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| − | [[Datei:Lager Grödig I.jpg|thumb|Blick auf das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig I.]] | + | [[Datei:Lager Grödig I.jpg|thumb|Blick auf das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig I.]] |
| | [[Bild:Neu-Anif 002.jpg|thumb|k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig]] | | [[Bild:Neu-Anif 002.jpg|thumb|k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig]] |
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| | == Geschichte == | | == Geschichte == |
| | === Eine Barackenstadt für Kriegsgefangene === | | === Eine Barackenstadt für Kriegsgefangene === |
| − | Am [[4. Februar]] 1915 berichtete das Deutsche Volksblatt: <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dvb&datum=19150204&seite=17&zoom=33&query=%22Barackenstadt%22%2B%22Gr%C3%B6dig%22 ANNO], Deutsches Volksblatt, 4. Februar 1915, Seite 17</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dvb&datum=19150205&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=14 ANNO], Deutsches Volksblatt, 5. Februar 1915, Seite 14</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ftz&datum=19150326&query=%22Baracken%22+%22Heuberger%22&ref=anno-search&seite=3 ANNO], Österreichische Forst-Zeitung, 26. März 1915, Seite 3</ref> </br> | + | Am [[4. Februar]] 1915 berichtete das Deutsche Volksblatt: <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dvb&datum=19150204&seite=17&zoom=33&query=%22Lagerkommandant%22%2B%22Gr%C3%B6dig%22&ref=anno-search ANNO], Deutsches Volksblatt, 4. Februar 1915, Seite 17</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ftz&datum=19150326&query=%22Baracken%22+%22Heuberger%22&ref=anno-search&seite=3 ANNO], Österreichische Forst-Zeitung, 26. März 1915, Seite 3</ref> |
| − | <blockquote>''An der Strecke der [[Rote Elektrische|elektrischen Lokalbahn]] nach [[Berchtesgaden]] zwischen Orten [[Anif]] und [[Grödig]] ist seit Dezember eine Stadt im Erstehen, eine Barackenstadt, die der Unterbringung kriegsgefangener Russen dienen soll. Vorgesehen ist die Unterbringung eines Wachdetachements von 1 200 Mann und des erforderlichen militärischen und administrativen Personales für den Betrieb des Lagers, in den, Unterkünfte für 200 kriegsgefangene Offiziere und von 35 000 Mannschaft-Personen hergestellt werden. Auf dem einen Flächenkilometer großen Bauplatz werden 200 Baracken erbaut, die zum Teile schon fertiggestellt sind. Das ganze Lager musste am [[31. Jänner]] für 20 000 Gefangene aufnahmefähig sein. Die Baracken sind Holzriegelbauten mit doppelter Vollverschalung. Die innere Holzverschalung ist bei den Kanzleiräumen, Kranken- sowie Offiziersbaracken aus Schönheitsrücksichten und hygienischen Gründen aus Eternittafeln hergestellt. Die äußeren Wände der Baracken und die Dächer sind mit Dachpappe verkleidet. Die Räume sind heizbar. Die Gesamtkosten der Herstellung des Barackenlagers werden sich auf etwa 2½ Millionen [[Krone|Kronen]] stellen.'' </br> | + | <blockquote>''An der Strecke der [[Rote Elektrische|elektrischen Lokalbahn]] nach [[Berchtesgaden]] zwischen Orten [[Anif]] und [[Grödig]] ist seit Dezember eine Stadt im Erstehen, eine Barackenstadt, die der Unterbringung kriegsgefangener Russen dienen soll. Vorgesehen ist die Unterbringung eines Wachdetachements von 1 200 Mann und des erforderlichen militärischen und administrativen Personales für den Betrieb des Lagers, in den, Unterkünfte für 200 kriegsgefangene Offiziere und von 35 000 Mannschaft-Personen hergestellt werden. Auf dem einen Flächenkilometer großen Bauplatz werden 200 Baracken erbaut, die zum Teile schon fertiggestellt sind. Das ganze Lager musste am [[31. Jänner]] für 20 000 Gefangene aufnahmefähig sein. Die Baracken sind Holzriegelbauten mit doppelter Vollverschalung. Die innere Holzverschalung ist bei den Kanzleiräumen, Kranken- sowie Offiziersbaracken aus Schönheitsrücksichten und hygienischen Gründen aus Eternittafeln hergestellt. Die äußeren Wände der Baracken und die Dächer sind mit Dachpappe verkleidet. Die Räume sind heizbar. Die Gesamtkosten der Herstellung des Barackenlagers werden sich auf etwa 2½ Millionen [[Krone|Kronen]] stellen.'' |
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| | ''Das ganze Lager ist in folgende Gruppen geteilt: 1. Die Offizierswohngebände und Kanzleiräume, 2. Mannschaftsunterkünfte mit den notwendigen Nebenerfordernissen 3. die Bäckereien und Magazingebäude, 4. Krankenbaracken mit Nebenerfordernissen, 5. Infektionsbaracken mit Nebenerfordernissen und 6. Bade-, Wäscherei und Marketendereibaracken. An allen vier Ecken des Lagers sind die ein Wachtgebäude für 400 bis 500 Wachtpersonen und 4 Offiziere projektiert. Auch für Feuerlöschrequisiten ist ein eigenes Objekt hergestellt, in dem auch die Reinigungsapparate für die Reinigung der Senkgruben untergebracht werden.'' </br> | | ''Das ganze Lager ist in folgende Gruppen geteilt: 1. Die Offizierswohngebände und Kanzleiräume, 2. Mannschaftsunterkünfte mit den notwendigen Nebenerfordernissen 3. die Bäckereien und Magazingebäude, 4. Krankenbaracken mit Nebenerfordernissen, 5. Infektionsbaracken mit Nebenerfordernissen und 6. Bade-, Wäscherei und Marketendereibaracken. An allen vier Ecken des Lagers sind die ein Wachtgebäude für 400 bis 500 Wachtpersonen und 4 Offiziere projektiert. Auch für Feuerlöschrequisiten ist ein eigenes Objekt hergestellt, in dem auch die Reinigungsapparate für die Reinigung der Senkgruben untergebracht werden.'' </br> |
| − | ''In der ersten Abteilung befinden sich vier Wohnbaracken für kriegsgefangene Offiziere und zwei Kanzleibaracken. In den Offiziersbaracken ist Platz für je 50 Offiziere, wobei Stabsoffiziere und Hauptleute einzeln, die übrigen zu zweien in kleinen Wohnzimmern untergebracht werden. In jeder Offiziersbaracke befindet sich ein geräumige Speisesaal, Klicke. Speisekammer, Wohnzimmer für den Koch, Bad und Klosetts. In den Kanzleigebäuden befinden sich eine Reihe Kanzleiräumlichkeiten und die notwendigen Klosettanlagen.'' </br> | + | ''In der ersten Abteilung befinden sich vier Wohnbaracken für kriegsgefangene Offiziere und zwei Kanzleibaracken. In den Offiziersbaracken ist Platz für je 50 Offiziere, wobei Stabsoffiziere und Hauptleute einzeln, die übrigen zu zweien in kleinen Wohnzimmern untergebracht werden. In jeder Offiziersbaracke befindet sich ein geräumige Speisesaal, Klicke. Speisekammer, Wohnzimmer für den Koch, Bad und Klosetts. In den Kanzleigebäuden befinden sich eine Reihe Kanzleiräumlichkeiten und die notwendigen Klosettanlagen.'' |
| − | ''Die Mannschaftsunterkünfte zerfallen in fünf gleiche Gruppen, von denen jede im normalen Belage 4000 Personen und im gedrängten Belage — bei Ausnützung der Speischallen und Werkstätten als Wohnräume —7000 Personen aufnehmen kann. Eine einzelne Gruppe der Mannschaftsbaracken besteht aus zehn Wohnbaracken, zwei Speisehallen, zwei Küchenbaracken, zwei Werkstätten- und zwei Abortbaracken. Jede Gruppe lässt sich in zwei gleiche Teile teilen. In den Küchenbaracken ist eine Trennung in Küchen- und Waschräume derart durchgeführt, dass zu jeder Wohn-, Speisehallen- und Werkstätten-Baracke je ein Küchen- und Waschraum gehört und bei einer Gruppe sodann noch zwei Küchenabteilungen für Warmwasserbereitung erübrigen. Bei normalem Belage wird in den überzähligen Küchenabteilungen Tee bereitet. Die Speisehallen dienen auch zur gelegentlichen Abhaltung des Gottesdienstes und Unterrichtes sowie allfällig neben den Werkstattbaracken auch als Beschäftigungsräume.'' | + | |
