| Zeile 3: |
Zeile 3: |
| | | | |
| | == Leben == | | == Leben == |
| − |
| |
| | Joseph Wölfl (später nannte er sich "Woelfl") wurde am 24. Dezember 1773 in Salzburg im [[Festungsgasse 4|Wohnhaus]] von [[Johann Michael Haydn]] geboren. Sein Vater war der Verwaltungsjurist Johann Paul Wölfl. In der Familie gab es einfache Adelige. Er stand im Dienste des Fürstbischofs und galt als der fähigste Beamte des [[Salzburger Hofstaat]]s<ref>Extrakt aus der Leutbeschreibung de anno 1773, geheimes Archiv (Hofangestellte) XXVII, 2. Kayviertl, Beschreibung No 105</ref> und war zuletzt Direktor der [[Landeskrankenhaus Salzburg|St. Johanns Spital]] in [[Mülln]]. | | Joseph Wölfl (später nannte er sich "Woelfl") wurde am 24. Dezember 1773 in Salzburg im [[Festungsgasse 4|Wohnhaus]] von [[Johann Michael Haydn]] geboren. Sein Vater war der Verwaltungsjurist Johann Paul Wölfl. In der Familie gab es einfache Adelige. Er stand im Dienste des Fürstbischofs und galt als der fähigste Beamte des [[Salzburger Hofstaat]]s<ref>Extrakt aus der Leutbeschreibung de anno 1773, geheimes Archiv (Hofangestellte) XXVII, 2. Kayviertl, Beschreibung No 105</ref> und war zuletzt Direktor der [[Landeskrankenhaus Salzburg|St. Johanns Spital]] in [[Mülln]]. |
| | | | |
| Zeile 17: |
Zeile 16: |
| | | | |
| | ==Lebenstationen== | | ==Lebenstationen== |
| − |
| |
| | === Warschau === | | === Warschau === |
| − |
| |
| | W.A. Mozart empfahl den Freund dem Fürsten Michał Kleofas Ogiński (* 1765; † 1833) in Warschau als Klavierlehrer. Dieser sollte mit seinen Kompositionen von Polonaisen so große Berühmtheit erlangen, dass noch heute die Polonaise in der russischen Sprache in Verbindung mit dem Familiennamen des Fürsten genannt wird (Полонез Огинска). Zwei Jahre später etablierte sich Woelfl in Warschau (Wohnung in der Marywil 8, 2. Stock) als selbständiger Musiker und wirkte daselbst bis zur III. Polnischen Teilung im Jahre 1795 so erfolgreich als Pianist und Klavierlehrer, dass er mit einem beträchtlichen Vermögen nach Wien zurückkehren konnte. In Warschau entstanden bereits eine Symphonie, ein Klavierkonzert, Klaviervariationen und weitere Klavierwerke. Am 26.10.1792 war ein Orchesterkonzert im Teatr publiczny ausschließlich seinen Werken gewidmet.<ref>Żórawska-Witkowska,A.: Muzyka na dworze i w teatrze Stanisława Avgusta, Warszawa 1995, S. 100.</ref>. | | W.A. Mozart empfahl den Freund dem Fürsten Michał Kleofas Ogiński (* 1765; † 1833) in Warschau als Klavierlehrer. Dieser sollte mit seinen Kompositionen von Polonaisen so große Berühmtheit erlangen, dass noch heute die Polonaise in der russischen Sprache in Verbindung mit dem Familiennamen des Fürsten genannt wird (Полонез Огинска). Zwei Jahre später etablierte sich Woelfl in Warschau (Wohnung in der Marywil 8, 2. Stock) als selbständiger Musiker und wirkte daselbst bis zur III. Polnischen Teilung im Jahre 1795 so erfolgreich als Pianist und Klavierlehrer, dass er mit einem beträchtlichen Vermögen nach Wien zurückkehren konnte. In Warschau entstanden bereits eine Symphonie, ein Klavierkonzert, Klaviervariationen und weitere Klavierwerke. Am 26.10.1792 war ein Orchesterkonzert im Teatr publiczny ausschließlich seinen Werken gewidmet.<ref>Żórawska-Witkowska,A.: Muzyka na dworze i w teatrze Stanisława Avgusta, Warszawa 1995, S. 100.</ref>. |
