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| | ==Lage== | | ==Lage== |
| − | Berchtesgaden liegt in einem zentralen Kessel, der drei Zugänge hat: das Tal der [[Berchtesgadener Ache]] nach Salzburg, über einen Sattel, der ''Schwarzbachwacht'', verläuft die [[Deutsche Alpenstraße]] nach Ruhpolding und zwischen dem [[Lattengebirge]] und dem [[Untersberg]]massiv führt eine Landesstraße nach [[Bad Reichenhall]]. | + | Berchtesgaden liegt in einem zentralen Kessel, der drei Zugänge hat: |
| | + | * das Tal der [[Berchtesgadener Ache]] nach Salzburg, |
| | + | * über einen Sattel, der ''Schwarzbachwacht'', verläuft die [[Deutsche Alpenstraße]] nach Ruhpolding und |
| | + | * zwischen dem [[Lattengebirge]] und dem [[Untersberg]]massiv führt eine Landesstraße nach [[Bad Reichenhall]]. |
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| − | Im Norden wird Berchtengaden von den Ausläufern des Untersbergmassivs, im Osten vom Massiv des [[Hoher Göll|Hohen Gölls]], gegen Süden hin durch das [[Steinernes Meer|Steinerne Meer]], im Südosten durch das [[Watzmann]]massiv und im Westen durch das Lattengebirge umgeben. | + | Im Norden wird Berchtesgaden von den Ausläufern des Untersbergmassivs, im Osten vom Massiv des [[Hoher Göll|Hohen Gölls]], gegen Süden hin durch das [[Steinernes Meer|Steinerne Meer]], im Südosten durch das [[Watzmann]]massiv und im Westen durch das Lattengebirge umgeben. |
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| | ==Geschichte== </noinclude> | | ==Geschichte== </noinclude> |
| | Das Waldgebiet um Berchtesgaden gehörte zu den [[Grafen von Plain|Plainer]] Grafschaften. Vom Sitz [[Grafengaden]] ([[Sankt Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]]) aus jagten die jeweiligen Gebietsherrn im wildreichen Forst. Einer von ihnen gab der ersten dorfähnlichen Ansiedlung seinen Namen: "''Perthersgaden''" = Gaden, Haus des Perther. [[Gaden]] entwickelte sich aus dem althochdeutschen „gadum“, wandelte sich im Mittelhochdeutschen zu „gadem“ in der Bedeutung von „Kammer, Haus mit einem Stockwerk“ | | Das Waldgebiet um Berchtesgaden gehörte zu den [[Grafen von Plain|Plainer]] Grafschaften. Vom Sitz [[Grafengaden]] ([[Sankt Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]]) aus jagten die jeweiligen Gebietsherrn im wildreichen Forst. Einer von ihnen gab der ersten dorfähnlichen Ansiedlung seinen Namen: "''Perthersgaden''" = Gaden, Haus des Perther. [[Gaden]] entwickelte sich aus dem althochdeutschen „gadum“, wandelte sich im Mittelhochdeutschen zu „gadem“ in der Bedeutung von „Kammer, Haus mit einem Stockwerk“ |
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| − | Gräfin Irmgard, Tochter des Grafen Cuno von Rott schenkte [[1102]] das von ihrem Mann aus erster Ehe, Graf Engelbert, stammende riesige Wald- und Gebirgsland bis hin zum [[Königssee]] den ''Augustiner Chorherren''. | + | Gräfin Irmgard, Tochter des Grafen Cuno von Rott, schenkte [[1102]] das von ihrem Mann aus erster Ehe, Graf Engelbert, stammende riesige Wald- und Gebirgsland bis hin zum [[Königssee]] den ''Augustiner Chorherren''. |
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| − | Die Berchtesgadener Augustiner Chorherren hielten sich bis zur Auflösung des Klosters [[1803]] an ihre strengen Augustiner-Chorherren-Regeln, während die [[Salzburger Augustiner Chorherren]] sich bereits [[1514]] säkularisierte. Die meisten Berchtesgadener Pröpste entstammten dem eigenen Kapitel, viele wurden auch zu Pröpsten von [[Kloster Höglwörth]] geweiht, sogar ein [[Salzburger Erzbischöfe|Salzburger Erzbischof]] kam aus Berchtesgaden: Propst Heinrich I. war von [[1174]] bis [[1177]] Erzbischof von Salzburg und anschließend Bischof von Brixen in [[Südtirol]]. Im [[Berchtesgadener Hof]] im [[Kaiviertel]] der [[Altstadt]] von Salzburg hatten die Fürstpröpste einen Wohnsitz in der [[Fürstenstadt]]. | + | Die Berchtesgadener Augustiner Chorherren hielten sich bis zur Auflösung des Klosters [[1803]] an ihre strengen Augustiner-Chorherren-Regeln, während die [[Salzburger Augustiner Chorherren]] sich bereits [[1514]] säkularisierten. Die meisten Berchtesgadener Pröpste entstammten dem eigenen Kapitel, viele wurden auch zu Pröpsten von [[Kloster Höglwörth]] geweiht, sogar ein [[Salzburger Erzbischöfe|Salzburger Erzbischof]] kam aus Berchtesgaden: Propst Heinrich I. war von [[1174]] bis [[1177]] Erzbischof von Salzburg und anschließend Bischof von Brixen in [[Südtirol]]. Im [[Berchtesgadener Hof]] im [[Kaiviertel]] der [[Altstadt]] von Salzburg hatten die Fürstpröpste einen Wohnsitz in der [[Fürstenstadt]]. |
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| − | Es gab auch ''Augustiner Chorfrauen'' in Berchtesgaden. Über die Gründung gibt es keine Angaben mehr, die ersten Informationen stammen zwischen [[1125]] und [[1136]]. Ihr erstes Kloster befand sich im so genannten ''Nonntal''. Um [[1400]] erfolgte der Umzug ins Frauenkloster am Anger. Etwa 100 Jahre später entstand dann unter Propst Gregor Rainer die Klosterkirche, heute Franziskanerkirche. Unter Propst Wolfgang Griesstätter ([[1541]] - [[1567]]) wurde dann das Kloster [[1564]] mangels Nachwuchses aufgelöst. | + | Es gab auch ''Augustiner Chorfrauen'' in Berchtesgaden. Über die Gründung gibt es keine Angaben mehr, die ersten Informationen stammen aus der Zeit zwischen [[1125]] und [[1136]]. Ihr erstes Kloster befand sich im so genannten ''Nonntal''. Um [[1400]] erfolgte der Umzug ins Frauenkloster am Anger. Etwa 100 Jahre später entstand dann unter Propst Gregor Rainer die Klosterkirche, heute Franziskanerkirche. Unter Propst Wolfgang Griesstätter ([[1541]] - [[1567]]) wurde dann das Kloster [[1564]] mangels Nachwuchses aufgelöst. |
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| | [[1156]] bestätigte Kaiser [[Friedrich I. Barbarossa]] dem Stift die Forsthoheit, das Jagd-, Fischerei- und Weiderecht. Das in der gleichen Urkunde angeführte Salz- und Bergregal<ref>Das Bergregal ist das Verfügungsrecht über ungehobene Bodenschätze, siehe auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Bergregal Wikipedia Deutschland Bergregal]</ref> ist eine nachträgliche Berchtesgadener Fälschung. | | [[1156]] bestätigte Kaiser [[Friedrich I. Barbarossa]] dem Stift die Forsthoheit, das Jagd-, Fischerei- und Weiderecht. Das in der gleichen Urkunde angeführte Salz- und Bergregal<ref>Das Bergregal ist das Verfügungsrecht über ungehobene Bodenschätze, siehe auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Bergregal Wikipedia Deutschland Bergregal]</ref> ist eine nachträgliche Berchtesgadener Fälschung. |
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| − | Von [[1393]] bis [[1402]] gehörte Berchtesgaden zum [[Erzbistum (Überblick)|Erzbistum Salzburg]]. Noch ein zweites Mal kam es zu Salzburg, nämlich von [[1803]] bis [[1809]], als Salzburg [[Kurfürstentum Salzburg|Kurfürstentum]] unter [[Ferdinand III.]] von Toskana war. | + | Von [[1393]] bis [[1402]] gehörte Berchtesgaden zum [[Erzbistum (Überblick)|Fürsterzbistum Salzburg]]. Noch ein zweites Mal kam es zu Salzburg, nämlich von [[1803]] bis [[1810]], als Salzburg [[Kurfürstentum Salzburg|Kurfürstentum]] unter [[Ferdinand III.]] von Toskana war (bis 1806) und dann ein erstes Mal zum Kaisertum Österreich gehörte. |
