| Zeile 8: |
Zeile 8: |
| | | | |
| | ==Der Bausommer 1934== | | ==Der Bausommer 1934== |
| − | Mit Hochdruck trieb Wallack im kurzen Bausommer 1934 die Arbeiten zur Fertigstellung der Straße voran. Es fehlten nur noch wenige Kilometer zwischen dem Fuscher Törl und dem Hochtor. Noch zur Zeit des Hochgebirgswinters nahmen die Arbeiter von Kärnten und von Salzburg wieder ihre Arbeit auf. Das war am [[25. Mai]] 1934 – die Arbeiten am Hochtortunnel wurden wieder aufgenommen, wo noch im Spätnovember 1933 den Stollendurchschlag gelungen war. Mitte Juni konnte mit dem Tunnelanschlag des [[Mittertörltunnel]]s begonnen werden und am [[22. September]] 1934 gelang dem Salzburger Landeshauptmann die legendäre [[Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße|Erstbefahrung auf dem Unterbau der Glocknerstraße-Scheitelstrecke]] in einem [[Steyr 100, das Glocknerauto und Transasien-Expeditionsfahrzeug|Steyr 100]]. Das war einen Tag vor der Eröffnung des Bauabschnitts auf Salzburger Seite von [[Hochmais]] bis zum Fuscher Törl. | + | Mit Hochdruck trieb Wallack im kurzen Bausommer 1934 die Arbeiten zur Fertigstellung der Straße voran. Es fehlten nur noch wenige Kilometer zwischen dem Fuscher Törl und dem Hochtor. Noch zur Zeit des Hochgebirgswinters nahmen die Arbeiter von Kärnten und von Salzburg wieder ihre Arbeit auf. Das war am [[25. Mai]] 1934 – die Arbeiten am [[Hochtor (Tunnel)|Hochtortunnel]] wurden wieder aufgenommen, wo noch im Spätnovember 1933 den Stollendurchschlag gelungen war. Mitte Juni konnte mit dem Tunnelanschlag des [[Mittertörltunnel]]s begonnen werden und am [[22. September]] 1934 gelang dem Salzburger Landeshauptmann die legendäre [[Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße|Erstbefahrung auf dem Unterbau der Glocknerstraße-Scheitelstrecke]] in einem [[Steyr 100, das Glocknerauto und Transasien-Expeditionsfahrzeug|Steyr 100]]. Das war einen Tag vor der Eröffnung des Bauabschnitts auf Salzburger Seite von [[Hochmais]] bis zum Fuscher Törl. |
| | | | |
| | ==Die Edelweißstraße wird eröffnet == | | ==Die Edelweißstraße wird eröffnet == |
| − | Der Straßenabschnitt um den Törlkopf, der sich über dem Fuscher Törl erhebt, konnte erheblich günstiger ausgeführt werden als es Wallack geplant hatte. Mit den eingesparten 53.000 [[Schilling]] ließ Wallack im Sommer 1934 eine 1,6 Kilometer lange Stichstraße vom Parkplatz Fuscher Törl auf das „Poneck“ bauen. Doch Wallack gefiel der Name „Poneck“ nicht und so wählte er in Anlehnung der Bezeichnung „Edelweißleite“ des Südosthangs des Ponecks hinunter zum Fuscher Törl den heutigen Namen „[[Edelweißspitze]]“ und gab der Stichstraße den Namen „[[Edelweißstraße]]“. | + | Der Straßenabschnitt um den [[Törlkopf]], der sich über dem Fuscher Törl erhebt, konnte erheblich günstiger ausgeführt werden als es Wallack geplant hatte. Mit den eingesparten 53.000 [[Schilling]] ließ Wallack im Sommer 1934 eine 1,6 Kilometer lange Stichstraße vom Parkplatz Fuscher Törl auf das „Poneck“ bauen. Doch Wallack gefiel der Name „Poneck“ nicht und so wählte er in Anlehnung der Bezeichnung „Edelweißleite“ des Südosthangs des Ponecks hinunter zum Fuscher Törl den heutigen Namen „[[Edelweißspitze]]“ und gab der Stichstraße den Namen „[[Edelweißstraße]]“. |
| | | | |
| − | Am Sonntag, den 23. September 1934, erreichte gegen 10 Uhr Vormittag die Wagenkolonne der Eröffnungsgäste Ferleiten. Vorne erschien Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl in seinem „Überquerungswagen“, mit dem er tags zuvor die erste Befahrung durchgeführt hatte. Ihm folgten die Wagen des Bundespräsidenten Wilhelm Miklas, des Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg, der Minister, Diplomaten und Würdenträger. Wie eine Perlenkette reihten sich 343 Personenkraftwagen, 32 Autobusse und 318 Motorräder, die sich an der Zielfahrt zur heutigen Eröffnung beteiligt hatten, die der [[SAMTC|Salzburger Automobil- und