| | | | |
| | === Wien === | | === Wien === |
| − |
| |
| | Nach Wien zurückgekehrt, trat Woelfl als Pianist und Komponist von Opern, Klavier- und Kammermusikwerken an die Öffentlichkeit: Am [[21. November]] [[1795]] wurde seine Oper „Der Höllenberg“ im Freihaus-Theater auf der Wieden uraufgeführt, am [[5. Jänner]] [[1797]] der Einakter „Das schöne Milchmädchen“ im Kärntnerthor-Theater, am [[26. März]] [[1798]] kam im Freihaus-Theater auf der Wieden der Pasticcio „Liebe macht kurzen Prozeß“, zur Uraufführung, in dem die Hälfte der 14 Nummern von Woelfl stammt. Am [[3. Dezember]] [[1798]] wurde die Oper „Der Kopf ohne Mann“ im Freihaus-Theater auf der Wieden zum ersten Male präsentiert. Die Oper wurde in Prag nachgespielt und erregte dort auch wegen ihrer üppigen Ausstattung so großes Aufsehen, dass sie am 14. April im Hibernertheater in einer Neufassung in tschechischer Sprache eine weitere Premiere erlebte. Daneben entstand in Wien eine Fülle von Kammermusik und Klavierwerken, vom Kaiserhaus erging die Einladung, Tänze für die Hofbälle beizusteuern. Im Jahre 1798 kam es in der nahe Schönbrunn gelegenen Villa XEIPE des Freiherrn Raymund v. Wetzlar zu Plankenstern zu einem weithin beachteten Wettspiel mit Ludwig van Beethoven, in welchem, wie Zeitungsberichte belegen, Woelfl Beethoven sowohl im virtuosen Klavierspiel wie in der Improvisation auf den zweiten Platz verwies<ref>AmZ Bd. I No 33 vom 15. Mai 1799, S. 524f. </ref>. Dieser trug ihm dies jedoch nicht nach, sondern blieb ihm freundschaftlich verbunden. Im gleichen Jahre heiratete Woelfl die Schauspielerin Therese Klemm, die ihm 1799 eine Sohn gebar. Mit ihr hatte er eine Wohnung im Starhemberghaus auf der Wieden No 28 in unmittelbarer Nähe zu [[Emanuel Schikaneder|Schikaneders]] Freihaus-Theater. | | Nach Wien zurückgekehrt, trat Woelfl als Pianist und Komponist von Opern, Klavier- und Kammermusikwerken an die Öffentlichkeit: Am [[21. November]] [[1795]] wurde seine Oper „Der Höllenberg“ im Freihaus-Theater auf der Wieden uraufgeführt, am [[5. Jänner]] [[1797]] der Einakter „Das schöne Milchmädchen“ im Kärntnerthor-Theater, am [[26. März]] [[1798]] kam im Freihaus-Theater auf der Wieden der Pasticcio „Liebe macht kurzen Prozeß“, zur Uraufführung, in dem die Hälfte der 14 Nummern von Woelfl stammt. Am [[3. Dezember]] [[1798]] wurde die Oper „Der Kopf ohne Mann“ im Freihaus-Theater auf der Wieden zum ersten Male präsentiert. Die Oper wurde in Prag nachgespielt und erregte dort auch wegen ihrer üppigen Ausstattung so großes Aufsehen, dass sie am 14. April im Hibernertheater in einer Neufassung in tschechischer Sprache eine weitere Premiere erlebte. Daneben entstand in Wien eine Fülle von Kammermusik und Klavierwerken, vom Kaiserhaus erging die Einladung, Tänze für die Hofbälle beizusteuern. Im Jahre 1798 kam es in der nahe Schönbrunn gelegenen Villa XEIPE des Freiherrn Raymund v. Wetzlar zu Plankenstern zu einem weithin