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| | == Geschichte == | | == Geschichte == |
| | === Eine Barackenstadt für Kriegsgefangene === | | === Eine Barackenstadt für Kriegsgefangene === |
| − | Am [[4. Februar]] 1915 berichtete das Deutsche Volksblatt: <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dvb&datum=19150204&seite=17&zoom=33&query=%22Lagerkommandant%22%2B%22Gr%C3%B6dig%22&ref=anno-search ANNO], Deutsches Volksblatt, 4. Februar 1915, Seite 17</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ftz&datum=19150326&query=%22Baracken%22+%22Heuberger%22&ref=anno-search&seite=3 ANNO], Österreichische Forst-Zeitung, 26. März 1915, Seite 3</ref> | + | Am [[4. Februar]] 1915 berichtete das Deutsche Volksblatt: <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dvb&datum=19150204&seite=17&zoom=33&query=%22Lagerkommandant%22%2B%22Gr%C3%B6dig%22&ref=anno-search ANNO], Deutsches Volksblatt, 4. Februar 1915, Seite 17</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ftz&datum=19150326&query=%22Baracken%22+%22Heuberger%22&ref=anno-search&seite=3 ANNO], Österreichische Forst-Zeitung, 26. März 1915, Seite 3</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ftz&datum=19150326&query=%22Baracken%22+%22Heuberger%22&ref=anno-search&seite=3 ANNO], Österreichische Forst-Zeitung, 26. März 1915, Seite 3</ref> |
| | <blockquote>''An der Strecke der [[Rote Elektrische|elektrischen Lokalbahn]] nach [[Berchtesgaden]] zwischen Orten [[Anif]] und [[Grödig]] ist seit Dezember eine Stadt im Erstehen, eine Barackenstadt, die der Unterbringung kriegsgefangener Russen dienen soll. Vorgesehen ist die Unterbringung eines Wachdetachements von 1 200 Mann und des erforderlichen militärischen und administrativen Personales für den Betrieb des Lagers, in den, Unterkünfte für 200 kriegsgefangene Offiziere und von 35 000 Mannschaft-Personen hergestellt werden. Auf dem einen Flächenkilometer großen Bauplatz werden 200 Baracken erbaut, die zum Teile schon fertiggestellt sind. Das ganze Lager musste am [[31. Jänner]] für 20 000 Gefangene aufnahmefähig sein. Die Baracken sind Holzriegelbauten mit doppelter Vollverschalung. Die innere Holzverschalung ist bei den Kanzleiräumen, Kranken- sowie Offiziersbaracken aus Schönheitsrücksichten und hygienischen Gründen aus Eternittafeln hergestellt. Die äußeren Wände der Baracken und die Dächer sind mit Dachpappe verkleidet. Die Räume sind heizbar. Die Gesamtkosten der Herstellung des Barackenlagers werden sich auf etwa 2½ Millionen [[Krone|Kronen]] stellen.'' | | <blockquote>''An der Strecke der [[Rote Elektrische|elektrischen Lokalbahn]] nach [[Berchtesgaden]] zwischen Orten [[Anif]] und [[Grödig]] ist seit Dezember eine Stadt im Erstehen, eine Barackenstadt, die der Unterbringung kriegsgefangener Russen dienen soll. Vorgesehen ist die Unterbringung eines Wachdetachements von 1 200 Mann und des erforderlichen militärischen und administrativen Personales für den Betrieb des Lagers, in den, Unterkünfte für 200 kriegsgefangene Offiziere und von 35 000 Mannschaft-Personen hergestellt werden. Auf dem einen Flächenkilometer großen Bauplatz werden 200 Baracken erbaut, die zum Teile schon fertiggestellt sind. Das ganze Lager musste am [[31. Jänner]] für 20 000 Gefangene aufnahmefähig sein. Die Baracken sind Holzriegelbauten mit doppelter Vollverschalung. Die innere Holzverschalung ist bei den Kanzleiräumen, Kranken- sowie Offiziersbaracken aus Schönheitsrücksichten und hygienischen Gründen aus Eternittafeln hergestellt. Die äußeren Wände der Baracken und die Dächer sind mit Dachpappe verkleidet. Die Räume sind heizbar. Die Gesamtkosten der Herstellung des Barackenlagers werden sich auf etwa 2½ Millionen [[Krone|Kronen]] stellen.'' |
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| | ''Die Einfriedung des Gefangenenlagers besteht aus einem 2,5 Meter hohen Stacheldrahtzaun, dessen unterer Teil aus einem Drahtgeflechte besteht, um ein Durchkriechen zu verhindern. Die Länge der äußeren und der im Inneren notwendigen Einfriedung wird auf sechs Kilometer geschätzt.''</blockquote> | | ''Die Einfriedung des Gefangenenlagers besteht aus einem 2,5 Meter hohen Stacheldrahtzaun, dessen unterer Teil aus einem Drahtgeflechte besteht, um ein Durchkriechen zu verhindern. Die Länge der äußeren und der im Inneren notwendigen Einfriedung wird auf sechs Kilometer geschätzt.''</blockquote> |
