| | In diesem Vortrag stellte er die Verstädterung und die Industrialisierung als unmittelbare Ursache für jene befristeten Wanderungsvorgänge, die damals als '''Fremdenverkehr''' und heute als '''Tourismus''' bezeichnet werden und die im Kontrast zu den von der '''Sozialbrache''' erfassten Gebiete der europäischen Gebirgs- und Agrarlandschaften stehen.<ref>ebd., S. 10</ref> | | In diesem Vortrag stellte er die Verstädterung und die Industrialisierung als unmittelbare Ursache für jene befristeten Wanderungsvorgänge, die damals als '''Fremdenverkehr''' und heute als '''Tourismus''' bezeichnet werden und die im Kontrast zu den von der '''Sozialbrache''' erfassten Gebiete der europäischen Gebirgs- und Agrarlandschaften stehen.<ref>ebd., S. 10</ref> |
| | Den Aufwand für die Lehre hatten vorerst hauptsächlich Guido Müller als Assistent und Heinz Slupetzky als Wissenschaftliche Hilfskraft zu tragen, denn Egon Lendl konnte wegen seinen Aufgaben zuerst als Dekan der Philosophischen Fakultät (1963/64) und dann als erster gewählter Rektor (1964/65).<ref> Fußnote: https://www.sn.at/wiki/Rektoren_und_Dekane_der_Universität_Salzburg</ref> nur teilweise am Institut anwesend sein <ref>Slupetzky 2022</ref> | | Den Aufwand für die Lehre hatten vorerst hauptsächlich Guido Müller als Assistent und Heinz Slupetzky als Wissenschaftliche Hilfskraft zu tragen, denn Egon Lendl konnte wegen seinen Aufgaben zuerst als Dekan der Philosophischen Fakultät (1963/64) und dann als erster gewählter Rektor (1964/65).<ref> Fußnote: https://www.sn.at/wiki/Rektoren_und_Dekane_der_Universität_Salzburg</ref> nur teilweise am Institut anwesend sein <ref>Slupetzky 2022</ref> |
| − | Sowohl in Forschung als auch in der Lehre waren das '''Landschaftskonzept''', die '''Integrationsstufenlehre''' von Hans Bobek (1957) und das ''-Länderkundliche Schema''' die damals herrschenden Paradigmen. Bei Letzterem werden für das zu untersuchende bzw. darzustellende Gebiet, Länder und Regionen der Reihe nach die geographischen Faktoren behandelt, beginnend mit Geologie und Boden über Klima, Bodenbedeckung, Siedlungen, Flur- und Hausformen, Bevölkerung und Wirtschaft bis zur Raumentwicklung, Raumnutzung und Raumplanung.<ref>Fasching 2013, S. 175</ref> Das Landschaftskonzept hingegen geht davon aus, dass '''Landschaft''' als '''Ding an sich''' existiert und damit über ein eigenes Wesen verfügt,<ref>Paffen 1973</ref> während die Integrationsstufenlehre von Hans Bobek von einer stufenweisen Integration der einzelnen geographischen Elemente zu Partialkomplexen und weiter zu Gesamtkomplexen ausgeht. Dabei ist das Wirkungsgefüge der Komplexe jeweils mehr ist als die Summe ihrer Bestandteile. Die Partialkomplexe sind Untersuchungsgegenstand der Teilgebiete der Allgemeinen Geographie (Geomorphologie, Klimageographie, Bodengeographie, Hydrogeographie, Biogeographie, Stadtgeographie, Sozialgeographie etc.), während die Integration der Partialkomplexe als Landschaften bezeichnet werden und Untersuchungsgegenstand der Landschaftkunde sind. Die individuelle Integration bzw. die konkrete Ausprägung von Landschaften in einem bestimmten Gebiet ist Untersuchungsgegenstand der Länderkunde.<ref>Bobek 1957</ref> Während sich an den deutschen Universitäten bereits die Vorboten der sogenannten '''Kieler Wende''' abzeichneten und sowohl das Landschaftskonzept als auch das länderkundliche Schema stark unter Druck gerieten,<ref>Weichhart 1975, S. 2</ref> konnten sich an den geographischen Instituten in Österreich vorerst noch die Bewahrer der Tradition behaupten, wie man an den ersten Dissertationen des jungen Salzburger Instituts sehen kann.<ref>Bobek & Spreitzer 1969</ref> | + | Sowohl in Forschung als auch in der Lehre waren das '''Landschaftskonzept''', die '''Integrationsstufenlehre''' von Hans Bobek (1957) und das '''Länderkundliche Schema''' die damals herrschenden Paradigmen. Bei Letzterem werden für das zu untersuchende bzw. darzustellende Gebiet, Länder und Regionen der Reihe nach die geographischen Faktoren behandelt, beginnend mit Geologie und Boden über Klima, Bodenbedeckung, Siedlungen, Flur- und Hausformen, Bevölkerung und Wirtschaft bis zur Raumentwicklung, Raumnutzung und Raumplanung.