| | „Die Ordinationshilfe füllte nach Rezept aus einem großen Salbentiegel eine kleine Menge in eine Dose um und sagte dem Bauern, der im Wartezimmer wartete, er könne sich seine Salbe nehmen, sie stünde in der Hausapotheke. Als sie wieder kam, war der große Tiegel weg, der kleine stand noch da. Sie rannte ihm nach, um die Sache aufzuklären. Er hatte sich aber nichts Böses dabei gedacht. Der kleine Tiegel, meinte er, diene dazu, die entsprechende Salbe nachkaufen zu können.“ | | „Die Ordinationshilfe füllte nach Rezept aus einem großen Salbentiegel eine kleine Menge in eine Dose um und sagte dem Bauern, der im Wartezimmer wartete, er könne sich seine Salbe nehmen, sie stünde in der Hausapotheke. Als sie wieder kam, war der große Tiegel weg, der kleine stand noch da. Sie rannte ihm nach, um die Sache aufzuklären. Er hatte sich aber nichts Böses dabei gedacht. Der kleine Tiegel, meinte er, diene dazu, die entsprechende Salbe nachkaufen zu können.“ |
| | ''Ich kam Anfang [[1945]] nach Lend und übernahm die Praxis von meinem Vorgänger. Er überließ mir für den Anfang seine eingerichtete Ordination und Hausapotheke, was für mich sehr vorteilhaft war, da ich außer Büchern und einigen Instrumenten nichts besaß und man auch nichts kaufen konnte. Ich hatte eine sechsjährige Ausbildung am Landeskrankenhaus hinter mir, aber der Betrieb einer Landpraxis stellte mich doch vor einige Probleme: Ich hatte kein Auto zur Verfügung, sondern fuhr acht Jahre lang mit einem Sachs-Motorrad aus den Beständen des [[NSDAP|NSKK]], bis ich [[1953]] den ersten Volkswagen kaufen konnte. Man musste damals viel improvisieren, Medikamente waren nur beschränkt lieferbar. Ich musste z. B. selbst Hustensäfte kochen oder aus vier Ingredienzien die guten, schmerzstillenden Marburgpulver in Brieferln erzeugen. Schwierig war für mich auch die eindeutige Feststellung, wer vor allem die begehrten Sonderzuteilungen an Milch und Butter notwendig hatte. Bei den ausgemergelten Heimkehrern war es ja klar.'' | | ''Ich kam Anfang [[1945]] nach Lend und übernahm die Praxis von meinem Vorgänger. Er überließ mir für den Anfang seine eingerichtete Ordination und Hausapotheke, was für mich sehr vorteilhaft war, da ich außer Büchern und einigen Instrumenten nichts besaß und man auch nichts kaufen konnte. Ich hatte eine sechsjährige Ausbildung am Landeskrankenhaus hinter mir, aber der Betrieb einer Landpraxis stellte mich doch vor einige Probleme: Ich hatte kein Auto zur Verfügung, sondern fuhr acht Jahre lang mit einem Sachs-Motorrad aus den Beständen des [[NSDAP|NSKK]], bis ich [[1953]] den ersten Volkswagen kaufen konnte. Man musste damals viel improvisieren, Medikamente waren nur beschränkt lieferbar. Ich musste z. B. selbst Hustensäfte kochen oder aus vier Ingredienzien die guten, schmerzstillenden Marburgpulver in Brieferln erzeugen. Schwierig war für mich auch die eindeutige Feststellung, wer vor allem die begehrten Sonderzuteilungen an Milch und Butter notwendig hatte. Bei den ausgemergelten Heimkehrern war es ja klar.'' |