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Dorothea Schwarz, von Verwandten und Freunden Dorli genannt, lernte noch vor Ausbruch des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] Deutsch und Tschechisch in einer guten deutschen Privatschule über der Grenze in Polen, wo sie täglich hinfuhr. Obwohl ihre Familie deutsch war, fühlte sie sich aber keineswegs Deutschland zugehörig. Sie war weltoffen und konservativ zugleich, was sich auch in der Mitgliedschaft ihres Vaters in der [[Christlichsoziale Partei|Christlichsozialen Partei]] ausdrückte.
 
Dorothea Schwarz, von Verwandten und Freunden Dorli genannt, lernte noch vor Ausbruch des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] Deutsch und Tschechisch in einer guten deutschen Privatschule über der Grenze in Polen, wo sie täglich hinfuhr. Obwohl ihre Familie deutsch war, fühlte sie sich aber keineswegs Deutschland zugehörig. Sie war weltoffen und konservativ zugleich, was sich auch in der Mitgliedschaft ihres Vaters in der [[Christlichsoziale Partei|Christlichsozialen Partei]] ausdrückte.
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Der Einmarsch der Nazis wurde zu einer Katastrophe für die Familie Schwarz. Ihr Vater war zu diesem Zeitpunkt Richter in Troppau, tschechisch Opava, das von Hitler-Deutschland schon 1938 besetzt wurde. Eines Tages kam der Gerichtsdiener und überreichte ihm ein Kuvert, adressiert an Dr. Rudolf Schwarz. Darin befand sich ein offizielles Schreiben, mit einer frist- und pensionslosen Entlassung wegen der Abstammung seiner Frau. Nun folgte neben dem sozialen Abstieg auch wirtschaftliche Not. Als „Judenabstämmling“ hatte auch Dorli, eine „Vierteljüdin“, litt unter Demütigungen. Ein besonders eifriger Lehrer in ihrer Schule „''radierte mit ihrem Gesicht die Tafel''“. Der Druck auf den Vater wurde immer größer und so ließ er sich dann von ihrer Mutter wegen ihrer jüdischen Herkunft scheiden lassen, lebten aber weiterhin im selben Haus. „''Als wir nach dem Krieg nach Wien gekommen sind, ist das Erste, was meine Eltern gemacht haben, zum Standesamt zu gehen und sich wieder trauen zu lassen.''“ schilderte Dr. Mayer-Maly im Sommer 2020 in einem Interview mit [[Vladimir Vertlib]] für "Die Presse" (Quelle dieses Artikels).
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Der Einmarsch der Nazis wurde zu einer Katastrophe für die Familie Schwarz. Ihr Vater war zu diesem Zeitpunkt Richter in Troppau, tschechisch Opava, das von Hitler-Deutschland schon 1938 besetzt wurde. Eines Tages kam der Gerichtsdiener und überreichte ihm ein Kuvert, adressiert an Dr. Rudolf Schwarz. Darin befand sich ein offizielles Schreiben, mit einer frist- und pensionslosen Entlassung wegen der Abstammung seiner Frau. Nun folgte neben dem sozialen Abstieg auch wirtschaftliche Not. Als „Judenabstämmling“ hatte auch Dorli, eine „Vierteljüdin“, unter Demütigungen zu leiden. Ein besonders eifriger Lehrer in ihrer Schule „''radierte mit ihrem Gesicht die Tafel''“. Der Druck auf den Vater wurde immer größer und so ließ er sich dann von ihrer Mutter wegen ihrer jüdischen Herkunft scheiden lassen, lebten aber weiterhin im selben Haus. „''Als wir nach dem Krieg nach Wien gekommen sind, ist das Erste, was meine Eltern gemacht haben, zum Standesamt zu gehen und sich wieder trauen zu lassen.''“ schilderte Dr. Mayer-Maly im Sommer 2020 in einem Interview mit [[Vladimir Vertlib]] für "Die Presse" (Quelle dieses Artikels).
    
Die Konflikte jener Zeit erfasste die ganze Familie. Eine Tante war überzeugte Nationalsozialistin und ein Cousin des Vaters war Hans Krebs, Gauleiter des Sudetenlandes (und zuletzt General der Infanterie, und letzter Generalstabschef des Heeres im Zweiten Weltkrieg). Dieser hohe NS-Funktionär war aber keinesfalls bereit, seinem jüdisch versippten Verwandten zu helfen. Aber schließlich durfte Vater Richard Schwarz, wenn auch degratiert vom Landesgerichtsrat zu einem Bezirksrichter, wieder in seinem Beruf arbeiten. Die Mutter wurde zwangskriegsverpflichtet und arbeitete in einer Munitionsfabrik, wobei sie jederzeit mit ihrer Verhaftung rechnen musste. Gegen Kriegsende wurde der Vater sogar noch zum Volkssturm eingezogen, wo er für das von ihm verhasste NS-Regime in den Endkampf ziehen musste. Sie judizierte er tagsüber und in der Nacht lag er in Schützengräben. Dabei zog er sich eine offene Tuberkulose zu und kam so schwer krank er nach Brünn.
 
Die Konflikte jener Zeit erfasste die ganze Familie. Eine Tante war überzeugte Nationalsozialistin und ein Cousin des Vaters war Hans Krebs, Gauleiter des Sudetenlandes (und zuletzt General der Infanterie, und letzter Generalstabschef des Heeres im Zweiten Weltkrieg). Dieser hohe NS-Funktionär war aber keinesfalls bereit, seinem jüdisch versippten Verwandten zu helfen. Aber schließlich durfte Vater Richard Schwarz, wenn auch degratiert vom Landesgerichtsrat zu einem Bezirksrichter, wieder in seinem Beruf arbeiten. Die Mutter wurde zwangskriegsverpflichtet und arbeitete in einer Munitionsfabrik, wobei sie jederzeit mit ihrer Verhaftung rechnen musste. Gegen Kriegsende wurde der Vater sogar noch zum Volkssturm eingezogen, wo er für das von ihm verhasste NS-Regime in den Endkampf ziehen musste. Sie judizierte er tagsüber und in der Nacht lag er in Schützengräben. Dabei zog er sich eine offene Tuberkulose zu und kam so schwer krank er nach Brünn.
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