| − | ''Die Bäckereiabteilung besteht aus vier großen, gemauerten Backöfen und den erforderlichen Arbeits-, Magazins- und Nebenräumen. In einem Pumpenhause sind die Kanzleiräume für den Bäckereibetrieb, die Unterkunftsräume für das Sanitätspersonal, ein großer Schachtbrunnen und ein hochliegendes Reservoir untergebracht. Durch eine maschinelle Anlage wird das Wasser aus dem Schachbrunnen in das Reservoir gepumpt und gelangt von dort durch eine Rohrleitung zu den Verwendungsstellen in den Bäckereibaracken. Außerdem sind vier große Magazinbaracken vorgesehen.'' </br> | + | ''Die Mannschaftsunterkünfte zerfallen in fünf gleiche Gruppen, von denen jede im normalen Belage 4 000 Personen und im gedrängten Belage — bei Ausnützung der Speischallen und Werkstätten als Wohnräume — 7 000 Personen aufnehmen kann. Eine einzelne Gruppe der Mannschaftsbaracken besteht aus zehn Wohnbaracken, zwei Speisehallen, zwei Küchenbaracken, zwei Werkstätten- und zwei Abortbaracken. Jede Gruppe lässt sich in zwei gleiche Teile teilen. In den Küchenbaracken ist eine Trennung in Küchen- und Waschräume derart durchgeführt, dass zu jeder Wohn-, Speisehallen- und Werkstätten-Baracke je ein Küchen- und Waschraum gehört und bei einer Gruppe sodann noch zwei Küchenabteilungen für Warmwasserbereitung erübrigen. Bei normalem Belage wird in den überzähligen Küchenabteilungen Tee bereitet. Die Speisehallen dienen auch zur gelegentlichen Abhaltung des Gottesdienstes und Unterrichtes sowie allfällig neben den Werkstattbaracken auch als Beschäftigungsräume.'' |
| | + | ''Die Bäckereiabteilung besteht aus vier großen, gemauerten Backöfen und den erforderlichen Arbeits-, Magazins- und Nebenräumen. In einem Pumpenhause sind die Kanzleiräume für den Bäckereibetrieb, die Unterkunftsräume für das Sanitätspersonal, ein großer Schachtbrunnen und ein hochliegendes Reservoir untergebracht. Durch eine maschinelle Anlage wird das Wasser aus dem Schachbrunnen in das Reservoir gepumpt und gelangt von dort durch eine Rohrleitung zu den Verwendungsstellen in den Bäckereibaracken. Außerdem sind vier große Magazinbaracken vorgesehen.'' |
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| | ''Die Krankenabteilung besteht aus zwölf Krankenbaracken. In jeder Krankenbaracke befinden sich mehrere große, mittlere und kleine Krankenzimmer, ein Gang, der zugleich als Waschraum zu dienen hat und eine Klosettanlage. Die Sanitätsbaracke enthält zwei Operationsräume mit den erforderlichen Nebenräumen, ärztliche Dienstzimmer, Apotheke mit Laboratorium, Wohnräume für Wärter, ein Magazin für Spitalsgeräte, ein Depot für Desinfektionsmittel und eine Klosettanlage. Die Küchen sind ähnlich jener der Mannschaftsabteilung, doch ist Vorsorge getroffen, dass jede, Art Krankenkost bereitet werden kann. Die Krankenabteilung kann normal 1 000 bis 1 200 Kranke aufnehmen.'' | | ''Die Krankenabteilung besteht aus zwölf Krankenbaracken. In jeder Krankenbaracke befinden sich mehrere große, mittlere und kleine Krankenzimmer, ein Gang, der zugleich als Waschraum zu dienen hat und eine Klosettanlage. Die Sanitätsbaracke enthält zwei Operationsräume mit den erforderlichen Nebenräumen, ärztliche Dienstzimmer, Apotheke mit Laboratorium, Wohnräume für Wärter, ein Magazin für Spitalsgeräte, ein Depot für Desinfektionsmittel und eine Klosettanlage. Die Küchen sind ähnlich jener der Mannschaftsabteilung, doch ist Vorsorge getroffen, dass jede, Art Krankenkost bereitet werden kann. Die Krankenabteilung kann normal 1 000 bis 1 200 Kranke aufnehmen.'' |
| − | ''Für Infektionskranke sind vier Baracken für je fünfzig Kranke vorgesehen, wozu eine Sanitäts- und eine Küchenbaracke gehören. Die Einteilung der Infektionsbaracken ist jener der Krankenbaracken gleich. Die Sanitatsbaracke enthält ein ärztliches Dienstzimmer, ein bakteriologisches Laboratorium, ein Operationszimmer, ein Desinfektionsbad, eine Desinfektionsanlage für verschiedene Gegenstände, einen Verbrennungsofen und eine Abortanlage.'' </br> | + | |
| − | ''Die Küchenbaracke gleicht jener der Krankenabteilung. Eine weitere Abteilung besteht aus zwei großen Wäscherei- und Badebaracken, einer Pumpenbaracke und einer großen Marketendereibaracke. Jede Wäscherei- und Badebaracke enthält eine große Desinfektionsanlage mit zwei Desinfektoren, einen dazugehörigen Trockenraum zum raschen Trocknen der desinfizierten Gegenstände, eine Formalinkammer zur Vertilgung von Ungeziefer. Aus- und Ankleideräume, ein Duschbad mit 50 Brausen und eine große Wäscherei mit Trockenraum. Das Pumpenhaus enthält die Reservoirs, den Brunnen und die Pumpanlage für die Versorgung der Abteilung mit dem nötigen Wasser sowie einen Transformatorenraum, einen Schalterraum, Zimmer für Maschinisten und Depots.'' </br> | + | ''Für Infektionskranke sind vier Baracken für je fünfzig Kranke vorgesehen, wozu eine Sanitäts- und eine Küchenbaracke gehören. Die Einteilung der Infektionsbaracken ist jener der Krankenbaracken gleich. Die Sanitatsbaracke enthält ein ärztliches Dienstzimmer, ein bakteriologisches Laboratorium, ein Operationszimmer, ein Desinfektionsbad, eine Desinfektionsanlage für verschiedene Gegenstände, einen Verbrennungsofen und eine Abortanlage.'' |
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| | + | ''Die Küchenbaracke gleicht jener der Krankenabteilung. Eine weitere Abteilung besteht aus zwei großen Wäscherei- und Badebaracken, einer Pumpenbaracke und einer großen Marketendereibaracke. Jede Wäscherei- und Badebaracke enthält eine große Desinfektionsanlage mit zwei Desinfektoren, einen dazugehörigen Trockenraum zum raschen Trocknen der desinfizierten Gegenstände, eine Formalinkammer zur Vertilgung von Ungeziefer. Aus- und Ankleideräume, ein Duschbad mit 50 Brausen und eine große Wäscherei mit Trockenraum. Das Pumpenhaus enthält die Reservoirs, den Brunnen und die Pumpanlage für die Versorgung der Abteilung mit dem nötigen Wasser sowie einen Transformatorenraum, einen Schalterraum, Zimmer für Maschinisten und Depots.'' |
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| | ''Die Marketenderei zerfällt in die Wohnung des Marketenders, zwei kleine und ein großes Gastzimmer, ein Verkaufslokal mit anschließender Ausgabehalle, eine große Küche und verschiedene Magazine. Zur Wasserversorgung des Lagers dient eine 20 Schachtbrunnen und 20 Rammbrunnen umfassende Anlage. Die Schachtbrunnen ist auch die Bestimmung als Wasserreservoir bei Feuersgefahr zugedacht.'' | | ''Die Marketenderei zerfällt in die Wohnung des Marketenders, zwei kleine und ein großes Gastzimmer, ein Verkaufslokal mit anschließender Ausgabehalle, eine große Küche und verschiedene Magazine. Zur Wasserversorgung des Lagers dient eine 20 Schachtbrunnen und 20 Rammbrunnen umfassende Anlage. Die Schachtbrunnen ist auch die Bestimmung als Wasserreservoir bei Feuersgefahr zugedacht.'' |
| − | ''Die Ansammlung der Abfallstoffe und Schmutzwässer wird in Senkgruben erfolgen, deren Reinigung durch besondere Apparate bewerkstelligt wird. Die Ausfuhr des Unrates aus den betonierten Senkgruben besorgen zehn große Tankwagen. Die Niederschlagswässer und sonstigen nicht verunreinigten Abwässer werden in ein System von Wassergräben und Sickergruben abgeleitet.'' </br>
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| − | ''Die Beleuchtung wird elektrisch sein, zu welchem Zwecke 2 500 elektrische Lampen installiert werden, die den Strom vom städtischen Elektrizitätswerke Salzburg beziehen. Den Verkehr werden im Lager Fahrstraßen, Gassen und Wege vermitteln. Die Fahrstraße erhält eine Länge von sieben Kilometern. Zu den Magazinen führt ein Schleppgeleise von der Lokalbahn, das vom Bahnhofe Grödig abzweigt.'' </br>
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| − | ''Die Einfriedung des Gefangenenlagers besteht aus einem 2,5 Meter hohen Stacheldrahtzaun, dessen unterer Teil aus einem Drahtgeflechte besteht, um ein Durchkriechen zu verhindern. Die Länge der äußeren und der im Inneren notwendigen Einfriedung wird auf sechs Kilometer geschätzt.''</blockquote>''
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| − | <blockquote>''Vierzig Baracken wurden bereits an Baufirmen vergeben. Diese Baracken werden, weil eine Übereinkunft mit den Grundbesitzern nicht erzielt werden konnten, nicht anschließend an die anderen 200 Baracken gebaut, sondern am Fuße des Untersberges zwischen St. Leonhard und der oberen Mühle der Zementfabrik der Gebrüder [[Leube]] links vom Werkkanal dieser Firma entstehen.