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| | + | <blockquote>''Vierzig Baracken wurden bereits an Baufirmen vergeben. Diese Baracken werden, weil eine Übereinkunft mit den Grundbesitzern nicht erzielt werden konnten, nicht anschließend an die anderen 200 Baracken gebaut, sondern am Fuße des Untersberges zwischen St. Leonhard und der oberen Mühle der Zementfabrik der Gebrüder [[Leube]] links vom Werkkanal dieser Firma entstehen.''</blockquote> |
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| | + | Am [[10 Februar]] 1915 berichtete die Salzburger Chronik:<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref><blockquote>''Um die bedeutende Anzahl russischer Kriegsgefangener unterbringen zu können, erschien es notwendig, eine weitere große Barackenanlage zu schaffen. Es werden nun zwischen dem Almkanal in St. Leonhard und dem Fuße des Untersberges 100 weitere Baracken für russische Kriegsgefangene errichtet werden. Die Felder, auf denen die Baracken erbaut werden, gehören zum Großteil Bauern von St. Leonhard. Der Plan ist bereits ausgearbeitet. Es wird sich als notwendig ergeben, einen Teil des Waldes zu schlägern.''</blockquote> |
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| | Am [[10, Februar]] 1915 berichtete die Salzburger Chronik:<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref> </br> | | Am [[10, Februar]] 1915 berichtete die Salzburger Chronik:<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref> </br> |
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| | Schon am Anfang des Ersten Weltkriegs begann man in Österreich mit der Errichtung von Kriegsgefangenenlager. | | Schon am Anfang des Ersten Weltkriegs begann man in Österreich mit der Errichtung von Kriegsgefangenenlager. |
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| − | Lager I (in Grödig) und Lager II (in [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]]) waren nur für Kriegsgefangene. Das Lager I umfasste zunächst 50 Wohnbaracken. Es erstreckte sich östlich des Marktzentrums von Grödig. Zur Errichtung des Barackenlagers I wurden 92 Joch Grund in der Nähe der [[Pestkapelle Grödig]] gepachtet. | + | Lager I (in Grödig; ca. 160 Baracken) und Lager II (in [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]], ca. 100 Baracken) waren nur für Kriegsgefangene. Das Lager I umfasste zunächst 50 Wohnbaracken. Es erstreckte sich östlich des Marktzentrums von Grödig. Zur Errichtung des Barackenlagers I wurden 92 Joch Grund in der Nähe der [[Pestkapelle Grödig]] gepachtet. |
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| | Die Arbeiten wurden unter der Leitung des Architekten Gangl an folgende Firmen vergeben: Baumeister [[Valentin Ceconi & Sohn|Ceconi]] und [[Franz Wagner (senior)|Franz Wagner]] für Beton- und Pflasterarbeiten, ferner Stadtzimmermeister I. Bachinger, Salzburg, [[Fürstenweg (Salzburg)|Fürstenweg]], und [[Heuberger]], [[Thalgau]], und Stadtzimmermeister M. Kirschbichler, [[Oberndorf]]; namens der übrigen Salzburger Zimmermeister und Unternehmer Pürmoser aus [[Kufstein]]. Für die Errichtung wurde durch die [[Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft]] ein Industriegleis dorthin gelegt. Die Errichtung war für 150 Arbeiter eine lohnende Beschäftigung. Zum sofortigen Antritt wurden 150 Erdarbeiter, Maurer, Schlosser, Spengler, Zimmerer etc. um guten Lohn gesucht. Das Gefangenenlager musste eine kleine Stadt werden, mussten doch 144 Baracken und drei Hütten für die Wachmannschaft erbaut werden. Einzelne Baracken boten für 300, ein Teil der Baracken für 400 Männer Platz. Der Bezug der Anlage war für Anfang Februar [[1915]] festgesetzt. Für die Errichtung wurde durch die Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft ein Industriegleis dorthin gelegt.