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| | Jüngere Forschungen (2009) hatten aber ergeben, dass er nicht mehr oder weniger Geld für Repräsentationen ausgab, als andere Fürsten der 89 geistlich-weltlichen Fürstentümer seinerzeit. Auch seine Umbaupläne für die Stadt Salzburg, der Abriss (mittelalterlicher) Häuser im Stadtkern (für den Domneubau) fielen nicht aus der Rolle im Vergleich zu den Vorgangsweisen anderen Fürst(erz)bischöfe von damals<ref>Quelle Beitrag [[Salzburg heute]] am 21. Februar 2009</ref> | | Jüngere Forschungen (2009) hatten aber ergeben, dass er nicht mehr oder weniger Geld für Repräsentationen ausgab, als andere Fürsten der 89 geistlich-weltlichen Fürstentümer seinerzeit. Auch seine Umbaupläne für die Stadt Salzburg, der Abriss (mittelalterlicher) Häuser im Stadtkern (für den Domneubau) fielen nicht aus der Rolle im Vergleich zu den Vorgangsweisen anderen Fürst(erz)bischöfe von damals<ref>Quelle Beitrag [[Salzburg heute]] am 21. Februar 2009</ref> |
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| − | Er hatte wegen seines unnachgiebigen Auftretens viele Konflikte, wurde wegen des [[Salzbergbau]]s in eine bewaffnete Auseinandersetzung mit [[Herzogtum Bayern|Bayern]] ([[Salzkrieg 1611]]) verwickelt. Trotz eines wohl ausgebildeten Heeres verließ den Fürsterzbischof in letzten Minute der Mut und er floh nach [[Kärnten]]. Bereits auf Kärntner Boden wurde er von den bayerischen Truppen jedoch gefangen genommen und resignierte am [[7. März]] [[1612]]. Sein Nachfolger, Markus Sittikus von Hohenems, hielt ihn bis zu seinem Tod in [[Festung Hohensalzburg|Hohensalzburg]] gefangen. Er hatte sich zu Lebzeiten schon sein eigenes Mausoleum, die [[Gabrielskapelle]] in dem von ihm [[1595]]–[[1600]] errichteten Sebastiansfriedhof gebaut. | + | Er hatte wegen seines unnachgiebigen Auftretens viele Konflikte, wurde wegen des [[Salzbergbau]]s in eine bewaffnete Auseinandersetzung mit [[Herzogtum Bayern|Bayern]] ([[Salzkrieg 1611]]) verwickelt. Trotz eines wohl ausgebildeten Heeres verließ den Fürsterzbischof in letzten Minute der Mut und er floh nach [[Kärnten]]. Bereits auf Kärntner Boden wurde er von den bayerischen Truppen jedoch gefangen genommen und resignierte am [[7. März]] [[1612]]. |
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| | + | Nach seiner Gefangennahme war zunächst nicht klar, in welcher Hand er nun war: in der Maximilians oder der der [[Domkapitel]]s? So wurde eine Gesandtschaft nach Rom geschickt. Einer der Teilnehmer war ein späterer Fürsterzbischof, nämlich [[Paris Graf von Lodron]]. Diese Kommission sollte die Frage der Schuldhaftigkeit Wolf Dietrichs klären. Daraufhin sandte Papst Paul V. den Spanier Antonio Diaz als außerordentlichen Nuntius nach Salzburg. Dieser kam am [[14. Februar]] [[1612]] in Salzburg an und übernahm dann am am [[23. Februar]] Wolf Dietrich offiziell als Gefangenen des Papstes. Schon im Sommer 1612 kam es zur Haftverschärfung, da man befürchtete, er könnte Kontakt zu protestantischen Fürsten aufnehmen und überhaupt hielt man Wolf Dietrich für einen gefährlichen Menschen. Ab nun durften seine drei Diener und zwei [[Franziskaner]] die Festungsräume nicht mehr verlassen. Von Juli bis September fand dann eine Art von Prozess statt. Schließlich wurde er seinem Nachfolger, [[Markus Sittikus von Hohenems]], übergeben, der ihn bis zu seinem Tod in [[Festung Hohensalzburg|Hohensalzburg]] gefangen hielt. |