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| − | Am [[10, Februar]] 1915 berichtete die Salzburger Chronik:<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref> </br>
| + | ''Die Ansammlung der Abfallstoffe und Schmutzwässer wird in Senkgruben erfolgen, deren Reinigung durch besondere Apparate bewerkstelligt wird. Die Ausfuhr des Unrates aus den betonierten Senkgruben besorgen zehn große Tankwagen. Die Niederschlagswässer und sonstigen nicht verunreinigten Abwässer werden in ein System von Wassergräben und Sickergruben abgeleitet.'' |
| − | ''</blockquote>''<blockquote>''Um die bedeutende Anzahl russischer Kriegsgefangener unterbringen zu können, erschien es notwendig, eine weitere große Barackenanlage zu schaffen. Es werden nun zwischen dem Almkanal in St. Leonhard und dem Fuße des Untersberges 100 weitere Baracken für russische Kriegsgefangene errichtet werden. Die Felder, auf denen die Baracken erbaut werden, gehören zum Großteil Bauern von St. Leonhard. Der Plan ist bereits ausgearbeitet. Es wird sich als notwendig ergeben, einen Teil des Waldes zu schlägern.''</blockquote>'' | + | |
| | + | ''Die Beleuchtung wird elektrisch sein, zu welchem Zwecke 2 500 elektrische Lampen installiert werden, die den Strom vom städtischen Elektrizitätswerke Salzburg beziehen. Den Verkehr werden im Lager Fahrstraßen, Gassen und Wege vermitteln. Die Fahrstraße erhält eine Länge von sieben Kilometern. Zu den Magazinen führt ein Schleppgeleise von der Lokalbahn, das vom Bahnhofe Grödig abzweigt.'' |
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| | + | ''Die Einfriedung des Gefangenenlagers besteht aus einem 2,5 Meter hohen Stacheldrahtzaun, dessen unterer Teil aus einem Drahtgeflechte besteht, um ein Durchkriechen zu verhindern. Die Länge der äußeren und der im Inneren notwendigen Einfriedung wird auf sechs Kilometer geschätzt.''</blockquote> |
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| | === Errichtung === | | === Errichtung === |
| | Schon am Anfang des Ersten Weltkriegs begann man in Österreich mit der Errichtung von Kriegsgefangenenlager. | | Schon am Anfang des Ersten Weltkriegs begann man in Österreich mit der Errichtung von Kriegsgefangenenlager. |
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| − | Lager I (in Grödig; ca. 160 Baracken) und Lager II (in [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]], ca. 100 Baracken) waren nur für Kriegsgefangene. Das Lager I erstreckte sich östlich des Marktzentrums von Grödig. Zur Errichtung des Barackenlagers I wurden 92 Joch Grund in der Nähe der [[Pestkapelle Grödig]] gepachtet. | + | Lager I (in Grödig) und Lager II (in [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]]) waren nur für Kriegsgefangene. Das Lager I umfasste zunächst 50 Wohnbaracken. Es erstreckte sich östlich des Marktzentrums von Grödig. Zur Errichtung des Barackenlagers I wurden 92 Joch Grund in der Nähe der [[Pestkapelle Grödig]] gepachtet. |
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| − | Die Arbeiten wurden unter der Leitung des Architekten Gangl an folgende Firmen vergeben: Baumeister [[Valentin Ceconi & Sohn|Ceconi]] und [[Franz Wagner (senior)|Franz Wagner]] für Beton- und Pflasterarbeiten, ferner Stadtzimmermeister I. Bachinger, Salzburg, Fürstenweg, und Heuberger, Thalgau, und Stadtzimmermeister M. Kirschbichler, Oberndorf-Salzburg; namens der übrigen Salzburger Zimmermeister und Unternehmer Pürmoser aus [[Kufstein]]. Für die Errichtung wurde durch die Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft ein Industriegleis dorthin gelegt. Die Errichtung war Für 150 Arbeiter eine lohnende Beschäftigung. Zum sofortigen Antritt wurden 150 Erdarbeiter, Maurer, Schlosser, Spengler, Zimmerer etc. um guten Lohn gesucht. Das Gefangenenlager wird eine kleine Stadt werden, müssen doch 144 Baracken und drei Hütten für die Wachmannschaft erbaut werden. Einzelne Baracken haben 300, ein Teil der Baracken 400 Mann Belagsraum. Der Bezug der Anlage ist für Anfangs Februar festgesetzt. Für die Errichtung wurde durch die Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft ein Industriegleis dorthin gelegt. Die Errichtung war Für 150 Arbeiter eine lohnende Beschäftigung. Zum sofortigen Antritt wurden 150 Erdarbeiter, Maurer, Schlosser, Spengler, Zimmerer etc. um guten Lohn gesucht.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150102&query=%22Barackenbauten%22+%22Heuberger%22&seite=7 ANNO], Volksfreund, 2. Januar 1915, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141226&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 26. Dezember 1914, Seite 4]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141228&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Volksblatt, 28. Dezember 1914, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19141229&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 29. Dezember 1914, Seite 5]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19150113&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Wacht, 13. Januar 1915, Seite 5]</ref> | + | Die Arbeiten wurden unter der Leitung des Architekten Gangl an folgende Firmen vergeben: Baumeister [[Valentin Ceconi & Sohn|Ceconi]] und [[Franz Wagner (senior)|Franz Wagner]] für Beton- und Pflasterarbeiten, ferner Stadtzimmermeister I. Bachinger, Salzburg, [[Fürstenweg (Salzburg)|Fürstenweg]], und [[Heuberger]], [[Thalgau]], und Stadtzimmermeister M. Kirschbichler, [[Oberndorf]]; namens der übrigen Salzburger Zimmermeister und Unternehmer Pürmoser aus [[Kufstein]]. Für die Errichtung wurde durch die [[Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft]] ein Industriegleis dorthin gelegt. Die Errichtung war für 150 Arbeiter eine lohnende Beschäftigung. Zum sofortigen Antritt wurden 150 Erdarbeiter, Maurer, Schlosser, Spengler, Zimmerer etc. um guten Lohn gesucht. Das Gefangenenlager musste eine kleine Stadt werden, mussten doch 144 Baracken und drei Hütten für die Wachmannschaft erbaut werden. Einzelne Baracken boten für 300, ein Teil der Baracken für 400 Männer Platz. Der Bezug der Anlage war für Anfang Februar [[1915]] festgesetzt. Für die Errichtung wurde durch die Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft ein Industriegleis dorthin gelegt.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150102&query=%22Barackenbauten%22+%22Heuberger%22&seite=7 ANNO], [[Volksfreund]], 2. Jänner 1915, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141226&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], [[Salzburger Volksblatt]], 26. Dezember 1914, Seite 4]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141228&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Volksblatt, 28. Dezember 1914, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19141229&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], [[Salzburger Chronik]], 29. Dezember 1914, Seite 5]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19150113&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Wacht, 13. Jänner 1915, Seite 5]</ref> |
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| | Die meisten Gefangenen und Internierten waren [[Russland|Russen]], weshalb bald die Bezeichnung ''Russenlager'' aufkam. Davon abgeleitet ist wiederum der Beiname ''Russenfriedhof'' für den [[Lagerfriedhof Grödig|Lagerfriedhof]]. Neben Menschen aus dem Osten, waren auch [[Serbien|Serben]] vom Balkan und später auch [[Italien]]er inhaftiert. | | Die meisten Gefangenen und Internierten waren [[Russland|Russen]], weshalb bald die Bezeichnung ''Russenlager'' aufkam. Davon abgeleitet ist wiederum der Beiname ''Russenfriedhof'' für den [[Lagerfriedhof Grödig|Lagerfriedhof]]. Neben Menschen aus dem Osten, waren auch [[Serbien|Serben]] vom Balkan und später auch [[Italien]]er inhaftiert. |
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| − | Am [[3. März]] 1915 begann man mit der Errichtung des Lagers II (mit 100 Baracken), das sich westlich des [[Almkanal]]s zwischen [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]] im Süden von Grödig und dem [[Drachenloch]] erstreckte. | + | Am [[3. März]] 1915 begann man mit der Errichtung des Lagers II, das sich westlich des [[Almkanal]]s zwischen [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]] im Süden von Grödig und dem [[Drachenloch]] erstreckte. |
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| | Das [[Lager Niederalm|Lager III]] (in [[Niederalm]]) war für Flüchtlinge aus den Gebieten der östlichen [[Habsburgermonarchie|Donaumonarchie]] in [[Galizien]] und der [[Bukowina]] vorgesehen. | | Das [[Lager Niederalm|Lager III]] (in [[Niederalm]]) war für Flüchtlinge aus den Gebieten der östlichen [[Habsburgermonarchie|Donaumonarchie]] in [[Galizien]] und der [[Bukowina]] vorgesehen. |
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| | === Kriegsgefangene === | | === Kriegsgefangene === |
| − | Am [[21. Jänner]] 1915 trafen aus [[Linz]] 240 russische Kriegsgefangene ein, die nach Grödig marschierten, um dort beim Bau von Gefangenenbaracken verwendet zu werden. Der von einer starken Militäreskorte begleitete Zug erregte großes Aufsehen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tpt&datum=19150122&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], (Linzer) Tages-Post, 22. Januar 1915, Seite 6]</ref> Die Gefangenen wurden im Militärschießstand in [[Glanegg]] untergebracht. | + | Am [[21. Jänner]] 1915 trafen aus [[Linz]] 240 russische Kriegsgefangene ein, die nach Grödig marschierten, um dort beim Bau von Gefangenenbaracken verwendet zu werden. Der von einer starken Militäreskorte begleitete Zug erregte großes Aufsehen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tpt&datum=19150122&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], (Linzer) Tages-Post, 22. Jänner 1915, Seite 6]</ref> Die Gefangenen wurden auf dem Gelände des [[Bundesheer-Schießplatz Glanegg|Militärschießstandes]] in [[Glanegg]] untergebracht. |
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| − | Am [[2. Februar]] 1915 trafen weitere 300 russische Kriegsgefangene ein, die mit der elektrischen Bahn nach Grödig gebracht wurden. Nach der Auswaggonierung erfolgte eine gründliche Desinfektion.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150202&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 2. Februar 1915, Seite 5</ref> | + | Am [[2. Februar]] 1915 trafen weitere 300 russische Kriegsgefangene ein, die mit der [[Roten Elektrische]]n nach Grödig gebracht wurden. Nach der Auswaggonierung erfolgte eine gründliche Desinfektion.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150202&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 2. Februar 1915, Seite 5</ref> |