beachteten Wettspiel mit Ludwig van Beethoven, in welchem, wie Zeitungsberichte belegen, Woelfl Beethoven sowohl im virtuosen Klavierspiel wie in der Improvisation auf den zweiten Platz verwies<ref>AmZ Bd. I No 33 vom 15. Mai 1799, S. 524f. </ref>. Dieser trug ihm dies jedoch nicht nach, sondern blieb ihm freundschaftlich verbunden. Im gleichen Jahre heiratete Woelfl die Schauspielerin Therese Klemm, die ihm 1799 eine Sohn gebar. Mit ihr hatte er eine Wohnung im Starhemberghaus auf der Wieden No 28 in unmittelbarer Nähe zu [[Emanuel Schikaneder|Schikaneders]] Freihaus-Theater. |
| | | | |
| | === Konzertreisen === | | === Konzertreisen === |
| − |
| |
| | Von 1799 bis 1801 unternahm Woelfl von Wien aus umfangreiche Konzertreisen. Im Frühjahr 1799 konzertierte er in Prag, im April in Leipzig und danach in Dresden, wo sich eine viel kolportierte Geschichte zutrug: Wegen eines Gewitters konnte der Flügel nicht rechtzeitig in den Saal gebracht werden, und als er ankam, stand er einen halben Ton zu tief. Um die Hofkapelle nicht mit einer langwierigen Klavierstimmung aufzuhalten, erklärte sich Woelfl bereit, seinen Solopart adhoc um einen halben Ton höher zu spielen, was ihm trotz des hochvirtuosen Soloparts perfekt gelang. Am 14. Mai erreichte Woelfl Berlin, wo er als Pianist und Komponist brillierte. Zudem erwarb er sich einflussreiche Freunde. Von Juli bis November hielt sich Woelfl in Hamburg auf und konzertierte mit zahlreichen Prominenten, u. a. mit dem Ehepaar Righini. Von Dezember 1799 bis Februar 1800 kam er erneut nach Berlin; zuvor war er kurz in Lübeck aufgetreten. Danach kehrte er nach Hamburg zurück, wo er an seiner Oper „Das trojanische Pferd“ arbeitete. Im Sommer 1800 reiste Woelfl nach Halle, Magdeburg, Weimar, Leipzig und Breslau, kehrte nach Wien zurück, um im Herbst wieder in Breslau, Leipzig, Dresden und Berlin aufzutreten. Hier kam es in der Freimaurerloge Royal York am 10. Dezember zu jener denkwürdigen Badinage im Stile Abbé Voglers, in welcher Woelfl über Naturereignisse wie Sturm und Gewitter frei improvisierte und trotzdem der Improvisation eine fassbare musikalische Form zu geben verstand, wie die AmZ berichtete <ref>AmZ., Bd. III, No 14 vom 1. Jänner 1801, S. 237f.</ref>. Ein weiterer häufig erwähnter Vorfall trug sich bei einem Konzert in Mainz zu, wo Woelfl während eines Klavierabends durch eine vorüberziehende Militärkapelle gestört wurde. Woelfl unterbrach sein Spiel, ging auf den Militärmarsch ein und improvisierte zum Erstaunen des Publikums über seine Melodie virtuose Variationen. | | Von 1799 bis 1801 unternahm Woelfl von Wien aus umfangreiche Konzertreisen. Im Frühjahr 1799 konzertierte er in Prag, im April in Leipzig und danach in Dresden, wo sich eine viel kolportierte Geschichte zutrug: Wegen eines Gewitters konnte der Flügel nicht rechtzeitig in den Saal gebracht werden, und als er ankam, stand er einen halben Ton zu tief. Um die Hofkapelle nicht mit einer langwierigen Klavierstimmung aufzuhalten, erklärte sich Woelfl bereit, seinen Solopart adhoc um einen halben Ton höher zu spielen, was ihm trotz des hochvirtuosen Soloparts