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| − | '''Josef Thorak''' (* [[7. Februar]] [[1889]] in Wien]; † [[25. Februar|25.]] oder [[26. Februar]] [[1952]] auf Schloss Hartmannsberg am [[Chiemsee]], [[Bayern]]) war ein österreichischer Bildhauer (und einer der populärsten Bildhauer der nationalsozialistischen Ära). | + | '''Josef Thorak''' (* [[7. Februar]] [[1889]] in Wien; † [[25. Februar|25.]] oder [[26. Februar]] [[1952]] auf Schloss Hartmannsberg am [[Chiemsee]], [[Bayern]]) war ein österreichischer Bildhauer (und einer der populärsten Bildhauer der nationalsozialistischen Ära). |
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| | ==Leben== | | ==Leben== |
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| | Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Josef Thorak 1929 die Berlinerin Hilda Lubowski (* 16. Mai 1897 Bad Wilfersdorf<ref>Laut Reisepass</ref>). Diese war Jüdin, sodass dem Bildhauer, nachdem die Nationalsozialisten im Jahr 1933 die Macht ergriffen hatten, zunächst sämtliche Aufträge entzogen wurden. | | Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Josef Thorak 1929 die Berlinerin Hilda Lubowski (* 16. Mai 1897 Bad Wilfersdorf<ref>Laut Reisepass</ref>). Diese war Jüdin, sodass dem Bildhauer, nachdem die Nationalsozialisten im Jahr 1933 die Macht ergriffen hatten, zunächst sämtliche Aufträge entzogen wurden. |
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| − | Sogleich, im Jahr 1933, ließ sich Josef Thorak von Hilda scheiden. Eine Zeit lang lebte sie noch in seinem Haus, ehe sie sich zur Emigration gezwungen sah. Die Möglichkeit, eine persönliche „Sondergenehmigung“ Hitlers (Erlaubnis, weiterhin mit der jüdischen Frau zusammen zu leben), versuchte Thorak nicht zu nutzen. Seine Frau und der gemeinsame Sohn Peter emigrierten nach England und gelten als verschollen. | + | Sogleich, im Jahr 1933, ließ sich Josef Thorak von Hilda scheiden. Eine Zeit lang lebte sie noch in seinem Haus, ehe sie sich zur Emigration gezwungen sah. Die Möglichkeit, eine persönliche „Sondergenehmigung“ Hitlers (Erlaubnis, weiterhin mit der jüdischen Frau zusammen zu leben) zu erwirken, versuchte Thorak nicht zu nutzen. Seine Frau und der gemeinsame Sohn Peter emigrierten nach England und gelten als verschollen. |
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| − | Thorak stieg dank seiner den Nationalsozialisten zusagenden künstlerischen Handschrift und seinem Hang zur Monumentalplastik zu einem am meisten beschäftigten und geförderten Künstler des NS-Reiches auf. 1937 wurde er zum Professor an der Kunstakademie München ernannt. | + | Thorak stieg dank seinem den Nationalsozialisten zusagenden Stils und seinem Hang zur Monumentalplastik zu einem am meisten beschäftigten und geförderten Künstler des NS-Reiches auf. 1937 wurde er zum Professor an der Kunstakademie München ernannt. |
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| | Zu seinen für nationalsozialistische Auftraggeber geschaffenen Arbeiten gehören mehrere Darstellungen von Adolf Hitler, eine Skulptur „Siegesgöttin“ für das Nürnberger Reichsparteitagsgelände sowie die Figur „Mutter und Kind“ für das Lebensbornheim in Steinhöring. | | Zu seinen für nationalsozialistische Auftraggeber geschaffenen Arbeiten gehören mehrere Darstellungen von Adolf Hitler, eine Skulptur „Siegesgöttin“ für das Nürnberger Reichsparteitagsgelände sowie die Figur „Mutter und Kind“ für das Lebensbornheim in Steinhöring. |
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| | ==Das Atelier in Baldham== | | ==Das Atelier in Baldham== |
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| − | Adolf Hitler beschloss, Josef Thorak ein repräsentatives Staatsatelier zur Verfügung zu stellen. Deshalb beauftragte er 1938 den seinen Architekten Albert Speer, im [[Bayern|oberbayrischen]] Baldham ein Ateliergebäude für Thorak zu errichten. Da die Ausmaße von Thoraks Plastiken – mit bis zu 17 Metern Höhe – gewaltig waren, musste das Atelier sehr großzügig bemessen sein. Auch war es sehr komfortabel ausgestattet. Die Kosten betrugen nicht weniger als rund 500.000 Reichsmark. | + | Adolf Hitler beschloss, Josef Thorak ein repräsentatives Staatsatelier zur Verfügung zu stellen. Deshalb beauftragte er 1938 seinen Architekten Albert Speer, im [[Bayern|oberbayrischen]] Baldham ein Ateliergebäude für Thorak zu errichten. Da die Ausmaße von Thoraks Plastiken – mit bis zu 17 Metern Höhe – gewaltig waren, musste das Atelier sehr großzügig bemessen sein. Auch war es sehr komfortabel ausgestattet. Die Kosten betrugen nicht weniger als rund 500.000 Reichsmark. |