<ref>Fasching 2013, S. 175</ref> Das Landschaftskonzept hingegen geht davon aus, dass '''Landschaft''' als '''Ding an sich''' existiert und damit über ein eigenes Wesen verfügt,<ref>Paffen 1973</ref> während die Integrationsstufenlehre von Hans Bobek von einer stufenweisen Integration der einzelnen geographischen Elemente zu Partialkomplexen und weiter zu Gesamtkomplexen ausgeht. Dabei ist das Wirkungsgefüge der Komplexe jeweils mehr ist als die Summe ihrer Bestandteile. Die Partialkomplexe sind Untersuchungsgegenstand der Teilgebiete der Allgemeinen Geographie (Geomorphologie, Klimageographie, Bodengeographie, Hydrogeographie, Biogeographie, Stadtgeographie, Sozialgeographie etc.), während die Integration der Partialkomplexe als Landschaften bezeichnet werden und Untersuchungsgegenstand der Landschaftkunde sind. Die individuelle Integration bzw. die konkrete Ausprägung von Landschaften in einem bestimmten Gebiet ist Untersuchungsgegenstand der Länderkunde.<ref>Bobek 1957</ref> Während sich an den deutschen Universitäten bereits die Vorboten der sogenannten '''Kieler Wende''' abzeichneten und sowohl das Landschaftskonzept als auch das länderkundliche Schema stark unter Druck gerieten,<ref>Weichhart 1975, S. 2</ref> konnten sich an den geographischen Instituten in Österreich vorerst noch die Bewahrer der Tradition behaupten, wie man an den ersten Dissertationen des jungen Salzburger Instituts sehen kann.<ref>Bobek & Spreitzer 1969</ref> |
| | 1967 erhielten die beiden Mitarbeiter Lendls weitere Unterstützung durch [[Malvine Stenzel]] (für Humangeographie) und [[Franz Zwittkovits]] (für Physische Geographie) als neue Assistenten und auch durch [[Josef Schramm]], der von Egon Lendl nach Salzburg geholt wurde.<ref>Fasching 2013, S. 177ff</ref> Mit der Einstellung von Josef Schramm wurde der Salzburger Standort im Bereich der traditionellen Länderkunde sogar noch erheblich gestärkt. Eine Ursache dafür dürfte aber auch der Umstand sein, dass mit Hans Bobek einer der wesentlichen Akteure des traditionellen Systems in Wien lehrte, der mit seinem Beitrag über das logische System der Geographie aus dem Jahr 1957 den fachlichen Diskurs wesentlich beeinflusste. Bobek´s Schema und seine Integrationsstufenlehre sollten bis weit in die Siebziger Jahre allgemeine Anerkennung als leitendes Paradigma der Geographie erfahren <ref>ebd., S. 41-44</ref> . | | 1967 erhielten die beiden Mitarbeiter Lendls weitere Unterstützung durch [[Malvine Stenzel]] (für Humangeographie) und [[Franz Zwittkovits]] (für Physische Geographie) als neue Assistenten und auch durch [[Josef Schramm]], der von Egon Lendl nach Salzburg geholt wurde.<ref>Fasching 2013, S. 177ff</ref> Mit der Einstellung von Josef Schramm wurde der Salzburger Standort im Bereich der traditionellen Länderkunde sogar noch erheblich gestärkt. Eine Ursache dafür dürfte aber auch der Umstand sein, dass mit Hans Bobek einer der wesentlichen Akteure des traditionellen Systems in Wien lehrte, der mit seinem Beitrag über das logische System der Geographie aus dem Jahr 1957 den fachlichen Diskurs wesentlich beeinflusste. Bobek´s Schema und seine Integrationsstufenlehre sollten bis weit in die Siebziger Jahre allgemeine Anerkennung als leitendes Paradigma der Geographie erfahren <ref>ebd., S. 41-44</ref> . |
| | Der Schwerpunkt der Lehre lag somit neben der Unterrichtung der Arbeitsmethoden hauptsächlich in der [[Länderkunde]]. Josef Schramm wurde 1968 für das Gesamtgebiet der Geographie unter besonderer Berücksichtigung der ethnogeographischen Methoden habilitiert und war somit als Universitätsdozent eine wichtige Stütze für das Institut und baute die Entwicklungsländerforschung zu einem neuen Forschungsschwerpunkt aus <ref>Fasching 2013, S. 178 und Bobek & Spreitzer 1969, S. 246-251</ref>. | | Der Schwerpunkt der Lehre lag somit neben der Unterrichtung der Arbeitsmethoden hauptsächlich in der [[Länderkunde]]. Josef Schramm wurde 1968 für das Gesamtgebiet der Geographie unter besonderer Berücksichtigung der ethnogeographischen Methoden habilitiert und war somit als Universitätsdozent eine wichtige Stütze für das Institut und baute die Entwicklungsländerforschung zu einem neuen Forschungsschwerpunkt aus <ref>Fasching 2013, S. 178 und Bobek & Spreitzer 1969, S. 246-251</ref>. |