perfekt gelang. Am 14. Mai erreichte Woelfl Berlin, wo er als Pianist und Komponist brillierte. Zudem erwarb er sich einflussreiche Freunde. Von Juli bis November hielt sich Woelfl in Hamburg auf und konzertierte mit zahlreichen Prominenten, u. a. mit dem Ehepaar Righini. Von Dezember 1799 bis Februar 1800 kam er erneut nach Berlin; zuvor war er kurz in Lübeck aufgetreten. Danach kehrte er nach Hamburg zurück, wo er an seiner Oper „Das trojanische Pferd“ arbeitete. Im Sommer 1800 reiste Woelfl nach Halle, Magdeburg, Weimar, Leipzig und Breslau, kehrte nach Wien zurück, um im Herbst wieder in Breslau, Leipzig, Dresden und Berlin aufzutreten. Hier kam es in der Freimaurerloge Royal York am 10. Dezember zu jener denkwürdigen Badinage im Stile Abbé Voglers, in welcher Woelfl über Naturereignisse wie Sturm und Gewitter frei improvisierte und trotzdem der Improvisation eine fassbare musikalische Form zu geben verstand, wie die AmZ berichtete <ref>AmZ., Bd. III, No 14 vom 1. Jänner 1801, S. 237f.</ref>. Ein weiterer häufig erwähnter Vorfall trug sich bei einem Konzert in Mainz zu, wo Woelfl während eines Klavierabends durch eine vorüberziehende Militärkapelle gestört wurde. Woelfl unterbrach sein Spiel, ging auf den Militärmarsch ein und improvisierte zum Erstaunen des Publikums über seine Melodie virtuose Variationen. |
| | | | |
| | === Paris === | | === Paris === |
| − |
| |
| | Als Woelfl im Herbst 1801 in Paris eintraf, wurde er vom Journal de Paris bereits als „le fameux Wolff, l’un des hommes les plus étonnans de l’Europe, sur le piano“ begrüßt.<ref>Journal de Paris vom 5 Brumaire (= 11. Oktober) Xme Année de la Republique (=1801), in. Nouvelles concernant les Sciences, Lettres & Arts.</ref>. Hier setzte er sich für vier Jahre an die Spitze des Konzertlebens und trat sowohl als Komponist von Opern, Orchester- und Kammermusikwerken wie als Pianist hervor. Er nahm zuerst Wohnung in der Rue de Verneuil No 42/2, später in der Rue Taitbot Nr. 18. Schon kurz nach seiner Ankunft wurde er zu Konzerten in die Rue Cléry geladen, trat mit den bedeutendsten Musikern der Seine-Stadt wie Rode, Garat und Mde Berteau auf und glänzte als Komponist von Symphonien, Klavierkonzerten und Kammermusik. Am [[3. März]] [[1804]] erfolgte im Théâtre Feydeau die Uraufführung seiner Oper „L’Amour romanesque“, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Weniger glücklich gestaltete sich die Uraufführung seiner Oper „Fernand ou Les Maures“ am 22. Pluviôse (= 11. Februar) 1805 auf einen historischen Stoff um den spanischen König Ferdiand III. (* 1199; † 1252), der aufgrund mangelhafter Vorbereitung ein bleibender Erfolg versagt war. Der Aufführung wohnte die gesamte politische und künstlerische Prominenz von Paris bei, u. a. Kaiserin Josephine, die möglicherweise Klavierschülerin Woelfls gewesen ist. Spätestens mit dem Aufenthalt in Paris endete die Ehe mit Therese Klemm,die später nach Frankfurt am Main verpflichtet wurde und dort eine neue Ehe einging. | | Als Woelfl im Herbst 1801 in Paris eintraf, wurde er vom Journal de Paris bereits als „le fameux Wolff, l’un des hommes les plus étonnans de l’Europe, sur le piano“ begrüßt.