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| − | Am [[5. Februar]] 1915 wurde das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig (Lager I) in Betrieb genommen und gleichzeitig mit der Errichtung von Lager II bestehend aus 100 Baracken begonnen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref> | + | Am [[5. Februar]] 1915 wurde das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig (Lager I) in Betrieb genommen und gleichzeitig mit der Errichtung von Lager II, bestehend aus 100 Baracken, begonnen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref> |
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| − | Mit [[28. April]] 1915 kamen die ersten Gefangenentransporte mit der [[Rote Elektrische|Lokalbahn]] am [[Bahnhof Grödig]] an, etwa 2 000 Personen. Später führte vom Bahnhof ein Schleppgleis bis in die Lager. Etwa 900 Gefangene wurden in einem [[Gefangenenlager Thalgau|Außenlager]] in Thalgau für Arbeiten in der Gemeinde (u. a. zur Errichtung der Russenstraße) untergebracht. | + | Mit [[28. April]] 1915 kamen die ersten Gefangenentransporte mit der Lokalbahn am [[Bahnhof Grödig]] an, etwa 2 000 Personen. Später führte vom Bahnhof ein Schleppgleis bis in die Lager. Etwa 900 Gefangene wurden in einem [[Gefangenenlager Thalgau|Außenlager]] in Thalgau für Arbeiten in der Gemeinde (u. a. zur Errichtung der Russenstraße) untergebracht. |
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| | Während der Pfingstfeiertage 1915 trafen mehrere größere Transporte russischer Kriegsgefangener von insgesamt 7 000 Personen, die in den Gefangenenlager in Grödig-Markt und St. Leonhard untergebracht wurden.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150529&query=%22Kriegsgefangener%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], [[Volksfreund]], 29. Mai 1915, Seite 7</ref> | | Während der Pfingstfeiertage 1915 trafen mehrere größere Transporte russischer Kriegsgefangener von insgesamt 7 000 Personen, die in den Gefangenenlager in Grödig-Markt und St. Leonhard untergebracht wurden.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150529&query=%22Kriegsgefangener%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], [[Volksfreund]], 29. Mai 1915, Seite 7</ref> |
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| − | Am [[3. November]] 1915 trafen 300 kriegsgefangene [[Serbien|serbische]] Offiziere unter militärischer Bewachung im Lager Grödig ein. Zusammen Mit den bisherigen 282 serbischen Offizieren befanden sich dann insgesamt 582 serbische Offiziere in Grödig.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19151106&query=%22Offiziere%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Volksfreund, 6. November 1915, Seite 6</ref> Unter den serbischen Offizieren wurde später der serbische Oberst Radovics als Mitschuldiger für die Ermordung des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich und dessen Gattin Herzogin Sophie von Hohenberg ausgeforscht.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=lvb&datum=19160719&seite=4&zoom=33&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Gr%C3%B6dig%22 ANNO], Linzer Volksblatt, 19. Juli 1916, Seite 4</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=st3&datum=19160722&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=19 ANNO], Streffleur's Militärblatt, 22. Juli 1916, Seite 19</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160722&seite=10&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Gr%C3%B6dig%22 ANNO], Salzburger Volksblatt, 22. Juli 1916, Seite 10</ref> | + | Am [[3. November]] 1915 trafen 300 kriegsgefangene [[Serbien|serbische]] Offiziere unter militärischer Bewachung im Lager Grödig ein. Zusammen Mit den bisherigen 282 serbischen Offizieren befanden sich dann insgesamt 582 serbische Offiziere in Grödig.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19151106&query=%22Offiziere%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Volksfreund, 6. November 1915, Seite 6</ref> Unter den serbischen Offizieren wurde später der serbische Oberst Radovics als Mitschuldiger für die Ermordung des Erzherzog-Thronfolgers [[Franz Ferdinand von Österreich-Este]] und dessen Gattin Herzogin Sophie von Hohenberg ausgeforscht.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=lvb&datum=19160719&seite=4&zoom=33&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Gr%C3%B6dig%22 ANNO], Linzer Volksblatt, 19. Juli 1916, Seite 4</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=st3&datum=19160722&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=19 ANNO], Streffleur's Militärblatt, 22. Juli 1916, Seite 19</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160722&seite=10&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Gr%C3%B6dig%22 ANNO], Salzburger Volksblatt, 22. Juli 1916, Seite 10</ref> |
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| − | Über die genaue Anzahl der tatsächlich vor Ort Kriegsgefangenen und Internierten gibt es sehr unterschiedliche und nur ungenaue Angaben. Häufig genannt wurde auch nur die (Betten-)Kapazität des Gesamtlagers oder einzelner Teil-Lager. | + | Über die genaue Anzahl der tatsächlich vor Ort Kriegsgefangenen und Internierten gibt es sehr unterschiedliche und nur ungenaue Angaben. Häufig genannt wurde auch nur die (Betten-)Kapazität des Gesamtlagers oder einzelner Teillager. |
| − | * 60 000 Kriegsgefangene (Stand: 11. März 1915 für Lager Grödig insgesamt)<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150311&query=%22Barackenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=3 ANNO], Salzburger Chronik, 11. März 1915, Seite 3</ref> | + | * 60 000 Kriegsgefangene (Planzahl Stand 11. März 1915 für Lager Grödig insgesamt)<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150311&query=%22Barackenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=3 ANNO], Salzburger Chronik, 11. März 1915, Seite 3</ref> |
| − | * 50 000 Kriegsgefangene (Stand: 20. Juni 1915 für Lager Grödig insgesamt)<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19150609&query=%22Russenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=15 ANNO], Prager Tagblatt, 9. Juni 1915, Seite 15</ref> | + | * 50 000 Kriegsgefangene (lt. Bericht einer Schweizer Zeitung im Juni 2015)<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19150609&query=%22Russenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=15 ANNO], Prager Tagblatt, 9. Juni 1915, Seite 15</ref> |
| − | * 33 000 Kriegsgefangene (Stand: 16. Juli 1915 für Lager Grödig insgesamt)<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19150716&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Wiener Zeitung, 16. Juli 1915, Seite 6</ref> | + | * 33 000 Kriegsgefangene (lt. einer Meldung vom 16. Juli 1915 sollte dies die maximale Belegungszahl für das Lager Grödig gewesen sein)<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19150716&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Wiener Zeitung, 16. Juli 1915, Seite 6</ref> |
| − | * 32 000 bis 40 000 Kriegsgefangene, sowie 3 300 Wachesoldaten (Stand: Juli 1916 für Lager Grödig insgesamt)<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bau&datum=19150004&query=(((text:Barackenlager)+AND+(text:Gr%c3%b6dig)))&ref=anno-search&seite=34 ANNO], Der Bautechniker, 1915, Nr. 4, Seite 28</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bau&datum=19160004&query=(((text:Kriegsgefangenenlager)+AND+(text:Gr%c3%b6dig)))&ref=anno-search&seite=289 ANNO], | + | * 32 000 bis 40 000 Kriegsgefangene, sowie 3 300 Wachesoldaten (Planzahlangabe in einer Zeitschrift im Juli 1916)<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bau&datum=19150004&query=(((text:Barackenlager)+AND+(text:Gr%c3%b6dig)))&ref=anno-search&seite=34 ANNO], Der Bautechniker, 1915, Nr. 4, Seite 28</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bau&datum=19160004&query=(((text:Kriegsgefangenenlager)+AND+(text:Gr%c3%b6dig)))&ref=anno-search&seite=289 ANNO], Der Bautechniker, 1916, Hauptteil S. 243</ref> |
| − | Der Bautechniker, 1916, Hauptteil S. 243</ref> | |
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| | Heute geht man von rund 45 000 Kriegsgefangenen und Internierten aus.<ref>Publikation [[Salzburg nach 1816]], [[Oskar Dohle]], Alfred Höck, Franz Wieser (Hrsg.), Seite 90</ref> | | Heute geht man von rund 45 000 Kriegsgefangenen und Internierten aus.<ref>Publikation [[Salzburg nach 1816]], [[Oskar Dohle]], Alfred Höck, Franz Wieser (Hrsg.), Seite 90</ref> |
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| | === Lagerkommando === | | === Lagerkommando === |
| − | Das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig stand unter dem Oberkommando von Lagerkommandant Generalmayor Gustav Ritter von Urban, sowie dem Kommando von Oberst a.D. Stephan Weigel v. Nagykosztolany.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170510&query=%22Urban%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. Mai 1917, Seite 4</ref> | + | Das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig stand unter dem Oberkommando von Lagerkommandant Generalmayor Gustav Ritter von Urban, sowie dem Kommando von Oberst a.D. Stephan Weigel v. Nagykosztolany.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170510&query=%22Urban%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. Mai 1917, Seite 4</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19160719&query=%22Gr%c3%b6dig%22+%22Lagerkommandant%22&seite=4 ANNO], Illustrierte Kronen Zeitung, 19. Juli 1916, Seite 4</ref>. Die Lagerverwaltung oblag Major a.D. Kasimir Kamieniecki<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170515&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 15. Mai 1917, Seite 5</ref> und dem Verwaltungsoffizier Oberstleutnant Semorel. |
| − | <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19160719&query=%22Gr%c3%b6dig%22+%22Lagerkommandant%22&seite=4 ANNO], Illustrierte Kronen Zeitung, 19. Juli 1916, Seite 4</ref>. Die Lagerverwaltung oblag Major a.D. Kasimir Kamieniecki<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170515&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 15. Mai 1917, Seite 5</ref> und dem Verwaltungsoffizier Oberstleutnant Semorel. | |
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| | === Organisation und Leben im Lager === | | === Organisation und Leben im Lager === |