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| | ==Thorak und der Nationalsozialismus== | | ==Thorak und der Nationalsozialismus== |
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| | Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Thorak wegen seiner Nähe zum nationalsozialistischen Regime vor der Spruchkammer München angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe seinen Werken die nationalsozialistische Ideologie verbreitet und von der Gunst der Machthaber auch wirtschaftlich sehr profitiert. Er wurde jedoch in beiden Instanzen freigesprochen. | | Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Thorak wegen seiner Nähe zum nationalsozialistischen Regime vor der Spruchkammer München angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe seinen Werken die nationalsozialistische Ideologie verbreitet und von der Gunst der Machthaber auch wirtschaftlich sehr profitiert. Er wurde jedoch in beiden Instanzen freigesprochen. |
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| − | [[Datei:Thorak,_Pietà.jpg|thumb|300px|Josef Thorak: Pietà, Petersfriedhof]] | + | [[Datei:Thorak,_Pietà.jpg|thumb|300px|Josef Thorak: Pietà, [[Petersfriedhof]]]] |
| − | [[Datei:Thorak-Gruft_Reliefs.jpg|thumb|200px|Josef Thorak: Kreuz aus Reliefplatten mit Szenen aus der Passionsgeschichte, Petersfriedhof]] | + | [[Datei:Thorak-Gruft_Reliefs.jpg|thumb|300px|Josef Thorak: Kreuz aus Reliefplatten mit Szenen aus der Passionsgeschichte, Petersfriedhof]] |
| | ==Die Thorak-Grabstätte auf dem Petersfriedhof== | | ==Die Thorak-Grabstätte auf dem Petersfriedhof== |
| − | Für das Grab seiner Mutter Mathilde Thorak (1853-1948) schuf Josef Thorak auf dem [[Petersfriedhof]] das Skulpturenensemble Pieta. Die Darstellung führt die Kreuzabnahme, die Beweinung und die Grablegung Christi in gleicher Weise vor Augen. Die Jungfrau Maria hält ihren Sohn auf dem Schoß. Links kniet Maria Magdalena dargestellt, rechts der Jünger Johannes – in dessen jugendlich-kraftvoll-männlicher Gestalt sich der Bildhauer selbst zu verewigen getrachtet hat. | + | Für das Grab seiner Mutter Mathilde Thorak (1853-1948) schuf Josef Thorak auf dem [[Petersfriedhof]] das Skulpturenensemble ''Pietà''. Die Darstellung führt die Kreuzabnahme, die Beweinung Christi und die Grablegung in gleicher Weise vor Augen. Die Gottesmutter Maria hält ihren Sohn auf dem Schoß. Links kniet Maria Magdalena, rechts der Jünger Johannes – in dessen jugendlich-kraftvoll-männlicher Gestalt sich der Bildhauer selbst zu verewigen getrachtet hat. |
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| − | Die Steinfiguren hatte Thorak bereits im Jahr [[1945]] geschaffen und auf das Grab gestellt. Er selbst hat die Grabstätte und deren Ausstattung bestimmt, in der seine sterblichen Überreste einmal neben seiner geliebten Mutter ruhen sollten. | + | Die Steinfiguren hatte Thorak bereits im Jahr [[1945]] geschaffen und auf das Grab gestellt. Er selbst bestimmte die Grabstätte und deren Ausstattung, in der seine sterblichen Überreste einmal neben seiner geliebten Mutter ruhen sollten. |
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| − | Von Thoraks Ehefrauen – Witwe Erna Erna Thorak starb im Juni 2004 im Alter von 90 Jahren in Bayern – ist keine in dieser Gruft bestattet. | + | Von Thoraks Ehefrauen – Witwe Erna Erna Thorak starb im Juni 2004 im Alter von 90 Jahren in Bayern – ist keine in dieser Gruft bestattet. |
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| | ==Lebensende== | | ==Lebensende== |
| − | Josef Thorak starb im Alter von 63 Jahren auf Schloss Hartmannsberg bei Endorf am [[Chiemsee]]. Er wurde am [[29. Februar]] im Beisein führender Politiker von Stadt und Land sowie von Vertretern der Künstlerschaft auf dem Salzburger Petersfriedhof beigesetzt. | + | Josef Thorak starb im Alter von 63 Jahren auf Schloss Hartmannsberg bei Endorf am [[Chiemsee]]. Er wurde am [[29. Februar]] im Beisein führender Politiker von Stadt und Land sowie von Vertretern der Künstlerschaft auf dem Salzburger Petersfriedhof (Arkadengrab Nr. XXV) beigesetzt. |
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| | ==Würdigungen und Ehrungen== | | ==Würdigungen und Ehrungen== |