<ref>Journal de Paris vom 5 Brumaire (= 11. Oktober) Xme Année de la Republique (=1801), in. Nouvelles concernant les Sciences, Lettres & Arts.</ref>. Hier setzte er sich für vier Jahre an die Spitze des Konzertlebens und trat sowohl als Komponist von Opern, Orchester- und Kammermusikwerken wie als Pianist hervor. Er nahm zuerst Wohnung in der Rue de Verneuil No 42/2, später in der Rue Taitbot Nr. 18. Schon kurz nach seiner Ankunft wurde er zu Konzerten in die Rue Cléry geladen, trat mit den bedeutendsten Musikern der Seine-Stadt wie Rode, Garat und Mde Berteau auf und glänzte als Komponist von Symphonien, Klavierkonzerten und Kammermusik. Am [[3. März]] [[1804]] erfolgte im Théâtre Feydeau die Uraufführung seiner Oper „L’Amour romanesque“, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Weniger glücklich gestaltete sich die Uraufführung seiner Oper „Fernand ou Les Maures“ am 22. Pluviôse (= 11. Februar) 1805 auf einen historischen Stoff um den spanischen König Ferdiand III. (* 1199; † 1252), der aufgrund mangelhafter Vorbereitung ein bleibender Erfolg versagt war. Der Aufführung wohnte die gesamte politische und künstlerische Prominenz von Paris bei, u. a. Kaiserin Josephine, die möglicherweise Klavierschülerin Woelfls gewesen ist. Spätestens mit dem Aufenthalt in Paris endete die Ehe mit Therese Klemm,die später nach Frankfurt am Main verpflichtet wurde und dort eine neue Ehe einging. |
| | | | |
| | === London === | | === London === |
| − |
| |
| | 1805 begab sich Woelfl nach London, wo die Konzertveranstalter darum wetteiferten, ihn für ihre Veranstaltungen zu gewinnen. Er trat im Opernhaus Covent-Garden, in Hyde’s Room, in den Hanover Square Rooms sowie im King’s Theatre auf, wo ihm der höchst ehrenvolle Auftrag zuteil wurde, das Fest-Ballett „Naval Victory or Triumph of Lord Nelson“ anlässlich des Sieges bei Trafalgar zu komponieren.<ref>The Times, no 6598, London, Friday, December 6, 1805</ref> In den Konzerten des Impresarios Salomon war er regelmäßig als Solist eigener Konzerte oder mit Solowerken zu hören. Zu seinen prominenten Partnern gehörten die Sängerinnen Storace, Griglietti und Dickons, das Ehepaar Dussek, die Harfenvirtuosen Dizi und Kollmann und der Geiger Bridgetower. Als Kuriosum sei seine Aufführung der Ouvertüre zu Mozarts „Zauberflöte“ auf der Orgel des Großen Konzertsaals des King’s Theatre am 28. Mai 1806 erwähnt. Nach drei Jahren galt Woelfl, der in der laufenden Saison bis zu dreimal pro Woche auftrat, als bedeutendster Musiker der Stadt und erzielte Einkünfte, die jene von J. Haydn, W. A. Mozart und L. v. Beethoven zusammengenommen überstiegen. Hier entstand der Hauptteil seiner Werke, in welchen alle Sparten der Musik von der Großen Oper bis hin zum kleinen Klavierstück berücksichtigt sind. In London ging Woelfl erneut eine Ehe ein, der ein Sohn entspross; seine Nachkommen sind bis in unsere Zeit in England feststellbar.Woelfl hatte in London vier Adressen: No 43, Gerrard Street, Soho; No 45, Rathbone Place; No 18, Sackville Road, Piccadilly und Great Mary-le-bone Street. | | 1805 begab sich Woelfl nach London, wo die Konzertveranstalter darum wetteiferten, ihn für ihre Veranstaltungen zu gewinnen. Er trat im Opernhaus Covent-Garden, in Hyde’s Room, in den Hanover Square Rooms sowie im King’s Theatre auf, wo ihm der höchst ehrenvolle Auftrag zuteil wurde, das Fest-Ballett „Naval Victory or Triumph of Lord Nelson“ anlässlich des Sieges bei Trafalgar zu komponieren.