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| | In Salzburg wurden 2 900 Gefangene für staatliche und öffentliche Arbeiten, 4 300 in der Land- und Forstwirtschaft und im Bergbau und 1 100 in der Industrie, im Handel und Gewerbe eingesetzt. In der [[Saline Hallein]] waren im Sudhaus über 14 Monate lang Kriegsgefangenen-Arbeiterpartien aus Russland eingesetzt.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170622&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 22. Juni 1917, Seite 5</ref> | | In Salzburg wurden 2 900 Gefangene für staatliche und öffentliche Arbeiten, 4 300 in der Land- und Forstwirtschaft und im Bergbau und 1 100 in der Industrie, im Handel und Gewerbe eingesetzt. In der [[Saline Hallein]] waren im Sudhaus über 14 Monate lang Kriegsgefangenen-Arbeiterpartien aus Russland eingesetzt.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170622&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 22. Juni 1917, Seite 5</ref> |
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| − | 10 Joch Grund im Lager Grödig wurden mit Hülsenfrüchten und anderem Grünzeug bebaut. Auf Grund der dort gemachten Erfahrungen wurden im Juli 1915 in verschiedenen Orten des Flachgaus, die verschiedenes Klima haben, Grundflächen gepachtet, um bebaut und bepflanzt zu werden. Solche Gemüse anlagen unter fachmännischer Leitung der Gefangenen selbst bestanden in Grödig, [[Maxglan]], [[Gois (Wals-Siezenheim)|Gois]], [[Siezenheim]], [[Bürmoos]], [[Obertrum]], [[Neumarkt am Wallersee]] und [[Vetterbach]]-[[Thalgau]]. Eine weitere Anlage wurde in [[Seewalchen]] bei [[Seekirchen]] errichtet. Die bebauten Grundflächen umfassten bisher ein Ausmaß von 90 Joch, zu denen bis August weitere 40 Joch kamen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwb&datum=19150715&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=28 ANNO], (Neuigkeits) Welt Blatt, 15. Juli 1915, Seite 28</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150806&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Volksblatt, 6. August 1915, Seite 7</ref>
| + | Zehn Joch Grund im Lager Grödig wurden mit Hülsenfrüchten und anderem Grünzeug bebaut. Auf Grund der dort gemachten Erfahrungen wurden im Juli 1915 in verschiedenen Orten des Flachgaus, die verschiedenes Klima haben, Grundflächen gepachtet, um bebaut und bepflanzt zu werden. Solche Gemüseanlagen unter fachmännischer Leitung der Gefangenen selbst bestanden in Grödig, der [[Gemeinde Maxglan]], [[Gois (Wals-Siezenheim)|Gois]], [[Siezenheim]], [[Bürmoos]], [[Obertrum]], [[Neumarkt am Wallersee|Neumarkt ]] und [[Vetterbach]]-[[Thalgau]]. Eine weitere Anlage wurde in [[Seewalchen]] bei [[Seekirchen]] errichtet. Die bebauten Grundflächen umfassten bisher ein Ausmaß von 90 Joch, zu denen bis August weitere 40 Joch kamen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwb&datum=19150715&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=28 ANNO], (Neuigkeits) Welt Blatt, 15. Juli 1915, Seite 28</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150806&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Volksblatt, 6. August 1915, Seite 7</ref> |
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| | Zur Versorgung der Kriegsgefangenen wurden [[1916]] auf dem Gebiet der beiden Lager I und II 74 780 Quadratmeter mit Frühgemüse, 65 000 Quadratmeter mit Mittelfrühgemüse und 355 200 Quadratmeter mit Spätgemüse bepflanzt. Zu Essen gab es Kraut, Marmelade, Kunsthonig, Kaffee, Hering, Fisch- und Fleischkonserven.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tpt&datum=19160713&query=%22Gr%c3%b6dig%22+%22Kriegsausstellung%22&seite=4 ANNO], (Linzer) Tages-Post, 13. Juli 1916, Seite 7</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160310&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=8 ANNO], [[Salzburger Volksblatt]], 10. März 1916, Seite 8</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19190402&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Todesf%c3%a4lle%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 2. April 1919, Seite 7</ref> | | Zur Versorgung der Kriegsgefangenen wurden [[1916]] auf dem Gebiet der beiden Lager I und II 74 780 Quadratmeter mit Frühgemüse, 65 000 Quadratmeter mit Mittelfrühgemüse und 355 200 Quadratmeter mit Spätgemüse bepflanzt. Zu Essen gab es Kraut, Marmelade, Kunsthonig, Kaffee, Hering, Fisch- und Fleischkonserven.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tpt&datum=19160713&query=%22Gr%c3%b6dig%22+%22Kriegsausstellung%22&seite=4 ANNO], (Linzer) Tages-Post, 13. Juli 1916, Seite 7</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160310&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=8 ANNO], [[Salzburger Volksblatt]], 10. März 1916, Seite 8</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19190402&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Todesf%c3%a4lle%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 2. April 1919, Seite 7</ref> |
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| | Der stark gestiegene Bedarf führte bald zu steigenden Preisen bei den Lebensmitteln. Vereinzelt kam es zu Übertretungen nach dem Preisgesetz und sogar zu einer Verurteilung wegen Preistreiberei.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160323&query=%22Kriegsgefangenen-Lagers%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 23. März 1916, Seite 6</ref> | | Der stark gestiegene Bedarf führte bald zu steigenden Preisen bei den Lebensmitteln. Vereinzelt kam es zu Übertretungen nach dem Preisgesetz und sogar zu einer Verurteilung wegen Preistreiberei.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160323&query=%22Kriegsgefangenen-Lagers%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 23. März 1916, Seite 6</ref> |
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| − | Gegen Kriegsende wurde die Versorgungslage in Österreich allgemein schlechter und zunehmend schwieriger. Kohle und Brennholz waren knapp. Butter, Schweineschmalz und Weizenmehl waren selten zu bekommen und entsprechend begehrt. Ein (nicht alltäglicher) Einkauf für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, wurde in dieser allgemeinen Notlage medial zur Lebensmittelhamsterei. In [[Schneegattern]] wurden nach Grödig 30 Kilogramm Butter, zehn Kilogramm Schweineschmalz und 70 Kilogramm weißem Weizenmehl per Post geschickt. Als Versender wurde der Unterjäger Michael Prüll, der Einkäufer für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, ermittelt. Prüll hatte die Lebensmittel unter Mithilfe der Gastwirtin „Zum Schweizerhof", Maria Kraus im [[Innviertel]] um teures Geld und gegen Tabak usw.gehamstert, um sie nach seiner eigenen Aussage der Küche der kriegsgefangenen serbischen Offiziere zuzuführen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nzg&datum=19180205&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Die Neue Zeitung, 5. Februar 1918, Seite 4</ref> | + | Gegen Kriegsende wurde die Versorgungslage in Österreich allgemein schlechter und zunehmend schwieriger. Kohle und Brennholz waren knapp. Butter, Schweineschmalz und Weizenmehl waren selten zu bekommen und entsprechend begehrt. Ein (nicht alltäglicher) Einkauf für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, wurde in dieser allgemeinen Notlage medial zur Lebensmittelhamsterei. Von [[Schneegattern]] wurden nach Grödig 30 Kilogramm Butter, zehn Kilogramm Schweineschmalz und 70 Kilogramm weißem Weizenmehl per Post geschickt. Als Versender wurde der Unterjäger Michael Prüll, der Einkäufer für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, ermittelt. Prüll hatte die Lebensmittel unter Mithilfe der Gastwirtin „Zum Schweizerhof", Maria Kraus im [[Innviertel]] um teures Geld und gegen Tabak usw.gehamstert, um sie nach seiner eigenen Aussage der Küche der kriegsgefangenen serbischen Offiziere zuzuführen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nzg&datum=19180205&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Die Neue Zeitung, 5. Februar 1918, Seite 4</ref> |
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| − | Mit Genehmigung des Lagerkommandos übersandte das Kommando der serbischen Offiziersabteilung eine Richtigstellung zu der im Leitartikel „Gefangenenverpflegung" geschilderten Verhältnisse bezüglich der Verpflegung der kriegsgefangenen 540 serbischen Offiziere im Lager Grödig. Die kriegsgefangenen Offiziere werden von der Bezirkshauptmannschaft Salzburg mit Lebensmittelkarten, welche auf dasselbe Ausmaß lauten, wie die der Zivilbevölkerung, beteilt.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19180427&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 27. April 1918, Seite 5</ref> | + | Mit Genehmigung des Lagerkommandos übersandte das Kommando der serbischen Offiziersabteilung eine Richtigstellung zu der im Leitartikel „Gefangenenverpflegung" geschilderten Verhältnisse bezüglich der Verpflegung der kriegsgefangenen 540 serbischen Offiziere im Lager Grödig. Die kriegsgefangenen Offiziere wurden von der Bezirkshauptmannschaft Salzburg mit Lebensmittelkarten, welche auf dasselbe Ausmaß lauten, wie die der Zivilbevölkerung, beteilt.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19180427&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 27. April 1918, Seite 5</ref> |
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| | === Lagergeld === | | === Lagergeld === |
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| | === Personen- und Güterverkehr === | | === Personen- und Güterverkehr === |
| − | Durch die Errichtung des Kriegsgefangenenlagers Grödig stieg [[1915]] und [[1916]] der Personen- und Güterverkehr an.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170704&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 4. Juli 1917, Seite 5</ref> Die [[Salzburger Eisenbahn- und Tramway Gesellschaft]] betrieb deshalb [[1916]]/[[1917]] den Ausbau der dortigen Haltestelle zum [[Bahnhof Grödig]]. | + | Durch die Errichtung des Kriegsgefangenenlagers Grödig stieg [[1915]] und [[1916]] der Personen- und Güterverkehr auf der Lokalbahn an.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170704&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 4. Juli 1917, Seite 5</ref> Die [[Salzburger Eisenbahn- und Tramway Gesellschaft]] betrieb deshalb [[1916]]/[[1917]] den Ausbau der dortigen Haltestelle zum [[Bahnhof Grödig]]. |
| | <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170704&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 4. Juli 1917, Seite 5</ref> | | <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170704&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 4. Juli 1917, Seite 5</ref> |
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| | === Feuerwehr und Brände === | | === Feuerwehr und Brände === |