Touringklub]] ausgeschrieben hatte, auf der Großglockner Hochalpenstraße auf. | + | Am Sonntag, den 23. September 1934, erreichte gegen 10 Uhr Vormittag die Wagenkolonne der Eröffnungsgäste Ferleiten. Vorne erschien Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl in seinem „Überquerungswagen“, mit dem er tags zuvor die erste Befahrung durchgeführt hatte. Ihm folgten die Wagen des Bundespräsidenten Wilhelm Miklas, des Bundeskanzlers [[Kurt Schuschnigg]], der Minister, Diplomaten und Würdenträger. Wie eine Perlenkette reihten sich 343 Personenkraftwagen, 32 Autobusse und 318 Motorräder, die sich an der Zielfahrt zur heutigen Eröffnung beteiligt hatten, die der [[SAMTC|Salzburger Automobil- und Touringklub]] ausgeschrieben hatte, auf der Großglockner Hochalpenstraße auf. |
| | | | |
| | == Die Feierlichkeiten == | | == Die Feierlichkeiten == |
| | Nachdem Ing. Wallack dem Bundespräsidenten die Fertigstellung des neuen Bauabschnittes gemeldet hatte, setzte er sich in den Steyr 100 zum Landeshauptmann und die Kolonne kroch bergwärts. Nur die wichtigsten Fahrzeuge durften auf die Edelweißspitze fahren, da dort der Parkraum sehr begrenzt ist. Die anderen Fahrzeuge reihten sich entlang des Straßenabschnitts im oberen Nassfeld und um den Törlkopf auf. Nach einer kurzen Gipfelrast auf der Edelweißspitze versammelten sich die mittlerweile auf rund 8 000 Personen angewachsene Menschenmenge am Parkplatz Fuscher Törl. | | Nachdem Ing. Wallack dem Bundespräsidenten die Fertigstellung des neuen Bauabschnittes gemeldet hatte, setzte er sich in den Steyr 100 zum Landeshauptmann und die Kolonne kroch bergwärts. Nur die wichtigsten Fahrzeuge durften auf die Edelweißspitze fahren, da dort der Parkraum sehr begrenzt ist. Die anderen Fahrzeuge reihten sich entlang des Straßenabschnitts im oberen Nassfeld und um den Törlkopf auf. Nach einer kurzen Gipfelrast auf der Edelweißspitze versammelten sich die mittlerweile auf rund 8 000 Personen angewachsene Menschenmenge am Parkplatz Fuscher Törl. |
| | | | |
| − | Nach einem Salutschuss einer Gebirgsbatterie, die am Fuscher Törl in Stellung gegangen war, begann eine feierliche Feldmesse in rund 2 400 m ü. A., bei der der Salzburger Kammersänger [[Richard Mayr]] (* 1877; † 1935) ohne jede Begleitung die ersten beiden Strophen Goethes „Talismane“ nach der Vertonung von Schubert sang. Über dem Fuscher Törl kreiste [[Ulrich Ferdinand Fürst Kinsky]] (* 1893; † 1938), der Präsident des Österreichischen Aero-Clubs, in seinem Sportflugzeug. | + | Nach einem Salutschuss einer Gebirgsbatterie, die am Fuscher Törl in Stellung gegangen war, begann eine feierliche Feldmesse in rund 2 400 m ü. A., bei der der Salzburger Kammersänger [[Richard Mayr]] (* 1877; † 1935) ohne jede Begleitung die ersten beiden Strophen Goethes „Talismane“ nach der Vertonung von Schubert sang. Über dem Fuscher Törl kreiste [[Ulrich Ferdinand Fürst Kinsky]] (* 1893; † 1938), der Präsident des [[Österreichischer Aero-Club|Österreichischen Aero-Clubs]], in seinem Sportflugzeug. |
| | | | |
| | Franz Wallack schreibt dazu in seinem Buch über die Baugeschichte: „''Eine große Zahl von Lautsprechern ließ diese Worte feierlich in den Äther hinaustönen. Ernst und schweigend blickten die Dreitausender, darunter auch der Großglockner als ihr König, auf den Festplatz und die 8 000 Menschen herunter, die hier einen Festtag begingen, der sie weit weg von der Enge des Alltags in die herrliche Gottesnatur geführt hatte.''“ | | Franz Wallack schreibt dazu in seinem Buch über die Baugeschichte: „''Eine große Zahl von Lautsprechern ließ diese Worte feierlich in den Äther hinaustönen. Ernst und schweigend blickten die Dreitausender, darunter auch der Großglockner als ihr König, auf den Festplatz und die 8 000 Menschen herunter, die hier einen Festtag begingen, der sie weit weg von der Enge des Alltags in die herrliche Gottesnatur geführt hatte.''“ |