<ref>The Times, no 6598, London, Friday, December 6, 1805</ref> In den Konzerten des Impresarios Salomon war er regelmäßig als Solist eigener Konzerte oder mit Solowerken zu hören. Zu seinen prominenten Partnern gehörten die Sängerinnen Storace, Griglietti und Dickons, das Ehepaar Dussek, die Harfenvirtuosen Dizi und Kollmann und der Geiger Bridgetower. Als Kuriosum sei seine Aufführung der Ouvertüre zu Mozarts „Zauberflöte“ auf der Orgel des Großen Konzertsaals des King’s Theatre am 28. Mai 1806 erwähnt. Nach drei Jahren galt Woelfl, der in der laufenden Saison bis zu dreimal pro Woche auftrat, als bedeutendster Musiker der Stadt und erzielte Einkünfte, die jene von J. Haydn, W. A. Mozart und L. v. Beethoven zusammengenommen überstiegen. Hier entstand der Hauptteil seiner Werke, in welchen alle Sparten der Musik von der Großen Oper bis hin zum kleinen Klavierstück berücksichtigt sind. In London ging Woelfl erneut eine Ehe ein, der ein Sohn entspross; seine Nachkommen sind bis in unsere Zeit in England feststellbar.Woelfl hatte in London vier Adressen: No 43, Gerrard Street, Soho; No 45, Rathbone Place; No 18, Sackville Road, Piccadilly und Great Mary-le-bone Street. |
| | | | |
| Zeile 47: |
Zeile 40: |
| | | | |
| | == Der Pianist == | | == Der Pianist == |
| − |
| |
| | Im Wien des ausgehenden Jahrhunderts herrschte kein Mangel an qualifizierten Pianisten: Neben W. A. Mozart und L.v. Beethoven seien hier stellvertretend für Viele L. Koželuch, J. N. Hummel, J. L. Dussek und J. Eberl genannt. Als Woelfl 1795 nach Wien kam, wurde er aufgrund der Klarheit seines Anschlags und seiner brillanten Lauftechnik sofort als Mozart-Schüler erkannt. Er selbst steuerte Akkorde in weiter Lage, begünstig durch eine enorme Spannweite seiner Hände (Tredezime), Terzen- und Oktavpassagen sowie eine neuartige Sprungtechnik bei, die er eigenständig entwickelt hatte. Sie führt geradewegs zu F. Liszts Etüde „La Campanella“. Aber auch auf dem Felde der damals noch als Haupt-Kategorie gepflegten Improvisation wusste sich Woelfl zu behaupten, wie der Wettstreit mit Beethoven belegt. In den deutschen Musikzentren, in Paris und London wurde er als einer der führenden Pianisten seiner Zeit verehrt. In der Geschichte der Klaviermusik des 19. Jahrhunderts gilt er als wichtiges Vorbild für Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt; Beide haben nachweislich Woelfls Klaviermusik gekannt. In der britischen Musikgeschichte nimmt Woelfl als Begründer der Englischen Pianistenschule eine besondere Rolle ein. Ph. Cipriani H. Potter (*1792; † 1871) wurde frühzeitig sein Schüler, blieb bei ihm fünf Jahre und hat nach eigenen Angaben alles, was er konnte, bei Woelfl gelernt. Er wurde 1822 Klavierlehrer an der