| − | Im Offiziersraume des Kriegsgefangenenlagers Grödig fand im November 1915 eine Übung der Lagerfeuerwehr statt, zu welcher auch die Feuerwehren der Umgebung, sowie von Salzburg und [[Hallein]] eingeladen waren. Im Falle eines größeren Feuers im Lager müsste auf die Hilfe dieser Feuerwehren gerechnet werden, da es unmöglich wäre, bei der großen Ausdehnung des Lagers und bei den dort stets stark herrschenden Windströmungen ein größeres Feuer mit den im Lager befindlichen Geräten zu bekämpfen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19151113&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=8 ANNO], Volksfreund, 13. November 1915, Seite 8]</ref> | + | Im Offiziersraume des Kriegsgefangenenlagers Grödig fand im November 1915 eine Übung der Lagerfeuerwehr statt, zu welcher auch die Feuerwehren der Umgebung, sowie von der Stadt Salzburg und [[Hallein]] eingeladen waren. Im Falle eines größeren Feuers im Lager müsste mit die Hilfe dieser Feuerwehren gerechnet werden, da es unmöglich wäre, bei der großen Ausdehnung des Lagers und bei den dort stets stark herrschenden Windströmungen ein größeres Feuer mit den im Lager befindlichen Geräten zu bekämpfen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19151113&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=8 ANNO], Volksfreund, 13. November 1915, Seite 8]</ref> |
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| | Brände kamen jedoch nur vereinzelt vor.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19170103&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=3 ANNO], Salzburger Wacht, 3. Jänner 1917, Seite 3</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tpt&datum=19170102&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], (Linzer) Tages-Post, 2. Januar 1917, Seite 3</ref> | | Brände kamen jedoch nur vereinzelt vor.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19170103&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=3 ANNO], Salzburger Wacht, 3. Jänner 1917, Seite 3</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tpt&datum=19170102&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], (Linzer) Tages-Post, 2. Januar 1917, Seite 3</ref> |
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| | [[Datei:Kriegsgefangenenlager Grödig Apotheke Arzneipflanzen Opium Mohn 1915.JPG|thumb|Opium/Mohnkultur der Apotheke]] | | [[Datei:Kriegsgefangenenlager Grödig Apotheke Arzneipflanzen Opium Mohn 1915.JPG|thumb|Opium/Mohnkultur der Apotheke]] |
| | Die medizinische Versorgung und sanitäre Aufsicht stand unter der Leitung von Oberarzt a. D. der Ldw.Dr. Karl Konzert und Bezirksarzt Dr. Oskar Danzer, sowie später Oberarzt Dr. Karl Westreicher. Die Lagerapotheke stand unter Leitung von Landw.-Medik.-Offizial a. D. Mag. pharm. Rudolf Ritter Hillinger v. Traunwald. | | Die medizinische Versorgung und sanitäre Aufsicht stand unter der Leitung von Oberarzt a. D. der Ldw.Dr. Karl Konzert und Bezirksarzt Dr. Oskar Danzer, sowie später Oberarzt Dr. Karl Westreicher. Die Lagerapotheke stand unter Leitung von Landw.-Medik.-Offizial a. D. Mag. pharm. Rudolf Ritter Hillinger v. Traunwald. |
| − | <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150309&query=%22Gr%c3%b6dig%22+%22Hillinger%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 9. März 1915, Seite 6</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ppr&datum=19171124&query=%22Hillinger%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=10 ANNO], Pharmazeutische Presse, 24. November 1917, Seite 10</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150311&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Oblt%22&seite=3 ANNO], Salzburger Chronik, 11. März 1915, Seite 6</ref> | + | <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150309&query=%22Gr%c3%b6dig%22+%22Hillinger%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 9. März 1915, Seite 6</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ppr&datum=19171124&query=%22Hillinger%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=10 ANNO], Pharmazeutische Presse, 24. November 1917, Seite 10</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150311&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Oblt%22&seite=3 ANNO], Salzburger Chronik, 11. März 1915, Seite 6</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150313&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=9 ANNO], Volksfreund, 13. März 1915, Seite 10</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ozp&datum=19171124&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Hillinger%22&seite=10 ANNO], Österreichische Zeitschrift für Pharmazie, 24. November 1917, Seite 10</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=lvb&datum=19170517&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Konzert%22&seite=7 ANNO], Linzer Volksblatt, 17. Mai 1917, Seite 7</ref> |
| − | <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150313&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=9 ANNO], Volksfreund, 13. März 1915, Seite 10</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ozp&datum=19171124&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Hillinger%22&seite=10 ANNO], Österreichische Zeitschrift für Pharmazie, 24. November 1917, Seite 10</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=lvb&datum=19170517&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Konzert%22&seite=7 ANNO], Linzer Volksblatt, 17. Mai 1917, Seite 7</ref> | |
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| | Die Lagerapotheke wurde am [[25. Februar]] 1915 aufgestellt und war in kürzester Zeit betriebsfähig hergerichtet. Sie bestand den Räumlichkeiten nach aus Offizin, Laboratorium, Schreibstube, einem großen Vorratsraum und einem Inspektionszimmer.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=php&datum=19171229&seite=4 ANNO], Pharmazeutische Post, 29. Dezember 1917, Seite 4</ref> | | Die Lagerapotheke wurde am [[25. Februar]] 1915 aufgestellt und war in kürzester Zeit betriebsfähig hergerichtet. Sie bestand den Räumlichkeiten nach aus Offizin, Laboratorium, Schreibstube, einem großen Vorratsraum und einem Inspektionszimmer.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=php&datum=19171229&seite=4 ANNO], Pharmazeutische Post, 29. Dezember 1917, Seite 4</ref> |
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| | === Hygienemaßnahmen === | | === Hygienemaßnahmen === |
| − | Um die Übertragung von Krankheiten (bspw. der Flecktyphus wird durch Kleiderläuse übertragen<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150406&query=%22Flecktyphus%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 6. April 1915, Seite 6</ref>) unter den Kriegsgefangenen zu verhindern, wurden präventive Maßnahmen ergriffen. ''"Die Fürsorge bei deren Entlausung wurde in Gruppen von 50 Mann mit folgendem Vorgang durchgeführt: Die Leute sitzen über Gruben, durch Mäntel geschützt, werden geschoren und rasiert, die Abfallhaare iu den Gruben mit Kalk überschüttet und verscharrt. Hierauf erfolgt die I Einreibung der Haarpartien mit einer Petroleum- und Terpentinmischung und Abgabe der Mäntel in die Schwefelungskammer. Nach Eintritt in den Baderaum kommt die Leibwäsche in ein bereitstehendes Fass, Soda und Seife wird beigegeben, und wenn das Fass voll ist, wird die Wäsche mit siedendem Wasser unter Beigabe von Petroleum und Terpentin übergossen, dicht abgeschlossen und hinausgetragen. Die Leute werden mit heißem Wasser unter Beigabe von Petroleum und Terpentin mit Seifenwascheln gewaschen, nach Abtrocknung mit frischer Wäsche, Holzschuhen und Decken versehen und in eine neu gereinigte Baracke gebracht. Die alten Strohsäcke werden von ungereinigten Leuten in den Kompostierungsstellen entleert, hierauf zur Desinfektion überbracht. Geräumte Baracken werden mit in Salzsäure getränkten Sägespänen reingefegt, mit Kalkmilch gespült, gereinigt, dann werden Petroleum und Terpentin zerstäubt und Fichtennadeln aufgelegt."''<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150313&query=%22Flecktyphus%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=9 ANNO], Volksfreund, 13. März 1915, Seite 9</ref> | + | Um die Übertragung von Krankheiten (bspw. der Flecktyphus wird durch Kleiderläuse übertragen<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150406&query=%22Flecktyphus%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 6. April 1915, Seite 6</ref>) unter den Kriegsgefangenen zu verhindern, wurden präventive Maßnahmen ergriffen. "''Die Fürsorge bei deren Entlausung wurde in Gruppen von 50 Mann mit folgendem Vorgang durchgeführt: Die Leute sitzen über Gruben, durch Mäntel geschützt, werden geschoren und rasiert, die Abfallhaare in den Gruben mit Kalk überschüttet und verscharrt. Hierauf erfolgt die Einreibung der Haarpartien mit einer Petroleum- und Terpentinmischung und Abgabe der Mäntel in die Schwefelungskammer. Nach Eintritt in den Baderaum kommt die Leibwäsche in ein bereitstehendes Fass, Soda und Seife wird beigegeben, und wenn das Fass voll ist, wird die Wäsche mit siedendem Wasser unter Beigabe von Petroleum und Terpentin übergossen, dicht abgeschlossen und hinausgetragen. Die Leute werden mit heißem Wasser unter Beigabe von Petroleum und Terpentin mit Seifenwascheln gewaschen, nach Abtrocknung mit frischer Wäsche, Holzschuhen und Decken versehen und in eine neu gereinigte Baracke gebracht. Die alten Strohsäcke werden von ungereinigten Leuten in den Kompostierungsstellen entleert, hierauf zur Desinfektion überbracht. Geräumte Baracken werden mit in Salzsäure getränkten Sägespänen reingefegt, mit Kalkmilch gespült, gereinigt, dann werden Petroleum und Terpentin zerstäubt und Fichtennadeln aufgelegt."''<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150313&query=%22Flecktyphus%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=9 ANNO], Volksfreund, 13. März 1915, Seite 9</ref> |
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| | === Baracken- und Latrinendesinfektion === | | === Baracken- und Latrinendesinfektion === |
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| | === Anthropologische Studien === | | === Anthropologische Studien === |
| − | Die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien führte mit Genehmigung des Kriegsministeriums vom 10. Juli bis 16. Oktober 1916 anthropologische Studien in zwei Kriegsgefangenenlagern durch. Im Kriegsgefangenenlager Grödig wurden 25 Völkerschaften des russischen Reiches anthropologisch untersucht und gemessen, und zwar: Großrussen 53, Ukrainer (Kleinrussen) 11, Weißrussen 8, Litauer 1, Letten 8, Esten 5, Syrjänen 1, Permiak 1. Wotjaten 3. Tscheremisse 1, Molscha-Murdwine 1, Erdscha-Mordwine 1, Kasantataren 3, Baschkiren 4, Mischeren 4, Tipteren 2, Krimtataren 1 , Armenier 8, Moldawaner 12. Bulgaren 4, Gagause 1, Amauten 2, Grieche 1, Juden 7, Zigeuner 2. | + | Die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien führte mit Genehmigung des Kriegsministeriums vom [[10. Juli]] bis [[16. Oktober]] 1916 anthropologische Studien in zwei Kriegsgefangenenlagern durch. Im Kriegsgefangenenlager Grödig wurden 25 Völkerschaften des russischen Reiches anthropologisch untersucht und gemessen, und zwar: 53 Großrussen, elf Ukrainer (Kleinrussen), acht Weißrussen, ein [[Litauen|Litauer]], acht Letten, rünf [[Estland|Esten]], ein Syrjäne, ein Permiak, drei Wotjaten, ein Tscheremisse, ein Molscha-Murdwine, ein Erdscha-Mordwine, drei Kasantataren, vier Baschkiren, vier Mischeren, zwei Tipteren, ein Krimtatare, acht Armenier, zwölf Moldauer, vier Bulgaren, ein Gagause, zwei Amauten, ein Grieche, sieben Juden und zwei Zigeuner; |