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| | [[1517]] wurde das Salzbergwerk am Petersberg (heutiges Salzbergwerk) angeschlagen. Und prompt kam es [[1611]] zum [[Salzkrieg 1611|Salzkrieg]] mit dem Salzburger Erzbischofs [[Wolf Dietrich von Raitenau]], der mit dessen Inhaftierung auf der [[Festung Hohensalzburg]] endete. Doch auch noch nachher kam es zu Reibereien, die erst durch die [[Salinenkonvention]] von [[1829]] endgültig ausgeräumt werden konnten. | | [[1517]] wurde das Salzbergwerk am Petersberg (heutiges Salzbergwerk) angeschlagen. Und prompt kam es [[1611]] zum [[Salzkrieg 1611|Salzkrieg]] mit dem Salzburger Erzbischofs [[Wolf Dietrich von Raitenau]], der mit dessen Inhaftierung auf der [[Festung Hohensalzburg]] endete. Doch auch noch nachher kam es zu Reibereien, die erst durch die [[Salinenkonvention]] von [[1829]] endgültig ausgeräumt werden konnten. |
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| − | Die völlige Reichsunabhängigkeit erhielt die [[Fürstpropstei Berchtesgaden|Fürstpropstei]] erst [[1667]]. Wie auch ins Salzburg kam es im [[18. Jahrhundert]] zur Auswanderung von etwa 1000 Berchtesgadener Protestanten nach Preußen, Hannover, Holland, Nürnberg und den Vereinigten Staaten von Amerika (siehe auch [[Protestantenvertreibung]]). | + | Die völlige Reichsunabhängigkeit erhielt die [[Fürstpropstei Berchtesgaden|Fürstpropstei]] erst [[1667]]. Wie auch in Salzburg kam es im [[18. Jahrhundert]] zur Auswanderung von etwa 1000 Berchtesgadener Protestanten nach Preußen, Hannover, Holland, Nürnberg und den Vereinigten Staaten von Amerika (siehe auch [[Protestantenvertreibung]]). |
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| − | Nach dem Einmarsch der Franzosen [[1800]] folgte [[1803]] die Abdankung des letzten Fürstpropstes und Berchtesgaden wurde säkularisiert. Nachdem [[1807]] die Leibeigenschaft aufgehoben wurde, wurde Berchtesgaden [[1809]] auch in die [[Befreiungskriege (Überblick)|Pinzgauer Freiheitskämpfe]] verwickelt<ref>siehe auch [[Anton Wallner]]</ref>. Doch schon [[1810]] wird Berchtesgaden endgültig Bayerisch, wie auch die Orte im [[Rupertiwinkl]], die bis dahin zu Salzburg gehörten. | + | Nach dem Einmarsch der Franzosen [[1800]] folgte [[1803]] die Abdankung des letzten Fürstpropstes, und Berchtesgaden wurde säkularisiert. Nachdem [[1807]] die Leibeigenschaft aufgehoben wurde, wurde Berchtesgaden [[1809]] auch in die [[Befreiungskriege (Überblick)|Pinzgauer Freiheitskämpfe]] verwickelt<ref>siehe auch [[Anton Wallner]]</ref>. Doch schon [[1810]] wird Berchtesgaden endgültig [[Bayern|bayrisch]], wie auch die Orte im [[Rupertiwinkl]], die bis dahin zu Salzburg gehörten. |
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| | Weitere Eckpunkte waren dann: | | Weitere Eckpunkte waren dann: |
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| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
| | *Baedeker ''Deutschland'', Karl Baedeker GmbH Ostfildern, 6. Auflage 2000, ISBN 3-8297-1004-6 | | *Baedeker ''Deutschland'', Karl Baedeker GmbH Ostfildern, 6. Auflage 2000, ISBN 3-8297-1004-6 |
| − | *Manfred Feulner ''Berchtesgadener Geschichte(n)'', zweiter Teil ''aus alter und neuer Zeit'', Berchtesgadener Anzeiger, 2004, ISBN 3-925647-38-4 | + | *Manfred Feulner, ''Berchtesgadener Geschichte(n)'', zweiter Teil ''aus alter und neuer Zeit'', Berchtesgadener Anzeiger, 2004, ISBN 3-925647-38-4 |
| | * [http://www.tourismus-berchtesgaden.de/geschichte.html Tourismus Berchtesgaden - Geschichte] | | * [http://www.tourismus-berchtesgaden.de/geschichte.html Tourismus Berchtesgaden - Geschichte] |
| − | * Franz Hörburger. Salzburger Ortsnamenbuch, Hg. [[Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]], im Selbstverlag der Ges., Salzburg [[1982]] | + | * [[Franz Hörburger]], ''Salzburger Ortsnamenbuch'', Hg. [[Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]], im Selbstverlag der Ges., Salzburg [[1982]] |
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| | [[Kategorie:Tourismus]] | | [[Kategorie:Tourismus]] |