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150102&query=%22Barackenbauten%22+%22Heuberger%22&seite=7 ANNO], [[Volksfreund]], 2. Jänner 1915, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141226&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], [[Salzburger Volksblatt]], 26. Dezember 1914, Seite 4]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141228&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Volksblatt, 28. Dezember 1914, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19141229&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], [[Salzburger Chronik]], 29. Dezember 1914, Seite 5]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19150113&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Wacht, 13. Jänner 1915, Seite 5]</ref> | | Die Arbeiten wurden unter der Leitung des Architekten Gangl an folgende Firmen vergeben: Baumeister [[Valentin Ceconi & Sohn|Ceconi]] und [[Franz Wagner (senior)|Franz Wagner]] für Beton- und Pflasterarbeiten, ferner Stadtzimmermeister I. Bachinger, Salzburg, [[Fürstenweg (Salzburg)|Fürstenweg]], und [[Heuberger]], [[Thalgau]], und Stadtzimmermeister M. Kirschbichler, [[Oberndorf]]; namens der übrigen Salzburger Zimmermeister und Unternehmer Pürmoser aus [[Kufstein]]. Für die Errichtung wurde durch die [[Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft]] ein Industriegleis dorthin gelegt. Die Errichtung war für 150 Arbeiter eine lohnende Beschäftigung. Zum sofortigen Antritt wurden 150 Erdarbeiter, Maurer, Schlosser, Spengler, Zimmerer etc. um guten Lohn gesucht. Das Gefangenenlager musste eine kleine Stadt werden, mussten doch 144 Baracken und drei Hütten für die Wachmannschaft erbaut werden. Einzelne Baracken boten für 300, ein Teil der Baracken für 400 Männer Platz. Der Bezug der Anlage war für Anfang Februar [[1915]] festgesetzt. Für die Errichtung wurde durch die Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft ein Industriegleis dorthin gelegt.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150102&query=%22Barackenbauten%22+%22Heuberger%22&seite=7 ANNO], [[Volksfreund]], 2. Jänner 1915, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141226&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], [[Salzburger Volksblatt]], 26. Dezember 1914, Seite 4]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141228&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Volksblatt, 28. Dezember 1914, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19141229&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], [[Salzburger Chronik]], 29. Dezember 1914, Seite 5]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19150113&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Wacht, 13. Jänner 1915, Seite 5]</ref> |
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| | Die meisten Gefangenen und Internierten waren [[Russland|Russen]], weshalb bald die Bezeichnung ''Russenlager'' aufkam. Davon abgeleitet ist wiederum der Beiname ''Russenfriedhof'' für den [[Lagerfriedhof Grödig|Lagerfriedhof]]. Neben Menschen aus dem Osten, waren auch [[Serbien|Serben]] vom Balkan und später auch [[Italien]]er inhaftiert. | | Die meisten Gefangenen und Internierten waren [[Russland|Russen]], weshalb bald die Bezeichnung ''Russenlager'' aufkam. Davon abgeleitet ist wiederum der Beiname ''Russenfriedhof'' für den [[Lagerfriedhof Grödig|Lagerfriedhof]]. Neben Menschen aus dem Osten, waren auch [[Serbien|Serben]] vom Balkan und später auch [[Italien]]er inhaftiert. |
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| − | Am [[3. März]] 1915 begann man mit der Errichtung des Lagers II, das sich westlich des [[Almkanal]]s zwischen [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]] im Süden von Grödig und dem [[Drachenloch]] erstreckte. | + | Am [[3. März]] 1915 begann man mit der Errichtung des Lagers II I (mit 100 Baracken), das sich westlich des [[Almkanal]]s zwischen [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]] im Süden von Grödig und dem [[Drachenloch]] erstreckte. |
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| | Das [[Lager Niederalm|Lager III]] (in [[Niederalm]]) war für Flüchtlinge aus den Gebieten der östlichen [[Habsburgermonarchie|Donaumonarchie]] in [[Galizien]] und der [[Bukowina]] vorgesehen. | | Das [[Lager Niederalm|Lager III]] (in [[Niederalm]]) war für Flüchtlinge aus den Gebieten der östlichen [[Habsburgermonarchie|Donaumonarchie]] in [[Galizien]] und der [[Bukowina]] vorgesehen. |