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| − | Von diesen 145 Mann wurden 130 photographische Gesichtsaufnahmen und 44 Körperaufnahmen gemacht. Dazu kommen noch 11 stereoskopische Gesichtsaufnahmen. Von Köpfen, Ohren, Händen und Füße wurden auch Gipsformen hergestellt.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19161105&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=13 ANNO], Wiener Zeitung, 5. November 1916, Seite 13</ref> | + | Von diesen 145 Mann wurden 130 fotografische Gesichtsaufnahmen und 44 Körperaufnahmen gemacht. Dazu kommen noch elf stereoskopische Gesichtsaufnahmen. Von Köpfen, Ohren, Händen und Füße wurden auch Gipsformen hergestellt.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19161105&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=13 ANNO], Wiener Zeitung, 5. November 1916, Seite 13</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19161110&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. November 1916, Seite 5</ref> |
| − | <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19161110&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. November 1916, Seite 5</ref> | |
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| | === Besuche im Lager === | | === Besuche im Lager === |
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| | Fluchtversuche waren selten und selten erfolgreich. 1915 gelang zunächst drei Gefangenen die Flucht, er im [[Hallein]]er Stadtteil [[Au (Hallein)|Au]] endete.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150227&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Volksfreund, 27. Februar 1915, Seite 6]</ref> Fünf weitere Gefangene wurden in [[Gaißau]] aufgegriffen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=lvb&datum=19150324&query=%22Russenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Linzer Volksblatt, 24. März 1915, Seite 5</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150323&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Oblt%22&seite=10 ANNO], Salzburger Volksblatt, 23. März 1915, Seite 10</ref> Zwei weitere wurden in der [[Stadt Salzburg]] aufgegriffen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150323&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=10 ANNO], Salzburger Volksblatt, 3. Mai 1915, Seite 10</ref> | | Fluchtversuche waren selten und selten erfolgreich. 1915 gelang zunächst drei Gefangenen die Flucht, er im [[Hallein]]er Stadtteil [[Au (Hallein)|Au]] endete.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150227&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Volksfreund, 27. Februar 1915, Seite 6]</ref> Fünf weitere Gefangene wurden in [[Gaißau]] aufgegriffen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=lvb&datum=19150324&query=%22Russenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Linzer Volksblatt, 24. März 1915, Seite 5</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150323&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Oblt%22&seite=10 ANNO], Salzburger Volksblatt, 23. März 1915, Seite 10</ref> Zwei weitere wurden in der [[Stadt Salzburg]] aufgegriffen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150323&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=10 ANNO], Salzburger Volksblatt, 3. Mai 1915, Seite 10</ref> |
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| − | "''Entwichen und wieder eingefangen. Aus dem Kriegsgefangenenlager in St. Leonhard sind drei Russen in Zivilkleidung entwichen und wurden von der Gendarmerie in Ruhpolding bei [[Traunstein]] aufgegriffen und nach Traunstein eingeliefert.''"<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150710&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Juli 1915, Seite 4</ref> | + | "''Entwichen und wieder eingefangen. Aus dem Kriegsgefangenenlager in St. Leonhard sind drei Russen in Zivilkleidung entwichen und wurden von der [[Gendarmerie]] in Ruhpolding bei [[Traunstein]] aufgegriffen und nach Traunstein eingeliefert.''"<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150710&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Juli 1915, Seite 4</ref> |
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| − | Am [[20. April]] [[1916]] wurde vier Russen nach viertägiger Flucht in [[St. Gilgen]] aufgegriffen, nach sie dort zwei Säcke Weizenmehl und Kochgeschirr entwendet hatten.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160421&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 21. April 1916, Seite 4</ref> | + | Am [[20. April]] 1916 wurde vier Russen nach viertägiger Flucht in [[St. Gilgen]] aufgegriffen, nach sie dort zwei Säcke Weizenmehl und Kochgeschirr entwendet hatten.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160421&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 21. April 1916, Seite 4</ref> |
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| − | Auf der Flucht ''verunglückt'' sind zwei Russen, die sich im August 1916 von einer Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in Aigen-[[Glasenbach]] entfernten. Sie flüchteten in Richtung [[St. Jakob am Thurn]] über den [[Thurnberg]], wo sie in der Finsternis über einen steilen Abhang stürzten. Einer verletzte sich schwer und so schleppten sich beide zurück nach [[Oberalm]], wo sich augegriffen wurden.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19160805&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 5. August 1916, Seite 7</ref> | + | Auf der Flucht verunglückt waren zwei Russen, die sich im August 1916 von einer Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in der [[Gemeinde Aigen]]-[[Glasenbach]] entfernten. Sie flüchteten in Richtung [[St. Jakob am Thurn]] über den [[Thurnberg]], wo sie in der Finsternis über einen steilen Abhang stürzten. Einer verletzte sich schwer und so schleppten sich beide zurück nach [[Oberalm]], wo sich aufgegriffen wurden.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19160805&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 5. August 1916, Seite 7</ref> |
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| − | Im März [[1917]] entwich ein Russe von seiner Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in [[Bürmoos]], jedoch wurde er in [[Oberdorf]] wieder verhaftet.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19170323&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 23. März 1917, Seite 7</ref> | + | Im März 1917 entwich ein Russe von seiner Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in [[Bürmoos]], jedoch wurde er in [[Oberdorf]] wieder verhaftet.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19170323&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 23. März 1917, Seite 7</ref> |
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| − | Im Frühjahr [[1917]] wird eine ungewöhnliche Steigerung bei den Fluchtversuchen aus dem Lager Grödig festgestellt. Es wurden 65 entflohenen Kriegsgefangenen wieder festgenommen, davon hatten 17 Einbruchdiebstahl begangen. Die steigende Kriminalität sorgte insbesondere in der Gemeind [[Adnet]] für großen Unmut.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19180216&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=10 ANNO], Volksfreund, 16. Februar 1918, Seite 10</ref> | + | Im Frühjahr 1917 wurde eine ungewöhnliche Steigerung bei den Fluchtversuchen aus dem Lager Grödig festgestellt. Es wurden 65 entflohenen Kriegsgefangenen wieder festgenommen, davon hatten 17 Einbruchdiebstahl begangen. Die steigende Kriminalität sorgte insbesondere in der Gemeinde [[Adnet]] für großen Unmut.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19180216&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=10 ANNO], Volksfreund, 16. Februar 1918, Seite 10</ref> |
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| − | Am [[1. April]] [[1918]] brach im Lager ein Aufstand aus, an dem sich 3 000 Lagerinsassen aus den Reihen der Zivilflüchtlinge beteiligten. Dieser wurde unter Militäreinsatz ohne Blutvergießen beendet. | + | Am [[1. April]] 1918 brach im Lager ein Aufstand aus, an dem sich 3 000 Lagerinsassen aus den Reihen der Zivilflüchtlinge beteiligten. Dieser wurde unter Militäreinsatz ohne Blutvergießen beendet. |
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| − | Am [[3. November]] [[1918]] gelang 100 serbischen Offizieren die Flucht. Es gelang, diese schon wenige Stunden später wieder festzunehmen und eine Vereinbarung zu treffen, derartige Zwischenfälle hintanzuhalten. Den Gefangenen wurde unter anderem zugesagt, für ihren Heimtransport binnen einer Wochen sorgen zu wollen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wsz&datum=19181104&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 4. November 1918, Seite 5</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aze&datum=19181105&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=3 ANNO], Arbeiter Zeitung, 5. November 1918, Seite 3</ref> | + | Am [[3. November]] 1918 gelang 100 serbischen Offizieren die Flucht. Es gelang aber, diese schon wenige Stunden später wieder festzunehmen und eine Vereinbarung zu treffen, derartige Zwischenfälle hintanzuhalten. Den Gefangenen wurde unter anderem zugesagt, für ihren Heimtransport binnen einer Wochen sorgen zu wollen.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wsz&datum=19181104&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 4. November 1918, Seite 5</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aze&datum=19181105&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=3 ANNO], Arbeiter Zeitung, 5. November 1918, Seite 3</ref> |
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| | === Wie der Zufall im Kriege spielt === | | === Wie der Zufall im Kriege spielt === |
| | Die [[Salzburger Chronik]] berichtete am [[10. Juli]] 1915 über einen besonderen Zufall:<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150710&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Oblt%22&seite=3 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Juli 1915, Seite 3</ref> | | Die [[Salzburger Chronik]] berichtete am [[10. Juli]] 1915 über einen besonderen Zufall:<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150710&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Oblt%22&seite=3 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Juli 1915, Seite 3</ref> |
