach getaner Arbeit für alle Beteiligten ein sehr glücklicher und emotionaler Moment.
 
Später verlagerte sich das Schwergewicht ihrer Arbeit langsam von Hausgeburten auf Geburten im Krankenhaus. Ihre letzte Hausgeburt machte sie Anfang der 1970er-Jahre. Um die Hausgeburten war ihr wirklich leid. Diese waren zwar ab und zu schwierig, aber nach getaner Arbeit für alle Beteiligten ein sehr glücklicher und emotionaler Moment.
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Als wirklich schlimm erlebte sie hingegen jene Augenblicke ihrer Berufstätigkeit, wenn Frauen zur Entbindung kamen, keine kindlichen Herztöne mehr hörbar waren und eine Totgeburt bevorstand.
 
Als wirklich schlimm erlebte sie hingegen jene Augenblicke ihrer Berufstätigkeit, wenn Frauen zur Entbindung kamen, keine kindlichen Herztöne mehr hörbar waren und eine Totgeburt bevorstand.
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*Langjährige Zusammenarbeit der Autorin mit Frau Jakober
 
*Langjährige Zusammenarbeit der Autorin mit Frau Jakober
 
*Ausführliches Gespräch mit Frau Jakober und ihrer Tochter, Frau Pabinger
 
*Ausführliches Gespräch mit Frau Jakober und ihrer Tochter, Frau Pabinger
[[Kategorie:Geschichte]]
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[[Kategorie:Gesundheit]]
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[[Kategorie:Kultur]]
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[[Kategorie:Person|Jakober, Maria]]
[[Kategorie:Maishofen]]
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[[Kategorie:Person (Geschichte)|Jakober, Maria]]
[[Kategorie:Pinzgau]]
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[[Kategorie:Gesundheit||Jakober, Maria]]
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[[Kategorie:Kulturgeschichte||Jakober, Maria]]
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[[Kategorie:Maishofen|Jakober, Maria]]
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[[Kategorie:Pinzgau|Jakober, Maria]]
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[[Kategorie:Salzburgs Töchter und Söhne|Jakober, Maria]]
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[[Kategorie:Frauen|Jakober, Maria]]
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[[Kategorie:Privatperson|Jakober, Maria]]