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| | + | Die völlige Isolierung und die Haftbedingungen schlugen sich auf Dauer auf das Gemüt und die Gesundheit Wolf Dietrichs. Nachdem Gerüchte über seine schlechte Behandlung aufkamen, ließ Markus Sittikus im Sommer [[1614]] die Aussagen der auf der Festung stationierten Soldaten protokollieren. Diese gaben alle an, dass Wolf Dietrich in seiner Haft ein überaus angenehmes und seiner früheren Stellung entsprechendes Leben führen kann. Er hätte ausreichend zu essen und zu trinken und sein Gesundheitszustand sei zufriedenstellend. Sein Bruder Hans Werner von Raitenau hatte im Dezember 1614 nochmals bei der Kurie interveniert. Kardinal Scipio Borghese wies mit Schreiben vom [[17. Jänner]] [[1616]] den Salzburger Erzbischof an, dass Wolf Dietrich in der Haft alle Bequemlichkeiten genießen solle und Besuch empfangen dürfe sowie in den Genuss einer Pension kommen könne. Aber ein neuerliches Gutachten wies Wolf Dietrich immer noch als einen gefährlichen Unsicherheitsfaktor aus und überdies trete er die Ehre des Heiligen Stuhls mit Füßen. Also verlief seines Bruders Initiative im Sand. |
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| | + | Die immer verzweifelt werdende Lage des Gefangenen führte zu einem Befreiungsversuch, an dem die Familie Raitenau aber unbeteiligt gewesen sein dürfte. Soldaten wollten Wolf Dietrich befreien und zu seiner Familie bringen. Das Komplott wurde durch Zufall entdeckt und der Soldat Jakob Schnitzlechner hingerichtet. |
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| | + | Den Raitenauer Brüdern gelang es dann doch noch eine Besuchsgenehmigung zu erhalten und Wolf Dietrich beruhigte sich, resignierte innerlich und wurde sanft. Sein Beichtvater Gospelsrieder berichtete [[1617]], dass Wolf Dietrich seine Gefangenschaft zunehmend als Strafe Gottes annahm. Aussagen seiner Barbiere Johannes Strauß und Adam Stainer war zu entnehmen, dass Wolf Dietrich in seinen letzten Lebensjahren die Schuld alleine bei sich sah. Nicht das Erzstift oder Salome Alt wären seine Ziele gewesen, sondern seine Kinder, die er gerne bei sich gehabt hätte. |
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| | + | Bereits 1605 litt Wolf Dietrich unter epileptischen Anfällen. Einen Tag vor seinem Tod, am Morgen des [[15. Jänner]] 1617, führten Zuckungeneines epileptischen Anfalls zur linksseitigen Lähmung. Nach einer Wiederholung des Anfalls am nächsten Tag fiel er in Agonie und starb 58jährig noch am Vormittag. |
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| | + | Wolf Dietrich hatte sich zu Lebzeiten schon sein eigenes Mausoleum, die [[Gabrielskapelle]] in dem von ihm [[1595]]–[[1600]] errichteten Sebastiansfriedhof gebaut. Er hatte bereits um 1600 Verfügungen für ein äußerst bescheidenes Begräbnis getroffen. Aber sein Nachfolger missachtete diese Wünsche und es kam zu einem prunkvollen Begräbnis. |
| | [[Datei:Inschrift beim Sebastiansfriedhof.jpg|thumb|Erinnerungstafel an Wolf Dietrich beim Eingang zum Sebastiansfriedhof]] | | [[Datei:Inschrift beim Sebastiansfriedhof.jpg|thumb|Erinnerungstafel an Wolf Dietrich beim Eingang zum Sebastiansfriedhof]] |
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| | * [[Martin, Franz]]: ''Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst'', Salzburg 1952, S. 13-14. | | * [[Martin, Franz]]: ''Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst'', Salzburg 1952, S. 13-14. |
| | * Stahl, Eva: ''Wolf Dietrich von Salzburg, Weltmann auf dem Bischofsthron''. 3. Aufl. Wien, München 1987. | | * Stahl, Eva: ''Wolf Dietrich von Salzburg, Weltmann auf dem Bischofsthron''. 3. Aufl. Wien, München 1987. |
| | + | * [[Begleitbuch zur Salzburger Landesausstellung Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Gründer des barocken Salzburg.]], [[Reinhard R. Hanisch]]: ''Wolf Dietrichs Sturz und Gefangenschaft'', Seite 79f |
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| | ==== Einzelnachweise ==== | | ==== Einzelnachweise ==== |
| | <references/> | | <references/> |