| | <blockquote>''Als kürzlich ein russischer Gefangenentransport im Lager Grödig ankam, gab es eine seltsame Szene. Einer der Russen, blondhaarig und blauäugig, eilte auf einen Wachsoldaten zu, der mit aufgepflanztem Bajonett vor einer Baracke auf Posten stand. Im nächsten Augenblick lagen sich die beiden einander in den Armen und küssten sich, derweil Tränen über ihre Wangen liefen. Erstaunen, Verwunderung, fragende Blicke ringsum, bei den Russen und den österreichischen Was war denn das gewesen?'' | | <blockquote>''Als kürzlich ein russischer Gefangenentransport im Lager Grödig ankam, gab es eine seltsame Szene. Einer der Russen, blondhaarig und blauäugig, eilte auf einen Wachsoldaten zu, der mit aufgepflanztem Bajonett vor einer Baracke auf Posten stand. Im nächsten Augenblick lagen sich die beiden einander in den Armen und küssten sich, derweil Tränen über ihre Wangen liefen. Erstaunen, Verwunderung, fragende Blicke ringsum, bei den Russen und den österreichischen Was war denn das gewesen?'' |
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| | ''Es waren zwei Vettern, Geschwisterkinder, die sich wiedergefunden hatten.'' | | ''Es waren zwei Vettern, Geschwisterkinder, die sich wiedergefunden hatten.'' |
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| | ''Es waren einmal zwei deutsche Brüder in Ungarn. Der eine war vor Jahren mit seiner Familie nach Russland gezogen, dort sesshaft und des Zaren Untertan geworden. Dass er der alten Heimat nicht vergessen, zeigte sich, da er seinen herangewachsenen Jungen zum daheimgebliebenen Bruder schickte, auf dass er mit dem gleichaltrigen Sohn desselben ein tüchtiger deutscher Bauer werde. Vor nicht viel mehr denn einem Jahre erst waren der junge Russe aus Ungarn heimgekehrt und bald darauf war der Krieg gekommen, der ihn in des Zaren Heer zwang gegen des Vaters Heimat, zu deren Schutz mit Ungarns Jugend auch sein Vetter aus zog, um nach schwerer Verwundung zu einer Wachabteilung zu kommen. Mehr als ein Jahr hatten die beiden Blutsverwandten, die Söhne von Brüdern, die der Frieden getrennt hatte, von einander nichts gehört, bis sie nun jetzt der Krieg zusammengeführt hat: als Gefangenen der einen und als dessen Wächter der anderen.''</blockquote> | | ''Es waren einmal zwei deutsche Brüder in Ungarn. Der eine war vor Jahren mit seiner Familie nach Russland gezogen, dort sesshaft und des Zaren Untertan geworden. Dass er der alten Heimat nicht vergessen, zeigte sich, da er seinen herangewachsenen Jungen zum daheimgebliebenen Bruder schickte, auf dass er mit dem gleichaltrigen Sohn desselben ein tüchtiger deutscher Bauer werde. Vor nicht viel mehr denn einem Jahre erst waren der junge Russe aus Ungarn heimgekehrt und bald darauf war der Krieg gekommen, der ihn in des Zaren Heer zwang gegen des Vaters Heimat, zu deren Schutz mit Ungarns Jugend auch sein Vetter aus zog, um nach schwerer Verwundung zu einer Wachabteilung zu kommen. Mehr als ein Jahr hatten die beiden Blutsverwandten, die Söhne von Brüdern, die der Frieden getrennt hatte, von einander nichts gehört, bis sie nun jetzt der Krieg zusammengeführt hat: als Gefangenen der einen und als dessen Wächter der anderen.''</blockquote> |
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| − | Die Illustrierte Kronen Zeitung berichtete am [[19. Juli]] 1916, dass ''"seit einiger Zeit zahlreiche Flüchtlinge aus der Bukowina und aus Wolhynien nach Salzburg überstellt und zum Großteil in die fast entvölkerten Lager Grödig und St. Leonhard untergebracht werden. Zur Auswaggonierung der Flüchtlinge, Greise, Frauen und Kinder, die mit Haustieren ankommen, wurden russische Kriegsgefangene kommandiert. Als vor einigen Tagen wieder ein Flüchtlingszug in der Station Grödig ankam, kam zu einem seltsamen ergreifenden Wiedersehen. Ein russischer Kriegsgefangener traf seine Frau und seine drei kleinen Kindern. Ein anderer Kriegsgefangener sah seine greisen Eltern wieder.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19160719&seite=533&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Gr%C3%B6dig%22 ANNO], Illustrierte Kronen Zeitung, 19. Juli 1916, Seite 5, mit Illustration auf der Titelseite</ref> | + | Die ''Illustrierte Kronen Zeitung'' berichtete am [[19. Juli]] 1916, dass "''seit einiger Zeit zahlreiche Flüchtlinge aus der Bukowina und aus Wolhynien nach Salzburg überstellt und zum Großteil in die fast entvölkerten Lager Grödig und St. Leonhard untergebracht werden. Zur Auswaggonierung der Flüchtlinge, Greise, Frauen und Kinder, die mit Haustieren ankommen, wurden russische Kriegsgefangene kommandiert. Als vor einigen Tagen wieder ein Flüchtlingszug in der Station Grödig ankam, kam zu einem seltsamen ergreifenden Wiedersehen. Ein russischer Kriegsgefangener traf seine Frau und seine drei kleinen Kindern. Ein anderer Kriegsgefangener sah seine greisen Eltern wieder.''"<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19160719&seite=533&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Gr%C3%B6dig%22 ANNO], Illustrierte Kronen Zeitung, 19. Juli 1916, Seite 5, mit Illustration auf der Titelseite</ref> |
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| | === Entlassung, Heimbeförderung und Demobilisierung === | | === Entlassung, Heimbeförderung und Demobilisierung === |
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| | Ab dem [[15. Jänner]] [[1919]] erfolgte die Schließung der Lager I und II. | | Ab dem [[15. Jänner]] [[1919]] erfolgte die Schließung der Lager I und II. |
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| − | Am [[7. Mai]] 1919 wurde das Kriegsgefangenenlager Grödig vom Staatsamt für Heerwesen der Materialverwertungskommission zur Verwertung übergeben. Am [[30. Mai]] erfolgte die Zusammenkunft der Kommission, bestehend aus bevollmächtigten Vertretern der Hauptanstalt für Sachdemobilisierung, des Staatsamtes für Heerwesen und des liquidierenden Kriegsministeriums, des Generalsekretärs der Landwirtschaftsgesellschaft Salzburg, eines Vertreters der Landeskommission für agrarische Operationen und der gesamten Materialverwertungskommission wurde folgendes Übereinkommen beschlossen: a) Der Abbau ist mit allen Mitteln zu beschleunigen. Jene Baracken, die bis Ende Juni nicht der Verwertung zugeführt werden, find abzutragen und das gewonnene Material als Abbruchsmaterial zu verwerten. d) Der frei gewordene Grund ist sofort neu zu vermessen. Zur Durchführung dieser Maßnahmen wird die Landwirtschaftsgesellschaft die Bildung einer Genossenschaft der Grundbesitzer durchführen. e) Zur Befriedigung der Ansprüche der Grundbesitzer bezüglich der Entschädigung ihrer Gründe stellt die Hauptanstalt einen Durchschnittspreis von 40 Heller per Quadratmeter zur Verfügung. Der hienach entfallende Geldbetrag wird bei der Länderbank in Salzburg als Kaution hinterlegt und van der Hauptanstalt am 1. Oktober 1919 als Kaution freigegeben, falls das liquidierende Kriegsministerium bis dahin eine Verpflichtungen nicht erfüllt hätte.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19190627&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 27. Juni 1919, Seite 5</ref> | + | Am [[7. Mai]] 1919 wurde das Kriegsgefangenenlager Grödig vom Staatsamt für Heerwesen der Materialverwertungskommission zur Verwertung übergeben. Am [[30. Mai]] erfolgte die Zusammenkunft der Kommission, bestehend aus bevollmächtigten Vertretern der Hauptanstalt für Sachdemobilisierung, des Staatsamtes für Heerwesen und des liquidierenden Kriegsministeriums, des Generalsekretärs der Landwirtschaftsgesellschaft Salzburg, eines Vertreters der Landeskommission für agrarische Operationen und der gesamten Materialverwertungskommission wurde folgendes Übereinkommen beschlossen: a) Der Abbau ist mit allen Mitteln zu beschleunigen. Jene Baracken, die bis Ende Juni nicht der Verwertung zugeführt werden, find abzutragen und das gewonnene Material als Abbruchsmaterial zu verwerten. d) Der frei gewordene Grund ist sofort neu zu vermessen. Zur Durchführung dieser Maßnahmen wird die Landwirtschaftsgesellschaft die Bildung einer Genossenschaft der Grundbesitzer durchführen. e) Zur Befriedigung der Ansprüche der Grundbesitzer bezüglich der Entschädigung ihrer Gründe stellt die Hauptanstalt einen Durchschnittspreis von 40 Heller per Quadratmeter zur Verfügung. Der hienach entfallende Geldbetrag wird bei der Länderbank in Salzburg als Kaution hinterlegt und von der Hauptanstalt am 1. Oktober 1919 als Kaution freigegeben, falls das liquidierende Kriegsministerium bis dahin eine Verpflichtungen nicht erfüllt hätte.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19190627&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 27. Juni 1919, Seite 5</ref> |
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| − | Im Mai und Juni [[1919]] wurden die Baracken abgebaut und an Interessenten abgegeben.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19190627&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22wache%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 27. Juni 1919, Seite 5</ref> | + | Im Mai und Juni 1919 wurden die Baracken abgebaut und an Interessenten abgegeben.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19190627&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22wache%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 27. Juni 1919, Seite 5</ref> |
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| | [[1920]] wurde auch die Kanalisationsanlage zerlegt und das Material verkauft.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19201026&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=8 ANNO], [[Salzburger Wacht]], 26. Oktober 1920, Seite 8</ref> | | [[1920]] wurde auch die Kanalisationsanlage zerlegt und das Material verkauft.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19201026&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=8 ANNO], [[Salzburger Wacht]], 26. Oktober 1920, Seite 8</ref> |
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| | * [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=60707 11. November 2018] | | * [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=60707 11. November 2018] |
| | * [https://salzburg.orf.at/v2/news/stories/2636949/ salzburg.orf.at] "Das „vergessene“ Russen-Lager Grödig", 2015 | | * [https://salzburg.orf.at/v2/news/stories/2636949/ salzburg.orf.at] "Das „vergessene“ Russen-Lager Grödig", 2015 |
| − | * [[ANNO]]-Recherche von Mag. [[Benutzer:Xxlstier|Thomas Schmiedbauer]]
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