Royal Academy of Music und ab 1832 ihr Direktor, wo er unzählige englische Pianisten nach den Vorgaben Woelfls ausgebildet hat. Die von Woelfl verfasste „Méthode de Pianoforte“ Op. 56 zeigt ihn als konsequenten Pädagogen, der seine Schüler didaktisch zum virtuosen Klavierspiel führte. | | Im Wien des ausgehenden Jahrhunderts herrschte kein Mangel an qualifizierten Pianisten: Neben W. A. Mozart und L.v. Beethoven seien hier stellvertretend für Viele L. Koželuch, J. N. Hummel, J. L. Dussek und J. Eberl genannt. Als Woelfl 1795 nach Wien kam, wurde er aufgrund der Klarheit seines Anschlags und seiner brillanten Lauftechnik sofort als Mozart-Schüler erkannt. Er selbst steuerte Akkorde in weiter Lage, begünstig durch eine enorme Spannweite seiner Hände (Tredezime), Terzen- und Oktavpassagen sowie eine neuartige Sprungtechnik bei, die er eigenständig entwickelt hatte. Sie führt geradewegs zu F. Liszts Etüde „La Campanella“. Aber auch auf dem Felde der damals noch als Haupt-Kategorie gepflegten Improvisation wusste sich Woelfl zu behaupten, wie der Wettstreit mit Beethoven belegt. In den deutschen Musikzentren, in Paris und London wurde er als einer der führenden Pianisten seiner Zeit verehrt. In der Geschichte der Klaviermusik des 19. Jahrhunderts gilt er als wichtiges Vorbild für Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt; Beide haben nachweislich Woelfls Klaviermusik gekannt. In der britischen Musikgeschichte nimmt Woelfl als Begründer der Englischen Pianistenschule eine besondere Rolle ein. Ph. Cipriani H. Potter (*1792; † 1871) wurde frühzeitig sein Schüler, blieb bei ihm fünf Jahre und hat nach eigenen Angaben alles, was er konnte, bei Woelfl gelernt. Er wurde 1822 Klavierlehrer an der Royal Academy of Music und ab 1832 ihr Direktor, wo er unzählige englische Pianisten nach den Vorgaben Woelfls ausgebildet hat. Die von Woelfl verfasste „Méthode de Pianoforte“ Op. 56 zeigt ihn als konsequenten Pädagogen, der seine Schüler didaktisch zum virtuosen Klavierspiel führte. |
| | | | |
| | == Werke == | | == Werke == |
| − |
| |
| | Stand: August 2011, ISBN 978-3-9502760-1-5,Ordnungszahlen nach Haider-Dechant, Margit: Joseph Woelfl. Verzeichnis seiner Werke, Wien 2011. | | Stand: August 2011, ISBN 978-3-9502760-1-5,Ordnungszahlen nach Haider-Dechant, Margit: Joseph Woelfl. Verzeichnis seiner Werke, Wien 2011. |
| | Fw = Frühwerk, Op = Opus, WoO = Werk ohne Opuszahl | | Fw = Frühwerk, Op = Opus, WoO = Werk ohne Opuszahl |
| Zeile 429: |
Zeile 420: |
| | <references/> | | <references/> |
| | | | |
| − | {{SORTIERUNG: Woelfl, Joseph}} | + | {{SORTIERUNG:Woelfl, Joseph}} |
| | [[Kategorie:Person]] | | [[Kategorie:Person]] |
| | [[Kategorie:Person (Geschichte)]] | | [[Kategorie:Person (Geschichte)]] |
| Zeile 444: |
Zeile 435: |
| | [[Kategorie:Salzburgs Töchter und Söhne]] | | [[Kategorie:Salzburgs Töchter und Söhne]] |
| | [[Kategorie:Töchter und Söhne der Stadt Salzburg]] | | [[Kategorie:Töchter und Söhne der Stadt Salzburg]] |
| − | [[Kategorie:geboren 1773]] | + | [[Kategorie:Geboren 1773]] |
| | [[Kategorie:Gestorben 1812]] | | [[Kategorie:Gestorben 1812]] |